Guhlsdorf ist ein bewohnter Gemeindeteil der Gemeinde Groß Pankow im Landkreis Prignitz in Brandenburg. Es gehört zum Ortsteil Klein Gottschow.
Allgemeines In der Gemeinde leben 43 Einwohner (1. Januar 2016; siehe Groß Pankow (Prignitz)).
Geografie und Verkehrsanbindung Das Runddorf mit Kirche auf Platz und Gut in Hofzeile liegt südlich des Kernortes Groß Pankow an der Landesstraße L 103. Nördlich verläuft die B 189; dort liegt auch das Alte Dorf. Im Süden der Feldmark Guhlsdorf befindet sich eine wüste Feldmark, die keinen Namen trägt. Im Südosten liegt die Dorfstätte von Voigstdorf; hinzu kommt auf der Feldmark Guhlsdorf ein Teil der wüsten Feldmark Rusdorf(?). Der Ort verfügt über eine Bushaltestelle an der Hauptstraße. Sie heißt „Guhlsdorf“.
Geschichte 13. bis 15. Jahrhundert Das Dorf wurde im Jahr 1367 erstmals durch den Auftritt eines Janeke Gulstorp in Groß Retzin urkundlich erwähnt. Weitere Schreibweisen waren Ghulstorf im Jahr 1420 sowie Gulstorpp in den Jahren 1448/1449. Es soll ab etwa 1420, und dann bis nach 1856, der uradeligen Familie von Wartenberg zu Guhlsdorf, mit früherem Hauptsitz in Dergenthin, gehört haben. Die von Wartenberg besaßen das Dorf mit Ober- und Untergerichtsbarkeit, Kirchenpatronat und Straßengerichtsbarkeit (1599). Im Jahr 1661 verkauften sie den Rittersitz und einen Hufner an die von Möllendorf. Die Gerichtsbarkeit kam anschließend an die von Möllendorf und Witwe von Krüsecke, geborene von Wartenberg (1685, 1690) und wurde noch 1700 von den von Möllendorf wieder erworben, bevor sie von den von Wartenberg relutiert wurde (1701/1702). Die Abgaben von drei Leuten in Guhlsdorf (1578) bzw. von zwei Leuten (1733) für Nutzung von fünf Hufen auf der wüsten Feldmark Simonshagen gehörte von vor 1547 bis nach 1733 den von Platen zu Mesendorf. Im Jahr 1420 waren Dorf und Rittersitz im Eigentum der von Wartenberg. Es kam in dieser Zeit zu Schäden durch mecklenburgische Raubritter, ebenso in 1447 und 1448/1449.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 300.
16. Jahrhundert Die Bauern in Guhlsdorf nutzten im Jahr 1547 insgesamt fünf Hufen auf der wüsten Feldmark Simonshagen. Eine Statistik aus dem Jahr 1576 wies acht Hufner und fünf Kossäten aus. Der Wohnhof Fabians von Wartenberg umfasste im Jahr 1581 fünf Hufen, davon drei auf der Feldmark Guhlsdorf, eine auf der Feldmark Simonshagen und eine auf der Feldmark Rusdorf. Er nutzte außerdem weitere Flächen in Rusdorf, Simonshagen und Guhlsdorf sowie Wiesen auf der Feldmark Retzin. Der Pfarrer erhielt in diesem Jahr je ½ Wispel Roggen und Gerste, der Küster drei Scheffel Roggen von der Gemeinde. Die Kirche wurde als verfallen bezeichnet und neu erbaut.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 301 Im Jahr 1599 gab es zwei Rittersitze der von Wartenberg mit sieben Hufen Land, acht Bauern und sechs Kossäten sowie acht Hufen Land und ein Kleinholz, das Fernholz genannt wurde und 1621 als Fahrenholtz erschien.
17. Jahrhundert Die Gemeinde hatte bislang die wüsten Feldmarken Simonshagen und Jaal benutzt. Im Jahr 1624 wollten die von Wartenberg die Nutzung aufkündigen. Eine Statistik aus dem Jahr 1652 führte vier Hufner und einen Kossäten auf. Im Jahr 1684 gab es in Guhlshagen drei Rittersitze. Zwei waren im Besitz der von Möllendorfschen Erben, einen bewohnte Jaspar von Krüseckes Witwe. Eine Statistik aus dem Jahr 1686 führte auf: Acht Hufner mit je einer Feldhufe und ein bis zwei Jaelschen Hufen (daovn zwei wüst), einen Halbhufner mit ½ Feldhufe und einer Jaelschen Hufe sowie vier Kossäten mit je ¼ Feldhufe und ½ Jaelschen Hufe (davon eine wüst). Es gab außerdem zwei Kötter, davon eine Schneiderstelle. Die wüsten Höfe wurden von den von Möllendorf als Rittersitz genutzt; einen Kossätenhof nutzten die von Krüsicke, in dem sie dort einen Einlieger platzierten. Der Acker auf dem Dorffeld wurde als gut bezeichnet, während die übrigen Flächen sandig waren. Die Bauern betrieben Mast, aber keine Fischerei. mini|Dorfkirche von 1712 18. Jahrhundert Im Dorf gab es im Jahr 1719 insgesamt vier Hufner, neun Kossäten und einen Kötter sowie einen Schäferknecht und einen Hirten ohne Vieh. Für 1734 wurden verzeichnet: vier Bauern, neun Kossäten, fünf Häuslinge, ein Schäfer und einen Hirten. Im Jahr 1745 gab es das Dorf mit Rittersitz sowie neun Bauern, vier Kossäten und zwei Kötter. Die Gemeinde Guhlsdorf klagte im Jahr 1751 vergeblich das Recht ein, auf den Feldmarken Rusdorf und Jaal hüten zu dürfen. Eine Statistik aus dem Jahr 1760 führte auf: vier Hufner, neun Kossäten, ein Kötter, ein Paar Einlieger, ein Pachtschäfer, einen Kuhhirten sowie 9 ½ Hufen. Im Jahr 1791 gab es ein Vorwerk sowie vier Bauern, fünf Halbbauern, vier Kossäten, fünf Hausleute und einen Gutsbesitzer, die in Summe 29 Feuerstellen (= Haushalte) betrieben. Mit dem Guhlsdorfer Gutsherrn, Premierleutnant Wolfgang George von Wartenberg (1703–1760), verheiratet mit Katharine Elisabeth von Quast, Sohn des Reimar Hartwig von Wartenberg auf Dergenthin und Klein Gottschow,Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1908. Neunter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 778 f. entwickelten die Wartenberg eine eigene genealogische Familienlinie Gühlsdorf, Familienlinie I genannt. Sie wird weitergeführt vom Sohn des Hauses, Hans Karl Albrecht von Wartenberg (1748–1825), der neben seinen Aufgaben als Gutsbesitzer Kanonikus des St. Pauli- und St. Petri Stiftes in Magdeburg und preuß. Leutnant a. D. Mit E. K. E. Müller (1748–1808) hat er eine bürgerliche Ehefrau. Diese Tradition übernimmt auch sein Gutserbe Alexander von Wartenberg (1778–1846), kgl. preuß. Major. Sein zweitjüngster Sohn Rudolf von Wartenberg war zuletzt Generalleutnant. Die Enkel Maximilian von Wartenberg (1854–1910) und Oskar von Wartenberg (1859–1925) wurden ebenfalls Generäle.Walter von Hueck, Robert von Blumenthal, Friedrich Wilhelm Euler, Silve-Maria von Hueck, Johann Georg von Rappard, Detlev Schwennicke, u. v. a.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1985. Band XVIII, Band 87 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, , S. 466 ff.
19. Jahrhundert Eine Statistik aus dem Jahr 1801 führte für Guhlsdorf auf: fünf Ganzbauern, vier Halbbauern, vier Kossäten, sechs Einlieger und ein Radmacher. Es gab 29 Feuerstellen und 9 ½ Hufen. In einer weiteren Statistik aus dem Jahr 1846 wurden 27 Wohnhäuser genannt. Die Bewohner nutzten das Dreifeldersystem (1852); es gab keine Gemeindehütung und etwas Tannenholz. Die Bauern züchteten Rindvieh und Pferde zum eigenen Bedarf sowie Federvieh für die Wirtschaft. Die Haupteinnahmequelle war nach wie vor der Ackerbau; es gab keine Nebenbeschäftigungen.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs (BLHA). Band 3). 2., über. u. wes. erw. Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 301. Das Dorf war im Jahr 1860 insgesamt 1327 Morgen (Mg) groß: 18 Mg Gehöfte, 16 Mg Gartenland, 948 Mg Acker, 145 Mg Wiese, 200 Mg Wald. Darauf standen zwei öffentliche, 20 Wohn- und elf Wirtschaftsgebäude. Das Rittergut umfasste 847 Mg: 1 Mg Gehöfte, 5 Mg Gartenland, 500 Mg Acker, 40 Mg Wiese, 51 Mg Weide, 240 Mg Wald.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen d. BLHA. Band 3). 2. Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4, S. 299. Dort standen zehn Wohn- und fünf Wirtschaftsgebäude.
Letzter Vertreter der Familie von Wartenberg war der kgl. preuß. Amtsgerichtsrat Gustav von Wartenberg (1809–1883), nochmals bestätigt in einer Matrikelübersicht aus 1857.Karl Friedrich Rauer (Hrsg.): Alphabetischer Nachweis (Adressbuch) des in den Preussischen Staaten mit Rittergütern angesessenen Adels. . Selbstverlag, Berlin 1857. S. 245. Die Anverwandten und Nachfahren werden zumeist Offiziere. Hans Joachim von Wartenberg, der zur Linie Gühlsdorf gehört, wurde ein bekannter Chemiker.
Auf einer Dienstreise starb 1874 in GuhlsdorfGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1901. Zweiter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1900, S. 94. der kgl. preuß. Landrat Achatz von Bismarck.
Das um 1880 etwa noch 216 ha große Guhlsdorfer Rittergut Reprint: ISBN 3-226-00787-4. der Familie von Liesingen mit zeitweiligem HauptwohnsitzVgl. C. Leuchs Adressbuch aller Länder der Erde, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 8|a, Provinz Brandenburg. 7. Ausgabe für 1882 bis 1886, Selbstverlag C. Leuchs & Co., Nürnberg 1882, S. 37. in Tetschendorf wurde ab 1893 parzelliert und ein Jahr später im Matrikel gelöscht, der Gutsbezirk aufgelöst. Auf 1899 datiert noch ein Hinweis zum Gutspächter Jung.Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin. Stück 5, A. W. Hayn’s Erben, Potsdam, den 3. Februar 1899, S. 58.
20. Jahrhundert Zur Jahrhundertwende standen auf 570 Hektar (ha) Fläche insgesamt 22 Häuser. Um 1914 gab es sechs größere landwirtschaftliche Betriebe. Hervor ragt der Betrieb von E. Brüning mit 173 ha, auf der Gemarkung des alten Gutes.Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. . Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. Handbuch der Königlichen Behörden. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis West-Prignitz, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 188 f. Vor 1929 bestanden weiterhin mehrere große Höfe, u. a. der des Gemeindevorstehers Rudolf Barnewitz, der Familien Bohn und Haak. Aus dem Rest des Rittergutes waren 177 ha der Landgesellschaft Eigene Scholle GmbH mit Sitz in Frankfurt a. O., Verwalter Reichardt.Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis West-Prignitz, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Selbstverlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 152. 1931 waren es 23 Wohnhäuser auf 569 ha in Guhlsdorf, zu dieser Zeit als Status eine Gemeinde mit Wohnplatz Siedlung. Im Jahr 1939 gab es zehn land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche zwischen 20 und 100 ha, vier zwischen 10 und 20 ha sowie ein Betrieb mit 5 bis 10 ha. Weitere vier Betriebe waren zwischen 0,5 und 5 ha groß. Es gab elf Personen, die in Industrie und Handwerk tätig waren.