Bei der St.-Maximilian-Kolbe-Kirche in Jerutki () handelt es sich um eine in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtete Fachwerkkirche. Bis 1945 war sie Pfarrkirche des evangelischen Kirchspiels Klein Jerutten in Ostpreußen, heute ist sie eine Filialkirche der römisch-katholischen Pfarrei Jerutki in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Jerutki liegt in der südlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, etwa zehn Kilometer östlich der Kreisstadt Szczytno (). Das Dorf ist von Młyńsko an der Landesstraße 53 (einstige deutsche Reichsstraße 134) aus über eine Nebenstraße zu erreichen. Die nächste Bahnstation ist Jeruty (Groß Jerutten) an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk.
Die Kirche steht in der westlichen Ortsmitte.
Kirchengebäude mini|hochkant|Vorhalle an der Südseite der Kirche Die Kirche in Klein Jerutten wurde 1734 als Fachwerkkirche errichtet.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreußischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 130, Abb. 609, 610 Unmittelbar daneben legte man den Friedhof an.
Das Gotteshaus, an das 1821 der massive Turm angebaut wurde, hat einen dreiseitigen Chorabschluss. Der Innenraum ist von einer gewölbten, an den Seiten flachen Holzdecke überspannt. Der reich verzierte, holzgeschnitzte Kanzelaltar entstand 1737 und soll von Michael Kapitzki aus Willenberg () angefertigt worden sein. Etwa aus gleicher Zeit stammt ein Beichtstuhl, und nur wenig älter ist der Taufengel, der jetzt im Museum für Ermland und Masuren in Olsztyn (Allenstein) aufbewahrt wird.Jerutki - Klein Jerutten bei ostpreussen.net
Aus dem 18. Jahrhundert stammt die noch erhaltene Grabplatte der 17-jährig verstorbenen Frau des ersten Pfarrers in Klein Jerutten, Johann Biegon.
Eine Orgel erhielt die Kirche erst im 19. Jahrhundert. Sie wurde am 10. September 1858 eingeweiht, 1911 von dem aus Böhmen stammenden Orgelbaumeister Carl Novak in Königsberg (Preußen) renoviert und später noch einmal überarbeitet durch den aus Oberschlesien gebürtigen Orgelbaumeister Bruno Goebel, ebenfalls in Königsberg. mini|links|Die Kirche im Winter Das Geläut der Kirche bestand ursprünglich aus drei Glocken, später waren es vier. Eine dieser Glocken befindet sich heute im Turm der Kirche in Lobmachtersen (Stadt Salzgitter in Niedersachsen). Sie war im Zweiten Weltkrieg für Munitionszwecke konfisziert worden, hat jedoch überlebt und tut heute ihren Dienst an neuer Stelle.
Seit den 1980er Jahren befindet sich das Gotteshaus im Eigentum der römisch-katholischen Kirche. Es wurde teilweise renoviert sowie baulich dem veränderten liturgischen Gebrauch angepasst und Maximilian Kolbe gewidmet. Neben der Kirche in Kolonia (Grünwalde) ist es eine Filialkirche der Pfarrei Świętajno (Schwentainen, 1938 bis 1945 Altkirchen).Pfarrei Świętajno im Erzbistum Ermland
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Klein Jerutten wurde im Jahre 1709 ein evangelisches KirchdorfWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 496 und gehörte lange Zeit zur Inspektion Rastenburg (polnisch Kętrzyn).Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 58 Bereits 1710 nahm hier der erste Geistliche seinen Dienst auf. Bis zum Bau der Kirche vergingen jedoch noch viele Jahre.
Trivia: Im Jahre 1854 übergab König Friedrich Wilhelm IV. der Kirche Klein Jerutten den Schwarzen Adlerorden des Generals von Günther, worum dieser zu seinen Lebzeiten gebeten hatte. In jenem Jahr nämlich war der König mit seiner Gemahlin Elisabeth zu Besuch in Jerutten, um an den Aufenthalt seiner Eltern König Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise zu erinnern, die seinerzeit vor dem Altar der Kirche gebetet hatten.
Das Kirchspiel Jerutten umfasste eine weitflächige Region, bis im Jahre 1908 das Dorf Schwentainen (1938 bis 1945 Altkirchen, polnisch Świętajno) als eigenes Kirchdorf abgetrennt und mit einem eigenen Kirchspiel versehen wurde. Allerdings blieben beide Kirchen noch bis 1926 pfarramtlich verbunden.
Im Jahre 1925 zählte die Kirchengemeinde Klein Jerutten 7300 Gemeindeglieder gegenüber 4000 in der Kirchengemeinde Schwentainen. Beide waren bis 1945 in den Superintendenturbezirk Passenheim (polnisch Pasym) im Kirchenkreis Ortelsburg (Szczytno) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung im Rahmen des Zweiten Weltkrieges setzten dem Leben der evangelischen Kirchengemeinde in dem dann Jerutki genannten Dorf ein Ende. Heute hier lebender evangelische Kirchenmitglieder gehören zur Kirche in Szczytno in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Im 19. Jahrhundert wurde in Klein Jerutten ein neues Pfarrhaus errichtet. Es stand in direkter Nähe der Kirche und scheint als unbewohntes Gebäude noch heute erhalten zu sein. Beim Durchzug der Franzosen auf ihrem Weg nach Moskau 1812 übernachteten die Generäle Dubois und Tierny im damaligen Pfarrhaus. Als 1813 im Gegenzug die Russen gen Frankreich zogen, nächtigte hier Großfürst Konstantin.
Der einstige evangelische Friedhof ist heute noch vorhanden, auch wenn zahlreiche Grabstellen sich in einem verwahrlosten Zustand befinden. Auf seinem Gelände steht ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen der Jahre 1914–1918.Gefallenendenkmal in Klein Jerutten (poln. Jerutki), Kreis Ortelsburg, Ostpreußen Es befindet sich in sehr ordentlichem Zustand.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Klein Jerutten gehörten die Orte:Der * kennzeichnet einen Schulort
Deutscher Name Polnischer Name Alt Keykuth (teilw.) Stare Kiejkuty *(Alt) Marxöwen1938–45: Markshöfen Marksewo Bergfelde1938–45: Seenwalde Piasutno Gondelmühle *Klein Jerutten Jerutki Deutscher Name Polnischer Name Kobiel1938–45: Seeblick Kobiel Neu Marxöwen *Olschienen1938–45: Ebendorf (Ostpr.) Olszyny *Piassutten1938–45: Seenwalde Piasutno *Plohsen Płozy
Deutscher Name Polnischer Name *Powalczin1938–45: Schönhöhe Powałczyn Lonk1938–45: Kleinseenwalde Strusken Wisno Wyrog1938–45: Neuseenwalde Wyrok
Pfarrer An der Kirche in Klein Jerutten amtierten als evangelische Geistliche die Pfarrer: mini|Grabkreuz für Pfarrer Samuel Ernst Riemer Johann Biegon, 1710–1734 Michael Sinogowitz, 1734–1758 Johann Christoph Sinogowitz, 1758–1772 Johann Ernst Nordhoff, 1772–1802 Samuel Ernst Riemer, 1802–1817 Gottlieb Briese, 1818–1819 Jacob Czygan, 1819–1840 Friedrich W.B. Brachvogel, 1840–1841 Friedrich Ludwig Riemer, 1841–1869 Rudolf Carl Rudnick, 1846–1853Superintendent Rudolf Rudnick (1816–1899) war Angehöriger des Corps Masovia. Franz Ludw.A. Paczynski, 1853–1859 Reinhold Ludwig Jacobi, 1869–1871 Friedrich Heym. Claudius, 1869–1900 Alexander August Metschies, 1898 Franz Pilchowski, 1901–1926 Wladislaus Przybylskiwohnte in Schwentainen, 1910–1920 Paul Pachaly, 1926–1928 Joh. Sam. Barth. R. Ehmer, 1940–1943 Heinz Günther Fehr, 1941 Heinz Martin Wiesner, 1942–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen sind erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfg) in Leipzig aufbewahrt: Taufen: 1754–1819, 1805–1817, 1850–1875 Trauungen: 1754–1770, 1805–1840, 1866–1874 Begräbnisse: 1795–1840, 1854–1861, 1873–1875.
Römisch-katholisch Die römisch-katholische Bevölkerung in der Region Klein Jerutten gehörte bis 1945 zur Pfarrkirche in Ortelsburg (polnisch Szczytno) im Dekanat Masuren I im damaligen Bistum Ermland.Kreis Ortelsburg bei AGOFF Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich hier zahlreiche polnische Neubürger an, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Sie beanspruchten das bisher evangelische Gotteshaus für sich, das in den 1980er Jahren schließlich der römisch-katholischen Kirche übereignet wurde. Das dem Maximilian Kolbe gewidmete Gotteshaus ist heute eine Filialkirche der Pfarrei Świętajno (Schwentainen, 1938 bis 1945 Altkirchen) im Dekanat Rozogi (Friedrichshof) innerhalb des Erzbistums Ermland.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Fachwerkkirche in Polen Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Maximilian-Kolbe-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Świętajno (Powiat Szczycieński) Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren