28 Tage lang ist ein 2014 erschienener Roman des deutschen Schriftstellers David Safier. Die Hauptfigur des Romans ist Mira, ein jüdisches Mädchen, welches im Warschauer Ghetto lebt. David Safier hat selbst seine Großeltern in Buchenwald beziehungsweise im Ghetto Łódź verloren. Mit 28 Tage lang möchte er ihrer gedenken, aber auch die Zeit des Holocausts für die jüngere Generation veranschaulichen: Es geht in dem Buch nicht nur um unsere Vergangenheit, sondern auch um uns. Wie weit würden wir gehen, um zu überleben? Welche Opfer würden wir eingehen? Und vor allem, was für ein Mensch wollen wir sein. Das Buch wird häufig als Schullektüre benutzt.
Handlung Zu Beginn der Geschichte befindet sich Mira auf dem Warschauer Markt. Dieser liegt außerhalb des Ghettos. Ein Leben im Ghetto bedeutet Entbehrung, Krankheit, Hunger und unerträgliche Enge. Vor allem heißt es in ständiger Ungewissheit zu leben. Was haben die Deutschen vor? Was machen sie als Nächstes? Miras Vater war Arzt. Als er jedoch merkte, dass er seine Familie nicht mehr beschützen und ernähren kann, wählte er den Freitod. Als Folge dessen zieht sich Miras Mutter immer weiter in sich zurück und so obliegt es Mira, die Familie mit der Schmugglerei zu ernähren. Aus diesem Grund bricht sie regelmäßig aus dem Ghetto aus. Als drei Schmalzowniks auf sie aufmerksam werden und sie ansprechen, befürchtet sie schon, dass sie nicht mehr zurück zu ihrer Familie kommt, doch ein vermeintlicher Student hilft ihr in ihrer Not. Er gibt sich als ihr Freund aus, der sie schon lange auf dem Markt sucht. Da sie den Namen des jeweils anderen nicht kennen, nennen sie sich Lenka und Stefan.
Nach dieser Begegnung macht sich Mira wieder auf den Weg ins Ghetto. Dort versucht sie ihre Schmuggelware an Jurek, einen Ladenbesitzer, zu verkaufen und Lebensmittel für ihre Familie zu kaufen. Nach der Transaktion trifft sie auf der Straße Rubinstein, einen verrückt wirkenden Mann. Dieser ruft immer wieder „Alle gleich!“ Vor allem sagt er aber zu Mira „Die Frage ist, kleine Mira, was für ein Mensch möchtest du sein?“ Diese Frage wird sie das Buch über begleiten.
Nach dieser Begegnung geht sie nach Hause, in die Miła-Straße 70, zu ihrer Mutter und ihrer Schwester Hannah. Diese berichtet, dass sie Ben „Rothaar“ geküsst habe. Anschließend geht sie zu ihrem Freund in das Waisenhaus von Janusz Korczak. Dort lernt sie die kleine Rebecca kennen. Wie jedes andere Kind, das mit Daniel zusammen im Waisenhaus aufgewachsen ist und lebt, ist auch sie wie eine Schwester für Daniel.
Um ihren Profit bei der Schmuggelei zu vergrößern, geht Mira zu ihrer Freundin Ruth, welche Kontakt zum Boss der Schmugglerbande Chompe, Schmul Ascher, hat. Mira tritt nun seiner Bande bei.
Wann immer sie Zeit hat, geht sie zum Bücherflohmarkt. Dort trifft sie Stefan wieder und folgt ihm bis zu einem Haus. Als sie dieses betritt, wird sie von Zacharia angegriffen, da dieser glaubt, dass sie für die Deutschen spioniert. Stefan kommt hinzu und will von ihr wissen, was sie dort macht. Nachdem sie ihm erklärt, dass sie ihm gefolgt ist, um ihn wiederzusehen, hilft er ihr. Er erklärt ihr, dass in diesem Gebäude die Druckerpresse für ihre Untergrundzeitschrift steht, dass sie zur Hashomer Hatzair gehören und dass er eigentlich Amos heißt. Das Ziel der Widerstandsgruppe ist, die Ghettobewohner darüber aufzuklären, was die Deutschen mit ihnen vorhaben – die Vernichtung der Menschen im Ghetto.
Bei ihrem ersten Auftrag für die Chompe sieht sie mit Hilfe einer Leiter über die Ghettomauer. Vor der Ghettomauer stehen Hunderte Deutsche, die dabei sind das Ghetto zu umzingeln. Am nächsten Morgen wird verkündet, dass alle Juden in den Osten umgesiedelt werden. Es gibt nur wenige Ausnahmen von dieser Bekanntmachung. Mira, ihre Mutter und Hannah gehören nicht dazu. Ihre letzte Hoffnung ist ihr Bruder Simon, der bei der Judenpolizei arbeitet. Dieser besorgt ihrer Mutter eine gefälschte Arbeitsbescheinigung. So entgehen Mira, ihre Mutter und Hannah der Umsiedlung. Noch in der gleichen Nacht kommen Soldaten in ihr Haus und treiben alle raus, die keine Arbeitsbescheinigung haben.
Einige Tage später werden bereits die nächsten Maßnahmen verkündet. Hierbei handelt es sich um den Aufruf vom 29. Juli 1942 zur freiwilligen Deportation. Auf der Straße erfährt Mira, dass auch die Waisenhäuser nun umgesiedelt werden sollen. Sie geht nun direkt zu Korczaks Waisenhaus. Um noch einmal mit Daniel zureden, geht sie mit ihm auf das Dach und bittet ihn, mit ihr zu kommen. Als ein Lastwagen vorfährt, will Daniel zu den Kindern im Waisenhaus. Doch Mira kann das nicht zulassen und schlägt ihn nieder. Mira sieht nun vom Dach zu, wie die Kinder Hand in Hand singend zum Lastwagen gehen.
Als Mira wieder zu Hause ankommt, steht ihr Bruder vor der Tür. Er berichtet, dass jetzt die Häuser durchsucht werden und hilft ihnen, ein Versteck zu bauen. Nach einigen Tagen taucht Ruth in der Wohnung von Miras Familie auf. Mira beschließt, sie in ihr Versteck aufzunehmen. Ruth berichtet verstört über das Lager in Treblinka, aus welchem sie fliehen konnte. Nach Wochen im Versteck berichtet ihr Bruder, dass Józef Szeryński, Chef der Judenpolizei, von einem Juden lebensbedrohlich verletzt wurde. Dies ist das erste Zeichen jüdischen Widerstands, von dem Mira erfährt.
Am 6. September 1942 folgt nun die Anweisung, dass sich alle Juden auf den Straßen zu versammeln haben. Es werden alle Juden deportiert, welche keine Marke haben. Diese Marke wird von den Arbeitgebern verteilt, doch sie reichen nicht für alle Arbeitenden. So bekommen ihr Bruder sowie auch ihre Mutter keine. Mira beschließt, ihre Familie zu verstecken und sich selbst zu stellen. Sie hofft so, ihre Familie zu beschützen. All jene, die keine Marke haben, werden zum Umschlagplatz gebracht. Von dort werden die Menschen in Züge gezwungen und in den Osten gebracht.
Mira findet sich schon mit ihrem Schicksal ab, als sie Amos entdeckt und zu ihm geht. Dieser hat eine Judenpolizeiuniform an und eine Marke um seinen Hals. Amos sucht nach Zacharia und will ihn freikaufen, doch er findet ihn nicht. Mira fleht ihn an, sie anstelle von Zacharia zu retten, was Amos auch tut. Als Amos ihr das Leben gerettet hat, hofft er, dass sie sich dem Widerstand anschließt, doch Mira möchte zu ihrer Familie. Als sie in der Wohnung ankommt, sieht sie das geöffnete Versteck und die Leichen ihrer Mutter, Ruth und Hannah.
Da sie nun alles verloren hat und nicht will, dass der Tod ihrer Schwester umsonst war, schließt sie sich dem Widerstand an. Gemeinsam mit den anderen Widerstandskämpfern lebt sie in einem der vielen Bunker, welche die Deutschen noch nicht entdeckt haben.
Am 18. Januar 1943 kommen die Deutschen, um das Ghetto endgültig zu vernichten. Doch der Widerstand stellt sich ihnen entgegen und hält sie auf.
Um neue Waffen und Unterstützung zu besorgen, werden Mira und Amos aus dem Ghetto geschmuggelt. Sie sind nun Gabriela und Robert Szalach, ein glückliches Ehepaar. Außerhalb des Ghettos nehmen sie unter anderem Kontakt mit Hauptmann Iwanski von der Landesarmee auf. Dieser verspricht ihnen Pistolen, aber keine mannstarke Unterstützung. Die Polen wollen mit ihrem eigenen Aufstand so lange warten, bis eine reelle Chance auf Befreiung besteht. Dies geschieht erst, als die russische Armee kurz vor Warschau ist.
Nach dem erfolgreichen Geschäft gehen Amos und Mira zurück in das Ghetto. Unter den Widerstandskämpfern ist auch Ben „Rothaar“ und auch Daniel und Rebecca findet Mira wieder. Unter anderem durch die Führung von Mordechai Anielewicz, Anführer der ŻOB, stellen sie sich 28 Tage lang den Deutschen mit Pistolen, Gewehren und Molotowcocktails. Sie vernichten sogar einen deutschen Panzer.
Am Schluss fliehen einige der letzten Widerstandskämpfer durch die Kanalisation aus dem Ghetto. Sie haben 28 Tage lang Widerstand gegen die Deutschen geleistet. Amos, Rebecca und Mira fliehen gemeinsam in die Wälder. Sie entscheiden sich, sich nicht dem polnischen Widerstand anzuschließen, sondern in den Wäldern zu bleiben, bis der Krieg zu Ende ist. Mira ist sich jetzt sicher, wie ihre Antwort auf die Frage „Was für ein Mensch willst du sein?“ lautet: Für den Rest ihres Lebens will sie ein Mensch sein, der lebt.
Figuren Mira: jüdisches Mädchen, welches im Warschauer Ghetto lebt Lenka: Miras Name, welcher ihr von Amos auf den Markt vergeben wird Gabriela Szalach: Miras Name auf der polnischen Seite von Warschau Mutter: Mutter von Mira Simon: Bruder von Mira Hannah: Schwester von Mira Ben „Rothaar“: Freund von Hannah Amos: Widerstandskämpfer der Hashomer Halzair Stefan: Amos Name, welcher ihm von Mira auf den Markt gegeben wird Robert Szalach: Amos Name auf der polnischen Seite von Warschau Daniel: Freund von Mira Rebecca: kleines Mädchen und Ziehschwester von Daniel Ruth: Freundin von Mira Jurek: Ladenbesitzer im Ghetto und Käufer von Miras Schmuggelware Rubinstein: Verrückter und Clown des Ghettos Janusz Korczak: Leiter des Waisenhauses und berühmter Autor Schmul Ascher: Anführer Diebes- und Schmugglerbande Chompe Zacharia: Mitglied Untergrundgruppe Hashomer Hatzair Mordechai Anioelewicz: Anführer ŻOB Hauptmann Iwanski: Hauptmann der Landesarmee und Unterstützer des Widerstandes Adam Czerniaków: Vorsitzender Judenrat Józef Szeryński: Chef der Judenpolizei Esther: Widerstandskämpferin
Historischer Hintergrund
Ab dem 19. April 1943 leisteten Aufständische des Warschauer Ghettos mehrere Wochen lang der deutschen Besatzungsmacht Widerstand. Geleitet wurde dieser Widerstand von der Jüdischen Kampforganisation (ŻOB) unter Mordechaj Anielewicz und dem Jüdischen Militärverband (ŻZW).
Am 1. September 1939 begann mit den Einmarsch in Polen der Zweite Weltkrieg. Bereits am 28. September 1939 kapitulierte Warschau. Ab Oktober 1939 wurden jüdische Geschäfte gekennzeichnet, Juden misshandelt und der Judenstern eingeführt. Noch im gleichen Jahr wurde ein Judenrat eingerichtet, welcher von Adam Czerniaków geleitet wurde. Das Warschauer Ghetto wurde am 15. Oktober 1940 errichtet. Es umfasste ca. 2,4 % der Fläche von Warschau. Von nun an sollten rund 30 % der Warschauer Bevölkerung auf 2,4 % der Fläche von Warschau zusammen leben. 300.000 Ghettobewohner wurden bis Ende 1942 in Vernichtungslager deportiert.
Ab dem 22. Juli 1942 wurde das Ghetto schrittweise aufgelöst. Mehr als 6.000 Menschen wurden täglich in Vernichtungslager, vor allem nach Treblinka, abtransportiert.
Im März 1942 gründete sich die erste überparteiliche Widerstandseinheit mit den Namen Antifaschistische Front. Sie bildete sich aus den zionistischen Jugendgruppen und der Polnischen Arbeitspartei (PPR). Im Juli begannen die großen Deportationen, welche zur Folge hatten, dass die Widerstandsgruppen fast ihre gesamte Basis verloren. Bis Ende Oktober 1942 gründete sich die jüdische Kampforganisation (ŻOB für Żydowska Organizacja Bojowa). Eine große Rolle dabei hatte die Hashomer Hazair, denn sie sorgte dafür, dass anti-kommunistische und anti-bundistische Gruppierungen zusammen arbeiten. Im ŻOB waren Hashomer Hazair, Dror, Gordonia, Akiba, Poale Zion, Bund und der PRR vereint und bildeten so den Antifaschistischen Block. Der ŻOB bekam wenig Waffen von der Heimatarmee und kommunistischen Volksgarde. Sie mussten Waffen vom Schwarzmarkt kauften. Sie richteten auch Fabriken für Molotowcocktails ein, welche schnell zu ihrer Hauptwaffe wurden.
Am 18. Januar 1943 marschierten mindestens 1000 deutsche Männer in das Ghetto ein. Zu der Zeit verfügte der ŻOB über 1250 überwiegend jugendlichen Kämpfer. Nach vier Tagen konnten die Widerstandskämpfer die Soldaten aus dem Ghetto vertreiben, verloren dabei aber rund 80 % ihrer Kämpfer. Die Deportationen kamen vier Tage später zum Erliegen. Viele Bewohner des Ghettos kauften sich nun Waffen und gründeten „wilde Gruppen“. Die Heimatarmee lieferte 50 dringend benötigte Pistolen und Gewehre in das Ghetto.