mini|Sigesh, eine unverheiratete Apachenfrau (Fotografie von Edward Curtis, ca. 1907) mini|300px|Apache-sprachige Stammesgruppen (18. Jahrhundert): Ch: Chiricahua Apache, M: Mescalero Apache, J: Jicarilla Apache, L: Lipan Apache, Pl: Plains Apache (Kiowa Apache), WA: Westliche Apache, N: Navajo (Diné) mini|300px|Heutige Reservationen der Apachen, Navajo (Diné) oder mit großer Apachen-Bevölkerung mini|Apachen heute (2015), Toms Shash, ein Warm Springs Apache, links; Jennifer Ploch, aztekischer Abstammung, rechts; Saba Shash, Mr. Shashs Adoptivtochter; und ihre Tochter Tonantzin Conway

Als Apachen (), auch Apatschen, bezeichnet man sechs kulturell sowie sprachlich verwandte Stammesgruppen der südlichen Athapasken im Südwesten der Vereinigten Staaten und im Norden von Mexiko. Früher wurden zu den Apachen auch die Navajo (Diné) gezählt; diese entwickelten jedoch eine separate Identität und werden heute allgemein als eine selbstständige Ethnie betrachtet.

Zu den Apachen werden heute allgemein die Westlichen Apache, Chiricahua Apache, Mescalero Apache, Jicarilla Apache, Lipan Apache und Kiowa Apache (Plains Apache) gezählt.

Die Apachen sowie die Navajo (Diné) sprechen bzw. sprachen sieben verschiedene gegenseitig verständliche südathapaskische Apache-Sprachen, die zu den Athapasken-Sprachen aus der Na-Dené-Sprachfamilie zählen. Sprachlich sind sie somit mit den Dene im Norden und Nordwesten Kanadas sowie den Alaska Dene der Nördlichen Athapasken verwandt.

Die Apachen hatten – im Gegensatz zu den Navajo (Diné) – nie eine politische oder militärische Idee von einer gemeinsamen Nation oder einer gemeinsamen Stammesidentität. Sie identifizierten sich jedoch anhand der gemeinsamen Sprache als Apachen, schlossen hierbei aber die Navajo aus. Die einzelnen Stammesgruppen entwickelten unterschiedliche Kulturen und bekämpften sich teilweise gegenseitig.

Oftmals werden daher die zwar sprachlich zu den Apachen zählenden Kiowa Apache (Plains Apache) nicht als Apachen betrachtet, da sie kulturell sowie politisch zu den Kiowa zählen.

Heute gibt es insgesamt neun auf Bundesebene anerkannte Stämme () der Apachen; hiervon fünf in Arizona (Westliche Apache, zwei zusammen mit Yavapai) und zwei in New Mexico (Jicarilla Apache, Mescalero Apache – bestehend aus Mescalero, Chiricahua und Lipan Apache) auf Reservationen sowie zwei weitere in Oklahoma (Chiricahua Apache, Kiowa Apache/Plains Apache – mit einigen Lipan Apache) ohne eigenes Land. Zudem gibt es drei nur auf Bundesstaatsebene anerkannte Stämme (state recognized tribes) der Apachen in Texas (Lipan Apache), in Louisiana (Lipan Apache, zusammen mit Choctaw und Adai) und in Alabama (Chiricahua Apache, zusammen mit Choctaw, Muskogee, Chickasaw und Cherokee). Die meisten leben heute außerhalb der Reservationen, manche leben in Städten, andere arbeiten als Wanderarbeiter oder Saisonarbeiter in den Zentren der Landwirtschaft im Süden Kaliforniens; heute leben daher Tausende Apachen im Coachella Valley, Imperial Valley und Colorado River Valley.

Namen Herkunft des Namens Apache Die heute allgemein gebräuchliche Stammesbezeichnung als Apache wurde ins Englische (und später in andere Sprachen) aus dem Spanischen übernommen; jedoch ist die Herkunft der Bezeichnung unsicher und umstritten.

Die heute meist akzeptierte Lehrmeinung ist, dass das Wort aus dem Shiwi'ma stammt, der Sprache der Zuñi (A:shiwi), einem Pueblo-Volk, das die feindlichen aus dem Norden in den Südwesten vordringenden Südlichen Athapasken – insbesondere die Navajo – als A:bachu / ʔa·paču (Singular: Bachu / Paču „Feind, Fremder“) bezeichneten. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die feindlichen Quechan (Yuma) die verbündeten Yavapai und Apache als E-patch („Kämpfende Männer“ oder „Jene, die kämpfen“) oder aufgrund der typischen Kriegsbemalung der Yavapai als Apatieh („Waschbär“) bezeichneten. Jedoch könnte sich die Bezeichnung auch aus zwei Wörtern der Yavapai – deren Sprache, wie die der Quechan, zu den Cochimí-Yuma-Sprachen zählt – abstammen: ʔpačə („Feind“) oder Abaja („Das Volk“), der Eigenbezeichnung der Guwevkabaya/Kwevkepaya oder Südöstlichen Yavapai der Fort McDowell Reservation.

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung der Stammesbezeichnung Apache in Spanisch erfolgte durch Juan de Oñate im Jahr 1598; daher ist die Herkunft aus der Sprache der Zuñi und Yavapai weiterhin umstritten, da Oñate den Namen kannte und niederschreiben ließ, bevor er während der Zweiten Oñate-Expedition im Jahr 1604 erstmals diese beiden Völker kennenlernte.

Eine weitere – jedoch wenig überzeugende – Herkunft könnte direkt aus dem Spanischen kommen: mapache („Waschbär“) oder apachurrar („zerschmettern, zerquetschen“), was sich auf die bei den Apachen beliebte Kampftechnik mit Kriegskeulen beziehen könnte.

Zunächst bezeichneten die Spanier mit „Apachu de Nabajo“ (Navajo) in den 1620er Jahren Südliche Athapasken in der Chama-Region östlich des San Juan River; seit den 1640er Jahren begannen sie jedoch, zwischen den eigentlichen Navajo und den restlichen Apache zu unterscheiden; sodass bald der Zusatz „de Nabajo“ fallen gelassen wurde und „Apache“ zur Bezeichnung der sich nicht zu den Navajo (Diné) entwickelnden Südlichen Athapasken wurde.

Sie selbst bezeichneten sich je nach Dialekt als Indee, Ndee, Nndee (Tonto Apache, Cibecue Apache und White Mountain Apache), Innee, Nnēē (Arivaipa/Aravaipa Apache und Pinaleño/Pinal Apache), T'Inde, Dinde, Didé (Jicarilla Apache), Inday, Indee, Ndé (Mescalero Apache), Nde, Ne, Néndé, Héndé, Hen-de (Chiricahua Apache), Tindi, Ndé, Indeh (Lipan Apache) oder als Dené, Dìndé, N-deh, Inde (Kiowa Apache/Plains Apache), was alles wörtlich einfach „Volk“ bedeutet.

Historische Verwendung des Begriffs Apache Früher wurden Wi:pukba / Wipukepa („Nordöstliche Yavapai“) meist als Mohave-Apache (Apache-Mojave) sowie zusammen mit den Guwevkabaya / Kwevkepaya („Südöstliche Yavapai“) als Tonto Apache oder kurz Tonto bezeichnet, da sie oftmals in bilingualen Bands mit Tonto Apache und San Carlos Apache zusammen lebten und neben der Sprache zudem auch viel Kultur der Apache übernommen hatten. Die Ɖo:lkabaya / Tolkepaya („Westliche Yavapai“) wurden zusammen mit den Hualapai (Walapai) sowie Havasupai als Yuma-Apache (Apache-Yuma) bezeichnet. Historisch und in älterer Fachliteratur werden die Yavapai meist als Apache Mohave (Apache-Mojave), Yavapai-Apache oder einfach als Apache bezeichnet, da im Norden Mexikos sowie im Südwesten der USA das Wort „Apache“ oft zur Bezeichnung für „feindliche, kriegerische, räuberische Indianer“ gebraucht wurde, ohne sprachliche, ethnische und kulturelle Differenzierung (auch Mohave / Mojave und sogar Comanchen wurden vormals als Apache bezeichnet).

Stammesgebiete der Apachen Die Apachen-Stämme wanderten im 14. und 15. Jahrhundert zusammen mit den Navajo (Diné) vom Norden vermutlich über die östlichen Ausläufer der Rocky Mountains in den heutigen Südwesten der Vereinigten Staaten sowie Norden von Mexiko ein. Ihre Stammesgebiete wurden von den Spaniern (Mexikanern) als Apachería bezeichnet und umfassten ab Mitte des 18. Jahrhunderts eine riesige Landfläche im Osten und Süden von Arizona, große Teile New Mexicos, den Süden Colorados, den Westen und Südwesten von Texas sowie große Areale der angrenzenden Bundesstaaten Sonora, Chihuahua, Coahuila, Nuevo León und Tamaulipas im Norden Mexikos.

Einst reichte das damals als Gran Apachería bezeichnete Stammesgebiet noch weiter nach Norden und Osten auf die Südlichen Plains und High Plains von Colorado, Kansas, Oklahoma sowie Texas. Nachdem sie aus dem Norden und Westen in die Südlichen Plains (ab circa 1700 bis 1780) zugezogen waren, schlossen die Comanchen und die ihnen stammesverwandten Ute mit den Wichita (ab 1740) ein Bündnis, das ihnen Zugang zu französischen Waffen, Munition und Märkten verschaffte, und begannen mit anderen texanischen Stämmen (Pawnee, Caddo, Tonkawa, Hasinai, Jumano u. a.), die unter den Raubzügen der berittenen Apachen litten, die meist als Halbnomaden lebenden Mescalero Apache, Jicarilla Apache und Lipan Apache unerbittlich zu bekriegen.

Mehrere Bands der genannten Apachen wurden teilweise vernichtet oder zersprengt und mussten sich neu organisieren und sich größtenteils aus den Südlichen Plains und High Plains nach Süden und Westen zurückziehen; die Mescalero zogen sich hauptsächlich in Gebiete westlich des Pecos River zurück und überquerten den Rio Grande nach Süden, die Lipan Apache zogen sich zuerst südlich des Colorado River in Zentral-Texas bis ins Edwards Plateau zurück (1720 bis 1750). Später zogen sie bis zum Texas Coastal Bend am Golf von Mexiko im äußersten Süden. Ab 1751 begannen auch sie in großer Anzahl den Rio Grande nach Mexiko zu überqueren. Die Jicarilla Apache mussten 1724 nach einer großen Niederlage ebenfalls größtenteils den Rio Grande nach Westen überqueren und in den Rocky Mountains von New Mexico und Colorado bei den Pueblo und in spanischen Siedlungen Schutz suchen. Nur einige Bands konnten teilweise ihre Gebiete behaupten bzw. zurückgewinnen und bewohnten nun die Randgebiete der Südlichen Plains – die nun größtenteils zur Comanchería gehörten –, und die Bisonjagd war nur noch unter Gefahren möglich.

Im Norden Mexikos konnten einige Stämme den nach Süden vordringenden und eine neue Heimat suchenden Apachen bald keinen Widerstand mehr entgegensetzen und mussten entweder ihre ehemaligen Stammesgebiete aufgeben (z. B. die Sobaipuri, Toboso, Coahuiltec u. a.), Zuflucht in spanischen Missionen (mehrere kleinere Küsten- und Wüstenstämme im Südwesten von Texas und Nordosten von Mexiko) suchen, sich in festen Siedlungen in der Nähe von Presidios (Opata, Obere Pima, Untere Pima, Sobaipuri) niederlassen oder sich den Apachen anschließen (Suma, Jocome, Jumano, Toboso). Gegen 1830 hatte die Apachería wohl ihre größte Ausdehnung nach Süden und Westen erreicht und die Lipan Apache und Mescalero Apache hatten sogar wieder einige Gebiete entlang des Colorado River in Texas inne.

Geschichte Spanisch-indianische Allianzen gegen die Apachen Als vielleicht erster Weißer stieß 1540 der spanische Konquistador Francisco Vásquez de Coronado auf Apachen-Indianer. 1598 traf sein Landsmann Juan de Oñate auf sie. Er war der Erste, der den Zuñi-Begriff Apachù (‚Feind‘) als Apache übernahm.

Nach dem Pueblo-Aufstand von 1680 gelangten zahlreiche Pferde aus spanischem Besitz in die Hände indigener Gruppen. Für die Apachen bedeutete dies einen deutlichen Zuwachs an Mobilität und Reichweite, was ihnen erlaubte, von den südlichen Ausläufern des Arkansas River in Colorado bis in Teile der heutigen mexikanischen Bundesstaaten Sonora, Sinaloa, Chihuahua, Coahuila, Durango und Jalisco sowie vom Colorado River im Westen bis nach Zentral- und Süd-Texas vorzustoßen. Die Apachen führten Raub- und Beutezüge sowohl gegen andere indigene Völker als auch gegen spanische und später mexikanische Siedlungen durch, um Pferde, Nahrungsmittel, Handelswaren und strategische Vorteile zu erlangen. Diese Unternehmungen waren von Gewalt geprägt, forderten Menschenleben und führten zur Gefangennahme von Siedlern und Angehörigen anderer Stämme. Zeitgenössische Berichte schildern oft hohe Opferzahlen, deren tatsächliches Ausmaß aufgrund der lückenhaften und parteiischen Quellenlage jedoch schwer zu bestimmen ist. So gaben Behörden im Bundesstaat Durango 1856 an, dass in den vorangegangenen zwanzig Jahren indianische Raubzüge, überwiegend durch Comanchen und Apachen, fast 6.000 Todesopfer gefordert, 748 Menschen verschleppt und 358 Siedlungen zur Aufgabe gezwungen hätten. Ihre hohe Beweglichkeit und ihre Kriegsführung erschwerten es den Spaniern und Mexikanern, in den von ihnen als Apacheria bezeichneten Regionen dauerhaft Fuß zu fassen.