mini|Hauptströmungen der amerikanischen Wohnarchitektur Die Geschichte der Architektur in den Vereinigten Staaten umfasst die technische, funktionale und ästhetische Entwicklung der Architektur auf dem Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten von der indianischen Baukultur über die Kolonialzeit und die Gründung der Vereinigten Staaten bis in die Gegenwart.

Die Gliederung in diesem Artikel folgt weitgehend der von Virginia Savage McAlester (2013) vorgeschlagenen Systematik.

Periodenübersicht der amerikanischen Wohnarchitektur Indianische Architektur (bis ca. 1900) Stil Zeit Unterteilung Verbreitung Kennzeichen Bild Beispiele Architektur amerikanischer Ureinwohner bis ca. 1900 Runder Grundriss, mit Holzrahmen Bei nomadischen und halbnomadischen Jägervölkern; mit Steinwerkzeug gefertigt (ohne Metalläxte und Sägen); nur kleine Formen; tragender Rahmen aus leichten Holzleisten oder Ästen, mit Lederriemen verbunden; Bedeckung mit gegerbten Tierhäuten, Baumrinde, Reet oder Flechtmatten Tipi Großes Becken Kegelförmig; verschiedene Typen, von denen der elaborierteste transportabel und mit zusammen­genähter Büffelhaut bedeckt ist und an der Spitze zwei Lüftungs­klappen für kontrollierten Rauchabzug hat 150px|rahmenlos Wigwam und Wickiup Mittlerer Westen Kuppelförmig; Deckmaterial je nach Verfügbarkeit 150px|rahmenlos Rechteckiger Grundriss, mit Holzrahmen Bei sesshaften, meist agrarischen Völkern; größere Bauten, in denen mehrere verwandte Familien zusammenleben Langhaus mit gewölbtem Dach Nordosten Leichte Holzrahmen; gewölbte Dächer, meist mit Baumrinde (seltener mit gewebten Matten, Reet oder Tierhäuten) gedeckt 150px|rahmenlos Langhaus mit Satteldach Südosten Satteldächer (seltener: Walmdächer), mit Reet gedeckt; Außenwände mit gewebten Matten oder Tierhäuten verkleidet oder Fachwerk (mit Korbwerk und Lehm) oder (in warmen Regionen) offen 150px|rahmenlos Plank House Pazifischer Nordwesten Schwere Holzrahmen mit sorgfältig geschreinerten Verbindungen; Satteldächer (regional Pultdächer), Dächer und Außenwände mit Brettern verkleidet; einige Beispiele mit dekorativem und zeremoniellem Schnitzwerk 150px|rahmenlos Mit Holzrahmen und Erdwänden Große Bandbreite von einfachen Wohnhöhlen bis hin zu elaborierten mehrgeschossigen Pueblos; schwere Holzrahmen, die von leichteren Holzelementen ergänzt werden; oft über einem ausgegrabenen Loch errichtet; Rauchabzug im Dach dient auch als Lichteinlass Erdhütte Nordwesten Holzrahmen mit Stöcken, Stroh oder Grassoden bedeckt 150px|rahmenlos Pueblo Südwesten Holzrahmen mit luftgetrocknetem Lehm bedeckt; Einstieg oft über das Dach 150px|rahmenlos

Volksarchitektur der europäischen Siedler (1620 bis ca. 1920) Die in diesem Abschnitt beschriebene Volksarchitektur (Vernicular Houses) war vorherrschend in abgeschnittenen Regionen ohne Zugang zu standardisierten Baumaterialien, die eine Gestaltung nach dem Zeitgeschmack ermöglicht hätten. Stil Zeit Unterteilung Verbreitung Kennzeichen Bild Beispiele Volksarchitektur der europäischen Siedler Blockbau(Technik durch deutschsprachige und skandinavische Einwanderer importiert) 1620 – 2. Hälfte des 19. Jh.s, örtlich bis 1920(bis zum Bau der Eisenbahnen waren in verschiedenen Landesteilen jeweils verschiedene Bauweisen verbreitet) In den mittleren der Dreizehn Kolonien (Middle Colonies) Unverkleidete Wände aus grob behauenen Baumstämmen mit Kammverbindung 150px|rahmenlos C. A. Nothnagle Log House (Gibbstown, New Jersey, 1643) Mauerwerksbau Grassodenhäuser(Technik entweder von regionalen Indianern abgeschaut oder aus baumlosen Regionen Großbritanniens importiert) Kansas, Nebraska, North und South Dakota(baumlose Prärielandschaft) Mauerwerk aus Grassoden; Dächer ebenfalls aus Grassoden, aber von Stöcken oder Brettern unterstützt; große Bandbreite von einfachen Wohnhöhlen bis hin zu zweigeschossigen Villen 150px|rahmenlos Steinhäuser Great Plains(baumlose Prärielandschaft) Mauerwerk aus grob zugehauenem Stein 150px|rahmenlos Lehmziegelhäuser (Adobe) Hispanischer Südwesten Siehe: Spanischer Kolonialstil 150px|rahmenlos Holzrahmenbau Schmucklose Holzrahmenbauten (Post-and-Girt-Konstruktion) mit Holzverkleidung; bis ins 18. Jh. zentraler Schornstein, danach zentraler Hausflur und 2 Schornsteine jeweils an den Hausenden Neuengland-Tradition Norden der Dreizehn Kolonien(lange und kalte Winter, mehr Wohnraumbedarf) Außenwände mit Brettern oder Schindeln verkleidet; mehrere Räume tief (massed plan) und meist zweigeschossig 150px|rahmenlos Tidewater-South-Tradition Süden der Dreizehn Kolonien(kurze und milde Winter, weniger Wohnraumbedarf) nur 1 Raum tief (linear plan) oder Hall-and-Parlor; oft Ziegelmauern; vom späten 18. Jahrhundert an meist mit einer breiten Porch 150px|rahmenlos nur wenige erhaltene Beispiele ca. 1850 – ca. 1930 National Folk House landesweitNach dem Bau der Eisenbahn setzte sich bis in den Westen die Holzrahmenbauweise durch. Leichtes Balloon Framing, unterschiedliche Formen 150px|rahmenlos ca. 1870–1910 Folk Victorian landesweit Häuser vom Typus des National Folk House, aber mit charakteristischen Sonderelementen: Veranda (porch) mit aufwendigem Drechsel- (spindlework) oder Schnitzwerk; Dachtraufen werden von dekorativen Konsolen (brackets) gestützt 150px|rahmenlos

Beim Holzrahmenbau waren unterschiedliche Formen verbreitet:

Kolonialstil (1620–1900) mini|Als Form setzte sich bei den Wohnhäusern der Wohlhabenden die Classical Box durch. Sie erschien zuerst im Norden der 13 Kolonien und erreichte von dort nach und nach alle Teile des Landes. Die nachfolgende aufgeführten architektonischen Richtungen unterscheiden sich von der Volksarchitektur insofern, als sie echte Baustile mit Merkmalen sind, die über reine Funktionalität erkennbar hinausgehen. Im Gegensatz zur Volksarchitektur zeigen sie einen mehr oder weniger großen Wohlstand an. Die an englischen, holländischen und französischen Vorbildern orientierten Baustile setzten einschlägige Baumaterialien voraus, die nur in gut erschlossenen Landesteilen zur Verfügung standen. Stil Zeit Unterteilung Sonderformen Verbreitung Kennzeichen Bild Beispiele Kolonialarchitektur in Nordamerika (Kolonialstil) Rückgriff auf Bauweisen des jeweiligen Herkunftslandes Spanischer Kolonialstil 1600–1850 Neuspanien Meist eingeschossige Bauten; Dächer mit geringer Schräge oder Flachdächer mit Brüstung; mehrere Haustüren; wenige kleine Fenster; verputzte, dicke Wände aus Adobeziegeln oder Bruchstein 150px|rahmenlos Casa de la Guerra (Santa Barbara, Kalifornien, 1819) Englische Vorbilder 1620–1700 (örtlich bis ca. 1740) Nachmittelalterlich englischKopien bescheidener englischer Häuser, Übergang von mittelalterlichen zu Renaissancemerkmalen Schindelgedeckte Satteldächer mit großer Schräge und Seitengiebel; wenig oder kein Dachüberstand und keine Gesimsverzierung; wuchtige Schornsteine; oft nur 1 Raum tief; Brettertür (vertikale Bretter); kleine Flügelfenster, aus vielen kleinen Scheiben zusammengesetzt Northern Tradition Norden der Dreizehn Kolonien Holz, zweigeschossig, zentraler Schornstein 150px|rahmenlos Newman-Fiske-Dodge House (Wenham, Massachusetts, 1658) Southern Tradition Süden der Dreizehn Kolonien Ziegel, eingeschossig, Schornsteine auf beiden Giebelseiten 150px|rahmenlos 1700–1780 (örtlich bis ca. 1830) Georgianischer Stilbeeinflusst von englischen Architekten wie Inigo Jones, Christopher Wren, Colen Campbell und William Kent, die wiederum die Architektur der Renaissance bzw. des Palladianismus rezipiert hatten Dreizehn Kolonien Kassettentür, bekrönt von einem aus rechteckigen Scheiben zusammengesetzten Kämpferfenster, Türsturz wird von angedeuteten Säulen getragen; symmetrische Fassade mit 5 (seltener: 3 oder 7) gleichmäßig aufgereihten Fenstern; Fenster mit 9 oder 12 Scheiben pro Flügel; Zahnschnittfries an der Dachtraufe 150px|rahmenlos 1750–1780 Georgianisch mit Zentralgiebel Zusätzlich: hervortretende Mittelfassade, mit einem Dreiecksgiebel gekrönt; zweigeschossige Pilaster an den Fassadenrändern; Dachbalustrade 150px|rahmenlos Longfellow House (Cambridge, Massachusetts, 1759) 1770–1830 (örtlich bis ca. 1850) Früher Klassizismus (Early Classical Revival)Wiederentdeckung der Architektur der Römischen Republik, durch Thomas Jefferson gefördert relativ selten, hauptsächlich im Süden, v. a. Virginia Aufwendig präsentierte Haustür (Kassettentür), oft mit halbrundem oder elliptischem Kämpferfenster (Fanlight); Hauseingang oft zu einer Portikus erweitert, dessen Dreiecksgiebel (Pediment) sich auf Dachhöhe befindet und von 4 oder mehr Säulen (dorisch oder toskanisch) getragen wird, die auf niedrigen Postamenten stehen; symmetrische Fassade mit 5 (seltener: 3 oder 7) gleichmäßig aufgereihten Fenstern 150px|rahmenlos Tabby Manse (Beaufort, South Carolina, um 1788) William Jay Benjamin Latrobe Robert Mills William Thornton 1780–1820, örtlich bis ca. 1840 Federal StyleFortentwicklung und Verfeinerung des georgianischen Stils, in England von John und Robert Adam geprägt („Adam Style“) landesweit 2- oder 3-geschossige Häuser; aufwendig präsentierte Haustür (Kassettentür), oft mit halbrundem oder elliptischem Kämpferfenster, oft von Seitenfenstern (Side Lights) flankiert, oft zu einem Portikus erweitert; symmetrische Fassade mit 5 (seltener: 3 oder 7) gleichmäßig aufgereihten Fenstern; Fenster meist mit 6 Scheiben pro Flügel; Dachtraufe mit Zahnschnittfries oder anderen dekorativen Elementen akzentuiert; oft um zusätzliche Flügel oder Anbauten erweitert 150px|rahmenlos Charles Bulfinch William Jay Benjamin Latrobe Gabriel Manigault John McComb Samuel McIntire Alexander Parris Holländischer Kolonialstil 1625–ca. 1840 Nieuw Nederland Eingeschossige Häuser mit Seitengiebel; Sattel- oder Mansarddächer mit wenig oder gar keinem Überstand am Giebel; städtisch: Ziegelmauern, steile Dächer mit Brüstung und Schornsteinen an beiden Giebelenden; ländlich: meist Steinmauern, entweder kein Dachüberstand oder abgeflachter unterer Dachbereich; die Haustüren waren ursprünglich meist Klöntüren 150px|rahmenlos Wyckoff House (Brooklyn, New York, um 1652) Französischer Kolonialstil 1700–1860 Neufrankreich Eingeschossige Häuser; steile Walm- oder Satteldächer (letztere meist mit Seitengiebel); verputzte Fachwerkmauern; hohe, schmale Fenster und Türen; Landhäuser oft auf erhöhtem Fundament und mit integrierter Veranda 150px|rahmenlos

Romantik (1825–1885) Romantik bedeutet in der Architektur den Bezug auf vergangene Epochen, die als ideal betrachtet wurden. Ausgangspunkt der Bewegung waren Ausgrabungen und Wiederentdeckungen antiker Bauwerke und Ruinen der Griechen und Römer. Unter dem Eindruck der rapiden Industriellen Revolution waren die Romantiker gegenüber Wissenschaft und Rationalismus skeptisch geworden, hielten die Gegenwart für verunreinigt und suchten in der Vergangenheit nach Einfachheit und Reinheit. Beides meinten sie in der Architektur der Antike und der Gotik zu finden.

In den Vereinigten Staaten setzte sich innerhalb der romantischen Bewegung zunächst mehrere Jahrzehnte lang der Greek-Revival-Stil durch. Diese unbestrittene Vorherrschaft endete, als Andrew Jackson Downing 1842 sein Pattern-Buch Cottage Residences publizierte. Downing schlug darin als Alternativen zum dominierenden Greek Revival mehrere neue Baustile vor, die er seinen Lesern mit vielen Detailzeichnungen nahebrachte. Bauherren hatten damit erstmals in der amerikanischen Wohnbaugeschichte die Wahl zwischen einer ganzen Vielzahl von Baustilen, und es entstanden heterogene Nachbarschaften, in denen neugotische, neugriechische und Italianate-Häuser in bunter Folge standen.

Der neugotische und der Italianate-Stil reicht bis ins Viktorianische hinüber.