Le songe d’une nuit d’été (deutscher Titel: Der Sommernachtstraum) ist eine Opéra-comique in drei Akten von Ambroise Thomas (Musik) mit einem Libretto von Joseph-Bernard Rosier und Adolphe de Leuven. Sie wurde am 20. April 1850 in der Salle Favart der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt. Trotz des Titels handelt es sich nicht um eine Verarbeitung von Shakespeares Komödie Ein Sommernachtstraum, sondern um eine freie Fantasie, in der der Dichter (in der französischen Namensform „Shakspeare“) selbst zusammen mit Königin Elisabeth I. und dem Parkaufseher Falstaff auftritt.

Handlung

Erster Akt

Das Wirtshaus „Sirene“ in London; im Hintergrund ein gewölbtes Eingangstor; rechts das Ufer der Themse; links eine Treppe zum Bankettsaal

Szene 1. Da Falstaff, der Oberaufseher des königlichen Parks zu Richmond, ein Festessen zu Ehren des mit ihm befreundeten Dichters William Shakspeare beauftragt hat, treiben der Wirt Jérémy und seine Nichte Nelly ihre Angestellten zur Arbeit an (Chor: „Allons, point de paresse“).

Szene 2. Falstaff kommt hinzu und probiert schon einmal den Wein (Couplets Falstaff: „Allons, que tout s’apprète“).

mini|links|Charles-Amable Battaille als Falstaff

Szene 3. Köche, Küchenjungen und Weinkellner bringen in einem Festzug das Essen herein (Marsch und Chor: „Le maître… le voici“).

Szene 4. Noch bevor die geladenen Gäste eintreffen, erscheinen Königin Élisabeth und ihre Hofdame Olivia, die nach dem Besuch eines von Spakspeares Schauspielen in ein Unwetter geraten sind und im Gasthof Schutz suchen. Sie haben sich vorsichtshalber maskiert (Duett Élisabeth/Olivia: „Quel effroi, calme-toi“).

Szene 5. Die beiden Damen erkennen Falstaff sofort und scherzen mit ihm. Da sie ihm bekannt vorkommen, versucht er, ihre Identität zu erraten, hat aber keinen Erfolg. Letztlich hält er sie für kostümierte Schauspieler und lädt sie zu seinem Fest ein (Terzett Élisabeth/Olivia/Falstaff: „Où courez vous mes belles“). Weil sich unter den anderen Gästen einige Personen zweifelhaften Rangs befinden, bittet er sie, im Nebenzimmer zu warten, bis das Fest begonnen hat.

Szene 6. Shakspeare, sein Freund Latimer, Schauspieler und weitere Gäste treffen ein. Alle preisen den Ehrengast (Chor: „Chantons sa gloire“). Shakspeare eröffnet das Fest (Couplets Shakspeare: „Enfans que cette nuit est belle“).

Szene 7. Die Gäste strömen in den Bankettsaal. Nur der zwanghaft eifersüchtige Latimer bleibt zurück, da er seine Geliebte Olivia vermisst. Shakspeare versucht ihn abzulenken, bis er von den anderen in den Saal gerufen wird.

Szene 8. Während die Gäste im Hintergrund fröhlich zechen, grübelt Latimer über seine Liebe zu Olivia nach (Romanze Latimer: „Son image si chère“).

Szene 9. Falstaff holt Élisabeth und Olivia aus dem Nebenzimmer ab. Beide bleiben weiterhin maskiert, zumal Olivia ihren Verehrer bemerkt hat. Falstaff behauptet, er wolle die beiden zu einem Stelldichein in seine Wohnung nach Richmond bringen.

Szene 10. Der mittlerweile angetrunkene Shakspeare verlässt den Bankettsaal, da er mit Nelly anbändeln will. Élisabeth ist schockiert, den von ihr verehrten Dichter in diesem Zustand anzutreffen. Ihre Versuche, ihn zur Vernunft zu bringen, scheitern kläglich. Da er sich von der maskierten Dame angezogen fühlt, drängt er alle anderen hinaus.

Szene 11. Als sie mit Shakspeare allein ist, weigert sich Élisabeth standhaft, ihre Maske abzulegen. Stattdessen ermahnt sie ihn, sein lasterhaftes Leben zu ändern. Shakspeare greift jedoch erneut zum Wein (Couplets Shakspeare: „Je trouve au fond du verre“) und schläft schließlich benommen ein. Élisabeth beschließt, ihn als sein „Schutzgeist“ wieder zur Vernunft zu bringen, um ihre und Englands Ehre zu retten (Cavatine Élisabeth: „Le voir ainsi“).

Szene 12. Die jetzt ebenfalls betrunkenen Gäste kommen aus dem Saal und verlangen randalierend nach mehr Wein (Chor und Szene: „Allons donc, tavernier du Diable“). Falstaff, Latimer und der Wirt können sie kaum im Zaum halten. Trotz des Trubels gelingt es Élisabeth, Falstaff eine Nachricht zukommen zu lassen: Er soll Shakspeare in den Park von Richmond bringen. Erst jetzt erkennt Falstaff zu seinem Schrecken, dass sie tatsächlich die Königin ist. Auch Latimer hat Olivia inzwischen erkannt und kann seine Eifersucht auf Falstaff kaum bannen. Die Gäste ziehen sich vorsichtig zurück, um nicht der Nachtwache in die Hände zu fallen.

Zweiter Akt

Park des Schlosses von Richmond; links ein gotischer Pavillon mit einer Tür an der Seite; Nacht; Mondschein; im Hintergrund eine Barke

Szene 1. Introduktion. In der deutschen Fassung trägt die Einleitung keine eigene Szenennummer. Die folgenden Nummern des zweiten Akts sind daher dort um eins nach vorne verschoben. In der Barke bringt Falstaff den noch immer schlafenden Shakspeare in den Park. Von verschiedenen Seiten treffen Forstaufseher ein, die sich gegenseitig Hornsignale geben.

Szene 2/1. Die Forstaufseher besingen ihre wichtige Arbeit im Park (Chor: „Gardes de la Reine“).

Szene 3/2. Falstaff und der Förster Jarvis gesellen sich hinzu, und Falstaff erzählt eine gruselige Geschichte über den „wilden Jäger“ (Ballade Falstaff: „Dans l’ombre de la nuit“).

Szene 4/3. Nachdem die Forstaufseher gegangen sind, trifft Falstaff auf Latimer, der ihn nach seinem Verhältnis zu den verschleierten Damen fragt. Falstaff schwört „bei seiner Flasche“, dass „die Sprödere“ ihn sehr liebe (Duett Latimer/Falstaff: „Et s’il vous faut une preuve“) und zeigt ihm als Beweis ein Bouquet mit einem grünen Band. Latimer rast vor Eifersucht, verlangt aber noch einen weiteren Beweis. Falstaff behauptet daraufhin, dass sie in Kürze in sein Haus kommen werde. Latimer will dort auf sie warten und zieht Falstaff gewaltsam mit sich fort.

Szene 5/4. In diesem Moment erscheint Olivia im Park. Falstaff kann sich losreißen und läuft davon. Olivia versichert Latimer ihrer ungebrochenen Treue. Zwar kann sie ihm auf seine Frage nach dem Bouquet keine plausible Antwort geben, trägt aber immerhin den Ring seiner Mutter. Latimer glaubt ihr nicht und läuft verzweifelt fort. Olivia betritt traurig den Pavillon.

Szene 6/5. Shakspeare erwacht allmählich und wundert sich, wie er an diesen Ort gekommen ist. Gleichzeitig tritt Élisabeth aus dem Pavillon und beobachtet ihn aus der Ferne, während sie eine wortlose Melodie singt (Stanzen und Vokalisen Shakspeare/Élisabeth: „Oú suis-je“). Noch halb im Traum hält Shakspeare die verschleierte Élisabeth für die Julia aus seinem Drama Romeo und Julia und sich selbst für Romeo.

Szene 7/6. Élisabeth stellt sich Shakspeare als sein eigener Genius vor, der ihn auf den Pfad des Ruhms zurückführen wolle (Duett Élisabeth/Shakspeare: „Non, je ne suis pas Juiliette“). Sie hält ihm vor Augen, wie sich sein Leben entwickeln würde, sollte sein Genius ihn verlassen. Außerdem verheißt sie ihm eine liebende Frau und Kinder. Da erkennt Shakspeare, dass ihm nicht ein Geist, sondern eine echte Frau gegenübersteht. Von Gefühlen überwältigt fordert er sie auf, ihren Schleier abzunehmen. Als er sich für einen Moment umdreht, flieht Élisabeth in den Pavillon. Im selben Augenblick tritt Olivia heraus.

Szene 8/7. Shakspeare nimmt an, er habe mit Olivia gesprochen. Er ergreift ihre Hand und schwört ihr seine Liebe (Szene und Chor: „Reste, ah! reste encore“).

Szene 9/8. Latimer erblickt die beiden in dieser verfänglichen Situation. Er weist sämtliche Unschuldsbeteuerungen Olivias zurück, fordert Shakspeare zum Duell heraus und eilt fort. Shakspeare will ihm folgen, doch Olivia ist der Ohnmacht nahe und ruft um Hilfe.

Szene 10/9. Élisabeth eilt mit zurückgeschlagenem Schleier aus dem Pavillon, um ihrer Hofdame beizustehen. An ihrer Stimme erkennt Shakspeare, dass er zuvor mit der Königin selbst gesprochen hatte. Élisabeth befiehlt ihm Schweigen und geht mit Olivia zurück in den Pavillon.

Szene 11/10. Latimer kehrt zurück und drängt Shakspeare mit dem Degen in der Hand zum Kampf. Beide fechten.

Szene 12/11. Falstaff und die Forstaufseher eilen herbei, um die Kämpfenden zu trennen. Diese können sich jedoch befreien und fechten im Hintergrund weiter, bis Latimer stürzt und Shakspeare im Glauben, er habe ihn getötet, flieht.

Dritter Akt

Prächtiger Audienzsaal im Palast von Whitehall; im Hintergrund eine Galerie; rechts und links Vorhänge vor den Türen

Szene 1. Élisabeth leidet darunter, dass ihr Leben trotz aller Pracht einsam ist und sie nicht den Mann lieben darf, für den ihr Herz brennt (Zwischenaktmusik und Arie Élisabeth: „Malgré l’eclat qui m’environne“).

Szene 2. Olivia und Élisabeth sorgen sich um das Schicksal Latimers. Élisabeth hat Falstaff herbeordert, um ihn vorsichtig über den genauen Verlauf des Duells auszuhorchen.

Szene 3. Ein Page meldet die Ankunft Falstaffs. Élisabeth setzt diesen zunächst unter Druck, indem sie ihm den Befehl diktiert, einen gewissen Aufseher des königlichen Parks ausfindig zu machen, der die Erträge des königlichen Gartens für sich selbst nutze und daher gehängt werden solle. Als Probe für seine Redlichkeit soll Falstaff die Vorkommnisse jener Nacht genauestens erzählen. Falstaff, der nicht zugeben will, dass er seine Aufsichtspflicht in dieser Nacht vernachlässigte, behauptet, es sei überhaupt nichts vorgefallen: „Die Hirsche haben geschrieen, die Nachtigall hat geschlagen, der Zephyr hat gesäuselt, die Insekten haben gesummt und das Espenlaub hat gezittert.“ Durch geschickte Rückfragen bekommt Élisabeth schließlich die Wahrheit heraus: Latimer wurde nicht verletzt, sondern ist während des Duells vor Aufregung in eine Art Ohnmacht gefallen. Sein Gegner, der ihn für tot hielt, floh. Er sprang daraufhin verwirrt über eine Mauer und fiel in die Themse, wo er von Schiffern gerettet und nach Hause gebracht wurde. Élisabeth lässt Falstaff Stillschweigen schwören – er soll bei seiner ursprünglichen Version der Geschichte bleiben und habe auch nie den Auftrag erhalten, Shakspeare nach Richmond zu bringen. Sie fordert ihn auf, ihr ins Nebenzimmer zu folgen, damit Olivia Latimer allein sprechen kann.

Szene 4. Olivia ist erleichtert, dass Latimer nichts geschehen ist (Romanze Olivia: „Le ciel axauce ma prière“).

Szene 5. Als Latimer eintritt, fordert er sofort den Ring seiner Mutter zurück. Er ist fest überzeugt, dass Olivia ihn betrogen hat und lässt sich durch nichts vom Gegenteil überzeugen, zumal Olivia über die wahren Geschehnisse schweigen muss (Duett Olivia/Latimer: „Je suis trahi“).

mini|Die Königin lässt Shakspeare glauben, sein Abenteuer sei ein Sommernachtstraum gewesen

Szene 6. Als der Page das Eintreffen Shakspeares meldet, kehrt Élisabeth zurück und befiehlt Latimer, im Nebenzimmer zu warten.

Szene 7. Élisabeth versucht, Shakspeare einzureden, dass die Vorkommnisse im Park lediglich seiner Fantasie entsprungen seien. Er erklärt jedoch, dass dort außer ihr noch zwei weitere Zeugen zugegen waren, darunter ihre Hofdame Olivia.

Szene 8. Élisabeth lässt Olivia holen. Diese leugnet vereinbarungsgemäß, im Park gewesen zu sein. Sie habe die Nacht in Gegenwart der Königin im Palast verbracht. Auch von dem Duell will sie nichts wissen. Élisabeth ergänzt, es sei lediglich ein „Sommernachtstraum“ gewesen (Lied Élisabeth: „C’est un rève“). Die beiden Frauen lassen Shakspeare allein.

Szene 9. Verwirrt geht Shakspeare seine Erinnerungen noch einmal durch.

Szene 10. Shakspeare fragt Falstaff nach den Vorkommnissen der letzten Nacht. Der hält sich an seine Befehle: „Die Hirsche haben geschrieen…“ Da erblickt Shakspeare im Hintergrund der Szene Latimer im Gespräch mit einem Hofherren. Er hat ihn also offensichtlich nicht getötet.

Szene 11. Zu seiner tiefen Enttäuschung ist Shakspeare jetzt überzeugt, dass tatsächlich alles nur ein Traum war. Er will nur noch sterben (Romanze Shakspeare: „Un songe, hélas“).

Szene 12. Élisabeth befiehlt Shakspeare, am Leben zu bleiben und sein Werk fortzusetzen. Dabei deutet sie an, dass die letzte Nacht vielleicht doch kein Traum war. Er dürfe aber nie davon erzählen.

mini|Finale