mini|Elisabetta de Gambarini, 1748 Elisabetta de Gambarini, auch Elizabeth Gambarini, Elisabetta Gambarini und Elisabetta Gamberini (* 7. September 1730 in Marylebone, Middlesex; † 9. Februar 1765 in Westminster, London), war eine englische Komponistin, Mezzosopranistin, Organistin, Cembalistin, Pianistin, Dirigentin und Malerin. Gambarinis musikalisches Werk wird dem Spätbarock und der Klassik zugeordnet. Sie erlangte Berühmtheit als Musikerin, da sie sowohl für eine Vielzahl von Instrumenten komponierte als auch spielte und sang. Gambarini war die erste Komponistin im Königreich Großbritannien, die ihre Kompositionen, eine Sammlung von Werken für Tasteninstrumente, veröffentlichte.
Leben Elisabetta de Gambarini war das dritte von vier Kindern von Charles Gambarini († 1754), einem italienischen Adeligen aus Lucca, der Berater des Landgrafen von Kassel war. Ihre Mutter Joanna (Giovanna Paula) Stradiotti († 1774) stammte aus Dalmatien. Ihre Geschwister starben noch im Kindesalter.
Am 20. März 1764 heiratete Elisabetta in der Kirche St Martin-in-the-Fields Etienne Chazal, über den nichts weiter bekannt ist. Laut neueren Forschungen anhand von Dokumenten des British National Archives hieß ihr Ehemann Stephen Chazell, außerdem belegen die Dokumente, dass er seiner Frau gegenüber gewalttätig war.Siehe hierzu den Aufsatz von Alice DeSimone: Musical Virtue, Professional Fortune, and Private Trauma in Eighteenth-Century Britain. A Feminist Biography of Elisabetta de Gambarini (1730-65). In: The Journal of Musicological Research Bd. 40 (2021), 1, S. 5–38. Elisabetta gab im März 1764 ein Konzert unter ihrem neuen Namen Chazal und verstarb ein Jahr später in ihrem Haus in Castle Court, Strand. Sie wurde am 14. Februar 1765 in der Kirche St James’s in Westminster begraben.
Laut Nachlass ihrer Mutter hatte sie eine Tochter namens Giovanna Georgiana Chazal, über die ebenfalls nichts bekannt ist. Es ist möglich, aber nicht gesichert, dass Gambarini während oder nach der Geburt verstarb.
Musikalisches Schaffen Über ihre musikalische Ausbildung ist wenig bekannt, möglicherweise war sie eine Schülerin von Francesco Geminiani. Im 18. Jahrhundert nahmen in Großbritannien vermehrt Frauen am Musikleben teil. Gambarini begann ihre Karriere als Sängerin in Georg Friedrich Händels Occasional Oratorio (1746–1747).
Sie sang 1747 die Israelitin in der Uraufführung von Judas Maccabaeus und trat 1747 in Joseph and his Brethren (deutsch: Joseph und seine Brüder) auf. Ihr Name ist ebenfalls auf der Partitur von Händels Samson und Messiah verzeichnet, die Daten der Aufführungen sind unbekannt.
1748 gab sie ein eigenes Benefizkonzert, bei dem sie als Sängerin auftrat und eigene Kompositionen auf der Orgel spielte. Zudem gab sie im selben Jahr ihre zwei ersten Musikbände heraus und war damit die erste britische Komponistin, die eine Sammlung von Werken für Tasteninstrumente herausgab. 1748 wurde als ihr Opus 1 The Six Sets of Lessons for the Harpsichord („Sechs Etüdensammlungen für Cembalo“) veröffentlicht, das sie der Viscountess Howe von Irland widmete.
Ihre Musik wurde von vielen wahrgenommen, darunter berühmten Musikern wie Georg Friedrich Händel und Francesco Geminiani. Ebenfalls 1748 veröffentlichte sie Lessons for the Harpsichord Intermix’d with Italian and English Songs („Etüden für Cembalo kombiniert mit italienischen und englischen Liedern“), gewidmet dem Prince of Wales. 1750 folgte die Veröffentlichung von XII English & Italian Songs, for a German flute and Thorough Bass… Opera III („Zwölf englische und italienische Lieder für Traversflöte und Generalbass“), hauptsächlich komponiert für Holzblasinstrumente und dem Herzog von Marlborough gewidmet.
Während ihrer gesamten Karriere trat Gambarini am Haymarket Theatre und der großen Konzerthalle in der Dean Street im Londoner Stadtteil Soho auf. Später gab sie verschiedene Benefizkonzerte, in denen sie als Sängerin, Cembalistin, Organistin und mit eigenen Kompositionen auftrat. Während eines ihrer Benefizkonzerte führte sie Francescos Geminianis The Inchanted Forest auf, weshalb sie von manchen für eine seiner Schülerinnen gehalten wird.
Kompositionen
Six Sets of Lessons for the Harpsichord (Op. 1), 1748 (Sechs Sammlungen von Etüden fürs Cembalo) Lessons for the Harpsichord Intermix’d with Italian and English Songs (Op. 2), 1748 (Etüden fürs Cembalo gemischt mit italienischen und englischen Liedern) XII English & Italian Songs, for a German flute and Thorough Bass...Opera III (12 englische und italienische Lieder für Traverso und Generalbass ... Opus 3) War March („Kriegsmarsch“) Victory („Sieg“) für Stimme und Orgel Forest Scene („Waldszene“) für Horn und Pauke. Tho Mars, Still Friends to France The Friendly Wish („Der freundlische Wunsch“) Forgive Ye Fair Honour, Riches, Marriage-Blessing („Ehre, Reichtum, Ehesegen“) aus Der Sturm (Shakespeare) Ouverture für Hörner Ouverturen Orgel-Konzerte Soli für Klavier und Violine Ode für Chor
Aufnahmen 18th Century Women Composers - Music for Solo Harpsichord. Vol. 1. Barbara Harbach, Cembalo. Gasparo Records GSCD-272 (1995). Anthony Noble: Elizabeth Gambarini: Complete Works for Harpsichord. Herald Records HAVPCD 244 (2000)
Noteneditionen (Auswahl)
Elisabetta de Gambarini. Women Composers for the Harpsichord, hrsg. von Barbara Harbach. Theodore Presser Company, 1986. Six sonatas for harpsichord or piano. Vivace Press, Pullman, WA 1994. Lessons For The Harpsichord op. 1 & 2, hrsg. von Martha Asti. Hildegard Publishing, 1995. Grazioso from Sonata No. 2, in: Karen Marshall (Hg.): Her Story: The Piano Collection. A Progressive Collection Celebrating 29 Female Composers and Their Stories. Intermediate to Advanced Level. London: Faber Music Ltd., London 2022. Gavotta; Giga; March; Cariglion; Tambourin, in: Nils Franke (Hg.): 9 Komponistinnen aus 3 Jahrhunderten: 25 leichte Klavierstücke mit Übetipps.Wiener Urtext Edition, Schott/Universal Edition, Wien 2023.
Literatur Jane Bowers, Judith Tick: Women Making Music. The Western Art Tradition 1150–1950. University of Illinois Press, Urbana/Chicago 1986. James R. Briscoe: A Biography Dictionary of Actor, Actresses, Musicians, Dancers, Managers & Other Stage Personnel in London 1660–1800. Music Library Association, 56, 4 (2000), S. 1014. Pamela Youngdahl Dees: An Annotated Catalogue of Available Intermediate-Level Keyboard Music by Women Composers Born Before 1900. D.M.A. Dissertation. University of Miami, 1998. Alice DeSimone: Musical Virtue, Professional Fortune, and Private Trauma in Eighteenth-Century Britain. A Feminist Biography of Elisabetta de Gambarini (1730-65). In: The Journal of Musicological Research Bd. 40 (2021), 1, S. 5–38. (online, lizenzpflichtig) Nina Rattner Gelbart: The King’s Midwife. A History of Madame du Coudray. University of California Press, Berkeley / Los Angeles 1998. Bradford Gowen: New Music for Performance: Six Sonatas for Harpsichord or Piano by Elisabetta De Gambarini; Six Lessons by Elizabeth Harden. Hg. von Barbara Harbach [Rezension]. In: Piano & Keyboard, January/February 1996, S. 51. Diane P. Jezic: Women Composers. The Feminist Press at The City University of New York, New York 1988. Penelope Mathiesen: Elisabetta De Gambarini: The Vocal Option. In: Continuo. 16, Nr. 2, 2. April 1992, S. 2–5. Carol Neuls-Bates: Women in Music. Northeastern University Press, Boston 1996. Anthony F. Noble: A Contextual Study of the Life and Published Keyboard Works of Elisabetta de Gambarini, Together with a Recording, Facsimile of the Music, and Commentary. PhD Dissertation. University of Southampton (King Alfred’s College Winchester), 2000. (PDF online auf ResearchGate) Anthony F. Noble: Gambarini (married name Chazal), Elizabeth (Elisabetta de Gambarini) (1730–1765), Composer, Keyboard Player, and Singer. In: Oxford Dictionary of National Biography, 2004. Karin Pendle: Women & Music: A History. 2. Aufl. Indiana University Press, Bloomington 2001. [1. Aufl. 1991] Rudolf Rasch: The Thirty-Three Works of Francesco Geminiani, Work Twenty, The Inchanted Forest (1754/1761). In: My Work on the Internet, Vol 8, April 2016. Charles Smith, Patrick Georges: Similarity Indices for 500 Classical Music Composers: Inferences From Personal Musical Influences and ‘Ecological’ Measures. In: Empirical Studies of the Arts. 33, 1, 2015, S. 61–94. Dean Winton: Gambarini, Elisabetta de. In: Grove Music Online (2001) doi:10.1093/gmo/9781561592630.article.10600
Weblinks
Stephen Pritchard: „Elisabetta de Gambarini: The Fabulous Talent, Violent Marriage and Tragic Death of a Trailblazing Composer“. In: BBC Music Magazine, Artikel vom 11. Februar 2025.
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Barock) Kategorie:Klassischer Organist Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren 1730 Kategorie:Gestorben 1765 Kategorie:Frau