Christophe Colomb (deutscher Titel: Christoph Kolumbus) ist eine Oper in zwei Teilen und 27 bzw. 24 Bildern von Darius Milhaud (Musik) mit einem Libretto von Paul Claudel nach dessen Schauspiel Le livre de Christophe Colomb aus dem Jahr 1927. Die Oper wurde am 5. Mai 1930 in deutscher Sprache an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin uraufgeführt. Die Uraufführung der Zweitfassung fand konzertant am 31. Mai 1956 im Théâtre des Champs-Élysées in Paris und szenisch am 21. oder 27. Juni 1968 im Opernhaus Graz statt.
Handlung
Die hier angegebene Szenenfolge bezieht sich auf die Zweitfassung der Oper. In der Erstfassung werden die beiden Teile in umgekehrter Reihenfolge gespielt. Sie sind dort in 27 Bilder unterteilt.
Erster Teil
„Ouvertüre“, leere Bühne. Colomb betet. Das Volk unterhält sich über seine Entdeckungen und die Reichtümer der neuen Welt. Der Erzähler schlägt „Das Buch von Christophe Colomb“ auf.
1. Bild. „Der König von Spanien und die drei Weisen“, Thronsaal. Nach der Rückkehr Colombs und der Entdeckung Amerikas berät sich der König mit seinen drei Weisen, wie er sich Colomb gegenüber verhalten solle. Die Weisen weisen darauf hin, dass Colomb bereits jetzt zu überheblich geworden sei. Sie empfehlen, ihn zu ehren, zu beobachten und zu beerdigen.
2. Bild. „Christophe Colomb hält den Mast“, an Bord einer Karavelle. Colomb wird festgenommen und in Ketten nach Spanien gebracht. Unterwegs bricht ein heftiger Sturm aus und bedroht das Schiff. Der Kapitän und die Matrosen flehen Colomb an, sie zu retten. Sie glauben, dem Schiff könne nichts geschehen, solange Colomb den Mast halte. Der Teufel in Gestalt des Kochs versucht Colomb zu überreden, loszulassen, um sich an seinen Peinigern zu rächen. Colomb besänftigt die erste Sturmböe mit einem Bibelspruch: „Im Anfang war das Wort“. Als der Sturm erneut auszubrechen droht, ruft er aus: „Da war ein Mann, genannt Johannes“. Diesen Satz wiederholt er mehrfach, zuletzt abgewandelt als „Da war ein Mann, genannt Christophe Colomb“. Plötzlich tritt Stille ein. Der Koch erklärt, dass sie sich im Auge des Taifuns befinden.
3. Bild. „Das Gewissen des Christophe Colomb“, wie I:2. Colomb und der Koch befinden sich innerhalb von Colombs Gewissen. Der Koch erinnert ihn an seine Sünden, die niedergemetzelten amerikanischen Ureinwohner und die Sklaverei, die wieder in die Welt kam, nachdem er die mitgebrachten Indianer in Sevilla verkaufte. Colomb rechtfertigt sich damit, dass er kein Gold hatte und seine Reisen irgendwie bezahlen musste. Er habe zwar versprochen, die Düsternis aus der Welt zu schaffen, nicht aber das Leiden. Colombs Frau und seine Mutter klagen ihn an, sie im Stich gelassen zu haben. Auch sein eigener Schatten wendet sich gegen ihn: Er habe seine Ziele nicht erreicht. Der Koch teilt ihm mit, dass nicht einmal das von ihm entdeckte Land seinen Namen trage, sondern den des italienischen Kaufmanns Amerigo Vespucci. Colomb antwortet erschüttert mit den Worten des Psalmisten: „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir“.
4. Bild. „Christophe und Isabelle“, eine spanische Hafenstadt. Zurück in der Heimat hofft Colomb auf Hilfe durch Königin Isabelle. Ein Bote teilt ihm mit, dass diese bis zuletzt an seiner Seite gestanden habe, aber kürzlich verstorben sei. Eine Trauergesellschaft mit einem Kreuz erscheint hinter den Bäumen. Der Bote tröstet Colomb damit, dass die Königin noch bei ihrem Tod seinen Namen auf den Lippen getragen habe.
5. Bild. „Die Herberge von Valladolid“. Colomb befindet sich in einer armseligen Herberge. Der Wirt droht, sein Maultier zu beschlagnahmen, wenn er nicht bis morgen zahle. Colomb fühlt sich von Gott verlassen. Sein Schatten bittet vergeblich das Volk um Hilfe. Stattdessen verheißt ihm der Erzähler, dass man ihn wie einen Gott verehren werde.
6. Bild. „Im Paradies der Idee“, im himmlischen Majorca, eine Landschaft wie im Raureif. Isabelle befindet sich mit ihren Hofdamen in ihrem Garten. Landschaft, Gegenstände und Personen sind weiß, da es sich um das Paradies handelt. Alle erweisen Isabelle die Ehre und überreichen ihr Geschenke. Der Sultan von Miramolin bringt ihr auf einem Kissen zwei Schlüssel zum Paradies. In seinem irdischen Leben hatte er ihr eine Taube gebracht, deren Käfig jetzt leer ist. Das erinnert sie an ihren Freund Christophe Colomb, den sie hier vermisst. Ein Bote berichtet, dass Colomb auf einem Strohbett im Sterben liege und nicht kommen wolle. Er habe sich außerdem geweigert, ihr ihren Ring zurückzugeben, sondern wolle stattdessen sein Maultier schicken, seinen letzten Besitz. Isabelle lässt es sich sofort bringen. Es ist geschmückt und mit Glöckchen und silbernen Federn versehen. Isabelle reitet darauf in ihr neues Königreich Amerika, das sich als Teppich vor ihr ausbreitet. Nach und nach verschwindet das Bühnenbild, als würden nacheinander mehrere Schleier zurückgezogen. Übrig bleibt blaue sternenhelle Nacht.
7. Bild. „Halleluja“, wie I:6. Der Heilige Jakob leitet Isabelle bei ihren Schritten in die Neue Welt, auf seinen Schultern die Säulen des Herakles. Der Himmel ist wie ein astronomisches Sternenbild von unzähligen weiße Tauben bedeckt. Isabelle vermisst nur eine: Christophe Colomb. Sie betet mit dem gesamten Hofstaat zur Mutter Gottes für seine Seele.
Zweiter Teil
1. Bild. „Prozession“, leere Bühne. Soldaten und Hellebardiere aus Aragon und Kastilien tragen „Das Buch von Christophe Colomb“ herein, gefolgt vom Erzähler. Die Träger legen das Buch auf ein Pult. Der Erzähler öffnet es, um daraus vorzutragen.
2. Bild. „Gebet“. Nach dem Abzug der Träger beginnt der Erzähler seine Geschichte über den Entdecker Christophe Colomb mit einem Gebet an den allmächtigen Gott.
3. Bild. „Und die Erde war wüst und leer“. Christophe Colomb (Colomb I) trifft alt und verarmt mit seinem Maultier in einer Herberge ein und packt seinen Koffer aus. Darin befinden sich Bücher, das Bild einer Frau und Ketten.
4. Bild. „Christophe Colomb und die Nachwelt“. Stimmen rufen Colombs Namen. Es ist die Nachwelt, die über ihn urteilen wird. Er soll die Grenze des Todes überschreiten und in eine höhere Region vorstoßen. Dort wird er sehen, was er alles erreicht und entdeckt hat, ohne es selbst zu erkennen. Colomb überschreitet die Linie und nimmt auf dem für ihn bestimmten Thron zwischen den Repräsentanten der Nachwelt Platz. Auch ein Ankläger befindet sich dort und warnt ihn vor unbedachten Äußerungen, denn er werde die Rechte der freien Kritik wahren.
5. Bild. „Die vier Quadrillen“. Thronsaal des Königs von Spanien, auf der Leinwand eine Karte des neu entdeckten Amerika. Vier von prächtig gekleideten Damen angeführte Quadrillen betreten den Saal. Sie repräsentieren Neid, Dummheit, Eitelkeit und Geiz und bewegen sich auf einem auf dem Boden vorgezeichneten Schachbrettmuster in verschiedene Richtungen. Der Ankläger erhebt sich zur Verteidigung des Königs, dem Colombs Verteidiger vorwirft, das Genie zu unterdrücken. Der Ankläger erinnert daran, dass der König Colomb unterstützt und mit Schiffen ausgerüstet habe. Dieser habe jedoch nicht gewusst, was er entdeckt habe und die Traditionen Spaniens in Unordnung gebracht. Selbst sein Name sei eine Lüge. Colomb selbst (in seiner irdischen Gestalt als Colomb II) widerspricht. Er habe aus Liebe zur Welt Gottes gehandelt. Sein Vorname bedeute „Christusträger“ und sein Nachname (die Taube) stehe für das Licht, den Geist und die Flügel.
6. Bild. „Angriff der Tauben“, wie II/5. Die Szene füllt sich mit einem Wirbelwind aus weißen Tauben, die die Gestalten der Quadrille vertreiben. Jemand fängt eine der Tauben.
7. Bild. „Der Hof Isabelles der Katholischen“, Garten in Aragonien. Die kindliche Isabelle befindet sich mit ihren Hofdamen in ihrem Garten. Andere Kinder sind als Soldaten, Richter, hohe Beamte, Ärzte und Astronomen gekleidet. Alle erweisen ihr die Ehre und überreichen Geschenke. Sultan Miramolin trifft mit seinem Gefolge (ebenfalls Kinder) ein und bringt ihr eine Taube in einem Käfig. Isabelle nimmt die Taube heraus, befestigt einen Ring an ihrem Fuß und lässt sie fliegen.
8. Bild. „Die Taube über dem Meer“. Die Taube fliegt nach Genua.
9. Bild. „Die Berufung von Christophe Colomb“, ärmliche Weberstube in Genua. Der Ankläger bezweifelt, dass Colomb wirklich edler Abstammung sei, wie er immer behaupte. Sein Vater sei Weber gewesen. Man sieht Colombs Elternhaus in Genua und seine ärmliche Familie. Während seine alte Mutter spinnt, liest Colomb im Reisebericht Marco Polos. Ein Mann erscheint am Fenster und fordert ihn auf, zum Hafen zu gehen. Gott selbst verlange, dass er seine Familie verlasse und in die Welt hinaus in den Westen ziehe. Eine beringte Taube flattert in den Raum. Colombs Schwester nimmt sie in die Hand und gibt sie ihm.
10. Bild. „Christophe Colomb am Ende der Welt“, Strand auf den Azoren. Colomb hat Genua verlassen und erreicht auf dem Weg in den Westen die Azoren, die er für das Ende der Welt hält. Dort findet er ein Schiffswrack und einen alten sterbenden Matrosen inmitten von Seegöttern und Nereiden. Colomb fragt diesen, ob es im Westen noch eine weitere Welt gebe. Einige Stimmen verheißen ihm eine Welt voller Gold und Reichtümer. Andere dagegen warnen, die vermeintlichen Inseln seien Wale und Seeungeheuer. Als der alte Mann stirbt, ist sich Colomb sicher, dass es im Westen Land gibt.
11. Bild. „Christophe Colomb und seine Gläubiger“, Lissabon. Colomb kehrt nach Lissabon zurück. Dort glaubt man ihm nicht. Seine Geschäfte und seine Ehe scheitern. Er sehnt sich nach dem Westen. Drei Gitarrenspieler verspotten ihn und fordern ihn auf, seine Schulden zu bezahlen. Als drei Gläubiger ihr Geld zurückverlangen, verspricht Colomb ihnen, sie nach seiner nächsten Reise mit dem „Gold der untergehenden Sonne“ zu entschädigen. Er ist sich sicher, dass der König ihm Schiffe geben werde. Die Gläubiger akzeptieren widerstrebend.
12. Bild. „Christophe Colomb will vor den König“, am Hof. Auf der Treppe zum Palast bittet Colomb den Haushofmeister um eine Audienz beim König. Er habe keine Forderungen, sondern wolle ihm etwas anbieten. Die Höflinge lachen ihn aus, denn nach der Vertreibung der Mauren besitze der König bereits ganz Spanien. Auch der Ring der Taube, den Colomb als Beweis für seine göttliche Sendung vorzeigt, wird verspottet. Ein junger Mann meint, er solle ihn für seine Frau behalten. Ein Gelehrter und zwei alte Männer lachen über seine Behauptung, die Erde sei rund. Schließlich gelingt es Colomb, den Haushofmeister mit seinem letzten Geld zu bestechen und vorgelassen zu werden.
13. Bild. „Isabelle und der heilige Jakob“, Kapelle. Isabelles Gedanken sind erfüllt von den Kriegsgeschehnissen der Eroberung Granadas. Sie betet zu Gott um ihren Tod, da sie ihr Werk vollendet sieht. Der Heilige Jakob erscheint mit dem Schwert in der Hand am Kirchenfenster, über ihm eine Taube. Er verwandelt sich vom Soldaten in einen Pilger, und in der Ferne zeigt sich die Stadt Compostela. Mit der Stimme des Chores erinnert er sie an die Taube, den Christusträger und ihren Ring, den sie erst kürzlich am Finger dieses Verrückten wieder sah. Jetzt weiß sie, was sie zu tun hat.
14. Bild. „Die Anwerbung der Besatzung für die Karavellen“, Hafen von Cadiz. Der König hat für Colomb drei Schiffe ausgerüstet: die Santa Maria, die Nina und die Pinta. Auf Plakaten wird um Matrosen geworben. Eine Menschenmenge diskutiert aufgeregt über das Ereignis. Bettler und gefesselte Sträflinge werden hergeführt, um ebenfalls an Bord zu arbeiten.