mini|Fahrerlager-Arbeitszelt von Škoda Motorsport während der Rallye Katalonien 2019 Škoda Motorsport ist die für Motorsportaktivitäten zuständige Abteilung des tschechischen Automobilherstellers Škoda Auto. Zwischen 1999 und 2005 fuhr das Herstellerteam in der Rallye-Weltmeisterschaft und in der Intercontinental Rally Challenge (vor der Fusion mit Rallye-Europameisterschaft im Jahr 2013). Von 1999 bis 2005 trat Škoda Motorsport in verschiedenen Kategorien der Rallye-Weltmeisterschaft an. Seit 2015 ist die Marke in der WRC2- bzw. Rally2-Klasse vertreten. 2020 unterstützt Škoda Motorsport hauptsächlich Kundenteams und Nachwuchsfahrer. Zudem tritt das Team in der Tschechischen Rallye-Meisterschaft an.Škoda Motorsport Team In: skoda-motorsport.com, abgerufen am 4. Mai 2020.
Geschichte 1899–1905: Anfänge im Motorradrennsport Schon kurz nach dem Beginn der Motorradfertigung 1899 beteiligte sich Laurin & Klement zu Marketingzwecken an Motorradsport-Wettbewerben. Den Auftakt machte 1901 das Rennen von Paris nach Berlin. Der in Mähren geborene Narcis PodsednicekZwei loyale Wegbegleiter In: Škoda extratouch, abgerufen am 9. April 2020 (1866–1932) – zunächst Vertreter für Slavia-Fahrräder und später Produktionsleiter Zweirad bei Laurin & Klement – startete auf einem L&K-Einzylinder-Motorrad. Er traf am 30. Juni 1901 um 3 Uhr morgens als Erster im Ziel in Berlin ein, allerdings war die offizielle Zeitmessung noch geschlossen. Obwohl Podsednicek sich die Ankunftszeit von Polizisten bestätigen ließ, wurde sein Sieg nicht offiziell anerkannt.Mit Vollgas ins Jubiläum: 115 Jahre SKODA Motorsport In: presseportal.de, abgerufen am 9. April 2020 In den folgenden Jahren erzielten Motorräder von L&K zahlreiche Rennsiege in mehreren europäischen Ländern. Der bedeutendste davon war der Erfolg von Václav Vondřich 1905 beim Coupe Internationale im französischen Dourdan. Dieses Rennen galt seinerzeit als inoffizielle Weltmeisterschaft. Vondřich siegte auf einem Motorrad mit V2-Motor und 693 cm³ Hubraum.Two-Wheeled Origins, abgerufen am 5. Mai 2020 (englisch).
1908–1914: Internationale Erfolge vor dem Ersten Weltkrieg Im selben Jahr begann das Unternehmen mit dem Bau von Automobilen. Auch diese setzte L&K bald im Motorsport ein, vor allem bei den populären Bergrennen und Ausdauerfahrten sowie bei Rundstreckenrennen. Otto Hieronimus stellte 1908 in dem 95 PS starken Vierzylinder-Rennwagen Laurin & Klement FCS im englischen Brooklands einen Geschwindigkeitsrekord von 118,72 km/h auf.Erfolge und Glamour – die Škoda Monte Carlo-Story In: Škoda Storyboard, 9. September 2019, abgerufen am 9. April 2020 Ein weiterer bekannter, mit der Marke verbundener Rennfahrer war Graf Alexander Joseph Kolowrat-Krakowsky (1886–1927). Nach ersten Motorradrennen gewann der Sohn einer böhmischen Adelsfamilie 1907 in einem Laurin & Klement FC beim Semmering-Bergrennen in Niederösterreich sein erstes Automobilrennen. Es folgten zahlreiche Siege, unter anderem in den Jahren 1910, 1912, 1913 und 1914 bei der bis zu 2.932 km langen Alpenfahrt.Erinnerung an eine Legende: Vor 130 Jahren wurde „Graf Kilowatt“ geboren In: Škoda Storyboard, 29. Januar 2016, abgerufen am 9. April 2020.
1925–1936: Erste Starts bei der Rallye Monte Carlo Die Automobilsparte des Pilsener Škoda-Konzerns, mit der L&K 1925 fusionierte, betrieb keinen Motorsport. Erst 1934, anlässlich des Verkaufsstarts der neuen Modellfamilien Popular, Rapid, Favorit und Superb, rüstete Škoda Auto zwei Teams für die Alpenfahrt aus und gewann mit aerodynamisch modifizierten Popular Six Coupés zwei Goldmedaillen. Dieser Erfolg motivierte das Unternehmen zur Teilnahme an der Rallye Monte Carlo 1936 mit einer Spezialedition, dem Popular Monte Carlo Rallye, der die größere 1.380-cm³-Maschine des Rapid erhielt. Zdeněk Pohl und Beifahrer Jaroslav Hausman wurden Zweite in der Klasse bis 1.500 cm³ und 20. im Gesamtklassement.
1946–1960: Rennwagen auf Basis des Škoda 1101 „Tudor“ und Rückkehr zur Rallye Monte Carlo mini|Škoda 1101 Sport Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete der neue Škoda 1101, wegen seines zweitürigen Layouts als „Tudor“ bekannt, die Basis für weitere Rennteilnahmen der Marke. Das 1946 erschienene Serienmodell startete bei Fernfahrten und Rallyes. 1950 baute Škoda auf dem Chassis des 1101 für Renneinsätze den Typ 966 Sport und Supersport auf. Der zweisitzige 1101 Sport mit Pontonkarosserie und Scheinwerfern startete in der Sportwagenklasse. Nach Entfernen und Abdeckung des Beifahrersitzes sowie der Demontage der Kotflügel war die einsitzige Version 966 Supersport in der Rennwagenklasse startberechtigt.Legendärer SKODA 966 Supersport erstrahlt nach Restauration in neuem Glanz In: presseportal.de, abgerufen am 14. April 2020 Je nach Einsatzzweck erhielten die 966-Modelle Motoren mit 1.100, 1.200 oder 1.500 cm³ Hubraum. Die Aggregate erhielten Aluminium-Zylinderköpfe mit halbkugelförmigem Brennraum. Der Saugmotor mit zwei Vergasern kam auf bis zu 90 PS Leistung, die leistungsstärkeren Ausführungen mit einem oder sogar zwei Kompressoren erzielten bis zu 180 PS. Das Fahrerduo Václav Bobek und Jaroslav Netušil ging 1950 bei der zweiten Nachkriegsausgabe des 24-Stunden-Rennens von Le Mans mit einem Škoda Sport an den Start. Als Nachfolger baute das Unternehmen 1960 vier Exemplare des 1100 OHC für Rundstreckenrennen auf. Anders als die Vorgängermodelle Sport und Supersport, die auf dem Fahrwerk des Serienmodells 1101 basierten, ist der 1100 OHC ein reiner Prototyp. Die konstruktive Basis bildet ein aus dünnwandigen Rohren geschweißter Gitterrohrrahmen. In der Ausführung „Sport“ besaß der Zweisitzer eine flache, offene Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), die Version „Coupé“ erhielt einen geschlossenen Aluminiumaufbau.
Im selben Jahr kehrte die Marke mit einer auf 55 PS leistungsgesteigerten Version des neuen Mittelklassemodells Octavia zur Rallye Monte Carlo zurück. Der Octavia 1200 TS überzeugte 1960 und 1962 mit Platz zwei seiner Klasse, 1961 eroberten die Finnen Esko Keinänen und Rainer Eklund mit einem serienmäßigen Octavia TS sogar Platz sechs im Gesamtklassement.SKODA startet mit sechs Klassikern bei Oldtimer-Rallye AvD-Histo-Monte In: skoda-media.de, abgerufen am 14. April 2020
1964–1972: Rallyeversionen der neuen Hecktrieblerfamilie und zweisitzige Sportprototypen mini|Ein Škoda 1100 Super Sport während des 2. Leipziger Stadtparkrennen mini|Mehrere Škoda F3 im Škoda Werksmuseum Gleich mit Erscheinen der neuen Heckmotorgeneration Škoda 1000 MB 1964 baute das Unternehmen Rallyeversionen mit 1.000 cm³ (45 PS) und 1.100 cm³ (mit Doppelvergaser bis zu 55 PS) für verschiedenen Wertungsklassen. Das Triebwerk des 1000 MB installierte Škoda 1966 in ein Formel-3-Chassis. Dieser Škoda F3 wurde 1967 zum aerodynamisch überarbeiteten Škoda Lucia F3 mit deutlicher Keilform weiterentwickelt. Der mit einem 90 PS starken Mittelmotor ausgestattete F3 wog nur 410 kg und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h.Škoda im Motorsport In: skoda-oldtimer.at, Autor= Wolfgang Kramer, abgerufen am 15. April 2020 1968 gewinnt Škoda mit dem Werksfahrer Miroslav Fousek die osteuropäische Formel-3-Meisterschaft.Jan Tuček: Legendární Škoda 1000 MB Seite 135.
Mitte 1969 begann Škoda mit der Serienproduktion der Modellreihen 100 und 110. Ihr Karosseriedesign war gegenüber dem 1000 MB deutlich gestrafft und sie besaßen erstmals Scheibenbremsen an der Vorderachse. Die vom Škoda 100 abgeleiteten Motorsportversionen fuhren erfolgreich in der Division bis 1.000 cm³ der Tourenwagen-Europameisterschaft und bei Rallyes. Der stärker motorisierte 110 L Rallye, von dem Škoda eine Kleinserie auch für Privatteams auflegte, startete bei internationalen Events. Die steigenden Motorleistungen der Wettbewerbsversionen erforderten eine verbesserte Kühlung. Deshalb wurde beim 1972 erschienenen Škoda 120 S Rallye der Wasserkühler vom Heck in den vorderen Kofferraum verlegt und die Front erhielt einen Kühlergrill. Die Zwangsumlauf-Wasserkühlung verbesserte den Temperaturhaushalt des Vierzylinders, zudem wies das Fahrzeug eine bessere Gewichtsverteilung auf. Dank Trockensumpfschmierung, geänderten Steuerzeiten der Nockenwelle, bearbeiteten Ein- und Auslasskanälen und weiteren Tuningmaßnahmen erzielte das 1,3-Liter-Aggregat bis zu 120 PS. Das entspricht einer Literleistung von 94 PS – für die frühen 1970er-Jahre eine außergewöhnliche Ausbeute.Škoda 120 S Rallye: An Unassuming Legend In: skoda-motorsport.com, 28. August 2019, abgerufen am 15. April 2020
Ebenfalls auf dem Chassis der Modellreihe 100 basierte der 1972 präsentierte Škoda Spider I (Typ 728), ein zweisitziger Sportprototyp mit Aluminiumkarosserie. Die Motoren von 1.600 über 1.800 bis 2.000 cm³ Hubraum stammten aus der nie in Serie gebauten großen Limousine Typ 720. Bis 1976 setzte Škoda den Spider I bei Rundstreckenrennen ein, obwohl bereits 1975 der deutlich leistungsfähigere Spider II fertiggestellt war. Dieser intern Typ 733 genannte Rennwagen verfügte über ein selbsttragendes Aluminium-Monocoque, einen 2,0 Liter großen OHC-Motor und ein Rennsportgetriebe des englischen Spezialisten Hewland. Bei der Gestaltung der Kunststoffkarosserie wirkten Luftfahrtexperten mit.
1972–1981: Die ersten RS-Prototypen und der Škoda 130 RS mini|Škoda 130 RS im Škoda Werksmuseum Mit dem Coupé 110 R brachte Škoda 1972 ein sportlich auftretendes Fahrzeug auf den Markt, das viele Privatfahrer als Basis für Rallyeeinsätze nutzten. 1974 griff das Werksteam auf das Sportcoupé zurück, um daraus zwei Prototypen zu entwickeln, mit denen Škoda in den hubraumstärkeren Klassen des internationalen Rallyesports auftrumpfen wollte: den 180 RS und den 200 RS. Die Motoren mit 1.771 bzw. 1.997 cm³ Hubraum wurden aus dem Vollaluminium-OHC-Motor des Typs 720 abgeleitet. An der Karosserie des 110 R senkten die Entwickler das Dach ab, zogen die Radhäuser tiefer und verbreiterten sie, um eine Vorderachse mit breiterer Spur unterzubringen. Das Fünfganggetriebe stammte – nach schlechten Erfahrungen mit einem Tatra-603-Getriebe – von Porsche, die Fahrwerkskinematik wurde mithilfe eines frühen IBM-Computers optimiert. Um das Fahrzeuggewicht zu senken, wurden Dach, Fronthaube und Türen aus Aluminium gefertigt, die hintere Motorhaube bestand aus GFK, Seiten- und Heckfenster aus Plexiglas. Wie der 120 S erhielten die RS-Prototypen einen Kühler in der Front. Scheibenbremsen des britischen Spezialisten Girling kamen erst vorn, später auch an der Hinterachse zum Einsatz. Die Motorsportabteilung baute zwei 200 RS und einen 180 RS auf. Die Fahrzeuge wogen kaum mehr als 800 kg und erreichten Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 210 km/h.Škoda 180/200 RS: The First of the Famous RS Family In: skoda-motorsport.com, 3. Januar 2020, abgerufen am 15. April 2020