mini|hochkant=1.4| Die Kuppelkirche (nl: Koepelkerk) im niederländischen Ortsteil Willemstad der Gemeinde Moerdijk in der Provinz Nord-Brabant ist die erste in den Niederlanden errichtete protestantische Kirche. Sie setzte neue Gestaltungsmerkmale für protestantische Kirchengebäude und steht seit 1970 unter Denkmalschutz.

Lage mini|hochkant|Friedhofsteil mit Blick auf die Kirche Das Kirchengebäude befindet sich inmitten eines 7300 m² großen fast quadratischen ArealsFläche mit dem Tool von Google Earth grob bestimmt. im Zentrum der Stadt. Der Zugang erfolgt von der Straßenmündung Hoofstraat–Landpoortstraat mit der Vorstraat und trägt die Adresse Kerkring 19. Die Kirche wird umgeben vom Friedhof der Gemeinde, auf dem alle Bestattungen stattfinden. Ein rund um das Kirchengelände verlaufender Wassergraben begrenzt die Grundstücksfläche. Zur Kirche gelangen die Besucher über eine kleine Brücke und einen Weg, der als Laubengang angelegt ist. mini|hochkant|Zuweg zum Kirchenportal

Vorgeschichte Zunächst hatten die Bewohner des ab dem Jahr 1565 in Poldern angelegten Dorfes Ruigenhil (aus dem nach Errichtung der Festung der Ort Willemstad wurde), neben den Wohnbauten auch einen Kirchfriedhof eingerichtet. Außerdem wurde der Bau einer katholischen Kirche geplant, doch wegen fehlender Finanzierung nicht realisiert. Die Gläubigen kamen vorerst im Raum des Försters, einer Art Gerichtsvollzieher, zum Gottesdienst zusammen. An den Arbeitstagen diente der vordere Raum dieses Hauses am Friedhofring als Schankraum, das hintere Haus als Gefängnisraum. Im März 1569 wurde ein vom Pastor von Fidschnaart auf dem Friedhof gebautes Haus an die Kirchengemeinde zur Durchführung der Messe vermietet.

Im Jahr 1574 besetzten die aufständischen Wassergeusen das Dorf Ruigenhil, das von Wilhelm von Oranien zur Festung ausgebaut und nach dessen Ermordung in Willemstad umbenannt wurde. Der katholische Pfarrer wurde vertrieben und die protestantische Religion wurde eingeführt. Für die wachsende Zahl der Protestanten sollte ein entsprechendes Sakralgebäude unter Nutzung der vorhandenen Kirchbaufläche im Zentrum des Friedhofs entstehen. Doch der Gemeinderat wünschte zunächst den Bau eines repräsentativen Rathauses und stellte dort den großen Raum im Erdgeschoss für die Kirchdienste zur Verfügung; eine Kanzel wurde installiert und eine kleine Kirchenglocke gekauft.

Prinz Maurits, der Sohn und Nachfolger von Wilhelm von Oranien, förderte ab 1586 den Bau einer eigenen Kirche durch Bereitstellung eines Startguthabens von 7000 Gulden.Infotafel am Zugang zur Kirche, gesehen und fotografiert am 24. September 2019. Er verband seine Subvention mit der Bedingung, dass der Grundriss achteckig oder rund werden sollte, im Gegensatz zu den katholischen Kirchen, deren Grundrisse üblicherweise kreuzförmig waren. Da dies der erste protestantische Kirchen-Neubau in den Niederlanden war, wurde diese achteckige Form an einigen Orten übernommen, beispielsweise bei den Wallonischen Kirchen in Maastricht und Vaals und der Wallonisch-Niederländische Kirche in Hanau.

Auf Wunsch des Schatzmeisters Jasper van Kinschot vom Prinzen entwarf dessen Maurer Andries de Rooij (auch de Roy) 1590 einen achteckigen Kirchenbau für den Ort und legte einen Kostenvoranschlag dazu vor. Auf Basis dieser ersten Skizzen wurde 1594 der Middelburger Zimmermann Adriaan de Muyr beauftragt, einen konkreten Entwurf für ein Kirchengebäude einzureichen. De Muyr fertigte ein Holzmodell des geplanten Gotteshauses an, das im September 1594 per Schiff im Ort eintraf und im Rathaus gezeigt wurde. Dieses Modell fand jedoch nicht die Zustimmung der Ratsherren und der Kirchengemeinde, ein zweites Modell musste her. Das traf im Juli 1595 ein und wurde wieder im Rathaus ausgestellt, auch dieses gefiel nicht. Bis zum tatsächlichen Bauauftrag entstanden noch zwei weitere Modelle. Das letzte hatte nun gegenüber den Vorgängern eine größere Grundfläche und zeigte einen viereckigen Turm als Bauwerksergänzung. Als Baumaterialien sollten Backsteine verwendet werden, zum Verzieren einiger Fassadenteile auch harter Blaustein aus Namur, den der Steinmetz Coenraet van Norenburch liefern wollte. Das schlug mit zusätzlichen Kosten von rund 6000 Gulden zu Buche.

Aufgrund der komplizierten und langwierigen Vorgänge sowie der Hinzuziehung mehrerer Personen ist nicht ganz klar, welcher der drei (De Rooij, Van Norenburch oder De Muyr) der eigentliche Architekt der Kirche ist. Als wahrscheinlich gilt, dass De Rooij die Bauform bestimmte, De Muyr das hölzerne Zeltdach gestaltete und Van Norenburch die harten Steinfenster und das Portal entwarf und ausführte.

Vor Baubeginn erfolgten auf dem Friedhofsgelände umfangreiche Baugrunduntersuchungen, weil das gesamte Dorf ja auf feuchtem Untergrund angelegt worden war (Ton auf Torf).

Auftragsvergabe und Bau Im November 1596 wurden in Den Haag Bauaufträge für Maurer- und Steinmetzarbeiten ausgeschrieben und vergeben. Sie gingen an Coenraet Van Norenburch, den oben genannten Steinmetz aus Dordrecht, Cornelis Verhoeven, Maurer aus Rotterdam und Jan (Janszn.) Orguel, ebenfalls Steinmetz aus Delft. Andries de Rooij war inzwischen bei dem Prinzen als Befestigungs-Bauingenieur fest angestellt. Im Jahr 1597 erhielten die gleichen Personen auch den Auftrag zur Errichtung des Turmes.

Der Bau des Kirchengebäudes begann wegen massiver finanzieller Belastungen des Ortes erst am 12. Oktober 1601. Zur Baugrundstabilisierung tauschten die Arbeiter einen Teil der obersten Schicht der Friedhofserde gegen eine Decke aus Maas-Kalk aus Delft aus. Dahinein wurden im Februar 1602 zahlreiche Eichenpfähle geschlagen, die ersten Gerüstteile und die Backsteine wurden aus Leiden angeliefert. Nun begannen die Maurerarbeiten.

Am 13. März 1605 forderte der Amtsrichter Cornelis Verhoeven auf, die Arbeit an dem Glockenturm einzustellen, dessen Fundament inzwischen vier Fuß hoch war. Der genaue Grund des Baustopps ist nicht bekannt, Historiker vermuten unter anderem die nachträgliche Sorge um die Standfestigkeit des Turmes, der 30 Meter höher als das Kirchengebäude werden sollte, ein beeinträchtigtes Gesamtbild von Kirchenbau und Turm (der sich ja vom Stadtzentrum abgewandt hätte) oder auch die stetige Geldknappheit. Es könnten auch mehrere Gründe gleichzeitig gewesen sein. Der Maurer erhielt für die ausgefallenen Arbeiten eine finanzielle Entschädigung von der Ortsverwaltung. Jedenfalls musste nun auf dem Dach ein Turm errichtet werden. Die Kirchenbauherren entschieden sich für eine Kuppellaterne, die zwei Glocken aufzunehmen und das Kreuz zu tragen hatte.

Im Sommer 1605 wurde die am Boden vom Zimmerer Adriaen Diericxz aus Delft vorgefertigte Kuppel aufgesetzt. Das Uhrwerk von Thomas Both, in Utrecht 1588 hergestellt, erhielt den vorgesehenen Platz in der Dachrundung. Schließlich wurden die Kirchenglocken, 1605 von Cornelis Ammeroy in Amsterdam gegossen, zum Glockenstuhl in der Mitte der Dachlaterne aufgezogen.

Nach dem Einbau der eichenen Kanzel und der Bänke in den Kirchenraum wurde am 21. August 1607 die Einweihung der Kirche gefeiert.

Geschichte 1607–1998 mini|hochkant|Kirche mit Sakristei, im Jahr 1926, Ansicht von Nordosten

Auf der Südostseite der Kuppelkirche wurde 1657 aus dem Nachlass von Theuntje Penningsbrood eine hölzerne Sakristei errichtet, die dem Ablegen der Waffen oder Kleidung der Kirchenbesucher dienen sollte. 1694 ließ die Kirchengemeinde die Sakristei durch einen Steinbau ersetzen.

Im Jahr 1773 (nach einer anderen Quelle 1775) erhielt die Kirche eine Orgel, gestiftet von Prinz William V., der Kaufpreis wurde aus den königlichen Steuereinnahmen von Willemstad beglichen.

Erstmals wurde die Kirche 1789–1791 restauriert (laut Schlussstein über dem Tor am Wassergraben). Gleich darauf fügte die Napoleonische Armee dem Gotteshaus und dem gesamten Ort durch Beschuss großen Schaden zu. Alles konnte in den folgenden Jahren repariert werden.

Aus dem 19. Jahrhundert sind keine auf die Kirche bezogenen Ereignisse überliefert.

Im Herbst 1944, im Zweiten Weltkrieg, als die Deutsche Wehrmacht sich gegen die anrückende US-Armee verteidigte, erlitt das Bauwerk durch direkten Beschuss wieder starke Schäden, die nach Kriegsende (das hier am 5. Mai 1945 erfolgt war) ab 1948 beseitigt wurden. Die Regierung hatte dafür einen Betrag von 125.000 NLG bereitgestellt. Die Wiedereinweihung des Kirchengebäudes war zum 7. September 1950 geplant, wofür bereits Einladungen an Honoratioren der Stadt verschickt worden waren. Ein letzter Rundgang hatte gezeigt, dass es im Dach zwischen Kirche und Turmaufsatz ein Loch gab, das nun noch rasch geschlossen werden musste. Bei dieser Instandsetzung kam es durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in Verbindung mit einem starken Wind zu einem verheerenden Brand. Innerhalb einer Stunde stand das gesamte Gebäude in Flammen und brannte vollständig aus. Nur die Umfassungsmauern waren stehen geblieben. Die Orgel, Kanzel, der massive 16-armige Messingkronleuchter – alles Mobiliar einschließlich der Herrenbänke sowie der beiden Texttafeln mit den Zehn Geboten waren vernichtet.De Kerkbrand. Abgerufen am 31. März 2020. Der Brand führte auch zum Absturz des Turmhahns und der beiden Glocken, die dabei schwer beschädigt wurden. Übriggeblieben waren das Abendmahlssilber und das Wappen über der Orgel, weil diese während der Renovierung ausgelagert worden waren.

Sofort begann der Neuaufbau, verbunden mit der Beschaffung neuer Ausstattungsstücke: eine 1659 gefertigte Kanzel aus einer reformierten Kirche in Hoogvliet sowie Bänke aus der Zeit um 1670 aus dem (dann im Jahr 1951 abgerissenen) Gotteshaus in Graft wurden angekauft und aufgestellt. Eine der beiden Glocken wurde repariert und wieder im Turm aufgehängt. Am 28. November 1952 erfolgte die Wiedereröffnung des Gotteshauses.

mini|hochkant|Uhrenglocke aus der Koepelkerk von Willemstad in der Halle des Moritz-Museums Die Glocke für das ebenfalls beschädigte Uhrwerk (Gießer van Bergen aus Mittwald) wurde nicht wieder an ihren Platz gebracht, sondern kam in die Eingangshalle des Mauritiushuis’ in Willemstad, dem früheren Landsitz des Prinzen Mauritius.

Die letzten umfassenden Sanierungsarbeiten an und in der Kirche erfolgten 1996/1997.

Architektur Die Hallenkirche ist ein aus roten Backsteinen errichteter Zentralbau mit achteckigem Grundriss und einem ebenfalls achteckigen Spitzhelm überdacht. In der Dachmitte schließt die Laterne das Bauwerk ab, um die sich ein offener Aussichtsgang herumzieht. Der Turm kann zeitweise bestiegen werden. In ihm befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Gebäudes. Das Dach ist mit grauen Dachziegeln gedeckt.

Auf dem geschwungenen Dach der Laterne erhebt sich ein mehrere Meter hohes metallenes Kreuz mit einem Wetterhahn. Im oberen Teil des achteckigen Kirchendaches sind rundherum Dachgauben zur Belichtung des Kirchenraumes eingefügt. An vier gegenüberliegenden Seiten ersetzten die Zifferblätter einer Turmuhr diese Gauben. (Das um 1951 erneuerte Uhrwerk wird elektromechanisch angetrieben.)

Mit diesem Kirchenbau entstand ein einziger großer Andachtsraum, ein Chor mit Altar oder Kapellen waren nicht vorgesehen. Die Kanzel bildet den Mittelpunkt. Der traditionelle kreuzförmige Grundriss für christliche Kirchen wurde aufgegeben, dafür entstand eine Hauptachse vom Portal bis zum gegenüberliegenden Mauerwerk des Gebäudes. Diese Achse geht durch die Kanzel mit dem Taufgarten. Die exakte Ostung des Gotteshauses entfiel damit auch, seine Lage musste sich vielmehr den örtlichen Gegebenheiten anpassen. An der Südwestseite des Gebäudes ist die Sakristei angefügt.

Der Portalrahmen und die Fensterecken sind mit Naturstein gefasst. Portal und Fenster sind als Halbrundbogen ausgeführt, das Türblatt des Rundportals ist mit Kupfer beschlagen.

Die sechs hohen schmalen Fenster sind kleinsprossig und tragen in der Mitte je ein gläsernes farbiges Wappen. Diese sind (von den Bänken aus gesehen):