Wolfram Ullrich (* 1961 in Würzburg) ist ein deutscher Künstler.
Leben und Werk
mini|311x311px|Wolfram Ullrich Ullrich wuchs in Würzburg auf und zog 1980 nach Stuttgart, um dort von 1981 bis 1986 ein Studium der Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Paul Uwe Dreyer anzutreten.Ulrich Schneider: Ullrich, Wolfram. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 111: Tur - Valldosera. De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 978-3-11-055059-7, S. 224. Parallel dazu beendete er 1985 sein Studium der Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart.
Zwischen 1990 und 1992 gewann er drei Stipendien, davon zwei Förderstipendien des Landes Baden-Württemberg und ein Arbeitsstipendium des DAAD, das ihn nach New York führte, wo er an umfangreichen Projekten und Großformaten arbeitete. 2009 gewann der Künstler den Preis der Helmut-Kraft-Stiftung und im darauffolgenden Jahr den André Evard Preis der Messmer Foundation.
Wolfram Ullrich lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Stuttgart.
Am Anfang seines Schaffens konzentrierte sich Ullrichs Werk auf einen erweiterten Begriff der Malerei. Dem Künstler zufolge sei „jedes Gemälde auch ein Objekt“. Dies wird deutlich in der Verwendung alternativer Materialien, mit denen der Künstler bereits in den 1980er-Jahren experimentierte. Ullrich selbst bezeichnet seine Arbeiten als „skulpturale Strukturen“, die aus verschiedenen Materialien bestehen. Er bemalt sie mit kräftigen, monochromen Farben, die ihre räumliche Präsenz und ihren Status als Objekte hervorheben. Die Serie „Relief“ aus den späten 1980er-Jahren suggeriert bereits im Namen die Neigung zur Dreidimensionalität. Seine Wandarbeiten wirken weit über ihre Bildgrenze hinaus und verändern je nach Standort und Perspektive des Betrachters ihre räumliche Dimension. Ihre trapezförmigen Grundflächen oszillieren zwischen Malerei und Skulptur und erzeugen die Illusion räumlicher Schwerelosigkeit.
Demzufolge lässt sich Ullrichs Werk nur schwer einem bestimmten Genre zuordnen. Die Ausstellung im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt zeigt Ullrichs Werk in der Tradition von konkreter Kunst, in der Perspektive, Farbe, Form, Linie und Material von besonderer Bedeutung sind. Jedoch entwickeln Ullrichs großformatigen Werke eine eigentümliche Körperlichkeit, die die Gesamtwahrnehmung ihres Umraums verändert. Inspiriert von Mondrian beschränkt Ullrich das Farbspektrum auf die Primärfarben und seine Verwendung von Industriematerialien verweisen unweigerlich auf den Einfluss der amerikanischen Minimal-Art, allen voran Frank Stella.
Die in den neunziger Jahren entstandene Serie „Faltungen“ sind Arbeiten aus lackiertem Aluminium oder Stahl, die sich von der Wand erheben und den Raum physisch erobern. Weiterhin beendete und schuf er in den Neunzigern Arbeiten wie „Islands“ und „Window“, allesamt Anordnungen aus geometrischen Formen, deren Schattenfugen je nach Betrachterstandpunkt die erweiterte Illusion von Tiefe oder Höhe erzeugen. Die Werke werden, wie der Künstler selbst erklärt, buchstäblich durch Zusammensetzen verschiedener Segmente aufgebaut; die Arbeiten unterscheiden sich insofern von der Skulptur, bei deren Entstehungsprozess die Subtraktion der Schlüssel ist.
Anfang der 2000er entstehen Arbeiten aus einzelnen Formen aus Polyleder, deren Schauseite mit einer monochromen Schicht aus Lack- und Acrylfarbe überzogen ist, während an den Rändern ihr Bildträger aus Stahl sichtbar wird. In der Folge beschäftigt sich Ullrich intensiv mit großformatigen Trompe-l’œil-Reliefs aus mehreren perspektivisch zugeschnittenen und bemalten Blechen.
Eine scheinbare Körperlichkeit kulminiert in der 2014 erstandenen Serie „Orbit“: Die perfekt leuchtende Textur und die diametrale Anordnung erhebt die scheinbar schwerelosen Elemente, lässt sie kippen oder sich über schmale Schattenfugen dem Betrachter entgegen beugen. Der Künstler experimentiert und arbeitet an dem nächsten Schritt von Konstruktion zur Wahrnehmung.
Preise und Auszeichnungen
1990 Stipendium der Graduiertenförderung des Landes Baden-Württemberg 1991 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg 1992 Arbeitsstipendium des DAAD, New York 2009 Preis der Helmut-Kraft-Stiftung 2010 André Evard Preis, Messmer Foundation
Ausstellungen (Auswahl) 2024
Kunsthalle Weishaupt, Ulm, Überwindung der Schwerkraft
2019
Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt, Wolfram UllrichDatensatz in der DNB zum Katalog der Ausstellung Museo delle arti di Catanzaro (MARCA), Catanzaro, Coordinate e convergenze Museo d'Arte Contemporanea, Lissone Reliefs. Wolfram Ullrich
2018
Dep Art Gallery, Milano, Wolfram Ullrich, Puro colore, pura forma Galerie Lange+Pult, Zürich Galerie Denise René, Paris
2017
Galerie Lange+Pult, Auvernier, Schweiz
2015
Galerie Lange+Pult, Zürich, Early Works Galerie Kusseneers, Bruxelles, Progression
2014
Galerie Denise René, Paris Galerie Lange+Pult, Zürich, Formation
2013
Galerie Raquel Arnaud, São Paulo, Planar Galerie Michael Sturm, Stuttgart
2011
Fondation Vasarely,Datensatz in der DNB zum Katalog der Ausstellung Galerie Denise René, Paris Galerie Schlégl, Zürich, Responding Perspectives
2010
Galerie Linder, Wien Galerie C. Hjärne, Helsingborg Galerie Gudrun Spielvogel, München Kunsthalle Messmer, Riegel am Kaiserstuhl Galerie Une, Neuchâtel, Shift
2009
Galerie Michael Sturm, Stuttgart
2008
Galerie Kusseneers, Antwerpen, Float Galerie Bernd Lausberg, Düsseldorf Galerie Konstruktiv Tendens, Stockholm,
2007
Galerie St. Johann, Saarbrücken Galerie Schlégl, ZürichDatensatz in der DNB zum Katalog der Ausstellung
2006
Galerie Kusseneers, Antwerpen Galerie Une, Neuchâtel Galerie Bernd Lausberg, Düsseldorf
2005
Galerie Michael Sturm, Stuttgart
2004
Galerie Pilar Parra, Madrid Galerie Bergner+Job, Mainz Galerie Gudrun Spielvogel, München
2003
Galerie Konstruktiv Tendens, Stockholm
2002
Galerie Pilar Parra, Helsingborg Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen, SegmenteDatensatz in der DNB zum Katalog der Ausstellung Galerie Michael Sturm, Stuttgart Galerie Bergner+Job, Wiesbaden
2001
Galerie C. Hjärne, Helsingborg St. Burkardushaus, Kath. Akademie, Würzburg
2000
Galerie Dr. I. Schlégl, Zürich Galerie Job, Mainz
1999
Galerie im Kornhaus, Kirchheim (Teck), Schnittpunkt Schloss Monrepos, Fa. H. Schmid, Ludwigsburg, Zonen und Inseln Esslinger Kunstverein, Villa Merkel, Esslingen am Neckar
Öffentliche Sammlungen
Deutscher Bundestag, Berlin Kupferstichkabinett Dresden, Dresden Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart Kunstmuseum Heidenheim Kunsthalle Weishaupt, Ulm Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen Museum Ritter, Waldenbuch Grafische Sammlung Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart Städtische Galerie Würzburg, Sammlung Ruppert BW-Bank, Stuttgart Kreissparkasse Esslingen E.ON, München Donation Jeunet, Neuchâtel Land Baden-Württemberg Alb-Donau-Kreis, Ulm Polizeirevier Backnang Mineralbad Bad Cannstatt
Literatur
Theres Rohde, Simone Schimpf, Wolfram Ullrich, Kerber Christof Verlag, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-7356-0636-5 Alberto Zanchetta (kuratiert von), Wolfram Ullrich. Reliefs, Dep Art, Milano, 2019, ISBN 978-88-943920-8-1 Matteo Galbiati (kuratiert von), Wolfram Ullrich. Pure color, pure form, Dep Art, Milano, 2018, ISBN 978-88-941230-2-9 Alberto Zanchetta (kuratiert von), der ZIRKEL, Dep Art, Milano, 2017, ISBN 978-88-941230-9-8
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bildender Künstler (Stuttgart) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Mann