mini|hochkant=1.2|zentriert|Bestätigte COVID-19-Fälle in den Departamentos Boliviens:Krankheit: COVID-19Erreger: SARS-CoV-2Bestätigte Fälle: 143.755 (Stand 19. November 2020)Todesfälle: 8889 (Stand 19. November 2020) mini|Anzahl der Fälle in den bolivianischen Departamentos pro 100.000 Einwohner Die COVID-19-Pandemie in Bolivien tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.Lungenärzte im Netz: . Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 5. April 2020.
Verlauf Vorbereitung und erste Fälle Vor der Meldung des ersten Falls hat die bolivianische Interimsregierung ein Komitee aus Experten und Mitgliedern der Regierung organisiert.
Am 10. März 2020 wurde der erste COVID-19-Fall in Bolivien bestätigt. In den WHO-Situationsberichten tauchte dieser Fall erstmals am 11. März 2020 auf.
Grenzschließung und Quarantäne Mit dem Dekret 4196 wurden am 17. März 2020 die Grenzen (außer für Bolivianer) geschlossen. Zwischen Provinzen wurde nur der kommerzielle Transport erlaubt. Alle internationalen Flüge wurden abgesagt. Kindergärten und Schulen wurden geschlossen.
Ab dem 22. März 2020 wurde das Land per Dekret 4199 unter Quarantäne gestellt, zunächst für 14 Tage. Das Dekret wurde dreimal bis 10. Mai 2020 verlängert. Das Verlassen des Hauses ist dabei nur zu bestimmten Zwecken erlaubt (z. B. Einkauf von Nahrungsmitteln oder medizinischer Notfall). Außerdem darf nur eine Person pro Haushalt auf einmal die Wohnung verlassen und jeweils nur an einem Wochentag, entsprechend der letzten Ausweisnummer. Kindern und Senioren müssen sich ständig innerhalb der Wohnung bzw. des eigenen Grundstücks aufhalten. Strompreise und ab 1. April 2020 auch Gaspreise wurden gesenkt, das Aussetzen der Versorgung mit Strom, Gas oder Wasser wurde verboten.
Zur weiteren Milderung der Not bei einem Großteil der Bevölkerung, verursacht durch die Ausgangssperre, wurde ab April eine Reihe von Hilfsleistungen durch die Regierung von Bolivien und den Departamentos organisiert. Neben Barzahlungen in Höhe von 500 Bolivianos erfolgten auch die Verteilung von Lebensmittel an bedürftige Familien und weitere Leistungen wie zum Beispiel die allgemeine Übernahme der Wassergebühren.
Bis zum 17. Mai 2020 wurden von der WHO 4088 COVID-19-Fälle und 169 Todesfälle in Bolivien bestätigt.
Erste regionale Lockerungen Zum 11. Mai 2020 wurden alle Provinzen in 3 Risikoklassen eingestuft (hoch, mittel, moderat), wobei Faktoren wie Fallzahlen, Bevölkerungsdichte und Testkapazitäten in die Bewertung eingingen. Entsprechend gelten seither abgestufte Lockerungen in einigen Provinzen (Cuarentena dinámica). Weiterhin sind die Tieflandregionen Beni und Santa Cruz die Departamentos mit der mit Abstand höchsten Virusaktivität. Im Hochland und in den Andentälern bleiben die Fallzahlen gering.
Die Regierung von Bolivien und den Departamentos baut seit März schrittweise die Kapazitäten (Isolationsräumlichkeiten, COVID-19-Intensivstationen, Testlabore, Schutzausrüstung) aus. Am 14. Mai 2020 erreichte beispielsweise eine Lieferung von 170 Beatmungsgeräten aus Spanien das Land.
Regionale Verschärfungen der Maßnahmen rund um die Wintersonnenwende In der zweiten Juni-Hälfte oder im Juli erreichen Bolivien typischerweise die größten Kältewellen, sodass das Infektionsrisiko als besonders hoch eingeschätzt wird. Die sonst üblichen Feierlichkeiten im Umfeld der Wintersonnenwende (Willakatuti sowie auch Johannistag) sollten höchstens im kleinen Kreis begangen werden. In einer Reihe von Städten, darunter La Paz und Tarija, wurden folglich im Laufe des Juni 2020 eine encapsulamiento (Einkapselung) genannte verschärfte Quarantäne eingeführt. Es wurde klar, dass das bisherige Quarantäne-Regime nicht ausreichen würde, um die Verbreitung des Virus ausreichend einzudämmen. Über einen verlängerbaren Zeitraum von 3 bis 7 Tagen ist es während des encapsulamiento verboten, das Haus zu verlassen. Das öffentliche Leben steht folglich nahezu komplett still. Gleichzeitig nutzen die Gesundheitsbehörden teilweise die Zeit, um systematische COVID-19-Tests durchzuführen und so ein besseres Lagebild zu bekommen.
Am 30. Juni wurden 1094 neue Fälle und 52 Verstorbene gemeldet, davon 670 bzw. 24 im Departamento Santa Cruz. Die größte Aktivität der Pandemie konzentriert sich somit weiterhin auf das Tiefland.
Höhepunkt der ersten Welle (Winter 2020) inmitten politischer Unruhen Mitte Juli stellte die Regierung das Programm Crédito 1,2,3 vor, mit dem die wirtschaftliche Aktivität gefördert werden soll. Dabei handelt es sich um zinsgünstige und staatlich garantierte Kredite, welche über Banken vergeben werden. Die Geldsumme fließt jedoch nicht an den Kreditnehmer, sondern an einen inländischen Lieferanten.Correo del Sur, 16.7.2020 (spanisch, abgerufen am 6.8.2020)
Die teilweise verschärften Quarantänemaßnahmen zeigen nur wenig Wirkung. Vielmehr ächzen im Juli nahezu alle Krankenhäuser Boliviens unter den hohen Patientenzahlen. Vielerorts kollabiert das Gesundheitssystem in unterschiedlichem Ausmaß.
Gleichzeitig führt die Krise vermehrt zu politischen und gesellschaftlichen Konflikten, die am Nationalfeiertag (6. August) deutlich zu Tage treten. Die mächtige Arbeitnehmervertretung Central Obrera Boliviana mobilisierte bereits zuvor gegen die erneute Verschiebung der Präsidentenwahl und blockiert an rund 75 Stellen die Verkehrswege des Landes.La Razón, 4.8.2020 (spanisch, abgerufen am 6.8.2020) Zum Teil werden dadurch auch wichtige Lieferungen an Krankenhäuser verhindert. Daneben streitet die Regierung mit der weiterhin von der MAS dominierten Legislative wegen neuen Zuwendungen (Bonos), um die Not der mittellos gewordenen Bevölkerungsschichten zu lindern. Vertreter der MAS vermuten dahinter eine Wahlkampftaktik und verweigern die Freigabe der Gelder.
Am 4. August wurden 1515 neue Fälle und 92 Verstorbene gemeldet, davon 35 in Santa Cruz und 21 in La Paz.
Entspannung an der COVID-Front, Spannungen im Vorfeld der Wahlen Im Laufe des Septembers entspannte sich die Infektionslage zunehmend. Der 10. September war der vorläufig letzte Tag mit mehr als 1000 Neuinfizierten. Am 11. Oktober wurden noch 111 Fälle landesweit gemeldet, wobei fast die Hälfte auf Tarija entfiel, das Departamento, das am aktivsten testet. Die meisten Departamentos melden höchstens noch Einzelfälle von Verstorbenen. Gleichzeitig bemüht sich die Regierung, frühzeitig Zugang zu Impfstoffen zu erhalten. Das Gesundheitsministerium betont dabei am 11. Oktober, dass es ausschließlich WHO-zugelassene Produkte zentral über die Impfstoffplattform COVAX einführen wird.Gesundheitsministerium, 11. Okt. 2020
Gleichzeitig standen seit September die Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahl am 18. Oktober im Mittelpunkt des Interesses. Der Wahlkampf und die Organisation der Wahlen soll unter größten Vorsichtsmaßnahmen zum Infektionsschutz durchgeführt werden. Daneben drohen neue Konflikte zwischen den politischen Lagern und schwere Waldbrände im gesamten Tiefland stellen die Behörden vor zusätzliche Herausforderungen.
Regierungswechsel und Vorbereitung auf mögliche zweite Welle Dank der guten Organisation der Wahlen und der konfliktarmen Transition der Macht kam es nicht wie teilweise befürchtet zu einem Anstieg der Infektionszahlen. Vielmehr hielt der positive Trend an, der Anteil der Gesundeten an den Infizierten stieg im November auf über 80 %. Obwohl die lange Zeit sehr strengen Quarantänemaßnahmen im November weiter gelockert wurden, hält das Gesundheitsministerium daran fest, die Bürger zur Hygiene und reduzierten Kontakten anzuhalten. Das allgemeine Tragen eines Mundschutzes ist auch im November noch Pflicht, Schulen bleiben geschlossen und rund um Allerheiligen war der Zugang zu den Friedhöfen stark eingeschränkt. Dennoch nimmt das öffentliche Leben seit Oktober spürbar zu.
Die Entspannung wird dazu genutzt, Initiativen zur Stärkung des Gesundheitssystems in die Wege zu leiten und die internationale Kooperation im Bereich der Gesundheit auszubauen. Etwa mit Japan, Deutschland und Spanien wurden entsprechende Vereinbarungen getroffen, und auch die Organización Panamericana de la Salud (der regionale Ableger der WHO) sicherte Unterstützung zu. Eine schwere zweite Welle soll unbedingt vermieden und der zeitnahe Zugriff auf Impfstoffe gewährleistet werden.Boletín Informativo – Semana 31 vom 16. November 2020, Gesundheitsministerium Bolivien (spanisch)
Präsident Arce nutzt Anfang Dezember die UNO-Generalversammlung, um Verhandlungen zur Versorgung mit Coronavirus-Impfstoffen zu führen. Dabei drückt er die Erwartung aus, dass bereits im ersten Quartal 2021 erste Chargen nach Bolivien geliefert werden könnten.Gesundheitsministerium Bolivien, 4. Dez. 2020 (spanisch) In der zweiten Dezemberhälfte steigen die Sorgen wegen teilweise regional steigender Fallzahlen. Gleichzeitig werden die Departamentos aufgefordert, Vorbereitungen für die anstehende Impfkampagnen zu treffen und zu ermitteln, in welchem Ausmaß die erforderliche Kühlkette sichergestellt werden kann, insbesondere im ländlichen Raum. Das Gesundheitsministerium plant parallel, über konzertierte Massentests einer drohenden zweiten Welle entgegenzutreten.Gesundheitsministerium, 27. Dezember 2020 (spanisch)
Zweite Welle (Anfang 2021) und Start der Impfkampagne Mitte Januar 2021 setzt sich die Meinung immer mehr durch, dass die zweite Welle bereits eingesetzt habe. Am 14. Januar meldet Bolivien 2.573 neue Fälle, davon 1.045 in Santa Cruz.El Pais, 15. Januar 2021 (spanisch) Vizeminister Álvaro Terrazas berichtet am gleichen Tag, dass die landesweite Kühlkette stehen wird, wenn die ersten Impfdosen Ende Januar geliefert werden. Die Kampagne werde in allen neun Departamentos gleichzeitig gestartet und soll in einem zweiten Schritt auch die entferntesten Ort erreichen.Gesundheitsministerium, 14. Januar 2021 (spanisch)
Insgesamt verlief die zweite Welle deutlich milder und kürzer als die erste. In der Folge konnten die Einschränkungen für die Bevölkerung deutlich gelockert werden, auch wenn Homeschooling, strenge Maskenpflicht und ein Veranstaltungsverbot durchgehend aufrechterhalten wurden. Z. B. Taxis, Restaurants, Geschäfte und Kinos konnten unter Auflagen betrieben werden. Allerdings gelang es nicht, die geplanten Mengen an Impfstoffen zu beschaffen, sodass es zum Stand Mai 2021 im Zeitplan zu mehreren Wochen Verzögerungen gekommen ist. In unregelmäßigen Abständen erreichen das Land Chargen unterschiedlicher Größe mit Impfdosen von Sputnik V, Sinopharm, AstraZeneca sowie in kleinen Mengen BioNTech. Aufgrund der Bedrohung durch gefährlichere Virusvarianten, insbesondere aus Brasilien, priorisierte die Regierung im April Grenzregionen, was die Verfügbarkeit der Impfstoffe in den Hauptstädten der Departamentos zusätzlich reduzierte.Gesundheitsministerium, 5. April 2021 (spanisch) Ansonsten geht die Priorisierung streng nach Altersgruppen in Zehnjahresschritten. Im Mai sollen alle 50- bis 59-jährigen ihre erste Impfung bekommen, im Juni alle 40- bis 49-jährigen.
Dritte Welle (Herbst/Winter 2021) und Massenimpfungen