Paul Ludwig Le Coq (* 23. März 1773 in Berlin; † 24. April 1824Vgl. die von der Witwe und beiden Söhnen gezeichnete Todesanzeige in Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen Nr. 102, 30. April 1824 (Web-Ressource). ebenda) war ein preußischer Beamter, Wirklich Geheimer Legationsrat sowie Polizeipräsident und Regierungspräsident in Berlin. mini|Bildnis des Paul Ludwig le Coq, Kupferstecher: Johann Friedrich August Clar, Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktionsfotograf: Oliver Ziebe, Berlin
Leben Ein Porträt des Paul Ludwig Le Coq, gestochen von dem Kupferstecher Johann Friedrich August Clar, befindet sich im Stadtmuseum in Berlin.Porträt. Stiftung Stadtmuseum Berlin, Fotothek Es zeigt ihn in einer Uniform und bezeichnet ihn als Polizeipräsidenten, ist also in der Zeit von 1812 bis 1821 entstanden.
Herkunft und Familie Paul war Hugenotte und Angehöriger der Familie Le Coq, die ursprünglich in Metz lebte. Der Großvater Jean Le Coq war als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er stammt in direkter Linie von Toussaint Le Coq ab, der 1565 in Metz Jeanne Doron geheiratet hat.Richard Béringuier: Stammbäume der Mitglieder der französischen Colonie in Berlin. 1885, S. 31 zlb.de
Seine Eltern waren Charles Le Coq († 1814), ein Kaufmann und Direktor der Zuckersiederei von David Splitgerber in Berlin, der es durch diese Tätigkeiten zu Wohlstand gebracht hat, und Marie Charlotte Ermann (1739–1802), die Schwester des deutschen Historikers und protestantischen Theologen Jean Pierre Erman (1735–1814). Auch ihre Familie war hugenottischer Herkunft und 1720 von Genf nach Berlin übergesiedelt.
Le Coq heiratete am 4. März 1794 Charlotte Elisabeth Le Fèvre (1766–1814). Nach ihrem Tod ging er eine zweite Ehe ein. Ein Sohn erster Ehe war Charles Emile Gustav (von) Le Coq (1799–1880), der ebenfalls Diplomat wurde.Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition (Version 4.0.0 vom 20. Januar 2020) Letzte Änderung dieses Dokuments am 16. Dezember 2017; weber-gesamtausgabe.de.Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe. Digitale Edition (Version 4.0.0 vom 20. Januar 2020) Letzte Änderung dieses Dokuments am 16. Dezember 2017; weber-gesamtausgabe.de Seine Tochter Wilhelmine Elisabeth Le Coq (* 9. Juli 1788 in Berlin; † 15. August 1853 ebenda)Vgl. ihre Todesanzeige in Königlich-privilegierte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen Nr. 190, 17. August 1853, 2. Beilage, S. 3 (Web-Ressource). heiratete den Juristen und späteren Legationsrat Joseph Wilhelm Balan.
Ausbildung Le Coq besuchte das Französische Gymnasium Berlin, bei dem sein Onkel, der Oberkonsistorialrat Jean Pierre Erman, die Stelle eines Schulleiters bekleidete.Friedrich August Schmidt (Hrsg.): Neuer Nekrolog der Deutschen, 1824 2. Jahrgang Heft 2, S. 1126 ff. (google books) Er studierte die alten Sprachen, lernte Geschichte, Mathematik und Philosophie und verließ nach Beendigung der Schulzeit das Gymnasium, um sich am Französischen theologischen SeminariumHistorische Nachricht von der Stiftung der französischen Kolonien in den preussischen Staaten: herausgegeben bey Gelegenheit des hundertjährigen Jubiläums welches den 29sten October 1785 gefeyert werden soll, 1785. S. 66; Google Books. nach dem Wunsch seines Vaters zum Predigtamt vorzubereiten.
Bald sah er aber ein, dass er für das Amt eines Predigers nicht geeignet war, und wünschte sich einen Wirkungskreis, in dem er für die Allgemeinheit nützlich sein könnte. Er beschloss daher, sich dem diplomatischen Fach zuzuwenden, das seiner Neigung wie seinen Fähigkeiten am meisten zusagte. Durch gründliches Studium der neueren Sprachen, verbunden mit einer Lektüre der neueren Literatur, bereitete er sich auf die erwählte Laufbahn vor. Ein Universitätsstudium absolvierte er nicht.
Tätigkeit in der Staatskanzlei Er trat in den preußischen Beamtendienst ein als geheimer Secretär bei der damaligen Geheimen Staatskanzlei. Schon im Jahre 1793 erhielt er die Stelle eines Geheimen expedirenden Secretärs bei dem Geheimen Cabinets-Ministerium. 1794 wurde er zum Kriegsrat und einige Jahre später zum Geheimen Kriegsrat ernannt. In der Geheimen Staatskanzlei blieb er bis 1806. Danach wechselte er in das Departement (Ministerium) der auswärtigen Angelegenheiten und wurde Vortragender Rat.Matthias Wolfes: Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft: Friedrich Schleiermachers politische Wirksamkeit. Schleiermacher-Studien, Band 1, S. 495 ff., (google books)
Tätigkeit im Departement der auswärtigen Angelegenheiten In der Schlacht bei Jena und Auerstedt hatte die preußische Armee eine schwere Niederlage gegen die französischen Truppen erlitten. Napoleon Bonaparte schlug am 14. Oktober 1806 mit seiner zahlenmäßig überlegenen Hauptarmee ein preußisch-sächsisches Korps bei Jena. 10 Tage später besetzte Napoleon Berlin und rückte innerhalb kurzer Zeit bis zur Weichsel vor. Die königliche Familie war nach Königsberg geflüchtet und Le Coq folgte ihr mit dem Departement der auswärtigen Angelegenheiten und anderen staatlichen Behörden. Im folgenden Jahre 1807 wurde er zum Wirklichen Geheimen Legationsrat ernannt.
Der Frieden von Tilsit beendete im Juli 1807 den Vierten Koalitionskrieg zwischen Preußen zusammen mit dem Russischen Kaiserreich einerseits und dem Französischen Kaiserreich andererseits. Der russisch-französische Friedensschluss teilte Europa in eine französische und eine russische Interessensphäre; das preußisch-französische Abkommen stufte Preußen auf den Status einer europäischen Mittelmacht zurück.
Spätestens in der Zeit in Königsberg hatte Le Coq Zugang zum König und beriet ihn mehrfach in diplomatischen Angelegenheiten. Er beriet den König insbesondere in der Frage der Ratifizierung der Pariser Konvention vom 8. September 1808, einem Nachfolgevertrag zum Frieden von Tilsit.Thomas Stamm-Kuhlmann: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III. der Melancholiker auf dem Thron. 1992, ISBN 3-88680-327-9, S. 292 f, zitiert nach Matthias Wolfes: Öffentlichkeit und Bürgergesellschaft: Friedrich Schleiermachers politische Wirksamkeit. Schleiermacher-Studien, Band 1, S. 497 Fn.326; Google Books. Im Königsberger Folgeabkommen vom 12. Juli 1807 verpflichtete sich Frankreich, seine Truppen aus Preußen Zug um Zug entsprechend der Abgeltung der noch festzusetzenden Kriegskontribution zurückzuziehen. Deren Höhe wurde von Napoleon erst am 8. September 1808 in der Pariser Konvention festgelegt.
Le Coq, der den Zusammenbruch Preußens sehr bedauerte, äußerte sich im Freundeskreis:
Der König und die Preußischen Behörden kehrten nach Berlin zurück. Im Jahre 1809 wurde Le Coq zum Staatsrat und Vortragender Rat bei dem neu organisierten Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ernannt.
Polizeipräsident und Regierungspräsident in Berlin Da Le Coq seine Aufgaben über mehrere Jahre als verlässlicher Beamter gezeigt hatte und seine hugenottische Herkunft ihn zu einem vertrauensvollen Umgang mit den Franzosen befähigte, wurde ihm 1812 das schwierige Amt des Polizeipräsidenten in Berlin übertragen. Mit politischen und diplomatischen Geschick erfüllte er seine Aufgaben zur Zufriedenheit der Regierung. Dadurch qualifizierte er sich für höhere Aufgaben und wurde daher im Spätsommer 1813 von der Regierung bei der Wahl des Berliner Oberbürgermeisters als Kandidat nominiert, ließ sich aber gegen den gewählten Bewerber Johann Stephan Gottfried Büsching nicht durchsetzen. Dennoch genoss er das Vertrauen der Regierung, sodass er 1816 zum Regierungspräsidenten und Direktor des neu errichteten Regierungskollegium in Berlin berufen wurde. Es wurde ihm der Titel des „Chefpräsidenten“ verliehen.
mini|Voltz, Johann Michael, „Die neue Europäische Barbierstube“, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig
Karikaturenstreit Im März 1813 hatten die Franzosen das von ihnen besetzte Berlin geräumt. Die französische und preußische Zensur, die dem Polizeipräsidenten oblag, wurde abgeschafft. Die Russen waren als Verbündete in Berlin einmarschiert. Das russische Hauptquartier bestand darauf, wie Le Coq am 8. März 1813 an die preußische Oberregierungskommission klagte, alle und jene Druckschriften, die gegen Frankreich gerichtet wären, auch wenn sie Schmähungen enthielten, unbedingt erscheinen und verbreiten zu lassen.Bettina Brandt: Germania und ihre Söhne: Repräsentationen von Nation, Geschlecht und Politik in der Moderne., ISBN 978-3-525-36710-0, S. 172. (digital) mit weiteren Beispielen für die Karikaturen.Karen Hageman: Umkämpftes Gedächtnis: Die Antinapoleonischen Kriege in der deutschen Erinnerung. 2019, ISBN 978-3-506-70748-2, S. 81. books.google.de
Danach waren in Berlin Spottbilder auf Napoleon sehr beliebt, die durch hohe Auflagen den Charakter politischer Massengraphik erhielten und innerhalb einer Woche eine Auflage von 20.000 Exemplaren erzielten. Dies lag im Interesse der preußischen Reformer, die den Aufstand gegen Napoleon planten, der dann zu den Befreiungskriegen führten.
Im Dezember erschien eine Karikatur mit dem Titel Die neue Europaeische Barbierstube von Johann Michael Voltz,Abbildung bei Zeno.org (digital) die ein häufig variiertes Motiv zeigte, das die Monarchen von Russland, Österreich und Preußen Napoleon zur Rasur nötigen und ihm Schnittwunden zufügte. In einem Brief schrieb der Berliner Polizeipräsident Le Coq:zitiert nach Schulbuchzentrum Online, abgerufen am 21. April 2020 unter Bezugnahme auf G. Langemeyer u. a. (Hrsg.): Mittel und Motive der Karikatur. München 1984, S. 182. (digital) (PDF) Dort befindet sich auch eine Abbildung.
Die Karikaturen wurden immer aggressiver. So wurden französische Soldaten z. B. als Affen dargestellt, die unter der Peitsche eines Dompteurs eine Dressur aufführten.Aloys Apell: Johann Christoph Erhard, Maler und Radirer. 1866, S. 109 Nr. 191 (Beschreibung); .
Der Brief von Le Coq beleuchtet nicht nur die Praxis der Zensur, die sich gegen die Anweisung der Russen richtete, sondern gibt auch das Kriterium für den staatlichen Eingriff an: Die Monarchen dürfen in keiner Weise respektlos in die Kritik einbezogen werden. Der Polizeidirektor meinte weiterhin in einem Schreiben vom 24. Dezember 1813 an den preußischen Außenminister August von der Goltz, dass die Bilder schon deshalb nicht erscheinen dürften, weil die müßigen Gaffer mit behaglichem Lächeln die Blicke auf diese Karikaturen heften und in den Zügen der Hauptpersonen Ähnlichkeiten mit hier lebenden Geistlichkeiten aufzufinden glauben und viele der (Karikaturen)... die Sitte und sittliche Würde beleidigen.Gisold Lammel: Karikatur der Goethezeit. 1992, S. 13 (snippet Ansicht)Gisold Lammel: Deutsche Karikaturen: vom Mittelalter bis heute. 1995, S. 136. (Snippet Ansicht)
Dennoch konnte das Erscheinen weiterer Karikaturen nicht vollständig unterbunden werden. mini|(Preußisch-)Kurmärkische Landwehr 1813
Landsturmdiskussion Die Grundkonzeption in der preußischen Verteidigung gegen Napoleon, die die Reformer Gerhard von Scharnhorst, August Neidhardt von Gneisenau und Carl von Clausewitz als Hauptbefürworter des Landsturmes 1808, 1811 und 1812 entwarfen, sah vier Elemente vor. Neben dem regulären Heer sollte eine Nationalmiliz, die Landwehr eingeführt werden. Das dritte Element sollten Streitparteien sein, die das Volk zum Widerstand gegen die Franzosen motivieren würden. Das vierte und letzte Element war eine Guerilla: der Landsturm.Marius Luszek: Der Landsturm 1813-14. Zwischen Psyche, militärischer Leistung und politischer Kontroverse. Hausarbeit (Hauptseminar). Universität Potsdam (Institut für Geschichtswissenschaft) 2018, Kapitel 2.1 (am Anfang) (digital)