mini|hochkant=1.3|Gebäude der Alliierten Kommandantur in der Kaiserswerther Straße 16/18, Rudeloffweg 30, Thielallee 64 in Berlin-Dahlem Die Alliierte Kommandantur (Originalbezeichnung: Alliierte Kommandatura, ursprünglich: Interalliierte Militärkommandantur; ) war eine alliierte Behörde, durch die die vier Besatzungsmächte USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg die gemeinsame Regierung Groß-Berlins ausübten. Sie setzte sich aus vier Stadtkommandanten zusammen, die von den entsprechenden Vertretern der Besatzungsmächte im Alliierten Kontrollrat ernannt worden waren. Von 1945 bis 1949 unterstand sie dem Kontrollrat, nach dessen Scheitern als oberstes gemeinsames Kontrollorgan wurde sie von der Alliierten Hohen Kommission geführt.

Im besetzten Wien gab es eine alliierte Kommandantur, die der Alliierten Kommission für Österreich unterstellt war.

Geschichte mini|Gedenktafel am Gebäude Kaiserswerther Straße 16/18 in Berlin-Dahlem mini|Alliierte Stadtkommandanten 1949: General Bourne (GB), General Howley (USA), General Kotikov (UdSSR), General Ganeval (F)

Bereits im September 1944 hatten sich Großbritannien, die USA und die Sowjetunion darauf verständigt, dass nach der deutschen bedingungslosen Kapitulation Groß-Berlin nicht als Teil der sowjetischen Besatzungszone gelten, sondern dass es „ein spezielles Berlin-Gebiet […] unter gemeinsamer Besetzung der drei Mächte“ mit einem einheitlichen Sonderstatus geben solle.Protokoll betreffend die Besatzungszonen und die Verwaltung von „Groß-Berlin“, Vereinbarung der European Advisory Commission, paraphiert am 12. September 1944. Auf der Konferenz von Jalta 1945 erzielten die Hauptsiegermächte Einigkeit darüber, auch Frankreich als Besatzungsmacht mit Sitz und Stimme im Alliierten Kontrollrat anzuerkennen. Daher erhielt es einen eigenen „Sektor“ Berlins.

Nachdem britische und US-amerikanische Truppen in die von der Roten Armee eroberte deutsche Reichshauptstadt eingerückt waren,Dieter Mahncke: Berlin-Problem. In: Wichard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik. 3. Auflage. Leske + Budrich, Opladen 1986, ISBN 3-8100-0539-8, ISBN 978-3-663-20299-8 (E-Book), S. 64–75, hier S. 64 f. trat die Alliierte Kommandantur für Berlin zum ersten Mal am 11. Juli 1945 in den Räumen der sowjetischen Zentralkommandantur zusammen.Vgl. dazu die Resolution der Alliierten vom 7. Juli 1945 über die gemeinsame Verwaltung Berlins. Ingo von Münch (Hrsg.): Dokumente des geteilten Deutschland. Quellentexte zur Rechtslage des Deutschen Reiches, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Band 1. 2., unv. Auflage. Stuttgart 1976, S. 137. Ab 25. Juli 1945 zog die Kommandantur in den amerikanischen Sektor nach Berlin-Dahlem in die Kaiserswerther Straße 16/18. In dem von Heinrich Straumer errichteten ehemaligen Hauptsitz des Verbandes der öffentlichen Feuerversicherungsanstalten regierte die Alliierte Kommandantur in Form von „Anordnungen an den Berliner Magistrat und an den Oberbürgermeister“ (Abkürzung BK/O für Berlin Kommandatura/Order; daneben BK/L für Letter, deutsch Mitteilung, und BKC/L für Berlin Kommandatura Commandant/Letter). Diese Anordnungen mussten einstimmig von den vier Kommandanten beschlossen werden. Wenn diese sich nicht einigen konnten, ersuchten sie um Vermittlung des Koordinierungsausschusses des Alliierten Kontrollrates.

Die Kommandantur, bestehend aus den Stadtkommandanten der Besatzungsmächte, wurde dem Alliierten Kontrollrat außerhalb der zonalen Zuständigkeiten der vier militärischen Oberbefehlshaber unterstellt.

Am 16. Juni 1948 zog der sowjetische Stadtkommandant Alexander Kotikow einseitig aus der Alliierten Kommandantur aus.Vgl. dazu die sowjetische Verlautbarung vom 1. Juli 1948 über die Einstellung der Mitarbeit der Sowjetunion an der Arbeit der Alliierten Kommandatura der Stadt Berlin seit 16. Juni 1948; Dokumente zur Berlin-Frage 1944–1966. Hrsg.: Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V., Bonn, in Zusammenarbeit mit dem Senat von Berlin. 3. Auflage. München 1967, S. 66 f. Die westlichen Stadtkommandanten erklärten am 21. Dezember 1948, dass die Alliierte Kommandantur fortbestehe und ließen bei ihren Beratungen einen Platz für den sowjetischen Vertreter frei. Ihre Entscheidungen konnten sie allerdings nur in den drei westlichen Sektoren durchsetzen, vorbehaltlich der Rechte und Verantwortlichkeiten, die alle Vier Mächte für Berlin als Ganzes innehatten.

Offiziell beendet wurde die Tätigkeit der Alliierten Kommandantur mit Inkrafttreten des Zwei-plus-Vier-Vertrages 1991. Das Gebäude wird seit 1994 von der Freien Universität Berlin als Präsidialamt genutzt.

Militärmissionen Gemäß Art. 8 Londoner Abkommen über Kontrolleinrichtungen vom 14. November 1944 waren 16 andere Siegermächte eingeladen, Militärmissionen beim Alliierten Kontrollrat einzurichten, um die Belange ihrer Regierungen in den Deutschland als Ganzes betreffenden Angelegenheiten einbringen zu können. 15 Staaten machten hiervon Gebrauch.Neuseeland verzichtete auf die Einrichtung einer Militärmission.

Nach dem Auszug der UdSSR aus dem Alliierten Kontrollrat 1948 war es an der später gebildeten Alliierten Hohen Kommission, über Anträge zu befinden, insbesondere die sich ablösenden Leiter der Missionen zu beglaubigen. 1955 ging diese Funktion an die drei westlichen Botschafter in Bonn über. Wenn der neue Chef einer Militärmission sein Amt antrat, stellte ihn einer der alliierten Protokollchefs dem vorsitzführenden Stadtkommandanten vor. Die beiden Stadtkommandanten aus den anderen Sektoren wohnten der Zeremonie, an der seit 1951 kein sowjetischer Vertreter mehr teilgenommen hat, bei. Sie fand im Alliierten Kontrollratsgebäude statt. Die beiden östlichen Missionsleiter aus Polen und der Tschechoslowakei, die sich gemäß dem sowjetischen Standpunkt der Nichtexistenz des Kontrollrates der Zeremonie entzogen, behandelten die alliierten Behörden als „amtierende Chefs“ wie die sonstigen Mitglieder der Missionen, die keiner Beglaubigung bedurften und nur im Voraus ihre Ankunft anzeigen mussten.

Ebenfalls bei der Alliierten Kommandantur akkreditiert war in den ersten Nachkriegsjahren eine „Heimschaffungsdelegation“, die sich mit der Heimführung Schweizer Staatsangehöriger aus den früheren deutschen Ostgebieten befasste. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 wurde aus der „Heimschaffungsdelegation“ eine „Schweizerische Delegation“. 1973 wurde die Delegation in ein Generalkonsulat umgewandelt. Sie hatte ihren Sitz in dem Gebäude im Spreebogen, in dem seit der deutschen Wiedervereinigung 1990, wie schon vor dem Krieg, die Schweizerische Botschaft in Berlin residiert.

Alle Missionen genossen diplomatische ImmunitätDie Militärmissionen in Berlin hatten de facto diplomatischen Status und ihnen wurden viele diplomatische Privilegien gewährt. Sie ersetzten die Botschaft oder die Gesandtschaft und ihre Tätigkeit umfasste die üblichen diplomatischen und konsularischen Aktivitäten. Überdies boten sie vielen Problemen die Stirn, die mit dem Ende des Krieges und einigen Staatsinteressen zusammen hingen. Diese waren Restitution und Reparation, die Heimkehr deutscher Kriegsgefangener und evakuierter Menschen zurück nach Deutschland, die Heimkehr internierter und anderer Kriegsgefangener aus Deutschland in ihre Länder, die Suche nach vermissten Menschen und Kriegsgräbern, aber auch Aktivitäten im Bereich der sozialen Arbeit zwischen den eigenen Staatsangehörigen in Deutschland und die Wiedererneuerung der gewöhnlichen Handelsbeziehungen (Text auf der Website der Tschechischen Botschaft). und waren den Besatzungsbehörden gleichgestellt. Ihre Fahrzeuge trugen Sonderkennzeichen „MM“ mit alliierter Zulassungsnummer und das jeweilige Nationalitätszeichen.

+ Liste der Militärmissionen (MM) Staat Gründungs­jahr AdresseWegen der Kriegszerstörungen in Berlin erfolgte zunächst eine provisorische Unterbringung: Im Amerikanischen Sektor: Brasilien, National-China, Dänemark, Tschechoslowakei. Im Britischen Sektor: Australien, Griechenland, Indien, Kanada, Niederlande, Norwegen, Polen, Südafrika. Im Französischen Sektor: Belgien, Luxemburg. Im Sowjetischen Sektor: Jugoslawien. Entwicklung der MM Jahr der Schließung Australien1945Olympiastadion, WestendMM bestand formal bis 1991,Leiter in Bonn, Kölner Straße 1571991 Belgien1945Stößerstraße 16–18, KonradshöheMM bestand formal bis 1991,Belgien behielt einen Oberst bis 1988 in Berlin, als letzter der westlichen Staaten.Leiter in Bonn, Kaiser-Friedrich-Straße 22(MilAtt in der Rheinallee 31a)1991 Brasilien1946WannseeMM wurde 1950 in ein Konsulat umgewandelt1950 China (Nationalchina)1945Podbielskiallee 62, Dahlem1950 Schließung der MM „aus ökonomischen Gründen“1950 Dänemark1946Drakestraße 1Drakestraße 1 wurde 1949 Konsulat, 1977 an Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“ verkauft. Tiergarten (ehem. Dänische Gesandtschaft),1949 Tiergartenstraße 48, TiergartenMM bestand formal bis 1991,Leiter in Bonn, Poppelsdorfer Straße 451991 Griechenland1946Graf-Spee-Straße 13–15, Tiergarten,1953: Uhlandstraße 7, CharlottenburgMM bestand formal bis 1991,Leiter in Bonn, Koblenzer Straße 73a(MilAtt in der Meckenheimer Allee 143)1991 Indien1946Olympiastadion, Westend1947 Ernennung des zivilen Geschäftsträgers zum General,1949 Akkreditierung bei der Alliierten Hohen Kommission auf dem PetersbergDiese Akkreditierung hatte die sehr frühe (als erster Staat überhaupt, noch vor den westlichen Siegermächten) Beendigung des Kriegszustands und die diplomatische Anerkennung der Bundesrepublik Deutschland zur Folge.1949 Jugoslawien1945Rauchstraße 17/18,Rauchstraße 17/18 1953 an ORG (Oberstes Rückerstattungsgericht für Berlin, eine Behörde des Alliierten Kontrollrates), 1999 an DGAP (Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik). Tiergarten (ehem. Jugoslawische Gesandtschaft), 1954 Taubertstraße 18, GrunewaldMM bestand bis 19911991 Kanada1946Olympiastadion, WestendMM bestand formal bis 1991,Leiter in Bonn, Zitelmannstraße 221991 Luxemburg1946Ulmenallee 32, WestendMM bestand formal bis 1991,Leiter und Adresse in Köln, Martinstraße 201991 Niederlande1945Hohenzollerndamm 46, Grunewald,später: Meierottostraße 7, WilmersdorfMM bestand formal bis 1991,Leiter in Bonn, Sträßchensweg 21991 Norwegen1945Rauchstraße 11Rauchstraße 11 (heute: Georgische Botschaft). Tiergarten (ehem. Norwegische Gesandtschaft)MM bestand formal bis 1991,Leiter in Bonn, Gotenstraße 1631991 Polen1945Schlüterstraße 42, Charlottenburg,später Lassenstraße 19–21,Lassenstraße 19–21 (heute: Polnische Botschaft). GrunewaldMM bestand bis 19911991 Südafrika1946Olympiastadion, WestendMM bestand formal bis 1991,Leiter und Adresse in Köln, Heumarkt 11991 Tschechoslowakei1945Limonenstraße 27, Dahlem,Residenz des Leiters in der Podbielskiallee 54, DahlemLimonenstraße 27 (heute: Teil der Freien Universität), Podbielskiallee 54 (heute: Lessing-Hochschule für Erwachsenenbildung).MM bestand bis 19911991

Siehe auch Liste der alliierten Einrichtungen in den West-Sektoren Berlins Sowjetische Militäradministration in Deutschland Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (und ihr Oberkommandierender) Liste der ausländischen Militärbasen in Deutschland

Literatur

Weblinks Digitalisierte Gesetzgebung der Alliierten Kommandantur DHM: 13. August 1948: In Berlin holt die sowjetische Delegation ihre Flagge vor der Alliierten Kommandantur ein und zieht endgültig aus dem Gebäude in der Kaiserwerther Straße in Dahlem aus. Erklärung der Alliierten Kommandantur über Berlin vom 5. Mai 1955. verfassungen.de (Die Westalliierten erklären ihre Sicht über den Status von West-Berlin; Änderung zu 1950).

Structure of the Allied Kommandatura Berlin. (PDF; 2,7 MB) University of Wisconsin Digital Collection (englisch).

Anmerkungen

Kategorie:Alliierte Besetzung Berlins Kategorie:Politik (deutsche Nachkriegszeit) Kategorie:Deutschland im Kalten Krieg Kategorie:Verfassungsgeschichte (Deutschland)