Wahlscheid ist ein Stadtteil von Lohmar im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Bis zum 1. August 1969 war Wahlscheid eine eigenständige Gemeinde,Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn (Bonn-Gesetz) vom 1. Juli 1969; § 13 zu der auch die heutigen Lohmarer Stadtteile Agger, Dahlhaus, Durbusch, Hausen, Höffen, Honrath, Hove, Mackenbach, Münchhof, Neuhonrath, Oberstehöhe und Scheid gehörten.
Lage und Beschreibung Der Ort liegt ca. sechs Kilometer nördlich vom Hauptort Lohmar direkt an der Bundesstraße 484. Wahlscheid wird aufgrund seiner Lage im unteren Aggertal auch als das „Tor zum Bergischen Land“ bezeichnet. Wahlscheid liegt größtenteils im Tal der Agger und ist von kleinen Ortschaften und Dörfern an den Berghängen umgeben, die früher zur ehemaligen amtsfreien Gemeinde Wahlscheid gehörten. An der rechten Aggerseite liegen Schiffarth, Scheid, Spechtsberg und Birken nahe zum Ort Wahlscheid. Links zur Agger liegen Stolzenbach, Mackenbach, Kirchbach, Weeg, Münchhof, Dorpmühle, Schönenberg, Höffen, Hohn und Neuhonrath nahe zu Wahlscheid.Topographische Karte 1:25000 Unter anderen aufgrund des Engagements des 1953 gegründeten Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wahlscheid wurde das Dorf mehrfach mit vorderen Platzierungen der Wettbewerbe „Unser Dorf soll schöner werden“ bzw. „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet: 1999 und 2005 (zusammen mit Herchen) als Sieger im Wettbewerb des Rhein-Sieg-Kreises.Wahlscheid hat Zukunft auf vvw.wahlscheid.de
Gewässer Die Agger ist das größte Gewässer, das durch Wahlscheid fließt. Ihr Verlauf zeigt deutlich die Eingriffe des Menschen. So ist das Ufer größtenteils befestigt, insbesondere entlang der Straße Hammerwerk, in Wahlscheids Norden. Entlang des Fuß- und Radweges von Wahlscheid – Pastoratsweg nach Neuhonrath, im Wald gegenüber vom Schloss Auel – fließt die Agger jedoch natürlich und nicht begrenzt. Ihre Ufer zeigen unterschiedliche Ausprägungen, ein Mäandrieren des Gewässers ist hier möglich. Der Hohner Bach ist der einzige Nebenfluss der Agger, der direkt durch den Ortskern von Wahlscheid fließt. Er mündet von der linken Seite in die Agger. Der Steffensbach fließt als rechter Nebenfluss im Norden Wahlscheids der Agger zu. Im südlichen Wahlscheid bzw. südlich von Wahlscheid fließen der Kirchbach, der Mackenbach, der Atzenbach und der Stolzenbach als linke Nebenflüsse der Agger zu. Der Oberscheider Bach mündet als rechter Nebenfluss bei Schiffarth in die Agger. Zwischen Neuhonrath (Auelchen) und Wahlscheid mündet außerdem der Maarbach von links in die Agger. Bei Schloss Auel mündet außerdem der Aueler Bach rechtsseitig in die Agger.
Für die Agger und ihre Nebengewässer verantwortlich ist der Aggerverband mit Sitz in Gummersbach.
Geschichte Wahlscheid wird 1121 als Wahlescheit zum ersten Mal in einer Urkunde des Abtes Kuno I. der Abtei Siegburg erwähnt.
Gemeinde Wahlscheid Nach der Übernahme des Rheinlandes durch das Königreich Preußen wurde Wahlscheid eine Gemeinde und zugleich Sitz der Bürgermeisterei Wahlscheid, die 1927 in „Amt Wahlscheid“ umbenannt wurde. Später wurde Wahlscheid eine amtsfreie Gemeinde.
1967 lebten in der Gemeinde Wahlscheid in 23 Wohnplätzen 4837 Menschen. Davon waren 358 in der Land- und Forstwirtschaft, 794 im verarbeitenden Gewerbe und 619 im Dienstleistungsbereich beschäftigt. 913 Auspendlern standen 86 Einpendler gegenüber. An öffentlichen Einrichtungen waren 1967 vorhanden: 4 Volksschulen, ein Sportplatz, eine Turnhalle, 4 Büchereien und eine Gemeindepflegestation.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde diese am 1. August 1969 der Gemeinde Lohmar (seit 1991: Stadt Lohmar) zugeordnet. Die ehemalige Gemeinde Wahlscheid umfasste rund 100 Weiler und Einzelgehöfte. mini|Lore der ehemaligen Grube Pilot auf der Museumsmeile des VVW mini|Nachbau eines Aggernachen auf der Museumsmeile des VVW
Wirtschaftsgeschichte Im Gebiet von Wahlscheid wurde schon zu römischer Zeit Bergbau betrieben. Vor allem Blei-, Kupfer- und Zinkerze sowie Schwefelkies wurden zuletzt abgebaut. Eine bescheidene Blütezeit erlebte der Erzabbau um Wahlscheid nochmals Mitte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit der Schließung der Erzgrube Lüderich endete 1978 der Bergbau im Bergischen Erzrevier. Im ehemaligen Gemeindegebiet von Wahlscheid befinden sich Überreste zahlreicher Erzbergwerke und mittelalterlicher Verhüttungsanlagen, die wie die 1917 geschlossene Grube Pilot (lag im Kirchbachsiefen) wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.
Im Zeitraum von 1853 bis 1881 wurden dort 998 Tonnen Kupfererz, 71,4 Tonnen Bleierz, 190 Tonnen Zinkblende und 120 Tonnen Schwefelkies produziert. Die letzte Betriebsperiode Anfang des 20. Jahrhunderts lieferte eine Produktion von 31 Tonnen Kupfererz, 82 Tonnen Bleierz und 41 Tonnen Zinkblende. Eine weitere bedeutendere Kupfererzgrube – Grube Schubert – lag im Naafbachtal, in der Nähe der Ortschaft Bloch. Vielen Bewohner von Wahlscheid und den umgebenden Ortschaften fanden auf den Bergwerken zeitweise eine Anstellung. Eine ausführliche Darstellung der Geschichte dieser Bergwerke ist in der Publikation Metallerz-Bergbau im unteren Aggertal zu finden.
Außerdem wurde in Wahlscheid früher Schiffbau betrieben. In kleinen Werften auf dem Gebiet zwischen dem Aggerknick an der heutigen Naturschule Wahlscheid sowie dem Ortsteil Schiffahrth wurden Aggernachen hergestellt, die bis zu 15 Meter lang waren und z. B. auf dem Rhein für den Fährbetrieb zwischen Bonn und Beuel sowie zwischen Köln und Deutz eingesetzt wurden.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1816 1903 1843 2626 1871 2518 1905 2213 1961 3901 2017 3125
Wahlscheid 2021 Wahlscheid 2021 ist ein Projekt der Lohmarer Stadtverwaltung, um im Rahmen der Wahlscheider Werkstattgespräche Wünsche und Vorstellungen von Wahlscheider Bürgern bezüglich der Entwicklung ihres Ortes zu ermitteln. Hintergrund dieser Gespräche war eine Diskussion, bei der Wahlscheider Bürger ein Ungleichgewicht bei der Straßensanierung zwischen Lohmar und Wahlscheid bemängelt hatten.
Sehenswürdigkeiten mini|Evangelische Kirche St. Bartholomäus, Wahlscheid, rechts das denkmalgeschützte Küsterhaus Kirchen Im Jahre 1166 gab es in Wahlscheid eine romanische Kirche, die vermutlich um 1000 gebaut wurde, jedoch nicht erhalten ist. 1557 wurde Wahlscheid, so wie die Nachbargemeinden Honrath, Seelscheid und Volberg (heute: Rösrath-Hoffnungsthal), protestantisch. 1813 wurde die alte Kirche abgerissen und begannen die Arbeiten an der neuen Bartholomäus-Kirche, wie sie heute zu sehen ist. Der Westturm stammt aus dem Jahr 1870. Als in den 1960er Jahren der Künstler Hermann Gottfried die bunten Glasfenster schuf, wurde diese moderne Kunst an ihrer Kirche von den Wahlscheidern heftig diskutiert. Die katholische Kirche St. Bartholomäus im Tal wurde 1965 gebaut und erhielt von der evangelischen Kirche eine Skulptur des Namensgebers als Geschenk.
Schloss Auel mini|Schloss Auel Nördlich von Wahlscheid liegt das erstmals 1391 als Wasserburg unter Peter van Auel urkundlich erwähnte Schloss Auel. Seine heutige dreiflügelige Form erhielt es in der Barockzeit. 1811 war Napoleon während einer Armeeinspektion im Schloss Auel zu Gast. Seit 1951 wird es als Hotel geführt.
Aggertal Wahlscheid gilt aufgrund seiner Lage in diesem als landschaftlich reizvoll beschriebenen Gebiet als „Perle des Aggertals“. Der Landschaftsgarten Aggerbogen ist eine naturnah gestaltete Auenlandschaft an der Agger.
Aggerschlösschen Unmittelbar an der 2014 neu eingeweihten Beton-/Holzbrücke der K39 befindet sich die Gaststätte Aggerschlösschen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand.Ausflugslokal in Lohmar: Neues Leben im Aggerschlösschen. In: Rhein-Sieg-Rundschau. 23. Januar 2015, abgerufen am 24. August 2020. Aufgrund seiner Lage unmittelbar an der Agger bzw. am Landschaftsgarten Aggerbogen und des Blicks auf Wahlscheid ist das Lokal ein Ausflugsziel.
Museen Seit 1986 betreibt Kurt Oberdörster das Motorrad- und Heimat-Museum. Der Schwerpunkt liegt bei Motorräder der Marke Zündapp. Ausgestellt sind 100 Motorräder, 35 Mopeds, 12 Fahrräder, 29 Motoren und mit dem Zündapp Janus auch ein Auto.Dieter Lammersdorf: Oldtimermuseen in Deutschland. Johann Kleine Vennekate-Verlag, Lemgo 2014, ISBN 3-935517-06-8, S. 130.
Einrichtungen Evangelisches Altenheim Wahlscheid (Mathildenstift) mini|Stifterehepaar Mathilde und Wilhelm Frackenpohl 1903
Am 27. Mai 1903 stiftete Wilhelm Frackenpohl aus Kreuznaaf zum Gedächtnis an seine Frau Mathilde der Evangelischen Kirchengemeinde ein Haus an der Wahlscheider Straße im Aggerhof und 10.000 Mark.
Unter Pfarrer Fritz Pleuger wurde 1951 beschlossen, das im Krieg beschädigte Mathildenstift nicht wieder in Stand zu setzen, sondern an neuer Stelle auf dem Rösemig ein Altenheim zu bauen. 1959 entstand ein erster Erweiterungsbau, 1961 folgte ein Wohnheim für Schwestern und Mitarbeiter. 1969 war der Bau des Geschäftsführerhauses. 1972 folgte ein zweiter Erweiterungsbau. 1981 war ein Neu- und Umbau mit 112 Plätzen. 1982 kam es zur Gründung des Altenheimbesuchskreises. 1986 erfolgte der Bau von 34 Altenwohnungen. 1994 entstand der Anbau Cafeteria und 1996 der Anbau Abschiedskapelle. 2003 folgte ein weiterer Neu- und Umbau, eine Festwoche wurde zum hundertjährigen Jubiläum veranstaltet. 2004 entstand ein Fahrstuhlturm zur Wahlscheider Straße. 2008 war die Inbetriebnahme des Altenheims in Lohmar. Heute hat das Evangelische Altenheim Wahlscheid 112 Plätze und ist der größte Arbeitgeber in Wahlscheid.
Das Haus wird auch heute immer noch gerne liebevoll „Mathildenstift“ genannt.
Gemeinschaftsgrundschule Wahlscheid Die Gemeinschaftsgrundschule Wahlscheid (GGS Wahlscheid) befindet sich ein paar Kilometer außerhalb von Wahlscheid in der Krebsauler Straße im Ortsteil Neuhonrath. Die GGS bietet offene Ganztagsbetreuung.
Kindertageseinrichtungen Einrichtungen in Wahlscheid und Neuhonrath „Aggerwichtel“ Integratives Montessori-Kinderhaus Wahlscheid Städtische Kita „Rathausflöhe“ St. Mariä Himmelfahrt (Neuhonrath) Villa Regenbogen (Neuhonrath)
Naturschule Aggerbogen
mini|Haus der Naturschule Aggerbogen In der Naturschule Aggerbogen, die sich im Landschaftsgarten Aggerbogen befindet, beantwortet ein Naturschul-Team Fragen zu Wasser und Abfall, Natur- und Landschaftsschutz, alternative Energien und Beantragung der Fördermittel. Unterstützt wird die Naturschule hierbei vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Im Rahmen der Regionale 2010 ist die Naturschule ein Standort für das Projekt „Brückenschläge Natur und Bildung“, bei dem naturbezogene Bildungsangebote, insbesondere für Jugendliche, vorgesehen sind. Dabei steht die Selbsterfahrung der Natur konzeptionell im Mittelpunkt.
Kontrovers diskutiert wurde in der Presse, ob das Gebäude der Naturschule Aggerbogen im Naturschutzgebiet stehen bleiben darf oder außerhalb stehen muss. Die Entscheidung fiel im Rahmen einer baulichen Erweiterung zugunsten des alten Standortes im Naturschutzgebiet.Die 'Naturschule Aggerbogen' wurde baulich erweitert. Stadt Lohmar, 27. April 2009, abgerufen am 25. August 2020.
Freizeit mini|Skulptur eines Schürgers auf der Museumsmeile des VVW Brauchtum