Tiger King: Großkatzen und ihre Raubtiere (Originaltitel: Tiger King: Murder, Mayhem and Madness) ist eine am 20. März 2020 über Netflix weltweit veröffentlichte Dokumentarserie. Die von Rebecca Chaiklin und Eric Goode gedrehte Dokumentation handelt von dem selbsternannten „Tiger King“ Joe Exotic (eigentlich Joseph Allen Maldonado-Passage), der in den Vereinigten Staaten einen Privatzoo mit Großkatzen betrieb.

Handlung mini|hochkant|links|Joe Exotic Innerhalb von sieben Folgen wird das exzentrische Leben von Joe Exotic von der Gründung des Zoos bis zu seiner Inhaftierung und Verurteilung zu 22 Jahren Haft wegen der Erteilung eines Auftragsmords und Verstößen gegen die Endangered Species Act of 1973 sowie die Lacey Act of 1900 dargestellt.

Joe Exotic gründete den Greater Wynnewood Exotic Animal Park 1999. Die Dokumentation wurde ab 2015 gedreht und zeigt die Geschichte anhand von Archivmaterial und Interviews. Dabei widmet sich der Film insbesondere dem Konflikt mit Carole Baskin, der Vorsitzenden der Non-Profit-Organisation Big Cat Rescue, die dem Protagonisten Tierquälerei unterstellte und ihre Anhänger gegen ihn mobil machte. Im Gegenzug bedrohte Joe Exotic sie mehrfach über seinen YouTube-Kanal Joe Exotic T.V. Unter anderem unterstellt er ihr, für den Tod ihres zweiten Ehemanns, des Multimillionärs Don Lewis, verantwortlich zu sein.

Jede Episode widmet sich einem eigenen Thema und springt daher gelegentlich in der Chronologie. In der letzten Folge wird das Gerichtsverfahren dokumentiert, das zu seiner Verurteilung führte. Jeff Lowe hatte zu jener Zeit bereits den Zoo von Joe übernommen, der nach einem Gerichtsstreit mit Carole Baskin zeitweilig völlig mittellos war. Joe soll Allen Glover, einem Angestellten von Lowe, Geld geboten haben, um Carole Baskin zu töten. Dieser habe jedoch Angst bekommen. Einer von Joes weiteren Partnern, der Geschäftsmann James Garretson, sagte umfangreich beim FBI aus und sorgte so aktiv für Joes Verhaftung. Die Serie endete damit, dass Joe Exotic sich im Gefängnis mit Aktivisten von PETA traf, um gegen seine Kollegen auszusagen.

Neben den beiden Protagonisten sowie Joe Exotics Geschäftspartnern kommen auch Joe Exotics Exmann John Finlay, sein derzeitiger Ehemann Dillon Passage und Carole Baskins Ehemann Howard Baskin zu Wort. Weitere Interviews wurden mit Joes Angestellten sowie Kollegen wie Bhagavan Antle und dem Filmemacher Rick Kirkham, der für Joe Exotic T.V. arbeitete und eine eigene Reality Show drehen wollte, geführt.

Die Serie wurde in den ersten vier Wochen bei Netflix von 64 Millionen Nutzerkonten aus angeschaut. Da die Serie sehr erfolgreich war, veröffentlichte Netflix eine Bonusepisode am 12. April, in der Schauspieler und Komiker Joel McHale diverse Akteure per Videotelefonat interviewt.

Hintergrund Die Dokumentarserie wurde über die Dauer von fünf Jahren gedreht. In dieser Zeit kam es auch zum Brand im Zoo, bei dem viel Archivmaterial, das für die Doku genutzt werden sollte, vernichtet wurde. Ursprünglich sollte vor allem das Tierleid und der Tierschmuggel dokumentiert werden, doch im Laufe des Drehs bemerkten die beiden Filmemacher Rebecca Chaiklin und Eric Goode, dass die Menschen hinter den Kulissen ebenfalls sehr interessant sind und konzipierten ihre Serie um.

Episodenliste Staffel 1

Staffel 2

Staffel 3 (The Doc Antle Story)

Reaktion der Beteiligten Carole Baskin sprach davon, dass ihr die Filmemacher eine Art Blackfish versprochen hätten und zeigte sich negativ überrascht von der Ausrichtung der Dokumentarserie, insbesondere da in Folge 3 das Verschwinden ihres Ehemanns relativ unkommentiert lediglich von ihren Feinden erzählt worden sei und so der Eindruck erweckt worden sei, dass sie ihren Ehemann tatsächlich ermordet habe. Sie erhielt auch einige Drohungen und schilderte in einem langen Post auf ihrer Website ihre Sicht. Zudem störten sie weitere Ungenauigkeiten ihren Wildpark und die Glorifizierung von Joe Exotic betreffend.

Auch Bhagavan „Doc“ Antle kritisierte die Darstellung seiner Person in der Dokumentation. So habe er eigentlich seine Bemühungen für eine Ranger-Station in Sumatra der Öffentlichkeit zeigen wollen, stattdessen sei der Fokus der beiden Regisseure nur auf sein Privatleben gelegt worden. Seine Äußerungen seien zudem aus dem Zusammenhang gerissen worden. Barbara Fisher, eine ehemalige Angestellte von Antle, die ebenfalls in der Doku auftritt, äußerte hingegen, die Darstellung von Antle sei realitätsnah. Sie sei froh, dass die Welt das nun sehen und etwas für eine bessere Behandlung der Tiere getan werden könne, auch wenn sie selbst Antle seinerzeit im Guten verlassen habe.

Rezeption Die Serie wurde zum Internetphänomen. Dabei spielt auch die große Anzahl absurder Szenen eine Rolle, die für das Publikum im deutschsprachigen Raum an vielen Stellen unglaubwürdig erscheinen.

Mandoline Rutkowski von Die Welt urteilte: „Die Serie hat Suchtfaktor, hinterfragt das Gezeigte jedoch nicht. Auch die fragwürdige Haltung der Tiere in den Zoos tritt immer mehr in den Hintergrund, wenn sich die menschlichen Abgründe der Auseinandersetzung zwischen Schreibvogel und Baskin offenbaren.“ Andrea Diener von der FAZ war auf Grund der Umkonzeption der Serie zunächst etwas enttäuscht. „Wenn man aber weiß, dass man keine Tierdoku schaut, sondern eher eine kulturanthropologische Annäherung an ein sehr seltsames Milieu, dann ist das sehr großes Fernsehen. Und dass es für Tigerbabys nicht artgerecht zugeht, wenn sie in Rollkoffern durch Hotels in Las Vegas gezerrt werden, um dort gegen Bezahlung mit allerlei Promivolk zu kuscheln – ja, Himmel, auch das gibt es, man weiß wirklich nicht, wo man anfangen und wo man aufhören soll – das kann sich der mündige Zuschauer dann auch allein erschließen.“

Anja Rützel vom Spiegel rezensierte die Doku-Serie ebenfalls positiv: „Großkatzen und ihre Raubtiere entwickelt sich rasch zu einer dunkelsoziologischen Lektion über Besessenheit und Manipulationslust, über fünf Jahre hinweg recherchiert und gedreht, erzählt in fast lakonischem Ton, als hätten die beiden Regisseure Eric Goode und Rebecca Chaiklin irgendwann akzeptiert, dass die Geschichte, die sie erzählen, einfach immer noch wahnsinniger werden muss.“

Kritisch äußert sich dagegen Dorian Hannig auf Makroskop über die Macher der Serie. So sei es ihnen zwar gelungen, „das eindrucksvolle Zustandsbild einer sozialen Dynamik einzufangen, in der bald Keinem und Niemandem mehr zu trauen ist“, da alle Figuren „auf ihre kuriose und exzentrische Art und Weise das Dogma opportunistischer Kalküle tief und fest verinnerlicht haben.“ Durch die aus Hannigs Sicht suggestive Vorverurteilung Carol Baskins würden sich die Medienschaffenden dann aber am Ende selbst „an den gleichen opportunistischen Kalkülen orientieren, die sie an ihren portraitierten Persönlichkeiten dokumentieren.“

Zuschauerzahlen Tiger King wurde in den ersten vier Wochen nach Erscheinen von 64 Millionen Haushalten für mindestens zwei Minuten gestreamt. Damit ist die Produktion die zweiterfolgreichste Serie auf Netflix im Jahr 2020.

Literatur Ijoma Mangold: Große Katzen, große Egos, in: Die Zeit Nr. 16, 8. April 2020, S. 48.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Fernsehserie (Vereinigte Staaten) Kategorie:Netflix Kategorie:Fernsehserie der 2020er Jahre Kategorie:Miniserie Kategorie:Tierschutz im Film Kategorie:Tierrechte Kategorie:Homosexualität im Film