Amphritea ist eine Gattung in der Klasse (Biologie) Gammaproteobacteria.
Erscheinungsbild Die meisten Arten von Amphritea sind durch Flagellen beweglich (motil). Je nach Art ist jeweils eine polare Flagelle oder bipolare Büschel von Flagellen vorhanden. Die Art Amphritea ceti besitzt keine Flagellen. Die Zellen sind stäbchenförmig. Amphritea atlantica, A. balenae und A. japonica können in alten Kulturen kokkoide Zellen bilden. Die Art A. ceti bildet zusätzlich zu stäbchenförmigen auch ovale Zellen. Bei dieser Arten treten auch Zellen mit Längen über 10 μm auf.
Wachstum und Stoffwechsel Alle Arten wachsen in Gegenwart von Sauerstoff (aerob), einige sind auch fakultativ anaerob, zeigen also auch unter Ausschluss von Sauerstoff Wachstum, so z. B. Amphritea opalescens, A. japonica und A. balenae.
Der Stoff- und Energiewechsel ist chemoorganotroph und heterotroph, Amphrytea nutzt organische Verbindungen als Energiequelle und zum Aufbau zelleigener Stoffe.
Der Wachstumsbereich liegt bei den bis zum Jahr 2019 beschriebenen Arten bei Temperaturen zwischen 4 und 42 °C. So zeigt z. B. Amphritea opalescens Wachstum bei Temperaturen zwischen 10 und 42 °C, bestes Wachstum erfolgt bei 28 °C. Die Art A. balnea toleriert Temperaturen zwischen 4 und 28 °C, die optimale Wachstumstemperatur liegt zwischen 20 und 22 °C. Die Arten benötigen Salz (NaCl) für das Wachstum, eine Ausnahme ist die Art Amphritea opalescens, sie zeigt auch Wachstum bei völliger Abwesenheit von NaCl.
Die Art Amphritea opalescens toleriert pH-Werte von 4 bis 11, die Art A. atlantica Werte von 4,6 bis 9,5. A. balnea zeigt Wachstum bei pH-Werten zwischen 6,5 und 7,5. Der Urease-Test verläuft je nach Art unterschiedlich, so fällt er bei der Art A. atlantica positiv, bei A. opalescens negativ aus.
Die Arten können verschiedene Zucker und Carbonsäuren zum Energiegewinn und Wachstum nutzen. Einige Arten, wie z. B. Amphritea atlantica, A. balenae und A. japonica, können Polyhydroxybuttersäure (PHB) als Nährstoff- und Energiereserve speichern.
Chemotaxonomische Merkmale Amphritea ist Gram-negativ. Bei den vorkommenden Chinone überwiegt das Ubiquinon-8 (Q-8). Die am häufigsten vorkommenden Phospholipide sind Phosphatidylglycerole (PG) und Phosphatidylethanolamine (PE).
Systematik Der Name Amphritea ist abgeleitet von Amphrit, eine Nymphe des Ozeans in der griechischen Mythologie und bezieht sich auf den marinen Lebensraum der Bakterien. Amphritea zählt zu der Familie der Oceanospirillaceae, welche zu der Ordnung Oceanospirillales gestellt wird. Die Typusart ist Amphritea atlantica. Sie wurde im Jahr 2008 von Andrea Gärtner und Mitarbeitern vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften beschrieben.
Es folgt eine Liste der Arten (Stand: 6. September 2026): Amphritea atlantica et al. 2008 Amphritea balenae et al. 2008 Amphritea japonica et al. 2008 Amphritea opalescens et al. 2019 Amphritea pacifica et al. 2021
Verschiebungen: Amphritea ceti et al. 2014 → Aliamphritea ceti ( et al. 2014) et al. 2023 Amphritea spongicola et al. 2015 → Aliamphritea spongicola ( et al. 2015) et al. 2023
Für die Species Amphritea ceti und Amphritea spongicola wurde im August 2022 die Umstellung zu der neu aufgestellten Gattung Aliamphritea vorgeschlagen und dann 2023 vollzogen.
Ökologie Vertreter der Gattung Amphritea wurden meist aus marinen Lebewesen wie z. B. Schwämmen, Seescheiden, Algen und Stachelhäuter isoliert. Seltener stammen Funde aus freiem Meerwasser oder vom Meeresboden.
Die erste Isolation eines Bakterienstammes der Typusart A. atlantica erfolgte im Jahre 2008 bei einer Untersuchung einer Tiefseemuschel (Bathymodiolus sp.). Die Muschel entstammte einer Probe vom Logatchev-Hydrothermalfeld am mittelatlantischen Rücken in 3000 Meter Tiefe. Der Typstamm der Art Amphritea spongicola wurde zuerst von einem Schwamm isoliert. Amphritea opalescens wurde in der Jasper Beach in Nähe der Fildes-Halbinsel der Antarktis aus einer Sedimentprobe isoliert. Diese Art ist nicht auf NaCl angewiesen.
Die Isolate für die Erstbeschreibung der Arten Amphritea balenae und A japonica stammen von Proben des Meeresboden nahe bei Kadavern von Pottwalen. Die Entwicklung des sich neu bildenden Ökosystems rund um und in den Pottwal-Kadavern wurde über drei Jahre lang untersucht. Es wurden über 800 aerobe Bakterien von dem Meeresboden neben den Pottwalschlachtkörpern isoliert. Drei dieser Stämme waren mit Mitgliedern der Familie Oceanospirillaceae verwandt.
Die Gattung Amphritea gilt als phylogenetisch eng verwandt mit symbiotischen Bakterien, die in dem Bartwurm Osedax vorkommen. Die endosymbiontischen Bakterien kommen im Wurzelsystem dieser Bartwurmarten vor. Osedax lebt auf Skeletten von toten Meerestieren in der Tiefsee. Der erste Fund dieser Bartwurmgattung stammt von Skeletten eines Grauwals (Eschrichtius robustus).
Auch die DNA der Bakterienart Neptunomonas japonica ähnelt von der DNA-Sequenz her stark derjenigen der endosymbiotisch in Osedax lebenden Bakterien (99,6–99,9 % der Sequenzen stimmen überein). Neptunomonas japonica ist phylogenetisch eng mit Amphritea verwandt, sie zählen beide zu der Familie der Oceanospirillaceae. Das Bakterium stammt ebenfalls aus der Umgebung des gleichen Pottwal-Kadavers, wo auch die beiden Bakterienarten Amphritea balenae und A. japonica erstmals isoliert wurden.
Literatur Eugene Rosenberg, Edward F. DeLong, Stephen Lory, Erko Stackebrandt, Fabiano Thompson: The Prokaryotes. Gammaproteobacteria. 4. Auflage, Springer Berlin, Heidelberg, 2014, ISBN 3-642-38923-6; (). Xiaoyan Han, Jing Zhang, Yanfeng Zhang, Juanjuan Liu, Wei Fang, Zemin Fang, Yazhong Xiao: Amphritea opalescens sp. nov., isolated from sediment adjacent to Fildes Peninsula, Antarctica. In: Systematic and Applied Microbiology, Band 69, Nr. 6, 26. März 2019, S. 1585–1590; ().
Einzelnachweise Y. Fujiwara et al.: Three-year investigations into sperm whale-fall ecosystems in Japan. In: Marine Ecology (2007), 28, S. 219–232; (). Andrea Gärtner, Jutta Wiese und Johannes F. Imhoff: Amphritea atlantica gen. nov., sp. nov., a gammaproteobacterium from the Logatchev hydrothermal vent field In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, Band 58, 2008, S. 34–39; (). Xiaoyan Han et al.: Amphritea opalescens sp. nov., isolated from sediment adjacent to Fildes Peninsula, Antarctica. In: Systematic and Applied Microbiology, Band 69, 2019, Nr. 6, S. 1585–1590. (). Masayuki Miyazaki et al.: Amphritea japonica sp. nov. and Amphritea balenae sp. nov., isolated from the sediment adjacent to sperm whale carcasses off Kagoshima, Japan. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, Band 58, 2008, S. 2815–2820; ().
Masayuki Miyazaki et al.: Neptunomonas japonica sp. nov., an Osedax japonicus symbiont-like bacterium isolated from sediment adjacent to sperm whale carcasses off Kagoshima, Japan. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, Band 58, 2008, S. 866–871; (). Eugene Rosenberg, Edward F. DeLong, Stephen Lory, Erko Stackebrandt, Fabiano Thompson: The Prokaryotes. Gammaproteobacteria. 4. Auflage, Springer, Berlin 2014, ISBN 978-3-642-30194-0; S. 504–512 (). Greg W. Rouse, Shana K. Goffredi, Robert C. Vrijenhoek: Osedax: Bone-Eating Marine Worms with Dwarf Males. In: Science, Band 305, Nr. 5684, 2004, S. 668–671; (). Hani Jang et al.: Amphritea spongicola sp. nov., isolated from amarine sponge, and emended description of the genus Amphritea. In: Systematic and Applied Microbiology, Band 65, 2015, S. 1866–1870; (). Ryota Yamano, Juanwen Yu, Chunqi Jiang, Alfabetian Harjuno Condro Haditomo, Sayaka Mino, Yuichi Sakai und Tomoo Sawabe: Taxonomic revision of the genus Amphritea supported by genomic and in silico chemotaxonomic analyses, and the proposal of Aliamphritea gen. nov In: PLOS ONE, 10. August 2022; ().
Kategorie:Oceanospirillales Kategorie:Oceanospirillales (Ordnung)