Tulln an der Donau ist eine Stadtgemeinde in Österreich mit Einwohnern (Stand ) und Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirkes im Bundesland Niederösterreich.
Der Ort wird aufgrund der vielen Gärtnereien mit zahlreichen Rabatten auch als Gartenstadt bezeichnet. mini|Luftaufnahme von Tulln an der Donau Geografie Die Stadtgemeinde liegt im Tullnerfeld, das im Süden vom Wienerwald und im Norden vom Wagram begrenzt wird. Das Gemeindegebiet hat eine Ausdehnung von km² und breitet sich zu beiden Seiten der Donau aus, die das Gebiet in einer Länge von rund fünf Kilometern durchfließt. Der bebaute Teil der Stadt ist hauptsächlich südlich der Donau. Die Stadt wird von zwei Bächen eingesäumt. Im Westen mündet die Große Tulln, im Osten die Kleine Tulln in je einen Donauarm. Die Seehöhe der Stadt ist 180 m. Die Umgebung der Stadt ist wie das gesamte Tullnerfeld vollständig ebenes Terrain, das nur dort leicht wellig ist, wo sich einst Donauarme in das Land gedrängt haben. Tulln ist ungefähr 40 km von der Bundeshauptstadt Wien entfernt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende neun Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Frauenhofen () Langenlebarn-Oberaigen () samt Gemeinde-Au und Rafelswörth Langenlebarn-Unteraigen () samt Mühl- und Weidenhaufen Mollersdorf () Neuaigen () samt Waldsee Nitzing () samt Badesee Staasdorf () Trübensee () Tulln an der Donau () samt Baumschule Praskac, Bildereiche und In der Au
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Frauenhofen, Langenlebarn-Oberaigen, Langenlebarn-Unteraigen, Mollersdorf, Neuaigen, Nitzing, Staasdorf, Trübensee und Tulln.
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte mini|Seit 1297Tulln, Siegel auf RechtsAlterTümer – online, abgerufen am 17. Dezember 2023. verwendetes Rundsiegel Tulln ist eine der ältesten Städte Österreichs. Der Ortsname soll aus dem Keltischen stammen, jedoch kann diese Theorie nicht bestätigt werden. Schon in vorrömischer Zeit besiedelt, wurde es in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus das römische Reiterkastell Comagena, bzw. Comagenis, auch Stützpunkt der römischen Donauflottille. In den letzten Jahren der Römerherrschaft wird von einem Besuch des heiligen Severin und der wunderbaren Rettung der Stadt vor den Barbaren berichtet.
Nach dem Nibelungenlied empfing in Tulln der Hunnenkönig Etzel Siegfrieds Witwe Kriemhilde, ein Ereignis, dem im Jahr 2005 ein Denkmal in Form eines Brunnens gewidmet wurde. Bereits Ende des 8. Jahrhunderts wurde Tulln als Stadt (Comagenis civitas) genannt. Nach der endgültigen Eroberung des Awarenreiches durch den fränkischen Kaiser Karl den Großen im Jahr 803 setzte die Sicherung und Besiedlung beim ehemaligen römischen Reiterkastell ein. Der entstehende Ort befand sich nun auf dem Gebiet des Baierischen Ostlandes.Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese. Verlag Lit, 2006, S. 126f. Im Jahr 859 wurde Tulln erstmals mit dem Namen Tullina urkundlich erwähnt. In der Karolingerzeit Gerichtsstätte und Sitz des Grafen Ratpot, erlangte Tulln in der Zeit der Babenberger Markgrafen als Residenz und Donauhandelsplatz große Bedeutung, sodass es als eine Hauptstadt des Landes bezeichnet wurde. Aus Dank für seinen Sieg über den böhmischen König Ottokar und die Errettung aus Todesgefahr, an der mit seinem Sohn Albrecht von Löwenstein-Schenkenberg teilgenommen hatte, stiftete Rudolf I. von Habsburg am 31. August 1280 das heute nicht mehr erhaltene Dominikanerinnenkloster Tulln. Es blieb seine einzige Klosterstiftung. Am 11. November 1301 schenkte die Schenkin von Schenkenberg (vergl. Burgruine Schenkenberg, Kanton Aargau, Schweiz) dem Kloster zum Seelenheile ihres verstorbenen Gatten Wilhelm, ihrer Tochter Agnes und Enkelin Gertrud einen Hof samt Zubehör zu Tulln. Die Vorrangstellung verlor Tulln durch den Aufschwung Wiens und eine Reihe schwerer Belastungen (Andringen der Donau, Verlagerung der Handelswege, große Brände, kriegerische Drangsale, Türkeneinfälle, Dreißigjähriger Krieg, Franzoseninvasion). 1683 diente Tulln als Sammelplatz des Entsatzheeres des Heiligen Römischen Reiches vor der Schlacht am Kahlenberg bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung.
Die Stadtmauern wurden ab 1861 abgebrochen. Tulln wurde 1892 Sitz der Bezirkshauptmannschaft.
Neuer Aufschwung setzte mit dem 19. Jahrhundert (Donaubrücke, Bau der Franz-Josefs-Bahn, Bezirkshauptmannschaft) und im 20. Jahrhundert (Schulen: erstes Gymnasium 1931, Industrie: Zuckerfabrik 1936) ein. Im Jahr 1986 bewarb sich Tulln als Landeshauptstadt, aber St. Pölten wurde ausgewählt.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten Tulln ist eine der ältesten Städte Österreichs mit einem erhaltenen Ensemble gotischer und barocker Häuser im Stadtzentrum. mini|Spätromanischer Karner mini|Ehemalige Synagoge in Tulln mini|Dreifaltigkeitssäule im Zentrum des Hauptplatzes mini|Nibelungendenkmal mit Brunnen mini|Blick vom nördlichen Donauufer zur Stadtpfarrkirche St. Stephan mini|hochkant|Die unter Naturschutz stehende Stieleiche am Alter Ziegelweg nächst dem Krankenhaus
Tulln südlich der Donau Aubad, Natursee am Ufer der Donau, der als Badesee verwendet wird Comagena ist ein Gebiet in Tulln, zu Zeiten des römischen Kaiserreiches ein Reiterlager
Das ehemalige Dominikanerinnenkloster „Zum heiligen Kreuz“, das auch als Tullner Frauenkloster und später als Kaiserliches Frauenstift bekannt war, wurde 1280 von König Rudolf I. als erste Klosterstiftung eines Habsburgers im heutigen Österreich gegründet. Bei einem Brand im Jahr 1752 wurden Kloster und Kirche zerstört. Durch den anschließenden Wiederaufbau verschuldete sich das Kloster schwer. Es wurde 1785 unter Kaiser Joseph II. aufgehoben. Nach der Profanierung wurden die Kirche, das Klostergebäude und die zugehörigen Güter veräußert. Nach 1825 wurden die frühere Klosterkirche und ein Teil des Klostergebäudes abgerissen. Erhalten blieb das frühere Priorat, das in den folgenden Jahren als Fabriksgebäude und als Militärkaserne genutzt wurde. Im Jahr 1882 wurde das ehemalige Priorat zusammen mit dem übrigen Areal des Frauenklosters in ein Sanatorium umgebaut (mehrere Pavillons wurden errichtet). Von 1945 bis 1989 war es das Landeskrankenhaus Tulln. Heute ist nur noch das Priorat erhalten, in dem sich eine Jugendherberge und das Römermuseum befinden.regiowiki.at Das 1910 erbaute Schiff Regentag, das 1968 in Palermo von Friedensreich Hundertwasser erworben, umgebaut und vergrößert wurde und zehn Jahre lang Hundertwassers Quartier war.hundertwasser.com Geburtshaus des expressionistischen Malers Egon Schiele am Hauptbahnhof Tulln Egon-Schiele-Museum Garten Tulln, eine Dauereinrichtung, hervorgegangen aus der Landesgartenschau im Jahr 2008 des Bundeslandes Niederösterreich in Tulln an der Donau und den angrenzenden Wasserpark Tulln, eine von behindertengerechten Wegen und befahrbaren Wasserstraßen durchzogene Au-Landschaft Der Hauptplatz ist 190 × 55 Meter groß und wird von alten Bürgerhäusern aus der Gotik, der Renaissance und dem Barock sowie dem späthistoristischen Amtsgebäude der Bezirkshauptmannschaft aus dem Jahr 1891 gesäumt. Letzteres wurde nach den Plänen von Ferdinand Nebesky und dem Vorbild eines Wiener Ringstraßenpalais errichtet. An der Ecke zur Jasomirgottgasse befindet sich ein Renaissancebau aus dem Jahr 1570 mit einem vorspringenden runden Eckturm, Blindfenstern und „Venezianischen Zinnen“, der diesem Haus einen burgähnlichen Charakter verleiht (errichtet vom Tullner Stadtrichter Florian Träppel). An der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein spätgotisches Haus mit erhaltenem Torbogen und einer Nische für das Hauswappen des Stadtrichters Georg Täbrer sowie mit gotischen Sitznischen in der Einfahrtshalle (zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts).Roderich Geyer: Die Tullner Altstadt – Ein Stadtführer mit historischen Anmerkungen. Hrsg. Stadtgemeinde Tulln. 2. Auflage. 2016 (tulln.at, PDF 0,9 MB, abgerufen am 17. Dezember 2023) Die spätbarocke Minoritenkirche, fertiggestellt 1739, geweiht dem Heiligen Johannes Nepomuk. Minoriten-Kloster: 1713–56 im spätgotischen Stil neu errichtet. Nach der Schließung des Minoritenkonvents 1807 wurde 1827 in dem Gebäude eine Schule des kaiserlichen Pioniercorps errichtet. 1858 Umbau in eine Kaserne, Tulln wurde dadurch Garnisonsstadt. Im 20. Jhdt. bot das ehemalige Kloster Raum für Sozialwohnungen, 1990 bis 1993 Sanierung des Gebäudes. Seit 2008 befindet sich hier das Tullner Rathaus (bis 1977 befand sich das Rathaus am Hauptplatz 33, danach in der Nußallee). Ebenso befinden sich im ehemaligen Kloster Veranstaltungsräume und im Dachgeschoß das Zuckermuseum.tulln.at Nibelungenbrunnen: Der Nibelungenbrunnen ist eine Gestaltung der Szene „Begegnung von Kriemhild, der Burgunderkönigin, und dem Hunnenkönig Etzel in Tulln“ in Form einer Bronzeskulpturen-Dokumentation, geschaffen vom Bildhauer Michail Nogin. Der Brunnenbildhauer Hans Muhr ergänzte das Kunstwerk mit einer integrativen und ästhetischen Licht-Wasser-Sein-Komposition Niederösterreichisches Feuerwehrmuseum Pfarrkirche St. Stephan, auf romanische Fundamentreste aus dem 11. Jahrhundert zurückgehend; dreischiffige Pfeilerbasilika mit gotischen Erweiterungen ab dem 12. Jahrhundert. Nach dem Stadtbrand 1752 barocke Neugestaltung Karner „Dreikönigskapelle“ neben der Pfarrkirche Pfarrkirche Tulln-St. Severin Römermuseum Tulln Römerturm: aus dem 4. Jahrhundert, später Nutzung als Zeughaus und Salzturm (derzeit von Studentenverbindungen genutzt) Rosenarcade ist ein Einkaufszentrum, das im März 2008 am Tullner Hauptplatz entstanden ist Tulln nimmt an verschiedenen nationalen und internationalen Blumenschmuckbewerben teil. So gewann die Stadt 1994 die Silbermedaille und 2001 die Goldmedaille beim Bewerb Entente Florale Europe. Auch 2008, in dem Jahr, in dem die niederösterreichische Landesgartenbauausstellung stattfand, bekam sie eine Goldmedaille in der Kategorie Stadt. (PDF; 27 kB) Tullner Karner, spätromanisch. Katholische Pfarrkirche Langenlebarn hl. Helena
Tulln nördlich der Donau Schloss Neuaigen Katholische Pfarrkirche Neuaigen Mariä Himmelfahrt
Sport Der FC Tulln wurde im November 1918, als Sportverein Tulln, gegründet. Damals gab es noch die Sektionen Fußball, Tennis, Schwimmen, Boxen und Leichtathletik. Der Verein spielte 1965 bis 1974 in der Regionalliga Ost. In der Saison 2012/13 kam man in der 2. Niederösterreichischen Landesliga über den letzten Platz nicht hinaus. Dadurch mussten der FC Tulln in die Gebietsliga absteigen, wo er auch heute noch aktiv ist. Der UHC Tulln spielte Handball in der höchsten österreichischen Liga, der Handball Liga Austria und ist dreimaliger österreichischer Cup-Sieger (in den Saisonen 1997/98, 2003/04 und 2006/07). Der TTV Tulln spielt Tischtennis in der 1. Damen Bundesliga sowie in der 1. Herren Landesliga. Der TC Tulln spielt Tennis. Tulln ist Ausgangs- und Endpunkt des Großen Tullnerfelder Rundwanderwegs.
Wirtschaft und Infrastruktur Als bedeutende Industrie ist seit 1937 die Zuckerfabrik der Agrana mit dem zweitgrößten Zuckersilo Europas (Fassungsvermögen rund 70.000 Tonnen Zucker) zu verzeichnen.Unsere Zuckerfabriken – Österreich. Auf: agrana.com, abgerufen am 8. April 2022.
Viele Gärtnereien und Pflanzenzuchtbetriebe sind am Stadtrand angesiedelt.
Weiters ist Tulln eine bedeutende Geschäftsstadt, insbesondere für Bekleidung.
Mit einem überregional ausstrahlenden Messegelände ist die Stadt österreichweit bekannt.
Weiters beherbergt die Stadt einige sehr renommierte Unternehmen, welche nicht nur im Bereich der Landwirtschaft, sondern auch der Dienstleistungs- und Produktionspate angesiedelt sind.
Agrana mit der Zuckerfabrik Tulln und das Agrana Research & Innovation Center, das Forschungszentrum der Agrana-Gruppe Dlouhy Fahrzeugbau Schmidberger Elektroinstallationen Breitwieser Steinmetz Praskac Pflanzenland
mini|Der Bahnhof Tulln ist ein bedeutender Eisenbahnknoten mini|Donaubühne Tulln