Jakob Friedrich Rohd, ab Januar 1736 von Rohd, auch von Rohde,Joseph von Eichendorff: Die Wiederherstellung des Schlosses der deutschen Ordensritter zu Marienburg, 1844, S. 73. (* 3. September 1703 in Königsberg; † 22. Mai 1784 ebd.)Geburtsdatum nach C. E. Mangelsdorf, Einladungsschrift zur Gedenkfeier 1785, 4. Seite. war ein preußischer Minister.
Leben Herkunft und Familie mini|Das mit dem Adelsdiplom verliehene Wappen von Rohd
Jakob Friedrich war nach den Aufzeichnungen des Grafen E. v. Lehndorff der Sohn eines Bierbrauers, weshalb sich der hohe Adel entrüstet gezeigt habe, als der König ihm die hohe Auszeichnung mit dem Titel eines Oberburggrafen im Königreich Preußen zuteilwerden ließ.Dreißig Jahre am Hofe Friedrichs des Großen. Aus den Tagebüchern des Reichsgrafen Ernst Ahasverus Heinrich Lehndorff […]. Mitteilungen von Karl Eduard von Schmidt-Lötzen. Nachträge Band I. Gotha 1910, S. 168, dazu Anm. 82 auf S. 447. Weiters stand er in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zum Philosophen, Gymnasial- schließlich Hochschullehrer an der Albertus-Universität Königsberg Johann Jacob Rohde (1690–1727).Rohde, Johann Jacob im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Er wurde am 28. Januar 1736 in den preußischen Adelsstand erhoben.Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873. Berlin 1874, S. 22 und Nachtrag S. 3. Er vermählte sich am 6. Dezember 1756 in Königsberg mit Charlotte Wilhelmine von Wallenrodt (* 18. November 1736; † 7. November 1759); Jacob Friedrich Werner, Nachrichten von dem Wallenrodtschen Geschlecht, Königsberg 1763, S. 38., die 23-jährig drei Tage nach der Entbindung eines Sohnes in Wolfenbüttel verstarb. Sie war die Tochter des preußischen Kriegsministers und Obermarschalls Johann Ernst von Wallenrodt und der Concordia Renata geb. von Bömeln († 1736),Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln Neue Folge, Band XXI Brandenburg und Preußen 2, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt/Main 2002, Tfl. 165. einer Tochter des Danziger Bürgermeisters Gabriel von Bömeln.Gabriel Bömeln Aus der Ehe ging Charlotte Henriette Regine von Rohd († 3. April 1829 in Königsberg) als einzige Tochter hervor. Sie vermählte sich 1781 mit dem preußischen Generalfeldmarschall Friedrich Adolf von Kalckreuth (1737–1818).
Werdegang Rohd wurde zum Sommersemester 1717 an der Königsberger Universität immatrikuliert,Eingeschrieben als „Rhode, Jac. Frdr.“ am 9. Juli 1717 (Die Matrikel der Albertus-Universität zu Königsberg i.Pr. 1544–1829. II. Band. Leipzig 1911/12, S. 294). wo er wohl auch die Bekanntschaft mit Johann Christoph Gottsched machte.Johann Christoph Gottsched. Briefwechsel, S. 267. 1727 war er Hofgerichtsrat in Königsberg, ab Ende 1736Rolf Straubel: Adelige und bürgerliche Beamte in der friderizianischen Justiz- und Finanzverwaltung, 2010, S. 277. Kreisdirektorialrat sowie Minister im Niederrheinisch-Westfälischen Kreis als auch Resident in Kurköln. Der damals 29-jährige König Friedrich II. ließ Jakob Friedrich von Rohd 1741 einen Schläger anheuern, der den 44 Jahre alten Herausgeber der weit verbreiteten, katholisch ausgerichteten Gazette de Cologne, die regelmäßig österreichische Erfolge überhöht darstellte und preußische Siege im Ersten Schlesischen Krieg unterschlug, Jean Ignace Roderique, auf offener Straße zusammenschlug. Ihm widmete der König in seinem Zorn sogar ein Schmähgedicht in französischer Sprache.„A Cologne vivait un fripier de nouvelles, / Singe de l’Aretin, grand faiseur de libelles, / Sa plume ètait vendue es se écrite mordants / Lançaient contre Louis leurs traits impertinents“. Zitiert nach Ludwig Salomon: Geschichte des Deutschen Zeitungswesens. Erster Band. S. 147 ff., Oldenburg, Leipzig 1906. 1746 avancierte Rohd zum Geheimen Legationsrat und war von 1747 bis 1753 preußischer Gesandter am schwedischen Hof in Stockholm. Am 13. August 1753 wurde er Wirklicher Geheimer Rat, Etatsminister und Mitglied der preußischen Regierung.Genealogisch-Diplomatisches Jahrbuch für den Preußischen Staat, Band 2, Berlin 1843, S. 142. Er war ebenfalls Präsident des Pupillenkollegiums und Oberburggraf. Er stieg 1762 zum Tribunalspräsidenten auf und war von 1763 bis 1772 Gesandter am kaiserlichen Hof in Wien. Während dieser Zeit stellte er seinen Verwandten und Patensohn Friedrich Ernst Jester als Sekretär in der dortigen Gesandtschaft an.Johann Samuel Ersch: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, Band 15, 1838, S. 422. In Rohds Abwesenheit von Königsberg wurde er von Fabian Abraham von Braxein im Amt des Oberburggrafen, des Präsidiums des Ostpreußischen Tribunals wie der Aufsicht über die Königsberger Universität vertreten, und zwar von 1763 bis 1768.Diplomatische Nachrichten adelicher Familien, als derer von Brandenstein, von Braxein, [...], 1792, S. 51 f. Außer dem Titel eines Geheimen Staatsministers hatte Rohd auch den eines Kriegsministers inne.Gottlob Friedrich Krebel: Europäisches Genealogisches Hand-Buch, 1763, S. 120.
Rohd war Erbherr auf den preußischen Gütern Schrombehnen, Klein Laut und Bögen sowie Spandienen bei Königsberg.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 2, Berlin 1854, S. 304.
Der preußische Diplomat Dodo Heinrich Freiherr zu Innhausen und Knyphausen (1729–1789) begann seine diplomatische Laufbahn als Sekretär bei Rohd in dessen Stockholmer Zeit. Rohd hatte gemeinsam mit General Joachim Friedrich von Stutterheim im September 1772 wesentlichen Anteil an der geordneten Übernahme Königlich Preußens in den Preußischen Staat. Sein Amtsnachfolger als Etatsminister und Oberburggraf wurde Ernst Friedrich Graf Finck von Finckenstein zu Schönberg (1698–1753).
Immanuel Kant gehörte zu dem Kreis von Rohds Bekannten, die zuweilen bei ihm aßen.Immanuel Kant: Briefwechsel, 1986, S. 209. Rohd stiftete 1781 ein Kapital von 6.000 Reichstalern für das Rohdianum, wovon jährlich mit 100 Reichstalern die Rektoren der Akademie und mit 60 der älteste Professor der Beredsamkeit profitierten, sowie auf vier Jahre jährlich mit 100 Talern ein Student der Philosophie und der Rechte.Ludwig von Baczko: Versuch einer Geschichte Königsbergs, Königsberg 1804, S. 430. Ebenfalls begründete er 1781 das von Rohd’sche Stift in der Vorstadt Königsbergs, das nach seinem Tode 1784 seine Arbeit aufnahm: es gab vier unschuldig verarmten Witwen, je zwei adligen und je zwei bürgerlichen Standes, ein Zuhause und jährlich je 200 Reichstaler Bargeld.Versuch einer Geschichte Königsbergs, S. 497.In der Einladungsschrift von 1793 zur alljährlichen Gedenkfeier erinnerte K. E. Mangelsdorf an Rohds Wohltätigkeit; vgl. Intelligenzblatt der Allgemeinen Literatur-Zeitung vom 7. September 1793, Spalte 737.
Literatur
Christian August Ludwig Klaproth, Immanuel Karl Wilhelm Cosmar: Der Königl. Preußische und Churfürstl. Brandenburgische Wirklich Geheime Staats-Rath an Seinem zweihundertjährigen Stiftungstage. Berlin 1805, S. 433f., Nr. 208.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Preußischer Diplomat Kategorie:Landesminister (Preußen) Kategorie:Verwaltungsjurist Kategorie:Wirklicher Geheimer Rat Kategorie:Person (Königsberg, Preußen) Kategorie:Absolvent der Albertus-Universität Königsberg Kategorie:Nobilitierter (Preußen) Kategorie:Geboren 1703 Kategorie:Gestorben 1784 Kategorie:Mann