mini|Karl von Tettenborn, Lithographie von Josef Kriehuber 1835. Friedrich Karl Freiherr von Tettenborn, eigentlich Karl Friedrich von Tettenborn, (* 19. Februar 1778 im damals badischen Teil der Grafschaft Sponheim; † 9. Dezember 1845 in Wien) war ein General der Kavallerie in den Befreiungskriegen und badischer Politiker.
Biografie Karl Friedrich von Tettenborn wurde am 19. Februar 1778 geboren. Der Geburtsort ist trotz mehrfacher Vorortrecherchen vom genealogischen Verein Herold im Jahr 1896 ungeklärt und ohne letztliche Bestätigung.Ad. M. Hildebrandt: Vierteljahrsschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. 1896. XXIV. Jahrgang, Hrsg. Herold (Verein), Carl Heymanns Verlag, Berlin 1896, S. 321. Nr. 295 f. Die Vermutung dazu, in Kirchberg/Hunsrück, im Land Baden, bleibt vollkommen offen. Er war aber bestätigt der Sohn des markgräflich badischen Oberforstmeisters Karl Joseph von Tettenborn und dessen Ehefrau Marie Anna Franziska Gräfin von Artz. Der Vater trug den Freiherrentitel und war Besitzer des altererbten Gutes in Steinsee.
Er studierte zunächst in Waltershausen Forstwissenschaft und anschließend an den Universitäten Göttingen und Jena. Um sich der Rekrutierung der napoleonischen Armee zu entziehen, nannte er als Geburtsort Tettenborn, den Stammsitz seiner Familie. 1794 trat er als Kadett in das Kinsky-Chevauxlegers-Regiment Nr. 5 der österreichischen Armee ein und stieg in den französischen Revolutionskriegen schnell zum Rittmeister auf. Im Österreichisch-Französischen Krieg befand er sich 1805 beim Heer unter Mack, schlug sich aber vor der Übergabe von Ulm mit dem Erzherzog Ferdinand und General Schwarzenberg durch. Die Schlacht bei Wagram (1809) brachte ihm den Majorsrang ein. Nach dem Wiener Frieden begleitete er den Fürsten Schwarzenberg nach Paris. Als Napoleon 1812 Russland angriff, trat er als Oberstleutnant in die russische Armee ein.
An der Spitze des Kutusowschen Vortrabs rückte er zuerst wieder in Moskau ein, verfolgte an der Spitze der leichten Reiterei die Franzosen bis an die Beresina, nahm dann Wilna ein, überschritt die Memel, drängte MacDonald durch Ostpreußen zurück und besetzte Königsberg.
Zum Obersten ernannt, ging er darauf über die Weichsel und Oder und rückte, nachdem er sich in Landsberg mit dem General Tschernyschow vereinigt hatte, in Berlin ein. Von da wurde er nach Hamburg entsandt, das er am 18. März 1813 besetzte, nachdem er Morand bei Bergedorf auf das linke Elbufer zurückgeworfen hatte. Doch musste er die Stadt am 30. Mai dem anrückenden Davout überlassen. Sein Wirken in Hamburg wird kritisch beurteilt. „Er betrachtete Hamburg als einen günstigen Standort, um sich selbst zu bereichern und einen ausschweifenden Lebenswandel zu führen. Um eine ernsthafte Verteidigung der Stadt bemühte er sich weniger als um das Eintreiben eines ‚Ehrengeschenks‘ von 5000 Friedrich d’or und seine Ernennung zum Ehrenbürger.“Andreas Fahl: Das Hamburger Bürgermilitär 1814–1868. Berlin 1987, S. 24 f m.w.Nw. Tettenborn war aber teilweise erfolgreich mit einem Aufruf, der die Bevölkerung des linken Elbufers zu einem Aufstand gegen die Franzosen bewegen sollten. In diesem Rahmen formierte sich eine Hanseatische Legion als Freiwilligenverband auf der Seite der anti-napoleonischen Koalition. Der Aufstand brach aber im Mai mit einem vorübergahenen Erstarken der napoleonischen Seite wieder zusammen.Martin Rink: Der »Volkskrieg« 1813. Zwischen großer Schlacht und Nebenkriegsschauplätzen. In: Die Völkerschlacht bei Leipzig, Beiträge zur Militärgeschichte Band 77, 2017.
Nach Ende des Waffenstillstands von Pläswitz im Sommer 1813 kämpfte Tettenborns Verband in Ludwig von Wallmoden-Gimborns Russisch-Deutscher Legion erneut gegen Davout und gegen Marc Nicolas Louis Pécheux. Nach dessen Niederlage während der Schlacht an der Göhrde (16. September 1813) unternahm er vom 9. Oktober an als russischer Generalmajor und Anführer einer Reitereinheit einen Streifzug in Richtung Westen. Tettenborn verfügte dabei über 700 bis 800 Kosaken und ansonsten über Soldaten aus deutschsprachigen Ländern, darunter bis zu 600 aus dem Lützowschen Freikorps. Zunächst operierte Tettenborn im Raum Magdeburg und schnitt so die Verbindung zwischen dem östlich von Hamburg stehenden Davout und der Hauptmasse der zur Völkerschlacht bei Leipzig anmarschierenden Grande Armée ab. Kurz darauf zog Tettenborn durch die Lüneburger Heide und erreichte Bremen. Während eines Gefechts wurde am 15. Oktober der französische Festungskommandant auf den Wällen erschossen, woraufhin die Stadt kapitulierte und Tettenborn in sie einzog, bald darauf aber erneut von dort vertrieben wurde.
Am 4. November 1813 erreichte er wieder Bremen. Er arbeitete mit einigen Bremern zusammen und leitete durch die Einsetzung einer provisorischen Regierungskommission – bestehend aus sieben Senatoren – erste Maßnahmen zur Befriedung ein. Am 6. November 1813 konstituierte sich der Bremer Rat neu und führte das alte Bremer Stadtrecht wieder ein.Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. 2., aktualisierte, überarbeitete und erweiterte Auflage. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X, S. 881.
Tettenborn befand sich danach in der Umgebung des schwedischen Kronprinzen Karl, des vormaligen Marschalls von Frankreich Jean-Baptiste Bernadotte und er zog mit seiner Truppe nach Jütland.
Im Januar 1814 wurde er beauftragt, mit einem Korps leichter Reiterei in Frankreich die Verbindung zwischen den einzelnen Heeren der Alliierten herzustellen.
Nach dem Frieden zog er sich auf seine Güter zurück, und 1818 trat er aus den russischen in badische Dienste als bevollmächtigter Minister über. Er brachte hier die Territorialdifferenzen zwischen Baden und Bayern in Ordnung, war bei Gründung der Verfassung tätig und ging 1819 als badischer Gesandter nach Wien, wo er auch starb. mini|Ehefrau Therese von Tettenborn. geb. Chamel. Verstorben Stift Neuberg b. Heidelberg 1876. Von Joseph Karl Stieler. Signiert 1815.
Familie Karl Friedrich von Tettenborn heiratete Therese Chamel. Sie hatten drei Kinder, eine 1810 in Paris geborene Tochter Marie Luise, einen ersten Sohn, über den keine näheren Daten vorliegen und einen zweiten Sohn, 1815 in München geboren. Dies war Karl Alexander von Tettenborn (1815–1889), zuletzt kaiserlich russischer General und Hofstallmeister.R. v. Mosch: Deutsches Adelsblatt. Wochen-Schrift für die Aufgaben des christlichen Adels. №. 28, VII. Jahrgang, Goedecke & Gallinek, Berlin, Sonntag, den 14. Juli 1889, S. 475.Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1917. Achtzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1916, S. 861.
Ehrungen 1813: Ehrenbürger von Hamburg 1813: Ehrenbürger von Bremen
Hausorden der Treue (1834)Auszeichnungen und ihre Reihenfolge, soweit nicht anders angegeben, nach Hof- und Staats-Handbuch des Grossherzogthums Baden. 1845. Verlag Braun, Karlsruhe 1845, S. 107. Kommandeur des Militär-Karl-Friedrich-Verdienstordens (1815) Großkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen (1834) Orden der Eisernen Krone I. Klasse Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens Ritterkreuz des Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens Russischer Orden der Heiligen Anna I. Klasse Orden des Heiligen Wladimir II. Klasse Russischer Orden des Heiligen Georg III. Klasse mit goldenem Ehrensäbel und Brillanten Roter Adlerorden II. Klasse Ritter der Ehrenlegion Schwertorden II. Klasse Ritter des kurhessischer Hausordens vom Goldenen LöwenKur-Hessischer Staats- und Adress-Calender (1817). S. 18. 30. November 1814 Großkreuz des Großherzoglich Hessischen Ludwigsordens Ritter des Militär-Max-Joseph-Ordens (1815)Rudolf von Kramer, Otto Freiherr von Waldenfels: VIRTUTI PRO PATRIA. Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden Kriegstaten und Ehrenbuch 1914–1918. Selbstverlag des königlich bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens, München 1966, S. 443.
Literatur
Arbeitsgemeinschaft Heimat- und Geschichtsgruppe Tettenborn: Chronik des Dorfes Tettenborn. Stammsitz der Freiherren von Tettenborn. Verlag Pro B, Berlin 2009, ISBN 978-3-86805-450-7. Helmut Stubbe-da Luz: Tettenborn, Friedrich Karl Freiherr von, In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie-Personenlexikon. Band 2, Hamburg 2001, S. 416. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1907. Achter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 729–730.
Jaromir Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder. Wien 1857, S. 776–779. Karl August Varnhagen von Ense: Geschichte der Kriegszüge des Generals Tettenborn. Stuttgart 1814.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kavallerist Kategorie:General der Kavallerie (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Militärperson (Bremen) Kategorie:Person in den Koalitionskriegen (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Badischer Diplomat Kategorie:Freiherr Friedrich Karl Kategorie:Ehrenbürger von Hamburg Kategorie:Ehrenbürger von Bremen Kategorie:Großkreuz des Hausordens vom Goldenen Löwen Kategorie:Träger des Militär-Max-Joseph-Ordens (Ritter) Kategorie:Träger des Militär-Maria-Theresien-Ordens (Ritter) Kategorie:Träger des Militär-Karl-Friedrich-Verdienstordens (Komtur) Kategorie:Träger des Ordens vom Zähringer Löwen (Großkreuz) Kategorie:Träger des Ordens der Eisernen Krone (I. Klasse) Kategorie:Träger des ö.k. Leopold-Ordens (Ritter) Kategorie:Träger des Ordens der Heiligen Anna Kategorie:Träger des Ordens des Heiligen Wladimir Kategorie:Träger des Ordens des Heiligen Georg Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 2. Klasse Kategorie:Großkreuz des Großherzoglich Hessischen Ludwigsordens Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Ritter) Kategorie:Geboren 1778 Kategorie:Gestorben 1845 Kategorie:Mann