mini|Johann Peter Ernst von Scheffler Johann Peter Ernst vonWoher der Adelstitel, den Scheffler schon in seiner Dissertation führt? Als einfacher Freiwilliger war der Vater sicher nicht adelig, ein Adeliger hätte sofort einen Offiziersrang bekleidet. Wäre er im Verlauf seiner Karriere geadelt worden, hätte der Sohn das in seinem Brief an Treuw vom 21. April 1766 erwähnt. Seine Mutter wird nicht einmal namentlich genannt. Der polnische König tituliert Scheffler später gelegentlich als „Baron“. Der hierbei anwesende Georg Forster macht dann in seinen Tagebüchern eine abfällige Bemerkung über polnische Adelstitel. Als einzige Möglichkeit bliebe noch ein adeliger Taufpate. Hierüber könnten die Taufregister Danziger Kirchen Auskunft geben. Scheffler ( oder ; bzw. latinisiert: ;Adelsprädikat und Namenszusatz auf der Titelseite der Dissertation (hdl:2027/hvd.32044107262248). ; * 23. September 1739 in Danzig; † um 1809 in Warschau) war ein deutscher Arzt und Mineraloge. Sein Vater Johann Gottfried Scheffler kämpfte 1734, zunächst als „Freiwilliger“, gegen die russische Belagerung und durchlief dann eine militärische Karriere.Brief von Johann Peter Ernst von Scheffler an Christoph Jacob Trew vom 21. April 1766, . Er war zweimal verheiratet; Name, Stand oder Beruf der Ehefrauen werden nirgends erwähnt. Johann Peter Ernst von Scheffler bezeichnet sich 1766 als einziger Sohn aus diesen Verbindungen. MöglicherweiseIgnacy Z. Siemion: Piotr Ernest Jan Scheffler, XVIII-wieczny gdaṅsko-warszawski przyrodnik i expert górniczy. In: Analecta. Studia i materiały z dziejów nauki. Tomus 7, Nr. 2(14), 1998, , S. 141–154 (polnisch mit englischer Zusammenfassung; „Piotr Ernest Jan [Johann Peter Ernst von] Scheffler, Danzig-Warschauer Naturforscher und Bergbauexperte des 18. Jahrhunderts.“ – muzhp.pl (PDF; 12 MB) [PDF; 12,4 MB]). zählte der Danziger Stadtarzt und Doktor der Medizin Jan Ernest Scheffler (um 1604–1673),Deutsches Biographisches Archiv II: Polski słownik biograficzny. T[omus] 1–38. Polska Akademja Umietętności, Kraków [et al.] 1935–1991 (polnisch). Mitherausgeber eines viel benutzten Arzneibuchs (),Ignacy Z. Siemion: Piotr Ernest Jan Sheffler, XVIII-wieczny gdaṅsko-warszawski przyrodnik i expert górniczy. S. 141 (polnisch). zu seinen Vorfahren.
Leben und Werk Johann Peter Ernst von Scheffler ist Widmungsträger der Pflanzengattung Schefflera. Er wurde in Medizin promoviert, arbeitete als Arzt und forschte auf dem Gebiet der Mineralogie. Später ging er nach Polen und leitete eine Bergbaukommission. Er trat dort als Mitglied einer Freimaurerloge in Erscheinung. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt. Die Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel besitzt ein BildnisPorträt. In: portraitindex.de, abgerufen am 3. April 2024. von ihm.
Studium und Beruf 1766 schrieb Scheffler rückblickend:
Getreu dieser Einsicht immatrikulierte er sich nach dem Abitur am Danziger Gymnasium an der Albertus-Universität Königsberg. Er begann zunächst ein Jurastudium,E. Schumann: Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft 1743–1892. Kap. VIII: Die einheimischen Mitglieder der Gesellschaft, Lebensläufe. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig (= Festschrift zur Feier des 150jährigen Bestehens der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig). Band 8, Heft 2, 1893, S. 83 (biodiversitylibrary.org). wechselte aber dann ins Fach Medizin und absolvierte ein Studium an der Medizinischen Fakultät, wo er seinen Abschluss am 17. Juni 1761 erlangte, 1762 gefolgt von einer Promotion zum Doktor der Medizin. Das Thema seiner Dissertation war: („Sind die vier 'Herzblüten' wirklich Herz[mittel]?“) (Königsberg 1762).Johann Friedrich Goldbeck (Hrsg.): Litterarische Nachrichten von Preußen. Band 1. Selbstverlag, Leipzig / Dessau 1781, S. 190, Digital-S. 206, .Dissertation: hdl:2027/hvd.32044107262248?urlappend=%3Bseq=5%3Bownerid=27021597766288884-9
Anschließend kehrte er zurück nach Danzig, wo er als „Praktikus“ (praktizierender Arzt) und als Lehrer für Naturgeschichte tätig war. Dass er im Lehrkörper der (protestantischen) Mittelschule, die hier in Frage kommt, nicht aufgeführt ist, könnte an seiner Konfession gelegen haben:Ignacy Z. Siemion: Piotr Ernest Jan Scheffler, XVIII-wieczny gdaṅsko-warszawski przyrodnik i expert górniczy. S. 144. Seine spätere Karriere in Polen legt nahe, dass er römisch-katholisch war.
Wissenschaftliche Gesellschaften 1763 wurde er in die europaweit angesehene Naturforschende Gesellschaft in Danzig aufgenommen. Sie zählte einige berühmte in- und ausländische Forscherpersönlichkeiten zu ihren Mitgliedern, u. a. Gottfried Reyger, Johann Reinhold Forster, Johann Ernst Immanuel Walch, Johann Bernoulli. 1763 hatte er zunächst die Stellung des „Sekretärs“ inne. In den Jahresberichten der GesellschaftSuche in Acta Societatis Physicae Experimentalis (gda.pl). wird Scheffler dann seit 1775 als „Thesaurarius“ (Schatzmeister) aufgeführt, 1779 steigt er (bis 1780) auf zum „Vice-Director und Schatzmeister“. 1781 werden dann diese Posten mit anderen Gelehrten besetzt.
Als Mitglied dieser Gesellschaft veröffentlichte Scheffler folgende Aufsätze: Herrn Doct. von Schefflers zu Danzig Sendschreiben an Herrn Hofrath WalchDiese Arbeit ist eine Replik an Walch auf seinen Artikel: Johann Ernst Immanuel Walchs Abhandlung vom Ursprung des Sandes. In: Der Naturforscher. 3. Stck. Halle 1774, Aufsatz 9, S. 156–177 (uni-bielefeld.de). von dem Ursprung des Sandes. In: Der Naturforscher. 11. Stck. Halle 1777, S. 122–127.Digitalisat: uni-bielefeld.de. Beyträge zu den Untersuchungen über das Elektrum und den Lyncur der Alten. In: Neue Sammlung von Versuchen und Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Band 1, 11. Aufsatz, S. 234–256. Wedel, Danzig 1778.Digitalisat: (slub-dresden.de). Zum Elektrum bzw. Bernstein siehe Elektron. Zum Lyncur bzw. Luchsstein: Siehe auch: Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Eine Rede zum Andenken H. de Cuyper[s] gehalten. Danzig 1777 ist nicht erhalten. In den Sitzungen der Gesellschaft hielt er mehrere Vorträge: Gedanken von denen Blättern derer Kräuter, Sträucher und Bäume. Verlesen am 27. April 1763. (Acta Societatis Physicae Experimentalis 1763, Commentarii Abschnitt C).Digitalisat des Manuskripts: gda.pl frames 134–140. Das Leben des Herren Doctoris David Kade. Verlesen am 2. Mai 1764. (Acta Societatis Physicae Experimentalis 1764, Commentarii Abschnitt C).Digitalisat des Manuskripts: gda.pl frames 70–73. Bericht von Hrn. Schoppenhauers Versuchen mit Hopfen. Verlesen am 17. März 1773. (Acta Societatis Physicae Experimentalis 1773, Commentarii Abschnitt C).gda.pl (siehe frame 330). Erklärung des Epigramms von Martial „de phiala ex electro“. Verlesen am 30. Juni 1773. (Acta Societatis Physicae Experimentalis 1773, Commentarii Abschnitt F).gda.pl (siehe frame 330). Über die Geschichte des Lyncur. Verlesen am 22. Januar und 5. Februar 1777. (Acta Societatis Physicae Experimentalis 1777, Commentarii Abschnitt B).gda.pl (siehe frame 77). Beschreibung des von Bischoff erfundenen Gesichtsmessers. Verlesen am 5. November 1777. (Acta Societatis Physicae Experimentalis 1777, Commentarii Abschnitt E).gda.pl (siehe frame 77).
Scheffler unternahm Reisen in mehrere Universitätsstädte. In Berlin traf er auf Friedrich Martini, der darauf die „Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin“ gründete, wobei er die Danziger Naturforschende Gesellschaft als sein VorbildFriedr. Heinr. Wilh. Martini: Entstehungsgeschichte der Gesellschaft Naturforschender Freunde zu Berlin. In: Beschäftigungen der Berlinischen Gesellschaft Naturforschender Freunde. 1. Band, 1775, S. II (uni-bielefeld.de). bezeichnete. Scheffler wurde dann Ehrenmitglied der Berliner Neugründung. Die „Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen“ (heute Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen) nahm ihn als Korrespondierendes Mitglied auf. Schefflers briefliche BitteBrief von Johann Peter Ernst von Scheffler an Christoph Jacob Trew vom 23. Oktober 1767. an Christoph Jacob Trew, sich für seine Aufnahme in die „Kayserliche Academie der Naturforscher“ (Leopoldina) einzusetzen, blieb allerdings erfolglos.
In London, wo Scheffler Mitglied der „Gesellschaft zur Förderung von Kunst, Manufaktur und Handel“Englisch: Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce. wurde, lernte er 1771 den jungen deutschen Naturforscher Georg Forster kennen, dem er 13 Jahre später durch seine guten Beziehungen zum Fürstbischof PoniatowskiIgnacy Z. Siemion: Piotr Ernest Jan Scheffler, XVIII-wieczny gdaṅsko-warszawski przyrodnik i expert górniczy. S. 144Georg Forsters Brief an Theresa Heyne vom 13. Oktober 1784. In: Johann Georg Forster’s Briefwechsel. Nebst einigen Nachrichten von seinem Leben. Hrsg. von Th[eresa] H[uber], geb. H[eyne]. In zwei Theilen. 2 Bände. Teil 1, Leipzig 1829, S. 448–450 (digitale-sammlungen.de [Gilb-Scan]; ). eine Professur in Wilna verschaffte.
Die Zeit in Polen Scheffler ging 1780 nach Polen.Johann Friedrich Goldbeck: Litterarische Nachrichten von Preußen. Band 2. Selbstverlag, Leipzig/Dessau 1783, S. 175, Digital-S. 181, . (Am 9. Mai 1782 erwähnt eine polnische Zeitung seinen Namen.Ignacy Z. Siemion: Piotr Ernest Jan Scheffler, XVIII-wieczny gdaṅsko-warszawski przyrodnik i expert górniczy. S. 147.) In Warschau wohnte er bei dem Regimentsarzt und Chirurgen August Otto, dessen Nichte („Niece“Georg Forsters Werke. Band 14: Briefe 1784 – Juni 1787. Bearb. von Brigitte Leuschner. Akademie-Verlag, Berlin 1978, Brief an Christian Gottlob Heyne, S. 388.) Therese OttoGeorg Forsters Werke. Band 18, S. 855, von Forster (S. 158) auch „Mademoiselle Teri“ genannt. Sie muss noch sehr jung gewesen sein, da der 30-jährige Forster mit ihr „gespielt“ und „getobt“ hat (Forsters Werke. Band 12, S. 160, 161). Schefflers Ehe wurde teilweise kritisch gesehen (S. 178). er später (wahrscheinlich 1785) heiratete.Nach Briefen Forsters war Scheffler am 1. November 1785 bereits verheiratet, wohnte aber noch am 13. Oktober 1784 mit Forster zusammen. 1784 wurde er dann vom polnischen König Stanislaus II. August Poniatowski „in den Freyherrenstand“ erhoben und zum „Geheimen Rath“Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. Angefangen von Georg Christoph Hamberger, fortgesetzt von Johann Georg Meusel. 7. Band: Saalmann–Szapari. 5., durchaus vermehrte und verbesserte Ausgabe. Meyersche Buchhandlung, Lemgo 1798. [Reprograf. Nachdruck der 5. Auflage. Lemgo 1798–1834]. Olms, Hildesheim 1965, . ernannt. Der Titel eines „Barons“ beinhaltete aber nicht die Rechte des polnischen Adels.Johann Georg Forster’s Briefwechsel. Hrsg. von Therese Huber. Band 1–2. Band 1. Brockhaus, Leipzig 1829, S. 460–465: Brief Forsters an seinen Vater vom 22. November 1784 (digitale-sammlungen.de [Gilb-Scan]; ).
Schon bei seiner Ankunft in Warschau 1780 wurde er vom polnischen König als „Bergrath“ eingesetzt. Offensichtlich waren seine mineralogischen Kenntnisse der Hauptgrund für seine Berufung, denn er wurde beauftragt, als Leiter und Fachberater einer Expedition eine „mineralogische Reise durch Polen“ durchzuführen, die wohl der Erkundung von Möglichkeiten zur Erschließung neuer Erzlagerstätten dienen sollte. Die Aktion erwies sich jedoch als weitgehender Fehlschlag, wie der zu dieser Zeit in Warschau weilende Georg Forster hörte, da Scheffler (und sein Kollege Johann Jakob Ferber) „jeder einen solchen Rapport [Bericht] abgestattet hätten, welcher bewiese, daß sie vom praktischen Bergbau nichts verständen“.Georg Forster: Werke. Band 14: Briefe 1784 – Juni 1787. Akademie-Verlag, Berlin 1978, Brief an Samuel Thomas Sömmering, S. 112.