miniatur|hochkant|Desi Bouterse am 12. August 2010 Desiré „Desi“ Delano Bouterse [] (* 13. Oktober 1945 in Domburg, Suriname; † 23. Dezember 2024De Ware Tijd, ‘Bouterse maandagavond overleden’, 27. Dezember 2024.Starnieuws, Ambassades tekenen condoleanceregister in Ocer, 27. Dezember 2024.) war ein surinamischer Politiker, Militärführer und Krimineller. Er war Gründer der Nationale Democratische Partij (NDP) und von 2010 bis 2020 Präsident von Suriname. Bereits von 1980 bis 1987 war er nach einem von ihm geführten Militärputsch De-facto-Anführer Surinames gewesen.

Im November 2019 verurteilte das Militärgericht in Suriname Bouterse zu 20 Jahren Gefängnis für die Dezembermorde von 1982.Urteil des Militärgerichtes vom 29. November 2019 niederländisch, abgerufen am 3. Januar 2020 (PDF-Datei). Er wurde ebenfalls für Drogenschmuggel verurteilt. Auch wird er verdächtigt, während des surinamischen Bürgerkriegs Massaker an Maroons befohlen zu haben.

Biographie

Herkunft Der erste bekannte Vorfahre von Desi Bouterse war Kole Jan Bouterse, ein Bauernjunge aus dem niederländischen Kamperland in der Provinz Zeeland. Im Alter von 27 Jahren wurde er 1841 als Soldat der Nationalen Militie, einer Freiwilligenlegion, nach Suriname geschickt. Nach dem Ende seiner Dienstzeit im Jahre 1847 blieb er dort. Er wurde Aufseher auf Plantagen und schließlich Direktor der Plantage Vredenburg. Er ging eine Beziehung zu einer Sklavin namens Frederica ein, die er nach Abschaffung der Sklaverei 1867 heiratete und mit der er mehrere Kinder bekam. Die älteste Tochter, Georgina (* 1851), war mit dem Franzosen Henri Lioret liiert, der als Strafgefangener nach Südamerika deportiert worden war. Die gemeinsamen vier Kinder des Paares behielten den Geburtsnamen Bouterse der Mutter. Ein Sohn, Henri, hatte gemeinsame Kinder mit Johanna Emelina vom Stamm der Arawak, die zur römisch-katholischen Kirche konvertiert war. Der jüngste Sohn der beiden, Desiré Juliaan, war der Vater von Desi Bouterse, seine Mutter war Wilhelmina van Gemert.

Ausbildung und Familie Desi Bouterse wuchs in der niederländischen Kolonie Suriname auf und besuchte die Handelsschule in Paramaribo. Von 1968 bis 1975 lebte seine Familie in den Niederlanden, wo er 1970 Ingrid Figueira heiratete. Aus der später geschiedenen Verbindung gingen zwei Kinder hervor, Tochter Peggy und Sohn Dino. Bouterse absolvierte verschiedene militärische Ausbildungen in der niederländischen Armee. Als Soldat (Feldwebel) war er im letzten Jahr vor seiner Rückkehr nach Suriname auch in der NATO-Kaserne im niedersächsischen Seedorf stationiert. Nach seiner Scheidung von Ingrid Figueira heiratete er 1990 Ingrid Jolanda Waldring, mit der er ebenfalls zwei Kinder hatte.

Sein Sohn Dino wurde 2017 in den USA wegen Drogenschmuggels zu einer 16-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Militärische und politische Karriere Militärputsch in Suriname Zurück im gerade unabhängig werdenden Suriname (25. November 1975) war Bouterse am Aufbau eines neuen Heeres beteiligt. Am 25. Februar 1980 verübte er zusammen mit Roy Horb (1953–1983) sowie 14 weiteren Unteroffizieren einen Militärputsch (Sergeantencoup) und setzte die Regierung unter Premierminister Henck A. E. Arron ab. Dieser Militärputsch wurde von einem Großteil der Bevölkerung anfänglich begrüßt, da sie sich einen Rückgang der Korruption und eine Steigerung des Lebensstandards versprach.Suriname – Ein Haufen Chaos, In: Der Spiegel, 12. Januar 1987

Als neuer Regierungschef wurde nach dem Putsch Henk Chin A Sen ernannt. Nach vermeintlichen Plänen zu einem Gegencoup setzte Bouterse die Verfassung außer Kraft und löste das Parlament auf. Der seit 1975 im Amt befindliche Präsident Johan Ferrier trat auf Desi Bouterses Druck hin zurück. Alle Zeitungen wurden verboten, mit Ausnahme der Tageszeitung De Ware Tijd, die der Zensur unterstellt wurde.Tjerk Brühwiller: Das nette Land und sein starker Mann. Die Surinamer sind tolerant und höflich – besonders mit ihrem einstigen Diktator und heutigen Präsidenten. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2016.

Parlamentsabgeordneter Nach der Gründung der NDP durch Bouterse im Jahre 1987 stellte die Partei erstmals von 1996 bis zu den vorgezogenen Neuwahlen im Jahre 2000 mit Jules Wijdenbosch den Präsidenten, der dann wieder durch Ronald Venetiaan abgelöst wurde. Bei den Wahlen vom 25. Mai 2005 wurde die NDP zur zweitstärksten Partei in der Nationalversammlung von Suriname (DNA),Ronald Venetiaan erneut Präsident von Surinam In: Neue Zürcher Zeitung, 5. August 2005. und Bouterse wurde als Spitzenkandidat der Partei erneut Parlamentsabgeordneter.

Nachdem er nach dreizehnmonatiger Abwesenheit am 27. Januar 2009 wieder an einer Parlamentssitzung teilnehmen wollte, leitete der Parlamentsvorsitzende Paul Somohardjo ein Ausschlussverfahren ein. Per Gerichtsvollzieher und Brief wurde Bouterse noch am selben Tag mitgeteilt, dass seine Mitgliedschaft im Parlament (DNA) beendet sei. Begründet wurde der Ausschluss mit Artikel 68, Nr. 1, f des Grundgesetzes. Hiernach endet die Mitgliedschaft in der DNA nach einer Abwesenheit im Parlament in einer zusammenhängenden Periode von fünf Monaten.

Seine monatelange Abwesenheit in der DNA verstand Bouterse vor allem als Protest gegen die Weigerung der Regierung, ihn seit Beginn der Legislaturperiode 2005 u. a. im surinamischen Verteidigungsausschuss mitwirken zu lassen.

Präsidentschaft mini|Bouterse bei der Verleihung des Ordens Gelber Stern an den Fußballer Clarence Seedorf, mit der Ehefrau des Präsidenten Ingrid Bouterse-Waldring (2014) Am 25. Mai 2010 gewann die Megacombinatie (MC) (ein Zusammenschluss aus NDP, Progressieve Arbeiders- en Landbouwers Unie (PALU), Nieuw Suriname (NS), Kerukunan Tulodo Pranatan Inggil (KTPI) und Democratisch Nationaal Platform 2000) mit dem Präsidentschaftskandidaten Desi Bouterse die Parlamentswahlen in Suriname (23 Sitze). Durch die hinzugekommenen Koalitionspartner, die Volksalliantie um Paul Somohardjo (6 Sitze) sowie der A Combinatie unter Vorsitz seines ehemaligen Erzfeindes Ronnie Brunswijk (7 Sitze), wurde eine Zweidrittelmehrheit für Bouterse möglich. Am 19. Juli 2010 wählte die Nationalversammlung von Suriname Bouterse zum neuen Präsidenten der Republik Suriname. Er erreichte 36 von 51 möglichen Stimmen und lag damit knapp über den benötigten 34 Stimmen. Der Gegenkandidat, Chandrikapersad Santokhi von der Koalition Nieuw Front, erhielt 13 Stimmen. Suriname hat ein präsidentielles Regierungssystem, in dem der Präsident zugleich Staatsoberhaupt und Regierungschef ist und sich so zwei Spitzenämter auf eine Person vereinen, die sich nicht vor dem Parlament verantworten muss.Nina Jurna: , In: NRC Handelsblad, 19. Juli 2010, (ndl.) Der niederländische Außenminister Maxime Verhagen äußerte am selben Tag, dass er in den Niederlanden nur willkommen sei, um seine Gefängnisstrafe zu verbüßen. Die Amtseinführung von Bouterse sowie des Vizepräsidenten Robert Ameerali erfolgte am 12. August 2010. , In: NRC Handelsblad, 29. Juli 2010, (ndl.)Suriname ex-strongman Bouterse back in power, In: BBC News, 19. Juli 2010, (engl.)

Bei den Parlamentswahlen vom 25. Mai 2015 erreichte die NDP von Präsident Bouterse mit 26 von 51 Parlamentssitzen die absolute Mehrheit.Website des Parlaments niederländisch, abgerufen am 20. Juli 2015 Da die Opposition im Vorfeld zu der Präsidenten- und Vizepräsidentenwahl im Parlament keine Chance sah sich mit eigenen Kandidaten durchzusetzen, hatte sie auf die Nominierung von eigenen Kandidaten verzichtet. Gleichzeitig erklärte sie sich bereit, für ein Quorum zu sorgen, um bereits im ersten Wahlgang mit einer Zweidrittelmehrheit (34 von 51 Abgeordneten) die Wahl möglich zu machen.

In einer Sondersitzung des Parlaments am 14. Juli 2015 wurde Präsident Desiré Delano Bouterse wiedergewählt und Ashwin Adhin zum Vizepräsidenten gewählt. Da keine Liste mit Gegenkandidaten eingereicht worden war und bei der Sondersitzung 46 Abgeordnete im Plenarsaal anwesend waren, musste nicht abgestimmt werden, sondern die beiden Kandidaten waren automatisch gewählt. niederländisch, abgerufen am 20. Juli 2015

Die Einführung zur zweiten Amtszeit als Präsident erfolgte am 12. August 2015 in der Anthony-Nesty-Sporthalle in Paramaribo.StarNieuws vom 12. August 2015 niederländisch, abgerufen am 13. August 2015

Die NDP verlor bei den Parlamentswahlen vom 25. Mai 2020 gegenüber 2015 zehn Sitze und die Vooruitstrevende Hervormings Partij (VHP) wurde stärkste Partei. Der Vorsitzende der VHP Chan Santokhi wurde am 13. Juli 2020 Nachfolger von Bouterse als Präsident von Suriname. Anfang August 2020 verkündete Santokhi, dass Bouterse Staatsschulden von 2,5 Milliarden Euro angehäuft habe; der größte Gläubiger sei China. So habe Bouterse allein in den sechs Monaten vor der Präsidentschaftswahl rund 3500 neue Beamte eingestellt, um die Arbeit einer möglichen neuen Regierung zu sabotieren.

Im August 2021 wurde Bouterse zu 20 Jahren Haft verurteilt, blieb aber auf freiem Fuß, da das Urteil noch nicht rechtskräftig war. Im Juli 2022 begann die Berufungsverhandlung. Im Dezember 2022 verlängerte sich die Amtszeit von Bouterse als Vorsitzender der NDP bis 2027, nachdem geplante interne Wahlen ausgesetzt worden waren. Am 13. Juli 2024 wurde Jennifer Simons zu seiner Nachfolgerin als Parteivorsitzende gewählt. Bouterse, der sich seiner Haft durch Flucht entzogen hatte, wurde durch den ebenfalls neu gewählten Vorstand zum Ehrenvorsitzenden der NDP ernannt.StarNieuws vom 14. Juli 2024. Eerste daad nieuw bestuur: Bouterse ere-voorzitter NDP niederländisch, abgerufen am 14. Juli 2024.

Verstrickung in Verbrechen miniatur|hochkant|Desi Bouterse, Aufnahme 1985 Als Oberbefehlshaber des surinamischen Militärs war Desi Bouterse der starke Mann des Militärregimes, das Suriname von 1980 bis 1987 beherrschte. Besonders in diesen Jahren war Bouterse in mehrere Verbrechen verstrickt, wie die „Dezembermorde“ im Jahre 1982 (15 Tote), den Bürgerkrieg (Binnenlandse Oorlog) von 1986 bis 1992, dem mindestens 300 Menschen zum Opfer fielen, und dem Massaker in dem Ndyuka-Dorf Moiwana 1986 („Moiwana-Massaker“, 39 Tote). Daneben wurde er mehrfach der Beteiligung an illegalen Drogengeschäften bezichtigt. Im Juli 1999 wurde er in den Niederlanden wegen Schmuggels von 1000 Kilogramm Kokain in Abwesenheit zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Die Niederlande erwirkten einen Internationalen Haftbefehl gegen Bouterse, wodurch ein Verlassen seines Heimatlandes für ihn jahrelang praktisch unmöglich war. Während des Präsidentenamtes ab 2010 genoss Bouterse Immunität; der Haftbefehl durfte nach Völkerrecht nicht vollstreckt werden.'Arrestatiebevel tegen staatshoofd mag niet' In: De Telegraaf, 19. Juli 2010, (ndl.)

Der Konstitutionelle Hof urteilte am 22. Juli 2021, dass die am 5. April 2012 auf Betreiben der Regierung Bouterse beschlossene Änderung des Amnestiegesetzes aus dem Jahre 1989 gegen die Verfassung und ratifizierte internationale Verträge verstößt. Die Gesetzesänderung sollte die Bestrafung der „Dezembermorde“ aus dem Jahre 1982 verhindern.

Auch Familienmitglieder von Bouterse waren mehrfach in schwere Straftaten verwickelt. Im August 2005 wurde Bouterses Sohn Dino, der als „Erbprinz“ auf die Präsidentschaft galt, in Paramaribo wegen Mitwirkung an internationalem Drogenhandel und Waffenschmuggel zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er nur drei Jahre verbüßen musste.Surinam ex-leader’s son is jailed In: BBC News, 12. August 2005, (engl.) 2013 wurde Dino Bouterse in Panama verhaftet und an die USA ausgeliefert, wo er wegen des Schmuggels von fünf Kilogramm Kokain in die USA zwischen Dezember 2011 und August 2013 vor Gericht gestellt wurde. Zudem hatte er der islamistischen Hisbollah angeboten, in Suriname eine Basis zu errichten. Er wurde zu Jahren Gefängnis verurteilt.