Günter Nagel (* 2. Februar 1936 in Dresden; † 24. November 2020 in Hannoverhttps://www.adk.de/de/akademie/mitglieder/index.htm?we_objectID=54866) war ein deutscher Landschaftsarchitekt und Hochschullehrer.

Leben Günter Nagel wurde am 2. Februar 1936 in Dresden geboren. Sein Abitur legte er an der dortigen Kreuzschule ab. Von 1954 bis 1956 absolvierte er eine Gärtnerlehre. Weiterhin in Dresden, sammelte er im Anschluss bis 1957 Berufspraxis als Landschaftsgärtner. Von 1957 bis 1961 studierte er Garten- und Landschaftsgestaltung an der im sowjetischen Sektor gelegenen Humboldt-Universität zu Berlin bei Georg Pniower und Willy Kurth. Als er im Sommer 1961 an der HU alle Prüfungen abgelegt hatte, siedelte er – einer Vorahnung einschneidender Veränderungen politischer Natur folgend – umgehend nach West-Berlin über. Die Aushändigung der Diplom-Urkunde wurde ihm daraufhin von der HU verweigert. Nagel konnte der Technischen Universität im Westen mittels vorliegenden Studienbuches und ergänzender Prüfungsgespräche seinen abgeschlossenen Ausbildungsstand darlegen und erhielt ein Diplom von der TU und wurde Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Hermann Mattern am Institut für Gartenkunst und Landschaftsbau. Im Rahmen dieser von 1962 bis 1970 dauernden Beschäftigung entwickelte Nagel in seiner Anfangszeit mit verschiedenen Diplomanden sowohl eine Landschaftsbauplanung für Marl/Westfalen als auch für Ratzeburg.

Ab 1970 erhielt er Lehraufträge für Landschaftsarchitektur an der TU Berlin, der Hochschule der Künste Berlin und der TU Braunschweig. Im selben Jahr eröffnete er das „Büro für Landschaftsbau Prof. G. Nagel“. Die von Mattern begonnenen Planungen für die Umgebungsbepflanzung der im Bau befindlichen Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Tiergarten beendete und realisierte Nagel nach Matterns Tod im Jahre 1971 in den beiden Folgejahren.

Von 1974 bis 1977 war Nagel Professor für Landschaftsarchitektur und ökologische Planungsgrundlagen an der Hochschule der Künste Berlin. Nach seinen Plänen wurden von 1975 bis in die 1980er Jahre hinein die Innenhöfe und Außenanlagen – Wege, Pflanzen, Terrassen, Sitzstufen, Fahrradplätze usw. – der Institute für Mathematik, Physik und Elektrotechnik der Technischen Universität Berlin gestaltet. Auch für die Fachhochschule Hildesheim und die Universität Hannover hatte er über längere Zeiträume laufende Außengestaltungsaufträge. 1977 folgte er dem Ruf für eine ordentliche Professur für Grünplanung und Gartenarchitektur an die Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte waren: Grundlagen der Entwicklung von allgemeinen und speziellen Grünräumen, Stadtentwicklung und Stadterneuerung. Von 1986 bis 1988 war er Universitäts-Vizepräsident. Er übte innerhalb der Universität weitere verschiedene Funktionen aus, darunter im Fachbereichsrat des FB Landespflege/Landschaftsarchitektur und Umweltentwicklung, in der Bibliothekskommission und der Kommission für internationale Hochschulangelegenheiten. Im März 2001 wurde er emeritiert. Seine Nachfolge an der Leibniz Universität Hannover trat 2002 der Landschaftsarchitekt Udo Weilacher an.

Für die Vielfältigkeit seiner Einsatzbereiche sprechen folgende Beispiele: An der Konzeption für eine Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2004 in Hamburg beteiligte er sich 1988/89 in Form von Kartenmaterial, Skizzen, Luftaufnahmen und Ähnlichem. Ein Planungsgutachten zur Bären- und zur Elefantenanlage im Zoo Hannover 1989/90 betreute er als Co-Projektleiter. 1997/98 entwickelte er ein umfassendes Konzept für die Bundesgartenschau 2009 in Schwerin.

1995 bildete er zusammen mit Christoph Schonhoff eine Bürogemeinschaft. Das Archiv der Akademie der Künste hält über 8000 Architekturpläne zur Einsichtnahme bereit. Günter Nagels Schriftgut wird im Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover aufbewahrt.

Maxime In seinen Positionen zeitgenössischer Landschaftsarchitektur, einem Vortrag, gehalten beim Symposion „Das künstliche Paradies – Gartenkunst im Spannungsfeld von Natur und Gesellschaft“ (1996, gedruckt 1997), legte er dar, welchen drei Aspekten jedes Werk der Gartenkunst und Landschaftsarchitektur zu genügen habe. Als erstes wäre da der Nutzungsaspekt, das heißt die soziale Funktion, darunter fallen einerseits Obstbäume, Gemüsebeete und Zierpflanzen, andererseits Spiel- und Erholungsmöglichkeiten, Naturerleben oder auch Gartentherapie. Der zweite Aspekt lautet Ökologieaspekt, das heißt die Beziehungen zur Biosphäre, welcher das Zusammenspiel von Boden, Klima, Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen und Menschen berücksichtigt. Aspekt Nummer drei ist die Gestalt. Hier geht es um Form, Stil, Schönheit, Ästhetik, Gartenkunst. Die Aufgabe bestehe darin, „den Nutzungsaspekt und den ökologischen Aspekt zu einer prägnanten Gestalt zu führen“.

Werke (Auswahl) Sofern nur die Gebäude aufgeführt sind, handelt es sich tatsächlich um deren funktionales und ästhetisches Umfeld (Begrünungen, Sitzgelegenheiten usw.). Landschaftsplanungen 1962/63: Landschaftsaufbauplanung, Marl/Westfalen 1964/65: Landschaftsaufbauplanung, Ratzeburg 1972/73: Landschaftsrahmenplan Gießen-Wetzlar (mit Jürgen Dirk Zilling) 1976/77: Landschaftsplan Nördliche Okeraue, Braunschweig 1991/92: Umweltverträglichkeitsprüfung zum Ausbau der unteren Hunte 1993/94: Rahmenplanerisches Gesamtkonzept/Landschaftsplan, Burgdorf 2001: Landschaftspflegerischer Begleitplan, Barsinghausen

Städtebauliche Planungen 1974/75: Freiraumkonzept für das Sanierungsgebiet Berlin-Kreuzberg (mit Jürgen Dirk Zilling) 1975: Untersuchung der Freiräume der Altstadt Spandau, Freiraumkonzept für die Sanierungsplanung (mit Jürgen Dirk Zilling) 1980/81: Braunschweig, Westpark 1982/83: Gleisdreieck, Berlin 1990: Oldenburg, Küstenkanal (mit Wilhelm Wortmann) 1987–1992: Siemens Berlin, Industriepark an der Spree 1991–1993: Grünstrukturplan Hannover, Vahrenwald-List 1993–1995: Wolfsburg-Nordsteimke, Strukturplanung und Grünordnungsplan 2000: Großburgwedel, Grünordnungskonzept

Außenräume/Wohnumwelt 1972: Terrassenbebauung Am Rupenhorn, Berlin-Charlottenburg 1972: Kinderheim und Spielgelände im Evangelischen Johannesstift, Berlin-Spandau 1970–1973: Wohnsiedlung, Berlin-Neukölln 1972/73: Jugendhof, Berlin-Zehlendorf 1983: Gartenstadt Düppel in Berlin-Nikolassee 1985: Wohnen im Evangelischen Johannesstift, Berlin-Spandau 1986–1990: Altenwohnanlage, Salzgitter 1995/96: Wohnquartier, 1. Bauabschnitt, Neugraben-Fischbek, Hamburg

Öffentliche Grünräume 1983: Bismarckplatz Heidelberg (mit Herbert Lindinger) 1996–2002: Neuer Stadtpark, Celle 1995–1999: Uferräume des Mittellandkanals in Hannover 1997–2000: Spiel- und Sportpark am Kronsberg in Hannover 1999/2000: Allergologischer Kommunikationspark in Bad Lippspringe

Kulturbauten 1972/73: Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Tiergarten (mit bzw. in Nachfolge von Hermann Mattern) 1973: Staatliches Institut für Musikforschung (SIM) und Instrumentenmuseum in Berlin-Tiergarten 1973/74: Kongresszentrum (ICC) Berlin, Dachgarten 1976–1980: Villa von der Heydt, Sitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Tiergarten 1981/82: Bildungsstätte der IG Metall in Berlin-Pichelssee 1983: Kammermusiksaal an der Berliner Philharmonie 1988–1990: Tagungszentrum Messe, Hannover 1987–1996: Museen Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1996: Kloster St. Marienthal, Klosterhof

Schulbauten 1968–1972: Tagesheimgymnasium, Osterburken 1972: German International School Washington D.C., USA, Außenanlagen mit Kletter- und Spielgeräten 1972/73: Gesamtoberschule, Berlin-Kreuzberg (heute: Carl-von-Ossietzky-Gemeinschaftsschule) 1974/75: Gesamtschule, Herten/Westfalen 1976–1979: Oberstufenzentrum, Berlin-Tempelhof 1995–1996: Schulzentrum, Weyhe (Wettbewerb 1993) 1997–1999: Landessportschule Niedersachsen, Hannover

Hochschulbauten 1979/80: Universität Osnabrück, Botanisches Freigelände 1975–1982: Technische Universität Berlin, Außenanlagen der Institute für Mathematik, Physik und Elektrotechnik 1992–2000: Außenanlagen mit Wasserbecken der Fachhochschule, Hildesheim 1993–1997: Fachbereich Chemie, Universität Hannover 1995–2000: Forschungsinstitut Unterwassertechnikum, Universität Hannover 2007–2009: Umgebungsgestaltung der vom Büro Struhk Architekten errichteten Landesmusikakademie Niedersachsen, Wolfenbüttel

Sportstätten 1978: Stadion Berlin-Haselhorst, Außenanlagen 1981: Sport- und Freizeitzentrum, Soest

Krankenhäuser 1976–1980: Oskar-Helene-Heim in Berlin, 1. Sanierungsbaustufe 1976–1980: Krankenhausneubau im Evangelischen Johannesstift, Berlin-Spandau

Verwaltungsbauten 1984/85: Oberlandesgericht Celle 1991–1994: Trigon Verwaltungsgebäude, Berlin 1996–1999: Rathaus, Cloppenburg 1998–2001: Neubau der Norddeutschen Landesbank, Hannover

Industrie- und Gewerbebauten 1984: Schering-AG-Zentrale Verpackung und Versorgung, Berlin 1988: Siemens-Gartenfeld, Berlin-Spandau 1992–1995: Verwaltungs- und Fertigungskomplex von Siemens in Berlin-Treptow 1997–2000: Datenverarbeitungsgesellschaft der niedersächsischen Sparkassenorganisation mbH (später Finanz Informatik), Temporärer Park und Außenräume am Verwaltungsneubau in Hannover-Kronsberg (früheres IBM-Gelände) 1999/2000: Betriebsgelände Sennheiser in Wennebostel 1993–2000: Grünbereiche des von Ackermann und Partner errichten Hauptpumpwerks der Berliner Wasserbetriebe in Berlin-Wilmersdorf

Auszeichnungen Neben zahlreichen Preisen bei Ideen- und Realisierungswettbewerben: 2003: Friedrich-Ludwig-von-Sckell-Ehrenring für Landschaftsarchitektur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München 2018: Peter-Joseph-Lenné-Medaille der Lenné-Akademie für Gartenbau und Gartenkultur e. V.

Mitgliedschaften und Jurytätigkeiten Günter Nagel trat 1972 dem Kuratorium der 1965 gegründeten Karl-Foerster-Stiftung für Angewandte Vegetationskunde bei und war von 1976 bis 1986 dessen Vorsitzender. 1976 wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landespflege e. V. und 1978 der Architektenkammer Niedersachsen. Weitere Mitgliedschaften ergaben sich in den 1980er Jahren: Mitglied des Kuratoriums der Fritz-Schumacher-Stiftung (1981), Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (1982), Mitglied der West-Berliner Akademie der Künste (1982), Mitglied des Deutschen Werkbundes (1984), Mitglied der Architektenkammer Berlin (1985) und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Entwicklungsplanung und Strukturforschung Hannover (1989), später, nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland, noch Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des aus dem Leipziger Institut für Städtebau und Architektur hervorgegangenen Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (1992).

1986 wurde er zum Stellvertretenden Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste gewählt und übte diese Funktion auch nach der Vereinigung der West- mit der Ost-Akademie aus. Schließlich bekleidete er von 1997 bis 2006 das Ehrenamt des Direktors der Sektion.

Als Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal an der deutsch-polnischen Grenze, der ältesten Zisterzienserinnen-Abtei in Deutschland, gehörten die Entwicklung der Klosteranlage und ihrer Umgebung sowie Konzeption und Ausführung eines „Gartens der Bibelpflanzen“ zu seinem Beitrag.

Von 1992 bis 2000 wirkte Nagel als Fachgutachter der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Gutachten wie Baumgutachten gehörten auch zu seinem üblichen Arbeitsfeld.

2001 war er Mitbegründer des Zentrums für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (CGL) der Universität Hannover.

Er saß in Jurys von städtebaulichen Wettbewerben, aber auch zum Beispiel in der Jury des Ausstellungswettbewerbs „da! Architektur in und aus Berlin 2005“ der Architektenkammer Berlin. Darüber hinaus war er Teil des Jury-Findungsgremiums für den Lenné-Preis und diesbezüglich selbst Juror.

Schriften