mini|Grablegungsikone aus der Schule von Andrei Rubljow, 1425–27.
Die orthodoxe Grablegungsikone stellt die Grablegung Jesu in einer für die westliche Tradition ungewohnten Form dar. Bei aller Verschiedenheit der Einzelheiten beinhaltet diese Ikone immer die gleichen Symbole und Typen.
Motiv Die Ikone nimmt Bezug auf das Evangelium nach Markus, Kapitel 15, Verse 42–47:
Jesu Grablegung. 42 Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, 43 kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete; der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. 44 Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot war, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon länger gestorben wäre. 45 Und als er's erkundet hatte von dem Hauptmann, überließ er Josef den Leichnam. 46 Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab vom Kreuz und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. 47 Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt war.Markus Kapitel 15, Verse 42–47 bei die-bibel.de (Lutherbibel 2017).
Ikonenzyklus der Passion Jesu Christi mini|Vierteilige Ikone, Pskow-Schule, Einfluss von Ivan Wiskowatow (1547–1551). Die Grablegungsikone gehört zu den Passionsikonen. Diese umfassen die Motive Der Kuss des Judas Das Urteil des Pilatus Die Geißelung Jesu Jesus mit der Dornenkrone Das Tragen des Kreuzes auf dem Kreuzweg Die Kreuzigung Jesu Abnahme vom Kreuz und Grablegung
Als sich an die Grablegungsikone anschließendes Motiv hat sich die Grabversiegelungsikone entwickelt.
Darstellung Das Bild stellt die Grablegung vor abstrakten und bizarren Felskonstruktionen dar und wird besonders in der älteren Ikonenmalerei oft durch die Mauern Jerusalems abgeschlossen. Die Komposition ist durch die Waagerechte der weißen Leinentücher Jesu geprägt, welche durch die klagende, üblicherweise in Rot dargestellte Maria Magdalena in der Senkrechten durchschnitten wird. Die weinende Maria und die beiden Jünger sind auf das Haupt Jesu ausgerichtet, die Linie der oberen Figuren verläuft parallel zu dieser Ausrichtung. In der Regel befindet sich im Hintergrund der Grablegungsszene das Kreuz, an welchem Jesus starb. Hierdurch kann es aus westlicher Sicht zu Verwechslungen mit den Motiven der Kreuzabnahme oder der Beweinung Jesu kommen.
Eine Ausnahme bildet beispielsweise eine Grablegungsikone der nordrussischen Schule vom Ende 15. Jahrhundert.Tretjakow-Galerie, Moskau, Russland, Inventar-Nummer 12041; Vgl. Konrad Onasch: Ikonen, Sammelmappe Band 5, Tafeln 102 bis 125, Union Verlag (VOB), Berlin 1973, Nr. 105: Grablegung. Konrad Onasch beschrieb die Spezialität der vermutlich Kargopoler Arbeit in seiner Reihe Ikonen:
Im Barock erfolgte eine Fortentwicklung des Motivs u. a. von Georgii Zinowjew, der nach 1667 das ikonographische Thema ganz nach der künstlerischen Auffassung der Zarenfamilie wiedergab.Vgl. Konrad Onasch: Ikonen, Sammelmappe Band 6, Tafeln 128 bis 151, Union Verlag (VOB), Berlin 1974, Nr. 143, Grablegung. Zu dieser Zeit regierten die russischen Zaren Alexei I., Fjodor III. und Sofia Alexejewna.
Verwendung mini|Ikonostase der Sophienkathedrale von Nowgorod (von 1509). Die Grablegungsikone findet Verwendung nicht nur als FesttagsikoneVgl. Dodekaórton., sondern auch in der Ikonostase (z. B. in der Sophienkathedrale von NowgorodСнятие со креста, Положение во гроб, Жены мироносицы у гроба Господня Лаврентьев Андрей, Дерма Иван Ярцев. Школа или худ. центр: Новгород. 1509 г. Дерево, темпера. Оклад — серебро, басма, золочение, оброн, эмаль, вторая треть XVI в. Собор Святой Софии, Новгород, Россия, Инв. Соф. 52.). Darüber hinaus ist sie das typische Motiv auf einem Antimension:
Antimension
mini|Siberbesticktes Antimension mit der Grablegungsszene (etwa 1540–1560), Benaki-Museum, AthenEntstanden im Osmanischen Reich während der Besetzung Griechenlands durch die Türken.. mini|DespoinetaDespoineta war eine griechische Stickerin in Konstantinopel, die seit jungen Jahren bevorzugt für den dortigen Patriarchen arbeitete, sie lebte von 1682 bis 1723, ihre Kunstfertigkeit ist ab 1689 nachgewiesen (zur Zeit von Kallinikos II.). Vgl. Despoineta: Epigonation von 1689 (Byzantinisches und Christliches Museum, Athen). (1682 – 1723): Beweinung Jesu Christi, Goldbestickte textile Ikone für die Liturgie des Epitaphs, Benaki-Museum, Athen. Das Antimension ist das wichtigste Altartuch der orthodoxen Kirchen und der katholischen Ostkirchen. Es steht im Byzantinischen Ritus in der Tradition des frühchristlichen Märtyrergrabs, ähnlich dem Altarstein der Westkirche. Im Antimension ist die Reliquie eines Heiligen eingenäht. Ohne ein Antimension kann keine göttliche Liturgie gefeiert werden. Das häufig auftretende ikonographische Motiv der Grablegung auf dem Antimension wird im Westen wegen der Kreuzesdarstellung oft mit der Beweinung Jesu verwechselt – manchmal sogar mit dem Motiv der Kreuzabnahme. Die Beweinung Jesu gehört in der Orthodoxie allerdings zu einem gänzlich anderen Typus, der Beweinungsikone. Zwischen diesen beiden traditionellen Motiven gibt es erhebliche, im Laufe der Kirchengeschichte verfestigte Unterschiede.
Literatur Konrad Onasch: Ikonen, Sammelmappe Band 5, Tafeln 102 bis 125, Union Verlag (VOB), Berlin 1973, Nr. 105 Grablegung. Irina Kyzlasova: Russian Icons 14th–16th centuries. The History Museum, Moscow. Aurora Art Publishers, Leningrad 1988, ISBN 5-7300-0020-0, Tafeln 64–66, The Pskov School. Church Feasts tier. Victor Nikitich Lasarev (1897–1976): The double-faced tablets from the St. Sophia Cathedral in Novgorod. Pages from the history of Novgorodian painting. Iskusstvo Art Publishers, Moskau 1983, Plate XV: Request for Christ’s body. Descent from the cross. The Entombment. Holy woman at the sepulchre.
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Einzelnachweise
Kategorie:Ikone Kategorie:Christliche Ikonografie Kategorie:Passionsbild Kategorie:Personendarstellung (Jesus von Nazareth) Kategorie:Bestattung (Christentum)