Herzberg (Mark) ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie wird seit 1992 vom Amt Lindow (Mark) verwaltet.
Geografie Herzberg (Mark) liegt im östlichen Teil des Landkreises Ostprignitz-Ruppin zwischen Neuruppin und Löwenberg. Es grenzt westlich an das Tal des Königgrabens, einem Ausläufer des Rhinluchs. Die bewaldeten Talsandflächen gehen südlich von Herzberg in die Flachmoorniederungen des Neukammer Luchs über. Das langgezogene Straßendorf liegt acht Kilometer südlich von Lindow am Kreuzungspunkt der von Kremmen nach Rheinsberg (L 19) und von Neuruppin nach Eberswalde (B 167) führenden Straßen.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehört der Wohnplatz Birkenhof.
Geschichte Eine Geweihhacke mit Schaftloch, die 1986 bei Baggerarbeiten nördlich von Herzberg im Werbellingraben unweit des gleichnamigen Sees zutage trat, sowie Feuersteinschaber, -klingen und -kernstücke von einer unbekannten Fundstelle belegen die Anwesenheit von Jäger- und Sammlergruppen der mittleren Steinzeit. Der Jungsteinzeit gehören mehrere Felsgesteinbeile und -äxte an, die als Einzelfunde auftraten.
Im verlandeten Südteil des Werbellinsees wurde 1991 ein Hort der jüngeren Bronzezeit des 8. bis 7. Jahrhunderts v. Chr. mit einem Trinkgeschirr bestehend aus einer reich verzierten Amphore aus Bronzeblech und vier übereinandergestapelten verzierten Bronzebechern entdeckt.
In der Gegend von Herzberg gab es im 11. bis 12. Jahrhundert zwei slawische Siedlungen. Diese wurden mit Gründung von Herzberg aufgegeben.
Erstmals erwähnt wurde Herzberg im Jahre 1365. Spätestens seit dem 14. Jahrhundert gehörte Herzberg zur im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin der Grafen von Lindow-Ruppin und war im Besitz des Klosters Lindow. Der Name stammt aus dem niederdeutschen „herte“ für Hirsch und „berch“ für Berg. 1525 wurden bei der Erfassung der Dörfer im Ruppiner Land aus Anlass der Eingliederung nach Brandenburg 40 „Leute“ im Ort gezählt, darunter der Schulze, ein Krüger und ein Schmied. Das Bassutesche Gut in Wulkow hatte ein Ritterlehen im Ort, das an einen Bauern verpachtet war. 1530 bewohnte Bassute das selbst. 1571 wurde im Zuge der Reformation der Klosterbesitz vom Kurfürsten eingezogen und damit das Amt Lindow ausgestattet, welches nun alle Rechte im Ort innehatte mit Ausnahme des Bauernhofes des Bassute mit zwei Hufen. 1574 hatte außerdem der Pfarrer des Ortes das Rauchhuhn von 4 Bauern und 4 Kossäten, der Schulze dasselbe von einem Bauern und die Kirche selbst von einem Kossäten. Etliche Bauern hatten Wiesen im Neukammerluch. 1624 zählte Herzberg 30 Bauern (Einhüfner) und 10 Kossäten, daneben 2 Hirten, 1 Laufschmied und 2,5 Hausleute. Insgesamt wurden 60 Hufen und 2 Pfarrhufen bewirtschaftet.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden von 40 Höfen 14 zerstört. 1687 waren von 29 Bauernhöfen, die nun als Zweihüfner galten, 6 noch immer nicht besetzt. Zu den 11 Kossäten zählte auch der Radmacher. Daneben gab es einen Schneider mit etwas Land, 1 Schmied, 1 Dorfschäfer, 1 Kuhhirt, 1 Stuthirt, 1 Ochsenhirt und einen Kälberhirt. Der Prediger gebrauchte einen der wüsten Bauernhöfe, den Rest die anderen Bauern. Die Fläche betrug immer noch beachtliche 60 Hufen. Damit war Herzberg eine große Bauerngemeinde und relativ reich, worauf auch die vielen Hirten hindeuten. Mit dem Übergang des Bassuteschen Gutes, was nur noch einen Hof und einen Hufen Land umfasste, an das Amt Lindow 1703 war Herzberg fortan ein reines Amtsdorf. 1704 waren alle 39 Bauernhöfe einschließlich der 10 Kossätenstellen wieder besetzt. 1757 gab es im Ort einen Schankkrug, außerdem einen Lehnschulzen, 29 Zweihüfner, 12 Kossäten, 8 Büdner (darunter der Schmied), 4 Hirten (je einer für Kühe, Ochsen, Stuten und Kälber), 1 Schäfer, 2 Schneider und 2 Leineweber. Herzberg nutzte Zinswiesen im Neukammerluch, bei Schleuen und im Redernluch. Im Jahre 1785 lebten hier 356 Einwohner, 1817 waren es 421 und 1858 806. Arbeit gab es in einer Ziegelei, die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. 1896 erhielt Herzberg einen Haltepunkt an der Löwenberg-Lindow-Rheinsberger Eisenbahn.
Herzberg gehörte seit dem 14. Jahrhundert zur Herrschaft Ruppin, seit 1524 zum Kreis Ruppin in der Mark Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Neuruppin im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt Herzberg im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 869 1890 795 1910 768 1925 728 1933 767 1939 843 Jahr Einwohner 1946 1 275 1950 1 266 1964 874 1971 855 1981 738 1985 729 Jahr Einwohner 1990 700 1995 643 2000 699 2005 708 2010 660 2015 630 Jahr Einwohner 2020 627 2021 671 2022 654 2023 645 2024 646 2025 650
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Herzberg besteht aus fünf Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 und am 9. Juni 2024 führten zu folgenden Ergebnissen:Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil 2024 Sitze 2024 Stimmenanteil 2019 Sitze 2019 AfD 18,0 % 1 - - Einzelbewerberin Michaela Wolff 17,2 % - 32,6 % – Einzelbewerberin Siegrid Redlof 13,9 % 1 - - Einzelbewerber Dipl.-Ing. Lutz Engel 8,3 % 1 13,6 % 1 Einzelbewerber Marcel Böllersen 7,9 % 1 - - Einzelbewerber Rene Ehrendreich 7,4 % 1 - - Einzelbewerberin Julia Hegemann 7,3 % 1 - - Einzelbewerberin Dörthe Hering 6,2 % 1 13,3 % 1 Einzelbewerber Alfred Bülten 5,7 % - 12,0 % 1 Einzelbewerberin Dr. Petra Sandow 4,4 % - 9,3 % 1 GRÜNE/B 90 3,8 % - - - Einzelbewerber Lutz Dutzmann - - 19,2 % 1
Der Stimmenanteil von Michaela Wolff bei der Gemeindevertreterwahl entsprach drei Sitzen. Daher bleiben nach § 48 (6) des Brandenburgischen KommunalwahlgesetzesBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 48 zwei Sitze in der Gemeindevertretung unbesetzt.
Michaela Wolff kandidierte außerdem sowohl als Gemeindevertreterin als auch als Bürgermeisterin. Da sie die Wahl zur Bürgermeisterin annahm, bleibt nach § 60 (3) des Brandenburgischen KommunalwahlgesetzesBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 60 ihr Sitz in der Gemeindevertretung unbesetzt. Aus gleichem Grund ist ihr 2024 errungener Sitz verwaist.
Bürgermeisterin 1998–2008: Hans-Joachim Rößger seit 2008: Michaela WolffKommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 10
Wolff wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidatin mit 84,6 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9.6.24
Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Herzberg (Mark) stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler.
Die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert steht am ältesten bebauten Platz von Herzberg und war früher eine Wehrkirche. Das Kirchhofsportal stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Kirche enthält eine doppelte Bemalung aus dem 14./15. Jahrhundert (teils freigelegt in den 1920er Jahren). Die Orgel stammt von Albert Hollenbach, einem berühmten Orgelbauer aus Neuruppin.
Nordöstlich der Kirche befindet sich das Pfarrhaus (Baudenkmal).
Geschichtsdenkmale right|miniatur Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Einigungskriege, ursprünglich mit Reliefmedaillon Kaiser Wilhelms I. und einem Adler auf der Spitze des Obelisken. Seiner preußischen Attribute beraubt, steht der ruinöse Obelisk immer noch an seinem ursprünglichen Bestimmungsort inmitten eines Kreisverkehrs. Gedenkstein von 1946 für 19 Opfer des Todesmarsches aus dem KZ Sachsenhausen in der Nordwestecke des Friedhofes Denkmal, nach 1989 errichtet, für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in der Friedhofsmitte
Verkehr Durch den Ort führen die Bundesstraße 167 von Neuruppin nach Eberswalde und die Landesstraße 19 von Lindow (Mark) nach Kremmen. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Neuruppin an der A 24.
Am Bahnhof Herzberg (Mark) hält die Regionalbahnlinie RB 54 (Löwenberg–Rheinsberg). Die Strecke wurde von 2008 bis 2018 nur noch im Sommerhalbjahr (Karfreitag bis Anfang November) betrieben. Probeweise erfolgt wieder ein ganzjähriger Betrieb.
Persönlichkeiten Eberhard Klunker (* 1952), Gitarrist, geboren in Herzberg
Literatur Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Teil 2: Gemeinde Fehrbellin, Amt Lindow (Mark) und Stadt Rheinsberg, Ulrike Schwarz und Matthias Metzler und andere, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein, 2003, ISBN 3-88462-191-2, Seiten 252–262. Lieselott Enders: Herzberg, In: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil II Ruppin, Hermann Böhlaus Nachf., Weimar 1970 Ruppiner Land, Werte unserer Heimat Band 37, Akademie-Verlag Berlin (Ost) 1981, S. 166–169
Weblinks
Gemeinde Herzberg (Mark) Gemeinde Herzberg (Mark) beim Amt Lindow (Mark) Herzberg in der RBB-Sendung Landschleicher vom 8. Januar 2006
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Ostprignitz-Ruppin
Kategorie:Ersterwähnung 1365