mini|Stammtafel: Helmold II. von Plesse und die Bernhard-Linie mini|Weil allein Mathildes Söhne – und nicht auch deren Vettern aus der Gottschalk-Linie – um 1226 ihren Anteil am Berg zu Reinhausen dem dortigen Kloster schenken, folgert Gerhard Streich,Gerhard Streich: Die klösterliche Gebetsgemeinschaft zu Reinhausen um 1226, In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 114–117. dass es sich zufolge der Stammreihe der Grafen Reinhausen um ein Erbe der Mutter handelt, die demnach (gelb) entweder eine Gräfin Warpke-Lüchow oder Blankenburg wäre mini|Stammtafel: Die Vorfahren der Herren von Höckelheim mini|Brakteat: Randinschrift C-V-N-V, Reiter mit Topfhelm, Schild mit Maueranker, Fahne, Burgturm, Datierung 1230–1250. Bernhard II. von Plesse – Bruder Helmolds II., Vogt des Prägeortes Gittelde – erscheint urkundlich mit dem dortigen Münzmeister BertramJosef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 80.Bernd Ulrich Hucker: Helmold II. von Plesse als Repräsentant imperialer Politik. Ein Beitrag zur Geschichte der Kreuzzüge und der Stauferzeit In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 92 f.
Helmold II. von Plesse (belegt 1191/1213; † vor 1226)Jahreszahlen in Klammern, die nicht als Geburts- oder Sterbejahr gekennzeichnet sind, geben Daten der Nennung in Urkunden an. war ein Edelherr im Gefolge des Herzogs Heinrich des Löwen und seines Sohnes Kaiser Otto IV. sowie 1211 Befehlshaber eines Kreuzzuges nach Livland.
Zählung Die frühere Forschung ging davon aus, dass es sich bei dem 1191 in einer späten Urkunde Heinrichs des Löwen als Zeuge genannten Helmold von Plesse um Helmold II. und bei dem zur Zeit Kaiser Ottos IV. in Erscheinung tretenden Helmold von Plesse um Helmold III. handelt.Robert Scherwatzky: Geschichte der Herrschaft Plesse. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen. Jahrgang 1913, Heft 4. Da in der Urkunde von 1191 Helmold von Plesse als letzter Zeuge nachgetragen wurde, muss er sehr jung, vielleicht gerade mündig, gewesen sein. Daher besteht inzwischen Einigkeit darüber, dass es sich bei den 1191 bis 1213 erwähnten Trägern des Namens „Helmold“ um ein und dieselbe Person handelt, die nunmehr als Helmold II. gezählt wird.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Index der Personen- und Ortsnamen, S. 426.
Familie Helmold II. war der älteste Sohn des Edelfreien Bernhard I. von Höckelheim/Plesse (1170/1190), dem Begründer der (älteren) Bernhard-Linie. Seine Mutter Mathilde/Mechthild war wahrscheinlich eine Gräfin von Blankenburg oder eine Gräfin von Warpke-Lüchow, die ihren Söhnen vermutlich ein Drittel des Burgberges in Reinhausen, auf dem das Kloster stand, vererbte.Gerhard Streich: Die klösterliche Gebetsgemeinschaft zu Reinhausen um 1226, In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 114–117. Seine Brüder waren Werner (1197/-vor 1226), Bernhard II. (1209/-1227) und Poppo von Plesse (1221/-nach 1250). Erbberechtigte Kinder hinterließ Helmold II. nicht, denn als seine beiden jüngeren Brüder Bernhard II. und Poppo dem Kloster Reinhausen den Anteil am Burgberg übertrugen, wirkten weder Söhne Helmolds mit noch wurden sie mit in das Seelengedächtnis für die Familie aufgenommen.Udo Elerd: Circa hoc tempus. Bemerkungen zu einer undatierten Schlüsselurkunde für das Verständnis der Bernhard-Linie der Edelherren von Plesse In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 118–125.
Ludolf I. (1205/1247) und Gottschalk II. von Plessen (1205/-1247/1249) waren seine Vettern ersten Grades. Deren Vater war Gottschalk I. von Höckelheim/Plesse, Begründer der (jüngeren) Gottschalk-Linie.
Gemeinsamer Großvater der vier Brüder Helmold, Werner, Bernhard und Poppo und ihrer beiden Vettern Ludolf und Gottschalk war wahrscheinlich der Burgmann und spätere Burggraf Bernhard von Plesse (1150/1183).Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Band I und II; Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 79 und Band II, S. 575.
Besitz- und familiengeschichtlicher Hintergrund Burg Plesse mini|ohne|Burgruine Plesse oberhalb von Eddigehausen und Bovenden Helmold II. nannte sich nach der zwischen Göttingen und Northeim liegenden Burg Plesse. Sie gehörte ursprünglich den Immedingern und wurde 1015 durch Bischof Meinwerk seinem Bistum Paderborn geschenkt.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 1. Erster bekannter Lehnsträger der Burg Plesse war Graf Hermann II. von Winzenburg (1123/-1152).Gerhard Streich: Hermann II. von Winzenburg/Plesse und sein Burgmann Bernhard von Plesse, In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 70. Er wurde 1152 ermordet, worauf Herzog Heinrich der Löwe in dessen vakant gewordene Lehen drängte; in diesem Kontext wurde der Welfe vermutlich mit der Burg Plesse Paderborner Lehnsvasall. Seit 1150 war dort ein Bernhard von Plesse (1150/1183) Burgmann, der zuletzt 1183 sogar comes Bernhardus de Plesse genannt wird.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 21. Er könnte der Großvater oder ein Großonkel Helmolds II. sein.Gerhard Streich: Hermann II. von Winzenburg/Plesse und sein Burgmann Bernhard von Plesse, In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 79. Es wird vermutet, dass es nach dem Sturz Heinrichs des Löwen ab 1180/82 den Brüdern Bernhard I. – Helmolds Vater – und Gottschalk I. von Höckelheim gelang, durch den Bischof von Paderborn direkt mit der Burg Plesse belehnt zu werden, zumal die Brüder sich ab 1189 nur noch von Plesse nannten.Gerhard Streich: Hermann II. von Winzenburg/Plesse und sein Burgmann Bernhard von Plesse, In: Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band I, S. 70.
Kurz nach der Ersterwähnung von Helmold II. im Gefolge Heinrichs des Löwen erwarb Kaiser Heinrich VI. (1165–1197) im Rahmen eines Burgentausches mit dem Bischof Bernhard II. von Paderborn (1188–1203) das castrum Plesse nobis et imperio im Jahr 1192.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 28. Im Jahr 1195, dem Todesjahr Herzog Heinrichs des Löwen, wird der Tausch wieder rückgängig gemacht.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 29. Urkunden oder andere Nachrichten über einen Zusammenhang zwischen Helmold II. und der Burg Plesse sind bis auf seinen Namen nicht bekannt.
Höckelheim mini|Kloster Höckelheim Ende 16. Jh. Helmolds Vater Bernhard I. und dessen Bruder Gottschalk I. nannten sich nicht nur von Plesse, sondern auch von Höckelheim. Der namensgebende Ort Höckelheim (westlich von Northeim, heutzutage Ortsteil) wird erstmals 1016 urkundlich erwähnt, als Kaiser Heinrich II. (973–1024) dem Hochstift Paderborn jene Erbgüter des Bischofs Meinwerk schenkte, welche dieser seiner Mutter Adala und sie wiederum dem Kaiser übertragen hatte, darunter auch Hukilhem.MGH: Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser, 3. Band: Die Urkunden Heinrichs II. und Arduins. Hannover 1900–1903, UR-Nr. 341 (1016).
1070 ist der Edelfreie Gottschalk – liber Godescalc de Lengede – nicht nur mit Besitz in LengedeAloys Schmidt: Urkundenbuch des Eichsfeldes. Anfang saec. IX bis 1300. Magdeburg 1933, Bd. 1 Nr. 30:1070 (vor 1.IX). bei Göttingen, sondern auch in Höckelheim nachzuweisen.Werner Rösener: Die Herrschaft der Herren von Plesse. Aspekte einer mittelalterlichen Adelsherrschaft; In: Thomas Moritz (Hg.) Ein feste Burg – die Plesse, Interdisziplinäre Burgenforschung. Verlag Erich Goltze, Göttingen 2000, Seite 318. Ihm folgte dort Eppo/Erp (1103). Dessen Brüder Dietrich (1107/1128) und Gottschalk (1107/1128) hatten Besitz auch in Behnsen und Huldesam; in Hullersen verfügen die Herren von Plesse noch 1285 über Rechte.Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Band I und II; Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band II, S. 570, 590. Folglich sind die Brüder Bernhard I. und Gottschalk I. von Höckelheim/Plesse nicht allein wegen ihrer Vornamentradition, sondern vor allem wegen des lehnsrechtlichen feudum paternum – der Besitzfolge im Mannesstamm – als Nachfahren des Gottschalk von Lengede anzusehen. Seine Vorfahren entstammten dem Geschlecht der Grafen von Padberg, die wiederum Nachfahren der franko-alemannischen Grafen Haolde – Gefolgsleute Kaiser Ottos I. (912–973) – waren.Reinhard Wenskus: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Göttingen 1976, Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, 3. Folge, Seite 93.Christian von Plessen (Hrsg.): Maueranker und Stier. Plesse, Plessen. Tausend Jahre eines norddeutschen Adelsgeschlechts. Band I und II; Thomas Helms Verlag, Schwerin 2015, ISBN 978-3-944033-03-7, Band II, S. 563–570.
1247 stifteten die Edelherren Ludolf, Gottschalk und Poppo von Plesse ihre Eigenkirche und sonstigen Besitz in Höckelheim zur Gründung eines Klosters, welches zur Grablege des Geschlechts wurde.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 150.
Werdegang Im Gefolge der Welfen Die erste Urkunde, in der Helmold II. von Plesse als Zeuge erscheint, datiert auf den 6. Juni 1191.Josef Dolle: Urkundenbuch zur Geschichte der Herrschaft Plesse (bis 1300). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1998, Nr. 27. Herzog Heinrich der Löwe und sein ältester Sohn Heinrich – der spätere Pfalzgraf bei Rhein (um 1173–1227) – waren die Aussteller. In der Domkirche St. Blasien zu Braunschweig übertrugen sie einige Hufen an das Kloster Walkenried. In der Gruppe der weltlichen Zeugen werden Bernhard zur Lippe (1140–1224) als erster und der junge Helmold II. von Plesse als zwölfter erwähnt. Zwanzig Jahre später führten beide im Auftrag von Papst Innozenz III. (1198–1216) und Kaiser Otto IV. (1175–1218) einen Kreuzzug nach Livland an.