Sadad (, , ) ist eine Ortschaft in Syrien. Sie liegt etwa 60 km südlich von Homs und 101 km nordöstlich von Damaskus im Qalamun-Gebirge, das zum Anti-Libanon zählt. In Sadad lebten im Jahre 2004 laut Zensus 3503 Menschen, zu etwa 90 % Christen, die der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien angehörten. Nach kurzzeitiger Besetzung und Verwüstung des Ortes 2013 durch die Al-Nusra-Front verließen viele Einwohner ihren Heimatort. Dennoch gilt Sadad als Vorzeigeort für den Wiederaufbau.

Geschichte Sadad ist eine sehr alte Ortschaft, die wahrscheinlich mit dem biblischen Zedad ( / Tzedad) übereinstimmt, so in Numeri und bei Hesekiel .Michel Jullien: Sinaï et Syrie – souvenirs bibliques et chrétiens. Société Saint-Augustin, Desclée de Brouwer et Cie., 1893, S. 194.John F. Walvoord, Roy B. Zuck: The Bible Knowledge Commentary – Old Testament. Victor Books, 1985, S. 1315.Justin M. Rogers, Clyde M. Woods: Leviticus–Numbers. College Press, 2006, S. 384.

Das Christentum hielt sich in dem abgelegenen Ort auch nach der islamischen Eroberung der Levante im 7. Jahrhundert, während das ursprünglich hier gesprochene Westaramäische durch das Arabische verdrängt wurde. Spuren des Aramäischen im arabischen Dialekt von Sadad wurden von Fadel M. Mubaraka (2010) untersucht. Sadad war Bischofssitz und hatte nach Berichten des maronitischen Patriarchen und Historikers Istifan al-Duwayhi eine enge Verbindung mit dem Kloster Dair Mar Musa al-Habaschi.Erica Dodd: The Frescoes of Mar Musa al-Habashi – a Study in Medieval Painting in Syria. Pontifical Institute of Mediaeval Studies, 2001.

Im 19. Jahrhundert, als der Ort zum Osmanischen Reich gehörte, wurde Sadad laut einem Bericht von 1881 mit Barrikaden aus Adobe befestigt, um sich vor Angriffen durch Beduinen zu schützen.Sébastien de Courtois: Le Génocide oublié – Chrétiens d'Orient, les derniers Araméens. Ellipses, 2002, S. 17.

Im Dezember 2011 gewann Suleiman Khalil, der von 2000 bis 2009 mit seiner Familie in den USA gelebt hatte, als Mitglied der gewaltfreien Opposition gegen die Baath-Partei von Baschar al-Assad die Kommunalwahlen in Sadad und wurde so für kommenden Jahre, also in der Zeit des Bürgerkrieges in Syrien Bürgermeister des Ortes. HelpDirect, abgerufen am 14. April 2020.

Am 21. Oktober 2013 nahmen islamistische Rebellen der Al-Nusra-Front und der Freien Syrischen Armee die Ortschaft ein, wobei mindestens neun Menschen starben. Am 22. Oktober 2013 begannen Gegenangriffe der syrischen Armee. Reuters, 22. Oktober 2013. Am 28. Oktober eroberte die syrische Armee Sadad zurück. Zurückkehrende Dorfbewohner und Geistliche der syrischen orthodoxen Kirche fanden zwei Massengräber mit zusammen 30 zivilen Toten, darunter Frauen und Kindern.Christians in Syria feel forgotten as mass graves found in Sadad. Morning Star News, 5. November 2013. Insgesamt wurden in der Zeit der Besetzung 45 christliche Bewohner getötet und mehrere Kirchen geplündert.Syria: Bodies of massacred Christians found in mass grave. Independent Catholic News, 4. November 2013.Raymond Ibrahim: The Human Events Group, 22. November.

Am 15. Oktober 2015 griffen Einheiten des Daesch (IS) Sadad an. Zur Verteidigung des Ortes befanden sich hunderte christliche Milizionäre in Sadad.Hundreds of Christian fighters scramble to defend Syrian town as ISIS advance. Newsweek, 11. Oktober 2015. Diesmal waren es die vom Sadader Bürgermeister Suleiman Khalil aufgestellten christlichen Milizen, welche die islamistischen Angreifer zurückwarfen. Jahre später galt das christliche Sadad in Syrien als Vorzeigeort, in dem erhebliche Teile der 2013 zerstörten Infrastruktur wieder aufgebaut wurden, so das Krankenhaus und die Strom- und Wasseranlagen.

Bürgermeister Khalil wurde am 8. Februar 2025 ohne Angaben von Gründen festgenommen und Isolationshaft unterworfen. Beobachter werten dies als religiös motivierten Akt der islamistischen Regierung Syriens.

Wirtschaft In den 1980er Jahren war für einen Großteil der Einwohner von Sadad die Arbeit in der Textilindustrie eine Haupteinnahmequelle. Wichtigste Produkte waren Abayas und Wollmatten, die an die Beduinen der Umgebung veräußert wurden. Sadad war ein Handelszentrum auch für Zeltplanen, sonstige Textilien, Sättel, Kaffee und Tee.Jibrail Sulayman Jabbur, in: Suhayl J. Jabbur, Lawrence I. Conrad (Hrsg.): The Bedouin and the Desert. Aspects of Nomadic Life in the Arab East. State University of New York Press, Albany 1995, S. 336–337.

Sehenswürdigkeiten In Sadad, dessen Bevölkerung zu etwa 90 % christlich ist, befinden sich mehrere Kirchen, darunter die Kirche Mar Sarkis (Sankt Sergius), die Kirche Sankt Bacchus und die Kirche Sankt Theodor, die alte Fresken aufweisen.

Literatur Fadel M. Mubaraka (2010): The Aramaic Influence in the Vernacular of Sadad. In: Gregorios Yohanna Ibrahim (Hrsg.): Dar Mardin – Christian Arabic and Syriac Studies from the Middle East. Gorgias Press, 2010.

Einzelnachweise

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