mini|Eugen Gross, 2022 Eugen Gross (* 31. Mai 1933 in Bielsko-Biała) ist ein österreichischer Architekt. Er lebt in Graz.
Leben Eugen Gross wurde als Älterer von zwei Brüdern in Bielsko-Biala geboren. Seine Mutter, Elfriede Gross (geborene Kocurek), war nach ihrer Praxis in Kolomyja Volksschullehrerin in Biala. Sein Vater optierte 1918 für Österreich, wurde Bürger von St. Pölten und war Prokurist einer Maschinenbaufirma in Bielitz-Biala.
Eugen Gross besuchte die Volksschule in Biala, anschließend das Realgymnasium in Bielitz. Nach der Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung im Zuge des Vormarsches der Roten Armee 1945 setzte er seinen Schulbesuch an einem Gymnasium in Wien ab 1947 fort und maturierte 1952 in Salzburg. Ab 1952 studierte er an der Technischen Hochschule in Graz bei den Professoren Friedrich Zotter, Karl Hoffmann und Karl Raimund Lorenz und schloss 1958 als Dipl.-Ing. ab. 1957 nahm er an der Sommerakademie bei Konrad Wachsmann in Salzburg teil.
Nach dem Studium arbeitete er für das Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung für Landesplanung. Anschließend war er in Architekturbüros in Erlangen und Nürnberg tätig.
1959 gründete er mit Friedrich Gross-Rannsbach, Werner Hollomey und Hermann Pichler die Architekten-Arbeitsgemeinschaft WERKGRUPPE GRAZ. Diese wurde ab 1966 um Walter Laggner und Peter Trummer erweitert und bestand bis 1982.
1960 heiratete Eugen Gross die Juristin Ingeborg Seuter, aus der Ehe gingen drei Töchter und vier Enkelkinder hervor. Wiederverheiratet ist er mit Heide Gaidoschik.
Ab 1982 war Eugen Gross mit den Architekten Wolfgang Kapfhammer, Gert Koßdorff, Johannes Wegan, Pablo Gloger im Rahmen der Projektgemeinschaft Planconsult Austria im In- und Ausland tätig. Von 1982 bis 1986 war Eugen Gross Vorsitzender der Sektion Architekten der Ingenieurkammer für Steiermark und Kärnten. Ab 1987 war er selbständig tätig. 1990/91 war er Vorsitzender des Landeskulturbeirates Steiermark.
Von 2012 bis 2022 fungierte Gross als Obmann der „Prenninger Gespräche“, Verein für Geschichte und Aktualität kultureller Resistenz und Alterität.Prenninger Gespräche über uns, abgerufen am 14. September 2023.
Im Juni 2026 promovierte er an der Technischen Universität Graz. Mit 93 Jahren ist er der älteste dokumentierte Promovend Österreichs seit dem Jahr 2000.
Eugen Gross ist der „Grazer Schule der Architektur“ zuzurechnen, die sich am Strukturalismus orientiert und formal die Werkgerechtigkeit des Brutalismus zum Ausdruck bringt.
Lehrtätigkeit 1960–1961: Assistent am Institut für Städtebau und Ländliches Siedlungswesen an der Technische Universität Graz 1971: Gastprofessor an der Washington University in St. Louis, Missouri 1974–1980: Lehrbeauftragter für Raumplanung an der Technischen Universität Graz, Österreich. 1989–2000: Professor an der HTBLVA für Bau, Kunst und Design, Ortweinschule, Graz.
Auszeichnungen 1992 Großer Österreichischer Staatspreis für Architektur in Gold 1992 Kulturpreis der Stadt Moskau für Hotel Baltschug-Kempinsky, Moskau (mit den Architekten Wolfgang Kapfhammer, Gert Koßdorff, Johannes Wegan, Friedrich Groß-Rannsbach) 1992 Architekturpreis des Landes Steiermark-Sammelpreis (mit den Architekten Wolfgang Kapfhammer, Gert Koßdorff, Johannes Wegan, Friedrich Groß-Rannsbach) Geramb Dankzeichen für gutes Bauen in der Steiermark 1975, 1981, 1982, 1983. 2018 Goldenes Ehrenzeichen der Stadt GrazGoldene Ehre für einen "groß"en Architekten – Graz, abgerufen am 14. September 2023. 2018 Großes Ehrenzeichen des Landes Steiermark 2018 Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Architektur
Werke Werkgruppe Graz (Auswahl) 1959–60: Forum Stadtpark, Graz, Werner Hollomey, Ausstellungsgebäude 1961: Katholische Pfarrkirche Kalsdorf, Seelsorgezentrum, Wettbewerbsprojekt 1963: Studentenhaus Leechgasse, Graz, Mensa 1963: Haus der Jugend, Jugendzentrum, Graz, Wettbewerbsprojekt 1964: Haus Schwarz, Wohn- und Atelierhaus, Weiz 1964: Möbelfabrik Thonet, Friedberg, Industrieanlage, Wettbewerbsprojekt 1964: 1. Chirurgische Universität am Landeskrankenhaus, Graz 1965–78: Terrassenhaussiedlung Graz St. Peter, mit Walter Laggner, Peter Trummer 1965: Schulzentrum Graz, Brucknerstraße, Wettbewerbsprojekt 1965: Freibad Feldbach, Wettbewerbsprojekt 1965: Feriensiedlung Calabrien, Wohnanlage, Projekt, Cattancaro, Italien 1966: Landwirtschaftliche Fachhochschule Stainz, Wettbewerbsprojekt 1966: Atelierhaus Forum Stadtpark, Graz, Projekt 1967–73: Schulzentrum Kapfenberg-Walfersam, Kapfenberg 1968: Johannes-Kepler-Haus, Studentenhaus, Graz 1969: Dreiländerbiennale Trigon, Ausstellungsgestaltung (mit J. Mayr, H. Missoni, R. Kriesche, H. Strobl), Graztrigon 69: architektur und freiheit – Ausstellung Neue Galerie Graz, abgerufen am 14. September 2023. 1970: Volksbildungshaus Schloss Retzhof, Gästehaus, Wagna 1971: Aufbahrungshalle Kapfenberg, Sakralbau, Wettbewerbsprojekt, Kapfenberg 1972: Musterhof Zwing, Landwirtschaftlicher Betrieb, Wettbewerbsentwurf, Langenwang 1973–75: Büro- und Wohnhaus Messerklinger, Stadtvilla, Graz 1973–80: Koralmhalle Deutschlandsberg, Mehrzweckhalle 1973: Österreichische Mustermesse, Triest, Messegestaltung 1974: Steiermärkische Sparkasse, Peggau 1976–80: Andritzer Begegnungszentrum ABC, Pfarrzentrum der Pfarre zur „Hl. Familie“, Graz 1978–82: Grazer Congress, Kongresszentrum Graz-Altstadt 1970–84: Palais Galler, Renovierung und Innenausgestaltung, Graz 1982–83: Handwerkshof Bad Radkersburg, Umbau und Revitalisierung 1982–83: Industriepark Mureck, Hallenbau 1983: Papstmesse Mariazell, Platz- und Altarraumgestaltung 1986–89: Wohnanlage Draschestraße, Wien-Liesing, mit Walter Laggner, Peter Trummer 1987–92: Druckzentrum Styria Graz, mit Kapfhammer, Koßdorff, Wegan
Bauten im Ausland (in Arbeitsgemeinschaft Planconsult- mit Wolfgang Kapfhammer, Gert Koßdorff, Johannes Wegan, Pablo Gloger)
1982–84: Monteverde Country Health Center, Beirut, Libanon 1983–84: Hotel Taverna, Budapest 1983–84: Bürohaus, Budapest 1983–84: Unterhaltungszentrum Lido, Budapest 1985–90: Hotel Baltschug-Kempinski, Moskau
Eigene Projekte 1958: Haus Hage, FARAYA, Libanongebirge 1965: Haus Dokoupil-Gross, Saalfelden – Pabing 1971: Haus Greimel, Graz – Ragnitz 1978: Haus Gross, Stubenberg – Vockenberg 1980: Haus Kalcsics, Graz Stiftingtal 1998: Haus Preisegger, Graz Ruckerlberg 1999: Haus Neumann, Graz Hilmteich 1999: Odilien-Blinden-Institut: Fest- und Turnsaal, Graz-St. Leonhard 2008: Haus Paar, Graz Rosenberg
Ausstellungen Personalausstellung: 1967 Graz, Forum Stadtpark, Werkgruppe Graz, „Kristallisationen“.
Mitgliedschaften Forum Stadtpark Österreichische Gesellschaft für Architektur Zentralvereinigung der Architekten Österreichs
Werke 1966–1996: Reihe WERKGRUPPE LYRIKWERKGRUPPE. GRAZ / Markus Jaroschka: Die Reihe "Werkgruppe Lyrik" – Zelte der Sprache / Vom Weghaften in der Poesie, abgerufen am 14. September 2023. – erschienen in 25 Editionen im Eigenverlag. Die Grazer Ortweinschule, Bau-Kunst-Design, 1876–2001, Eugen Gross (Herausgeber), manumedia_schnider_verlag, Graz, 2001 mit Absolventen- und Schülerverzeichnis 1876–2001, gebunden (deutsch), Auslieferung Ortweinschule Graz Sternfeld – Schnittstellen des Lebens, Eugen Gross edition keiper, 2011 [1. Auflage, September 2011, broschiert] [Deutsch] Wenn ein Haus spricht. Eine andere Biografie: Roman von Eugen Gross (Autor) edition keiper, 2021 [1. Auflage März 2021, gebunden] [Deutsch] Gelebte Utopie – Die Terrassenhaussiedlung der Werkgruppe Graz, Eugen Gross, Andrea Jany (Herausgeber), gebunden, [Deutsch] JOVIS, 2022
Weblinks
Werkgruppe.Graz / Weghaftes. Architektur und Literatur
„Die Terrassenhaussiedlung in Graz mit Eugen Gross“ ausführliches Gespräch mit Eugen Gross in der Radioreihe A Palaver als Stream frei verfügbar, 2. Mai 2020 Eugen Gross www.gat.st
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Österreich) Kategorie:Absolvent der Technischen Universität Graz Kategorie:Träger des Großen Österreichischen Staatspreises für Architektur Kategorie:Träger des Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1933 Kategorie:Mann