Die Geschichte des Schweizer Rollhockeys beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach einer ersten Meisterschaft 1910 in Genf wurde im Januar 1911 dort die «Fédération suisse de hockey sur patins à Roulettes» gegründet. In Montreux wurde ebenfalls 1911 der erste Schweizer Rollhockeyverein gegründet, der HC Montreux gehört damit weltweit zu den ältesten Vereinen dieses Sports.Journal de Genève, 17. Januar 1911.
Mehr als ein Jahrzehnt später, im Jahr 1924, wurde der Rollsportverband (SRV) gegründet, der nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Rollhockeyaner beheimatete. Dieser Verband existiert bis heute und organisiert die Rollkunstlauf- und Speedskating-Wettbewerbe. Oftmals wird das Startdatum der Schweizer Meisterschaft aufgrund eines PresseartikelsJournal de Genève, 8. April 1932, Seite 6. von 1932 auf dieses Jahr datiert, doch es gab nachweislich bereits ab 1910 Meisterschaftsbetrieb im Schweizer Rollhockey, wenn auch mit Unterbrüchen. Ab 1947 übernahm der neu gegründete Schweizerische Rollhockey-Verband SRHV die Ausrichtung der Meisterschaften und Pokalwettbewerbe.
Kriegsausbruch Über die Jahre unmittelbar nach Kriegsausbruch war in der Presse wenig zu lesen. Das Kriegsgeschehen prägte auch die Pressemeldungen. So ist auch in einer Abfassung des RC Zürich zur Geschichte des Clubs zu lesen, dass man während der „Aktivdienstzeit“ nur mit einem „Rumpfteam“ antreten konnte.F. Läubli, Jubiläumsschrift RC Zürich, 1983, Uster. Doch das Schweizer Rollhockey kam nicht zum Stillstand, auch in den ersten beiden Kriegsjahren 1939Rollhockey.ch sowie Tribune de Lausanne, 3. Juli 1939, Seite 5 und Feuille d’avis de Lausanne, 3. Juli 1939, Seite 11. und 1940Gazette de Lausanne, 14. April 1941, Seite 2. wurde der Montreux HC Schweizermeister. Es wurde demnach eine Meisterschaft gespielt. 1941 wurde mit dem RHC Lausanne ein neuer Verein gegründet. An der Gründungsversammlung stellte der damalige Nationaltorhüter M. Emile Crosa den Anwesenden den Rollhockeysport vor.Gazette de Lausanne, 18. Februar 1941, Seite 2.
Aus der Presse war auch zu vernehmen, dass es Ende März 1940 eine Begegnung zwischen der Schweiz und Italien gab. Diese fand im HallenstadionF. Läubli, Jubiläumsschrift RC Zürich, 1983, Uster. [Der Artikel hat einige Ungereimtheiten, stimmt aber in Bezug auf die Lokalität mit anderen Meldungen überein.] und Gazette de Lausanne, 1. April 1940, Seite 3. statt. Die Schweizer Nationalmannschaft setzte sich aus den besten Spielern aus Montreux und Zürich zusammen.Gazette de Lausanne, 15. März 1940, Seite 4. Italien siegte mit 7:1, die Zürcher Auswahl bezwangen sie am Vortag mit 8:1.Gazette de Lausanne, 1. April 1940, Seite 3 und Feuille d’avis de Lausanne, 1. April 1940, Seite 24 und Tribune de Lausanne, 1. April 1940, Seite 6.
Im April 1941 empfing der Montreux HC als Schweizer Meister den französischen Champion Lyon H.C. zum Gastspiel. Die beiden Mannschaften absolvierten zwei Spiele, wobei Montreux siegte.Gazette de Lausanne, 14. April 1941, Seite 2. Der Montreux HC führt diese beiden Partien in der Liste der Coupe des Nations als 19. Osterturnier. Montreux machte sich im Dezember auch auf nach Lyon, wo sie im Palais d’hiver 3:2 gewannen. Dies sollten die letzten bekannten, internationalen Rollhockeyspiele während des Krieges bleiben.Gazette de Lausanne, 17. Dezember 1941, Seite 2.
1942 – Der Zürcher RSC Meister Auch in den Kriegsjahren war der Montreux HC in der Schweizer Meisterschaft wie auch seit der ersten SRV-Meisterschaft 1924 dominant. Im Jahr 1942 gewann dann der Zürcher RSC den Meistertitel., 10. Mai 2017 (PDF; 20 kB). Der Roller Club Zürich erwähnt in seiner Geschichtsschreibung, dass der Zürcher RSC Montreux bezwungen habe, doch der Roller seinerseits mit einem Sieg über den RSC ein Entscheidungsspiel um den Meistertitel verhindert habe.F. Läubli, Jubiläumsschrift RC Zürich, 1983, Uster. Die Gazette de Lausanne und das Journal de Genève vermeldet hingegen, dass ein solches Entscheidungsspiel zu erwarten sei, da anlässlich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung zwei Proteste zum letzten Spieltag eingegangen seien.Gazette de Lausanne, 20. Oktober 1942, Seite 6, Journal de Genève 20. Oktober 1942, Seite 6. Dass es zu einem Entscheidungsspiel in Olten kommen sollte, welches auch in der Tribune de Lausanne erwähnt wird, war klar.Tribune de Lausanne, 17. September 1942, Seite 4. Doch die Tribune de Lausanne vermeldete am 28. Oktober, dass der Verband die Reglemente so ausgelegt habe, dass der Zürcher RSC ohne Entscheidungsspiel Meister sei.Tribune de Lausanne, 28. Oktober 1942, Seite 6. Das bestätigen anschliessend die Zeitungen Die TatDie Tat, 27. September 1943, Seite 6. und die Tribune de Lausanne.Tribune de Lausanne, 29. Juli 1944 Seite 6.
Neue Clubs in Zürich Dass Zürich in der Kriegszeit das Rollhockeyzentrum der Schweiz war, lässt sich anhand des Palmarès von Montreux heute kaum mehr erahnen. Eine Vielzahl von Mannschaften waren in den Kriegsjahren in Zürich aktiv. 1942 wurden mit Fortuna und Rollsport zwei neue Zürcher Clubs in den SRV aufgenommen.Gazette de Lausanne, 19. Mai 1942, Seite 2. So waren folgende Zürcher Clubs in den Kriegsjahren in der Schweizer Meisterschaft: Zürcher Rollschuh-Klub (Zürcher RSC oder Zürich RSC genannt), Roller-Klub Zürich (Roller Club Zürich oder Roller Zürich), Rollsport Fortuna Zürich (Fortuna oder Rollsport Fortuna), RC/HC Élite Zürich (Elite oder Élite Zürich) und der Rollsport-Klub Zürich (Rollsport Zürich, RSC Zürich).Die Tat, 3. September 1945, Seite 3, Die Tat 22. Januar 1945, Seite 6 und Die Tat, 9. Oktober 1944 und Seite 5, Gazette de Lausanne, 24. Januar 1945, Seite 4. Neben diesen fünf Clubs gab es in Zürich Ende der 1950er Jahre noch den Verein Roll- und Eis Zürich, der auch Rollhockey betrieben hat.Die Tat, 22. Juni 1958, Seite 6 und 20. August 1960, Seite 7.
Doch die Dominanz von Zürich währte nur kurz. Im Jahr 1943 konnte der Montreux HC dann den Schweizer Meistertitel in der Meisterschafts-Endrunde holen. Die an einem Turnier ausgespielte Meisterrunde schlossen sie vor Genf H.C und dem Zürcher RSC sowie dem RS Basel ab.Freiburger Nachrichten, 4. Oktober 1943, Seite 2 und Die Tat, 27. September 1943, Seite 6.
20 Jahre SRV und die Aufnahme in den SLL Ins Rollhockeyjahr 1944 startete der Zürcher RSC gegen Montreux mit einem fulminanten Sieg. «Die Revanchepartie», wie die Zeitung Die Tat am 10. April vermerkte, ging mit 7:2 an das Heimteam, womit sich die Zürcher für die verlorene Meisterschaft 1943 revanchierten. Letztlich sicherte sich der Montreux HC den Titel 1944.Journal de Genève, 28. August 1944, Seite 5 und Feuille d’avis de Lausanne 3. Januar 1945 Seite 18. Montreux B nahm ebenfalls an der Finalrunde der besten vier Teams teil.Gazette de Lausanne, 31. Juli 1944, Seite 2.
Für das 20-jährige Bestehen des SRV waren ursprünglich Feierlichkeiten am 8. April 1944 in Montreux geplant.Die Tat, 11. Januar 1944, Seite 6. Diese wurden aber nach dem heutigen Wissensstand so nicht abgehalten. Das Jubiläum wurde in Zürich gefeiert. Das Highlight, neben Showlaufen und einem Jubiläumsball, bildete das Rollhockeyspiel zwischen der Deutschschweiz und der Westschweiz in der Stadthalle.Die Tat, 8. Oktober 1944, Seite 3. Es war zu dieser Zeit durchaus üblich, dass Rollhockeyspiele und Kunstlaufevents sowie verschiedene Schnelllaufrennen zeitgleich abgehalten wurden. Die Veranstaltung verlief nach Darstellung des Journalisten jedoch nicht so erfolgreich wie geplant. Bloss 500 bis 600 Personen hätten den Weg in die Halle gefunden. Am Samstagnachmittag massen sich fünf Mannschaften miteinander. Élite Zürich schaffte es nur auf Rang fünf, womit sich die Mannschaft nicht für die abendlichen Finalspiele qualifizierte. Diese absolvierten nach der Begrüssung von SRV-Präsident Arnold Wehrle Roller Zürich und der RS Basel um den 3. Rang (2:5) und der Zürcher RSC gegen den Montreux HC um den Turniersieg. Die Partie entschied der Montreux HC mit 10:9 (5:7) für sich, weil die Waadtländer die Partie in der zweiten Halbzeit drehten. Das Duell zwischen der Deutsch- und Westschweiz ging mit 9:5 an die Deutschschweizer.Die Tat, 9. Oktober 1944, Seite 5 und Gazette de Lausanne, 9. Oktober 1944, Seite 4. Arnold Wehrle wurde erst 1943 an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung zum Präsidenten des SRV ernannt. Damals wurde das gesamte Komitee erneuert und man erhoffte sich von den neuen Personen mehr Elan für die Entwicklung der Sportarten.Gazette de Lausanne, 28. Juli 1943, Seite 2 und Tribune de Lausanne 26. Juli 1943, Seite 6. Die Meinungsverschiedenheiten und die unterschiedlichen Auffassungen zwischen Clubs und Zentralvorstand zeichneten sich schon 1942 ab. Die Gazette de Lausanne schrieb von einer angestrebten Statutenänderung, die keinem Club zu viel Einfluss gewähren sollte.Gazette de Lausanne, 19. Mai 1942, Seite 2. Montreux veranstaltete Anfang November ein Turnier, das wiederum die Begegnungen zwischen den Westschweizern und den Deutschschweizern auf dem Programm hatte. Eine erste Partie endete 5:5 unentschieden, die zweite Begegnung entschieden die Romands mit 7:3 für sich.Gazette de Lausanne, 8. November 1944, Seite 2.
Neben dem Jubiläum vom Oktober gab es weitere Highlights in diesem Jahr. Am 5. und 6. August trug man anlässlich der Jeux de Genève ein nationales Rollhockeyturnier aus.1943 war Rollhockey auch Teil des Programmes der «Jeux de Genève», Journal de Genève 6. August 1943, Seite 5 und Journal de Genève, 1. August 1944, Seite 7 und Journal de Genève, 3. August 1944, Seite 7. Der Zürcher RSC entschied dieses für sich, gewann sowohl gegen den Schweizermeister Montreux wie auch das Finale gegen die Equipe des Genf HC. Der Roller Club Zürich musste sich im Spiel um Rang drei, dem Verliererfinale gegen Montreux geschlagen geben.Die Tat, 7. August 1944, Seite 6 und Journal de Genève, 7. August 1944, Seite 4. Dies waren insofern erwähnenswert, da der Genève H.C. grosse Schwierigkeiten mit einer Rollhockeypiste hatte. Der Club, der sich zuerst Carouge H.C, dann Servette H.C. und im Endeffekt Genève H.C. nannte, hatte keine adäquate bespielbare Piste und musste alle Spiele auswärts bestreiten.Journal de Genève, 14. Oktober 1943, Seite 6. Dieses Problem sollte sich auch 1945 noch nicht gelöst haben, doch für die Jeux de Genève wurde jeweils eine Rink bereitgestellt.Freiburger Nachrichten, 22. Dezember 1945, Seite 3.
Ein wichtiger Schritt gelang dem SRV 1944 auch mit der Aufnahme in den Schweiz. Landesverbandes für LeibesübungenFreiburger Nachrichten, 27. März 1944, Seite 2.. Seither ist Rollsport und Rollhockey ein Bestandteil des Schweizer Sportsystems.
Neuer Meisterschaftsmodus Die Zürcher Dominanz betreffend der Anzahl an Mannschaften und Clubs zeigte sich vor allem auch, als ab 1945 ein neuer Modus für die Schweizer Meisterschaft eingeführt wurde. Die Austragung 1945 wurde in zwei Serien organisiert.Die Tat 22. Januar 1945, Seite 6 und Gazette de Lausanne, 24. Januar 1945, Seite 4. Eine Spezialkommission für den Meisterschaftsmodus wurde damit bereits im Vorjahr beauftragt.Die Tat, 11. Januar 1944, Seite 6 und Gazette de Lausanne, 20. März 1944 Seite 4. In der Serie A spielten Montreux HC A, Montreux HC B, Zürcher Rollschuhclub, Roller Zürich und Rollsport Fortuna. Die zweite Liga (Serie B) bildeten der Genève HC, der RS Basel, Élite Zürich, Rollsport Zürich, Zürcher Rollschuhclub B und eventuell sogar Roller Zürich B und Rollsport Fortuna B.Gazette de Lausanne, 24. Januar 1945, Seite 4.
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