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Die Große Synagoge Stiftszelt () ist eine Synagoge sephardischen Ritus () in Tel Aviv-Jaffa, Israel. Sie wird daher auch sephardische Große Synagoge Tel Aviv genannt, zumal sie baulich und mit 350 Sitzplätzen die größte sephardische Synagoge der Stadt ist und zeitweise Sitz des Rischon le-Zion (, offizielle Bezeichnung des sephardischen Oberrabbiners Israels) war. Die Synagoge ist nach dem biblischen Stiftszelt benannt. Die Synagoge wurde nach Plänen des Architekten Joseph Berlin unter Mitwirkung seines Partners Richard Pacovský im Stil des Art déco erbautVgl. יְדִיעוֹת תֵּל־אָבִיב (Amtsblatt Tel Avivs) vom Juni 1935, hier nach , auf: (Link zur Webseite) von Danny Recht (), abgerufen am 19. April 2020. und 1931 eingeweiht.
Die Große Synagoge Stiftszelt ist eine der ältesten Synagogen in Tel Aviv und wird an Schabbat, Werktagen wie jüdischen Feiertagen als Ort fürs Studium der Torah (d. h. Weisung) und fürs Gebet genutzt. Im Jahre 2009 wählten die Leser von Ynetnews.com יְדִיעוֹת אַחֲרוֹנוֹת die Große Synagoge Stiftszelt auf Platz 10 der schönsten Synagogen Israels.Tzofia Hirschfeld (), “Ynet readers choose Israel’s most beautiful synagogues” (27. September 2009), auf: Ynetnews.com יְדִיעוֹת אַחֲרוֹנוֹת, abgerufen am 17. April 2020. Angesichts der finanziellen und materiellen Möglichkeiten zur Zeit ihrer Erbauung strahlt die Synagoge eine bemerkenswerte Originalität und Würde aus.
Lage Die Synagoge Stiftshütte befindet sich im Rechov SchəDa"L 5 (), einer ruhigen Seitenstraße der geschäftigen Sderot Rothschild im Gründungsviertel von Tel Aviv,Ori Dvir (; 1931–2011), נְקֻדַּת חֵן תֵּל־אָבִיב–יָפוֹ, Tel Aviv-Jaffo: , neue, aktualisierte Aufl., 1991Greg. Kal. / 5752Jüd. Kal. (9.9.1991–27.9.1992), S. 124. dem am 11. April 1909 als Vorort Jaffas gegründeten Achusat Bajit, ab 21. Mai 1910 Tel Aviv genannt. Heute wird die Gegend mit zwei weiteren ehemaligen Vorstädten (Gəʾullah und Nachalat Binjamin, beide von 1911) begrifflich als Tel Aviv haQəṭannah () zusammengefasst.Hadassah Aghion, Tel Aviv: Bauhaus & eclectic styles ['Tel Aviv: esprit Bauhaus et éclectisme', Paris: Marcus und Guysen, 2009, ISBN 978-2-7131-0284-4; engl.], Lisa Maronese (Übers.), Paris: Marcus, 2018, S. 59. ISBN 978-2-7131-0348-3. Gelegen in Tel Aviv haQṭannah gehört die Synagoge mit diesem zu Lev Tel Aviv (),„“, auf: , abgerufen am 17. April 2020. das mit weiteren Vierteln den Stadtteil 5 bildet, der mit den Stadtteilen 3, 4 und 6 den Bezirk Mitte bildet.
Anfangs stand die Synagoge inmitten von Mandelbäumen. Als die Bebauung heranrückte, überragte die ansehnliche Kuppel die Nachbarhäuser. Die vielen Hochhäuser stellen in dem heute wichtigen Geschäftsviertel die Synagoge in den Schatten.Judy Weiss, “House of Worship in the middle of downtown” (28. Mai 2010), auf: Tchochkes: Because a little decoration is such a nice thing, abgerufen am 17. April 2020. Von der schmiedeeisernen Grundstückspforte, in deren Gitterwerk eine Menora und die hebräische Bezeichnung für Stiftszelt eingearbeitet sind, führen 30 Stufen hinauf zu einem Vorplatz mit dem Eingang, weshalb Besucher mit beschränkter Mobilität die Synagoge ohne Hilfe Dritter nicht erreichen können.
mini|Synagogenraum mit Bestuhlung in sephardischer Tradition, Blick 2013 von der Südempore
Geschichte Wer die Synagoge betritt, findet im Foyer rechts vom Eingang gerahmt eine Kopie des Grundbucheintrags des Grundstücks aus dem Jahre 1928 auf Namen der Stifter Schalom Aharon Levi und Schlomoh Jizchaq Cohen wie des Initiators Rabbi Ben-Zion Meʾir Chai ʿUsiʾel,, abgerufen am 16. April 2020. der 1911 zum Chacham Baschi Jaffas (zu dem Tel Aviv ja zunächst als Vorort noch gehörte) und 1923 zum sephardischer Oberrabbiner Tel Avivs ernannt worden war. Die jemenitischen Kaufleute Cohen und Levi waren von Aden nach Port Said gezogen und hatten als Geschäftsgelegenheit auch in Grundstücke im aufstrebenden Tel Aviv investiert. ʿUsiʾel, der davon gehört hatte, schrieb ihnen in die ägyptische Hafenstadt, um sie dafür zu gewinnen, Baugrund für eine sephardische Synagoge in Tel Aviv zu stiften. Auch davon hängt eine Kopie rechts vom Eingang.
mini|Tel Aviv 1930 mit den Kuppeln beider Großen Synagogen, sephardisch vorn rechts, aschkenasisch mittig links Seit 1912 war für Tel Aviv zunächst eine simultan aschkenasisch-sephardische Synagoge mit zwei Betsälen geplant, je einer für jeden der beiden Riten. Doch der Erste Weltkrieg vereitelte die Umsetzung. Nach den Pogromen 1921 gegen Juden in Jaffa gewährte die britische Mandatsverwaltung Tel Aviv den Status einer Township mit gewisser Autonomie innerhalb des Stadtverbandes Jaffa. Das inzwischen gebildete zehnköpfige Projektkomitee beschloss, statt zweier Betsäle lieber eine Große Synagoge aschkenasischen Ritus zu bauen.Alter Drujanow, סֵפֶר תֵּל אָבִיב, (Hrsg.), Tel Aviv: , 5696Jüd. Kal. (28.9.1935–16.9.1936), S. 202. Der Townshiprat beschloss, den Bau durch eine Umlage auf alle Grundstückseigner zu finanzieren.
Durch sein zweijähriges Rabbinat in Thessaloniki (1921–1923) hatte ʿUsiʾel griechische Sephardim zur Alijah motivieren können, von denen sich viele in Florentin, einem neu entstehenden Viertel südlich von Tel Aviv haQtannah, niederließen. ʿUsiʾel erfuhr von den geänderten Plänen für die Große Synagoge und beantragte beim Tel Aviver Townshiprat, für den Bau einer sephardischen Synagoge eine vergleichbare Umlage zu genehmigen und einzuziehen.Rotem Erez, Planning and Injustice in Tel-Aviv/Jaffa: Urban Segregation in Tel-Aviv’s First Decades, Toronto, York Univ. Masterthese, 7. Juni 2016, S. 65seq. Der Rat lehnte ab und Tel Avivs stellvertretender Bürgermeister beschied ʿUsiʾel, die Große Synagoge würde nach Fertigstellung allen offenstehen, ʿUsiʾel würde sich dann schon in die Umstände einfinden. ʿUsiʾel widersprach, doch ohne auf Entgegenkommen zu stoßen, und mobilisierte sephardische Grundeigentümer im Gebiet der Township, die Zahlung der Umlage für die aschkenasische Synagoge einzustellen.Anat Helman, Young Tel Aviv: a tale of two cities [; engl.], Haim Watzman (Übers.), Waltham, Mass. und Hanover (N.H.): Brandeis University Press und University Press of New England, 2010, (=The Schusterman series in Israel studies), S. 140seq. ISBN 978-1-58465-893-1. Daraufhin lenkte der Rat ein und gewährte einen Zuschuss.
Cohen und Levi stifteten schließlich eine Düne von 800 m² als Bauland für die Synagoge sowie ein Gros der Baukosten.David Leibowitz (), „“ (; 31. Mai 2018), auf: 10ּחֲרֵדִים, abgerufen am 16. April 2020. ʿUsiʾel leitete vor Ort die Entwicklung des Projektes und berichtete den Stiftern brieflich nach Port Said vom Fortgang, wie Schreiben von 1925 bezeugen. In der Spätphase des britischen Mandats diente die Synagoge Irgunisten und LeCh"I als Versteck und Treff.
mini|Kuppel, West- und Südfassade der Synagoge mit Gestell für eine Laubhütte auf dem Balkon, Anfang der 1950er Jahre Als Wirkungsstätte des sephardischen Oberrabbiners Tel Avivs war die Synagoge lange Jahre ein beliebtes spirituelles Zentrum in der Innenstadt mit blühender Gemeinschaft von Synagogengängern, deren Schar – insbesondere zu hohen Feiertagen – der Bau oftmals nicht vollständig fassen konnte. In den 1960er Jahren fanden werktäglich drei bis fünf Hochzeiten statt, oft in den angenehmen Nachmittags- und Abendstunden. Heute gibt es weniger, dafür aber aufwändigere Trauungen. Bekannte Brautleute waren 1959 Ex-Spion Eli Cohen und Nadia Madschald wie auch 2007 TV-Moderator und Comedian Zvika Hadar und seine zweite Frau Liʾat Gannon ().NN, „“ (25. Oktober 2007), auf: Ynetnews.com יְדִיעוֹת אַחֲרוֹנוֹת, abgerufen am 17. April 2020.
Viele sephardische Bewohner in der Nachbarschaft zogen seit den 1980er Jahren aus dem Stadtzentrum in neue Vororte, wodurch die Zahl der Synagogengänger abnahm. Die Anzahl der Betenden wurde sehr übersichtlich, zur Schacharit kamen oft nur 20 Personen, an Schabbat um die 15 Personen als regelmäßige Synagogengänger. Doch heute besuchen an Schabbat, Feier- und Werktagen wieder mehr Synagogengänger den beeindruckenden Bau. Vor allem an Werktagen kommen Berufstätige (wie solche von der Chevrat haChaschmal), die in der Umgebung arbeiten, um Schacharit und / oder Mincha zu beten.
Um den Unterhalt des Gebäudes mitzufinanzieren, vermieten die Gabbaʾim den südlich an den Betraum der Synagoge anschließenden Veranstaltungssaal. Ihre gediegene Eleganz bewegt viele Brautleute dazu, in dieser Synagoge zu heiraten und im südlich anliegenden Saal Hochzeitsempfang zu halten. Auch andere Familienfeiern, wie für Jugendliche, die Bar oder Bat Mitzwah werden, oder anlässlich Britot Milah, finden hier statt. Die Gabbaʾim unter Schlomi Bublil beschlossen, die Synagoge auch für die Weiße Nacht (Nach dem finnischen und russischen Beispiel kam diese Idee einer Art Lange Nacht der Kultur als Nuit Blanche nach Frankreich, so genannt, obwohl in seinen Breiten keine Nacht zu beobachten ist, in der die Sonne nicht untergeht, und breitete sich unter Beibehaltung des Namens im mediterranen Raum weiter aus, so auch in Israel, erstmals in Tel Aviv im Jahre 2003, als sein Bauerbe der Moderne als Welterbe anerkannt wurde. Vgl. „“ (17. Juni 2015), auf: TLV:Times, abgerufen am 17. April 2020.) zu öffnen, um Menschen für diesen besonderen Ort zu begeistern.
mini|Blick 2013 durch den für eine Hochzeit geschmückten Synagogenraum mit Chuppah und Blumen gen Kuppel und Torahschrein
Planung und Bau ʿUsiʾel beauftragte den in Sankt Petersburg bekannt gewordenen Architekten Joseph Berlin (1877–1950) aus Mahiljou, der 1921 eingewandert war, und seinen Partner Richard Pacovský () aus Böhmen, deren Baustil orientalisierende Einflüsse wie solche von Art déco und Bauhaus aufweist. Im Jahre 1928 waren die Mittel aufgebraucht und der Bau bis auf die Kuppel vollendet. Deren Fertigstellung bis 1931 ermöglichten schließlich großzügige Spenden der Londoner Brüder Bataish () aus aleppinischer Familie. Die eigentlichen Bauarbeiten dauerten von 1925 bis 1931.
Baubeschreibung Grundriss des Baus bilden zwei nicht mittig gekreuzte gleichbreite Rechtecke, was ein unregelmäßiges Kreuz ergibt, wobei östlicher wie südlicher Kreuzarm etwas länger sind als der westliche und nördliche. Die Proportionen des Gebetsraums im Mittelquadrat, der Pendentifkuppel mit Tambour darüber, der Achtorte in deren Innerem und der Kombination aus Achterstern und Quadraten im Kuppelscheitel folgen dem Goldenen Schnitt. Die Kuppel bildet eine halbe Kugel, die auf einem Tambour aufsitzt. Pendentifs bilden die Übergänge zwischen dem runden Grundriss des Tambours und dem quadratischen Zentralbau des Synagogenraums.
Die vier Seiten des quadratischen Synagogenraums bilden Bögen, die den Tambour tragen. Nach Osten ist der Bogen offen zum östlich anschließenden tonnengewölbten Joch, in dem sich der Torahschrein befindet. Den nördlichen Bogen schließen unten farbige Fenster und eine farbig verglaste Tür zum Nordhof, durch die bei Tage Licht in den Innenraum einfällt. Oben ist der nördliche Bogen zum Zentralraum offen und birgt eine Empore unter dem an den Bogen nördlich anschließenden schmalen Joch mit Tonnengewölbe. Nach Süden ist der Bogen unten geschlossen, dahinter ein Mehrzwecksaal, und oben ebenfalls offen für eine Empore unter einem breiteren tonnengewölbtem Joch.
mini|Östliches Triforium im Tambour über Pendentifs mit siebenfachen Stuckfalten, 2009 Man betritt die Synagoge durch drei geschnitzte Holztüren und gelangt so in den westlichen Kreuzarm. Typisch sephardisch ist die Aufstellung der Bimah im Zentrum des Raums und die bewegbaren Bänke können wahlweise sephardisch, also parallel zu Süd- und Nordwand mit Blick zur mittigen Bimah gestellt werden oder aschkenasisch mit Blick zum Torahschrein. Die Zahl der Sitzplätze beträgt 350. Frauen und Männer können getrennt sitzen, im unteren Synagogenraum gibt es einen separierbaren Sitzbereich wie auch auf den Emporen in den Jochen, die nördlich und südlich an die offenen Bögen anschließen.