Die Festung Civitella del Tronto ist eine Renaissancefestung in der Nähe eines Felskammes über dem Ortszentrum der italienischen Gemeinde Civitella del Tronto in der Provinz Teramo und dient als Eckpfeiler für die Kontrolle des Territoriums mit taktischer und Verteidigungsfunktion.

Der Verteidigungskomplex stellt einen der wichtigsten Hochburgen des Königreiches Neapel in der Zeit des spanischen Vizekönigtums dar und ist ein imposantes Werk der militärischen Ingenieurskunst, das auf dem Boden des mittelalterlichen Italien realisiert wurde. In ihrer Ausdehnung ist sie vergleichbar mit der Festung Brunetta, die die Piemonteser in der Nähe der Stadt Susa errichteten, und mit der Festung Hohensalzburg, mit der sie 1989 eine Partnerschaft eingegangen ist. Ihre Bauten erstrecken sich über etwa 500 Meter Länge und eine mittlere Breite von 45 Metern, wobei sie eine Fläche von 25.000 m² bedecken.

Mit seinen 45.000 Besuchern pro Jahr (Zahl von 2016) ist sie das meistbesuchte Denkmal in den Abruzzen.

Die Anlage ist hauptsächlich als das letzte Bollwerk des Königreiches beider Sizilien bekannt, das sich gegen die Piemonteser am 20. März 1861, drei Tage nach der Krönung des Königs von Italien, Vittorio Emanuele II., erhob.

Lage Die Festung wurde auf über 600 Meter Seehöhe in der Nähe der Grenzlinie zwischen den Grafschaften Ascoli Piceno und Abruzzen errichtet und erhebt sich in dominanter Lage über Zentrum des Dorfes auf einer Höhe zwischen dem Vibrata-Bach und dem Fluss Salinello. Vom Glacis hat man einen schönen Panoramablick, der sich vom Tal des Salinello über das Tal der Vibrata bis zum Trontotal erstreckt. Man sieht auch die Monti Gemelli, den Gran Sasso, die Monti della Laga, die Majella, den Monte Acensione und die Adria.

Geschichte Geschichtliche Quellen bezeugen die Existenz von Schriften aus dem 11. Jahrhundert. Es ist das Jahr 1001 erwähnt, in dem ein Akt der Schenkung stattfand, der von Raterio, Sohn des Giuseppe, unterzeichnet wurde und die „curtis“ von „Tibitella“ beschreibt, einen Wachposten an der Grenze am Salinello zwischen den Gebieten Ascoli Piceno und Abruzzen. Darauf folgte 1069 ein weiterer Schenkungsakt, unterschrieben von Siolfo, Sohn des Trasmondo und Neffe des Trasmondo, die das Eigentum an der Burg „Civitellae“ Stefano, Bischof von Ascoli Piceno, zuschreibt.

Civitella war Grenzwachposten am Salinello und in den folgenden Jahrhunderten sollten die Wechselfälle der Verteidigungsgarnison zwischen Rückzug und Vorrücken der territorialen Grenzlinie, die die Souveränität der beiden Gerichtsbarkeiten trennte, wechseln.

Am 30. Januar 1255 bestätigte der Papst Alexander IV. Teodino, Bischof von Ascoli, die Macht über die Festung und ermahnte die Ascolaner, die Burg von Civitella zu befestigen und zu ertüchtigen.

In der Folge entschied Karl I. von Neapel, der eine defensive Ausrichtung des Königreiches anstrebte, einige Burgen zu ertüchtigen, darin war 1269 auch die Reparatur von Civitella enthalten.

Im 12. und 13. Jahrhundert verzeichnete das Fort eine Zunahme an Bediensteten, von dreißig im Jahre 1269 auf sechzig im Jahre 1271. 1273 wurden fortschrittliche Munition und Belagerungsmaschinen für die Einnahme von Castel Manfrino dorthin gebracht. Ein Dokument von 1276, das während der Herrschaft derer von Anjou erstellt wurde, bezieht sich auf eine „gerade erbaute“ Burg, womit vermutlich Informationen über die Erhaltung und Renovierung suevischer Gebäude gemeint ist.

Zwei Schriftrollen, die im Staatsarchiv von Ascoli aufbewahrt werden, beweisen, dass nach 1387 dreizehn Schlichter von Civitella sich öffentlich trafen und zwei Botschafter benannten, die in Ascoli einzusetzen waren, um mit dem örtlich „Consiglio degli Anziani“ verhandeln, damit ihre Heimat unter „den Gehorsam, den Schutz und die Verteidigung“ der Stadtgerichtsbarkeit gestellt werde. Vom Jahr 1426 gibt es ein Dokument, das „vier Schreinermeistern und zwei Trägern von Ascoli“ die Zahlung eines Lohns für den Transport einer Bombarde auf die Festung bestätigt.

Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts, im Jahre 1442, ging die Herrschaft über die Burg von denen von Anjou auf die Aragonier über. Alfons I. verfügte die Verstärkung und Erweiterung der Festung und schon 1450 hatte der Verteidigungskomplex seine fünf Türme. In diesen Jahren wurden mit der Inbetriebnahme von Schutzstrukturen, die am östlichen Ende der Festung errichtet wurden, Veränderungen durchgeführt, die der Anlage das Aussehen einer „befestigten Zitadelle der frühen Renaissance“ verliehen.

In den Folgejahren hatte die Bevölkerung von Civitella del Tronto nicht immer optimale Beziehungen zu den Kastellanen. An König Ferrante I. von Neapel wurde 1475 eine formelle Anfrage zur Abberufung des Kommandanten Leone Gazull gerichtet. 1481 sammelte die Universität von Civitella del Tronto Spenden zur Wiederherstellung der Mauern, wogegen 1485 Alfons I. von Aragón, Herzog von Kalabrien, sich zur Inspektion der Festung begab. Vier der fünf Türme der Festung wurden von den Einwohnern von Civitella del Tronto im Jahre 1495 zerstört, und zwar wegen der weit verbreiteten Unzufriedenheit und, „damit sie nicht unter der Unverschämtheit der Kastellane litten“.

Odet de Foix, Kommandant der französischen Truppen, besetzte Civitella del Tronto im Februar 1528, als die Festung nur einen einzigen, zur Verteidigung tauglichen Turm besaß, da die anderen vier noch nicht wieder aufgebaut waren. Diese wurden in den Folgejahren repariert und 1557 war die wiederhergestellte Festung bereit, sich dem Angriff im Krieg am Tronto zu stellen. Im Jahre 1557 wurde sie unter der Führung von Franz von Lothringen, Herzog von Guise, und Antonio Carafa, Marquis von Montebello, einer Belagerung unterzogen.

1734 setzten sich die Bourbonen als neue Herren der Festung fest und ersetzten so die vorhergehende Herrschaft der Habsburger; sie ließen weitere strukturelle Änderungen durchführen, die die Festung in den Stand versetzten, sich gegen die Belagerungen der Franzosen und Piemonteser zu wehren.

1798 und 1806, während der italienischen Kampagne von Napoleon Bonaparte, wurde die Festung von französischen Truppen belagert bis 1820 die Festung vollständig restauriert wurde, wobei ihr Renaissance-Charakter beibehalten wurde. Die letzte Belagerung, die in historischen Chroniken meisterwähnte, fand in den Jahren 1860 und 1861 statt und bestimmte den Anfang vom Ende der Garnisonsfunktion.

Diese Wechselfälle führten zum Verlust der Funktion der Festung, gefolgt von einer langen Zeit der Vernachlässigung und fortschreitenden Abbaus des Verteidigungskomplexes. Es kam auch zu Diebstählen, die von denselben Einwohnern von Civitella del Tronto begangen wurden, die die Ruinen als „Steinbruch für Baumaterialien“ benutzten.

Die Festung profitierte von einer fortgesetzten Restaurierungstätigkeit, die von 1975 bis 1985 dank der Schirmherrschaften der Sopraintendenza delle Belle Arti dell’Aquila, der Cassa del Mezzogiorno und der örtlichen Kommunalverwaltung durchgeführt wurde. Außer der Wiederermöglichung großer Teile des Gebrauchs der Festung und ihrer Umgebung hat diese bewirkt, dass der Charakter einer befestigten Zitadelle aus dem Beginn der Renaissance erhalten blieb, was insbesondere für die geschichtliche, kulturelle und militärische Bedeutung der Festung wichtig war.

Die Belagerungen Belagerung von 1557 Die französischen Truppen unter der Führung des Herzogs von Guisa, Franz I. Stefan, General des Königs Heinrich II., eines Verbündeten des Papstes Paul IV., und Antonio Cerafa, Markgraf von Montebello und Neffe des Papstes, unterzogen die der Festung vorhergehende Burg einer harten Belagerung, die am 24. April 1557 begann und am 16. Mai desselben Jahres endete. Diese kriegerische Episode sanktionierte die strategische Bedeutung der Anlage. Die Festung, mächtiger als vorher, schaffte es, die Angreifer zurückzuschlagen.

Vom Feldlager der Belagerer gibt es drei perspektivisch gravierte Grundrisse, die in guter Näherung die Zusammenstellung der Ausbildung des damaligen Lagers liefert. Der Komplex scheint auf drei Seiten von einer unterbrochenen, zinnenbewehrten Mauer in üblicher Entfernung umgeben gewesen zu sein, wozu es fünf zinnenbewehrte Türme mit Überhängen in perfektem Zustand gab. Die Ostseite zeigte eine Umfassungsmauer, teilweise ohne Zinnen, Umgänge, einen großen Turm mit angeschrägter Basis und eine Bastion, die den Eingang schützte. Hinter dem Eingangstor befanden sich ältere Baukörper, die innerhalb der Mauern eingeschlossen waren.

Belagerung von 1798 Die Belagerung von 1798 spielte sich in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember dieses Jahres ab, als das Kommando der Garnison an die Franzosen, von Giovanni Batista Rusca an den militärischen Gouverneur Giovanni Lacombe übergeben wurde.

Belagerung von 1806 Am 22. Januar 1806 wurde eine weitere französische Belagerung angestrengt. Die Festung wurde zu diesem Zeitpunkt vom irischen Soldaten Matteo Wade kommandiert, der seinen Militärdienst bei den königlich neapolitanischen Truppen ableistete. Der Major hatte 19 Kanonen, einen Mörser, 323 Mann und Lebensmittel für drei Monate. Er lehnte die Kapitulationsangebote der französischen Generäle ab, die das Fort straften, als sie es am 21. Mai einnahmen.

Belagerung von 1860/1861 Die Belagerung von 1860/1861 wurde von Oberstleutnant Antonio Curci geleitet, der in seinem Gefolge 400 Garibaldi-Freiwillige hatte, und vom Marinemajor Renzo Carozzi, der weitere 400 Mann führte. Der Festung stand Major Luigi Ascione mit 430 Mann vor. Der Belagerungszustand dauerte vom 26. Oktober 1860 bis zum 20. März 1861, als sich die bourbonischen Milizen nach mutigem Widerstand drei Tage nach der Proklamation der Einheit Italiens ergaben.

Beschreibung Es gibt keine Spuren davon, wie der älteste Bau der städtischen Verteidigungsgarnison organisiert und ausgeführt wurde. Man nimmt aber an, dass es einen befestigten Kern, eingeschlossen in einem Mauerring, gab. Die Festung nahm in der suebischen Periode echte Beständigkeit an und noch mehr unter der Regentschaft des Hauses Anjou, da die Nähe der Grenze zwischen dem Königreich Neapel und dem entstehenden Kirchenstaat ihr eine wichtige strategische Lage verlieh.

Ab 1564 wurde die Struktur des Forts Umbauten und Erweiterungen unterzogen, bis sie den heutigen Zustand angenommen hatte. Dies geschah auf Geheiß des Königs von Spanien und Neapel, Philipp II. von Habsburg, der die vorhergehende, angivinische Befestigungen und die aragonesische Burg verstärken ließ, indem der die Errichtung der Festung anordnete.

Die Angiviner fügten die flankierenden Rundtürme an den Ecken und entlang der geraden Mauern an, um die existierenden, suevischen Gebäude anzupassen und zu modernisieren, indem sie sie an ihre Strategien und Militärtechnik anpassten. Vielleicht waren diese Türme auch mit Zinnen und Vorsprüngen mit Trennungsfunktion versehen, wie man das im Spätmittelalter machte, wovon heute noch einige Reste zu sehen sind.

In der Zeit vor der Belagerung im Trontokrieg 1557, wurden die Festungsmauern gemäß den Vorgaben des modernen Festungsbaus angepasst und mit Bastionen, Verstärkungen und Contrescarpen ausgerüstet, wie es durch die Einführung der Feuerwaffen erforderlich war und in den Chroniken und den Stichen des Feldlagers verzeichnet ist. Von 1639 bis 1711 wurden an der Siedlung Reparatur- und Erhaltungsarbeiten durchgeführt.