mini|Selbstgemachte Alltagsmaske mit Haltebändern mini|An die Gesichtsform angepasste, selbstgenähte Alltagsmasken mit Gummibändern mini|Handgenähte Alltagsmaske aus zwei Lagen Baumwollstoff mit Haltebändern mini|Handgenähte Behelfs-Mund-Nasen-Maske aus Baumwolle mit vor dem Nähen eingebügelten Falten, kann durch Bügeln desinfiziert werden

Eine Alltagsmaske oder (amtssprachlich) Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) ist ein geschneidertes Stück Stoff, das über Nase und Mund getragen wird und die Atemluft filtern soll. Weitere Bezeichnungen sind Community-Maske, Behelfs-Mund-Nasen-Maske, Behelfsmaske bzw. selbst hergestellte DIY-Maske.

In Österreich wird die Maske amtssprachlich (einfacher) Mund-Nasen-Schutz (MNS) und gesetzlich mechanische Mund-Nasen-Schutzvorrichtung bzw. eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende [und eng anliegende] mechanische Schutzvorrichtung genannt.

Sie besteht meistens aus Baumwollstoff, der in Falten gelegt vernäht oder an die Gesichtsform angepasst geschneidert ist. Sie wird mit Gummibändern an den Ohren oder mit Haltebändern an Hinterkopf und Nacken fixiert. Ist ein Metalldraht in den Stoff über der Nase eingearbeitet, kann die Maske enger an die Nase angepasst und somit enger ans Gesicht fixiert werden.

Behelfsmasken dürfen nicht gewerblich „als Medizinprodukte oder Gegenstände persönlicher Schutzausrüstung in Verkehr gebracht und nicht mit entsprechenden Leistungen oder Schutzwirkungen ausgelobt werden“, sondern ausschließlich im privaten Umfeld (und in Bayern von Schülern während des Unterrichts, ab dem 7. Juni 2021 nur noch bis zur 4. JahrgangsstufeFAQ zum Unterrichtsbetrieb an Bayerns Schulen, Stand: 19. Mai 2021) genutzt werden, da sie – anders als medizinischer Mund-Nasen-Schutz (MNS) und Atemschutzmasken wie FFP2- und FFP3-Masken – bisher keiner Regulierung unterliegen. Es gibt daher wenig gesicherte, generalisierbare Aussagen zu ihrer Effektivität als Schutz vor der Übertragung von Infekten oder Feinstaub.

Mit dem Arbeitspapier CWA 17553:2020 für Gesichtsmasken zur Nutzung im öffentlichen Umfeld (Community Face Coverings), den das Europäische Komitee für Normung (CEN) im Juni 2020 veröffentlichte, werden erstmals Mindestanforderungen an das Design, die Herstellung und die Leistungsbewertung beschrieben.Erster europäischer Standard zu Alltagsmasken. www.din.de, 22. Juni 2020; abgerufen am 21. Oktober 2020

Geschichte mini|alt=|Während der Spanischen Grippe 1918 weist ein Straßenbahnschaffner in Seattle eine Person ab, die einsteigen will, ohne eine Maske zu tragen mini|Video zur Herkunft der Gesichtsmaske

Die erste nachgewiesene Anwendung von Stoff-Gesichtsmasken war die durch den französischen Chirurgen Paul Berger während einer Operation in Paris im Jahr 1897.

Masken kamen Anfang des 20. Jahrhunderts in Gebrauch, um sich vor Infektionen zu schützen. Ein Entwurf des chinesischen Arztes Wu Lien-teh, der während einer Pestepidemie im Herbst 1910 am chinesischen Kaiserhof arbeitete, war der erste, mit dem empirische Tests stattfanden. Er inspirierte Masken, die während der Spanischen Grippe 1918 verwendet wurden. Die erste Studie zu Masken, die von Mitarbeitern im Gesundheitswesen getragen wurden, fand im Jahr 1918 statt.

Die Spanische Grippe (1918–1920) forderte in Japan 390.000 Todesopfer. Die japanische Regierung ließ damals Poster aufhängen mit der Botschaft: „Vorsicht vor Keimen! Sie riskieren Ihr Leben, wenn Sie keine Maske tragen!“ Seitdem nahm die Verbreitung der Gesichtsmasken in Japan stetig zu.Theresa Locker: Eine kleine Kulturgeschichte des Mundschutzes im japanischen Straßenbild vice.com, 16. Januar 2015 Heute gehören Stoffmasken in Japan zum Alltagsbild im öffentlichen Raum; dabei handelt es sich oft um Zellstoff-Masken für den einmaligen Gebrauch.Schutz aus Zellstoff: Warum so viele Japaner Mundschutz tragen deutschlandfunkkultur.de, 4. Oktober 2017.

Als Schweden in der Mitte des Jahres 1918 stark von der Spanischen Grippe betroffen war, erkannte man innerhalb weniger Wochen die Wirksamkeit von Gesichtsmasken:

Ebenfalls 1918 wurde in der Schweiz das Tragen von Masken empfohlen:

Spätestens im Jahr 1919 war bekannt, dass die Masken trotz aller Probleme bei der Anwendung einen gewissen Schutz bieten:

In den 1940er Jahren wurden in den USA Masken aus Seihtuch eingesetzt, um Krankenschwestern vor Tuberkulose zu schützen.

In den 1960er Jahren ging deren Verwendung in den Industriestaaten aus hygienischen Gründen zu Gunsten moderner medizinischer Masken zurück. In den Entwicklungsländern wurden sie jedoch weiterhin eingesetzt. Gesichtsmasken aus Stoff wurden in den 1960er Jahren in den Industrieländern weitgehend durch industriell gefertigte Einwegprodukte aus mehrlagigem Vliesstoff verdrängt. Einfache Stoffmasken werden jedoch bei Infektionsausbrüchen weiterhin verwendet, so z. B. in Asien während der SARS-Pandemie 2002/2003 und in Westafrika während der Ebolafieber-Epidemie 2014 bis 2016. Während der seit 2020 laufenden COVID-19-Pandemie wurde in zahlreichen Ländern eine Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen eingeführt (siehe unten).

Herstellung mini|Das Nähen einer Behelfsmaske

Aufgrund der individuellen Herstellung ist die Vielfalt der Herstellungsmethoden, Muster und Produkte sehr groß.

Hersteller Im Zuge der COVID-19-Pandemie ergab sich kurzzeitig ein großer Bedarf an medizinischen Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen. Weil diesbezüglich vom Katastrophenschutz keine Vorräte angelegt waren und der Bedarf nicht genügend rasch befriedigt werden konnte, wurden Behelfsmasken in Eigenregie von Privaten und gewerblichen Herstellern angefertigt, beispielsweise von zahlreichen professionellen Schneidern und Nähern; oder von Personen, die sonst beispielsweise als Änderungsschneider oder in den Kostümabteilungen von Theatern tätig sind.Beispiele: Corona-Krise: Schneider wollen helfen und nähen Mundschutzmasken selbst fuldaerzeitung.de, 28. März 2020; staatstheater-mainz.com; Kostümschneiderei näht Masken: Theater helfen in Krise. welt.de, 31. März 2020. Auch größere Unternehmen stiegen in die Produktion ein.Immer mehr Firmen satteln um: Mundschutzmasken statt Unterwäsche, Hemden und Matratzen. suedkurier.de, 27. März 2020. Im Handel werden seitdem Stoffmasken unterschiedlichster Art angeboten. Zusätzlich werden Behelfsmasken in unzähligen Haushalten sowie von engagierten Helfern und GruppenBeispiele: Helfer nähen Masken in Schulen in Saarbrücken und Völklingen saarbruecker-zeitung.de, 24. April 2020; Ehrenamtliche Schneiderinnen nähen Masken für die Gemeinschaft stuttgarter-zeitung.de, 1. Mai 2020. selbst angefertigt.

Selbstgemachte Masken Anleitungen zum Nähen von DIY-Masken („Do-it-yourself-Masken“) wurden von verschiedenen Institutionen veröffentlicht, so zum Beispiel von der Stadt Essen essen.de, abgerufen am 11. April 2020. sowie von Prominenten, darunter vom Modedesigner Guido Maria Kretschmer.Guido Maria Kretschmer hilft beim Maskennähen wn.de, 7. April 2020.

In Printmedien und im Internet wurden darüber hinaus verschiedene Möglichkeiten bekannt gemacht, Masken ohne Nähen zu können herzustellen,Beispiel: Schnell und einfach! So machst Du eine Maske – in unter 1 Minute heidelberg24.de, 9. Mai 2020. so auch von der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC. Demnach können taugliche Mund-Nasen-Bedeckungen mit einfachsten Mitteln und auch ohne Werkzeug aus haushaltsüblichen Materialien hergestellt werden.

Materialien Zumeist werden Baumwollstoffe verwendet. Selbstgefertigte Masken können beispielsweise aus getragenen T-Shirts, Bandanas, Taschentüchern, Schals, Schlauchtüchern oder Handtüchern hergestellt werden. Wissenschaftler aus Hongkong erfanden im Februar 2020 eine Selbstbau-Maske aus zwei Arten Tissue-Papier.How to make your own mask: Hong Kong scientists reveal temporary solution for those unable to get protective gear because of panic buying and price-gouging South China Morning Post, 14. Februar 2020.Schutzmaske selbst basteln, ohne nähen: Das empfiehlt der Experte praxistipps.chip.de, 28. April 2020.

Laut einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Chemie eignen sich viele im Haushalt gebräuchliche Materialien zur Herstellung von Masken, die das Risiko der Ansteckung mit dem Coronavirus verringern können: neben verschiedenen Baumwollstoffen zum Beispiel auch Papiertücher von Küchenrollen oder Vliese von Staubsaugerbeuteln.Stoffe, Papiertücher oder Staubsaugerbeutel gegen Corona mpg.de, 10. April 2020. In der Folge wies ein großer Hersteller von Staubsaugerbeuteln darauf hin, dass die vom Unternehmen hergestellten Staubsaugerbeutel nicht für die Verwendung als Maske konzipiert wurden. swirl.de, 24. April 2020

Behelfsmasken unterscheiden sich von den gesetzlich regulierten medizinischen Mund-Nasen-Schutzmasken (Norm: EN 14683:2019) und Atemschutzmasken, welche mehreren Lagen Stoff sowie Vliesstoff, der in einem Schmelzblasprozess in Form gebracht wird, hergestellt werden.

Verwendung mini|Anleitung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zur Anwendung und Herstellung von Alltagsmasken während der COVID-19-Pandemie 2019–2020

Wiederverwendbare Gesichtsmasken aus Stoff werden in Asien und in Entwicklungsländern seit langem benutzt.

Im Gesundheitswesen werden sie von infektiösen Patienten als „Quellkontrolle“ getragen. Damit wird die Übertragung von Krankheitserregern, die sich in Atemtröpfchen befinden, reduziert. Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen dürfen sie nur dann tragen, wenn medizinischer Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken nicht verfügbar sind. Der Einsatz von behelfsmäßigen Mund-Nasen-Masken wird allgemein nur als letztes Mittel empfohlen, wenn keine effektiveren Masken verfügbar sind. Sie werden vor allem in der Öffentlichkeit getragen.

Im Influenza-Pandemieplan Schweiz 2018 ist nur die Verwendung von Hygienemasken (chirurgische Masken, Mund-Nasen-Schutz MNS) und Atemschutzmasken (FFP1, FFP2, FFP3) vorgesehen, nicht aber die Verwendung von Alltagsmasken.

Aufbereitung zur Wiederverwendung Gesichtsmasken aus Stoff können laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte „idealerweise bei 95 °C, mindestens aber bei 60 °C“ gewaschen und nach anschließender Trocknung wiederverwendet werden.

In einer Maske angesammelte Viren und Bakterien (aber nicht deren Sporen) können durch Bestrahlung mit UV-C-Bestrahlung wirksam desinfiziert werdenKompaktwissen Desinfektion. Behr’s Verlag DE, 2012, ISBN 3-89947-170-9, S. 108 ().Davis T. Weaver, Benjamin D. McElvany, Vishhvaan Gopalakrishnan, Kyle J. Card, Dena Crozier, Andrew Dhawan, Mina N. Dinh, Emily Dolson, Nathan Farrokhian, Masahiro Hitomi, Emily Ho, Tanush Jagdish, Eshan S. King, Nikhil Krishnan, Gleb Kuzmin, Ju Li, Jeff Maltas, Jinhan Mo, Julia Pelesko, Jessica A. Scarborough, Geoff Sedor, Enze Tian, Gary C. An, Sean Diehl, Jacob G. Scott: UV Decontamination of Personal Protective Equipment with Idle Laboratory Biosafety Cabinets During the COVID-19 Pandemic; doi:10.1101/2020.03.25.20043489., das Bundesamt für Strahlenschutz warnt aber, dass UV-C-Desinfektionsgeräte grundsätzlich nur so angewandt werden sollten, dass weder Haut noch Augen der Strahlung ausgesetzt werden.Desinfektion mit UV-C. UV-Licht gegen COVID-19: Experten raten zur Vorsicht

Wirksamkeit mini|Filterwirkung bei verschiedenen Materialien für selbst gefertigte Masken mini|Effekt des Niesens (mit gleichzeitigem Ausstoß von Speichel aus dem Mund) ohne Mundschutz mini|Mithilfe von Schlierenfotografie kann der Effekt von verschiedenen Barrieren auf die Atemströmung beim Niesen visualisiert werden

Wie medizinischer Mund-Nasen-Schutz, aber anders als Atemschutzmasken, schließen Alltagsmasken am Rand nicht luftdicht ab.

Stand 2015 gab es keine randomisierte kontrollierte Studie oder Empfehlung zur Anwendung wiederverwendbarer Stoffmasken. Die meiste Forschung fand im frühen 20. Jahrhundert statt, bevor medizinische Einwegmasken üblich wurden.