mini|Das Mosaik ist im Historischen Nationalmuseum in Tirana ausgestellt. Die Schöne aus Durrës () ist ein vielfarbiges, hellenistisches Mosaik aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Es ist das älteste Mosaik Albaniens und von großer kulturhistorischer Bedeutung. Das rund neun Quadratmeter große, elliptische Kieselmosaik zeigt als zentrales Element einen Frauenkopf vor schwarzem Hintergrund, der von Blumen und floralen Elementen umgeben ist.

Das Mosaik aus Durrës, damals Dyrrachion und Epidamnos genannt, wird in die zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. datiert.

Heute ist das Mosaik im Historischen Nationalmuseum in Tirana ausgestellt, wohin es 1982 überführt worden ist.Salzmann gab 1982 zum Verbleib noch „in situ“ an. Somit kann davon ausgegangen werden, dass es erst zu Beginn der 1980er Jahre ausgegraben worden ist.

Entdeckung Während des Ersten Weltkriegs war Durrës () von Österreich-Ungarn besetzt. Häufige Fliegerangriffe veranlassten die Soldaten der Gemeinsamen Armee, in beträchtlicher Tiefe Luftschutzbunker () anzulegen. Bei Grabungsarbeiten für einen solchen Keller im Hof eines Hauses im nördlichen Teil der Stadt wurde im März 1918 das Mosaik entdeckt.Praschniker (1920), Sp. 203. Das Mosaik wurde nur so weit freigelegt, wie es für den geplanten Bau notwendig war:Praschniker (1920), Sp. 204. Ein erstes Stück zeigte den Kopf bis zum Hals sowie einen Teil des Hintergrunds über dem Kopf, ein zweites Stück mehr vom Hintergrund des Mosaiks am rechten Rand.

mini|Skizze von Praschniker (1918) Der Wiener Archäologe Camillo Praschniker (1884–1949), der damals für archäologische Erkundungen in Mittelalbanien weilte, untersuchte das Mosaik am 16. April 1918 kurz. Danach wurde der Unterstand über dem Mosaik fertig eingerichtet.

Der Kriegsverlauf führte dazu, dass sich die Österreicher aus Durrës zurückziehen mussten. Praschniker publizierte nach dem Krieg mit Arnold Schober das Buch Archäologische Forschungen in Albanien und Montenegro und im folgenden Jahr alleine den Artikel Muzakhia und Malakastra: archäologische Untersuchungen in Mittelalbanien. In der weisen Vorausahnung, dass durch den Kriegsausgang viele Erkenntnisse verloren gehen dürften, hatte Praschniker diesem umfangreichen Forschungsbericht einen Anhang angefügt, der weitere Notizen zu archäologischen Funden enthielt. Dazu gehörte auch eine umfangreiche Beschreibung des Mosaiks aus Durrës mit einer Skizze und einem Lichtbild. Praschniker bedauerte, dass er den nicht weiter untersuchen konnte, hatte er doch den kulturhistorischen Wert sofort erkannt:

40 Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg, machte sich der albanische Archäologe Vangjel Toçi, der die Publikationen von Camillo Praschniker kannte, auf die Suche nach dem Mosaik und fand es 1959, nach anderen Angaben bereits 1947 wieder. Dabei konnte viel mehr vom Mosaik freigelegt werden, als durch Praschniker dokumentiert ist. Vangjel Toçi berichtete 1962 bei der ersten Albanologie-Tagung in Tirana über den Fund.Toçi (1965).

Fundort Der Fundort liegt heute im Zentrum von Durrës, vermutlich etwas mehr als 150 Meter nordwestlich vom römischen Forum beziehungsweise etwas mehr als 250 Meter nordwestlich vom zentralen Platz Sheshi Liria beim oder etwas nördlich vom heutigen Kreisgericht und der Tophani-Quelle.Praschniker (1920), Sp. 204 mit Verweis auf Praschniker/Schober (1919), S. 32. Die älteste Quelle beschreibt die Tiefe des Fundorts mit fünf Metern; in neueren Quellen werden durchweg 3,80 Meter angegeben.

1,3 Meter über dem Mosaik wurde zuvor ein antikes Ziegelgrab gefunden.Praschniker (1920), Sp. 213 f. Die Kombination von stattlichem Mosaik und darüberliegendem Grab lässt Rückschlüsse auf die Lage und Ausdehnung der antiken Stadt zu.Praschniker (1920), Sp. 213 f.

Das Mosaik verzierte in einem privaten, luxuriösen Baderaum den Boden. Der Raum war nach Norden ausgerichtet und wurde im Westen und Osten von halbrunden Nischen umgeben.Salzmann (1982), Katalog Nr. 33.

Beschreibung Die Schöne aus Durrës ist rund 2400 Jahre alt und in einem recht guten Zustand erhalten. Das Mosaik hat die Form einer Ellipse, deren Hauptachse 5,1 Meter und die Nebenachse drei Meter lang ist. Es bedeckt eine Fläche von neun Quadratmetern; Praschniker vermutet, dass es der Boden einer Apsis-förmigen Nische war.

Technik Das Mosaik wurde in einer zusammengestellt. Es besteht aus handverlesenen, unbearbeiteten Flusskieseln möglichst einheitlicher Größe, die wurden.Salzmann (1982), S. 79. Praschniker zählt als verwendete Farben auf: Schwarz, gräuliches Schwarz, Weiß, Ockergelb und Ziegelrot in verschiedenen Abstufungen.Praschniker (1920), S. 205. Die vielen Farben dienen dazu, dem Mosaik Tiefenwirkung und malerische Effekte zu verleihen.

Die Steine wurden möglichst eng verlegt, oft in Reihen, die im Verlauf der Darstellung folgen . Für die Umrisslinien wurden bereits eine Art weiße Tesserae verwendet. Steinchen in verschiedenen Nuancen von Weiß, die mit großem Geschick gegliedert platziert wurden, verleihen dem Porträt einen plastischen Effekt. Wenige schwarze Linien wurden verwendet, um die wichtigsten Züge des Porträts hervorzuheben.Praschniker (1920), Sp. 206.

Frauenporträt mini|Das Frauenporträt Zentrales Element des Mosaiks ist das 1,20 Meter hohe Frauenporträt.

Das Diadem kann auch als Haube gedeutet werden.

Gesichtskonturen aus schwarzen Linien wurden nur verwendet, um das Kinn, die Nase, die Augen und die Augenbrauen darzustellen.Praschniker (1920), Sp. 206 f. Ein einzelner, kleiner, gelber und roter Kieselstein in den Pupillen – – gibt den Augen einen ausdrucksstarken Blick. Praschniker erwähnte rote Steinchen im inneren Augenwinkel,Praschniker (1920), Sp. 207. die heute nicht mehr erkennbar sind. Das Dreiviertelporträt – Praschniker nennt es Schulterbild – ergibt ein breites Gesicht. Die Frau hat einen ruhigen Ausdruck und schaut etwas verträumt und melancholisch drein. Der kleine, leicht geöffnete rote Mund verleiht ihr einen weiblichen Ausdruck.Es ist nicht ganz klar, wen die Abbildung zeigt. Der Historiker und Archäologe Moikom Zeqo ist der Ansicht, dass es sich bei der Schönheit um die minoische Gottheit Eileithyia handelt, die Gottheit der Geburt und Geburtshilfe. Der Archäologe Afrim Hoti sieht in der Darstellung die Jungfrau Aura, eine Gefährtin der Jagdgöttin Artemis.

Gestaltung des Hintergrunds Der Kopf ist seitlich und oben von verschiedenen Blumen wie Hyazinthe, Lilien und Glockenblumen sowie weiteren floralen Elementen umgeben, die die ganze Fläche füllen.Praschniker (1920), Sp. 207 f. Kopf und zwei sich windende Ranken erheben sich aus einem Akanthuskelch.

Die Hälften zu beiden Seiten des Kopfes sind nicht symmetrisch. Die Linienführung ist klar, der Hintergrund ist schwarz. Die Darstellung lässt

Datierung mini|Vergleichbares Motiv auf einem apulischen Skyphos im Gnathia-Stil im Fine Arts Museums of San Francisco, um 330/20 v. Chr. mini|hochkant|Vergleichbares Motiv auf einer apulischen Pelike Museo archeologico provinciale Sigismondo Castromediano in Lecce, um 310/290 v. Chr. Archäologen vergleichen den Kunststil mit Gnathiakeramik, im 4. Jahrhundert v. Chr. in Apulien aufgekommene Vasenmalerei.

Die Ähnlichkeit mit den vielfarbigen Frauenporträts von der gegenüberliegenden Adriaseite auf schwarzem Hintergrund, die von pflanzlichen Motiven umgeben sind, ist – – sehr deutlich.Praschniker (1920), Sp. 205 f. Auch unter den apulischen Vasen der Antikensammlung Berlin findet sich eine sehr ähnliche Bemalung eines Kraters.Der Krater des Loebbecke-Malers aus den Apulischen Bildervasen für eine Totenfeier im Antikensammlung Berlin enthält eine Darstellung, die derjenigen in Salzmann (Tafel 96, Bild 4) stark gleicht (knapp erkennbar auf :Datei:Unteritalischer Grabfund rotfiguriger Vasen 6.jpg).

Aus dem engen gestalterischen Zusammenhang schließt bereits Praschniker auch auf einen zeitlichen Zusammenhang.Praschniker (1920), Sp. 208 f. Aus dieser Ähnlichkeit schloss er auf eine Entstehung in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. Somit zählte der Fund für Praschniker zu den beiden ältesten damals bekannten griechischen Mosaiken.Praschniker (1920), Sp. 211. Das andere, ein Bodenmosaik im Pronaos des Zeustempels von Olympia,Darstellungen des Mosaiks von Olympia finden sich in Datei:Architecture, classic and early Christian (1888) (14772756935).jpg und Datei:Greece-0555 (2215146747).jpg. dessen Datierung zumindest damals auch noch nicht ganz klar war, schien ihm aber noch rund 50 Jahre älter zu sein.Praschniker (1920), Sp. 211–213.

Heutige Literatur sieht die Entstehung in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr., wobei die Zeitspanne sich von der Mitte des Jahrhunderts bis zu dessen Ende zieht. Dieter Salzmann datierte das Mosaik aufgrund des Blumendekors auf den Zeitraum 340 bis 320 v. Chr.Salzmann (1982), S. 28.

Andere Autoren erwähnen die Möglichkeit, dass Die Schöne aus Durrës und Blumendekor-Mosaike in Pella, Hauptstadt des antiken Makedonien, von der gleichen Werkstätte geschaffen worden sein könnten, also auch etwa zeitgleich entstanden (350–325 v. Chr.).Berühmtes Kieselmosaik von Pella mit floralem Dekor Das Spiralmotiv, das im Hintergrund auftaucht, hat beim Hirschjagd-Mosaik aus Pella eine beherrschende Rolle. Es wurde von einem Künstler namens Gnosis signiert.Salzmann (1982), S. 29.

Rezeption Die Schöne von Durrës als Symbol der Schönheit wurde zur Ikone, die vielfach in der darstellenden Kunst, Poesie, Volkskultur und im Wirtschaftsleben übernommen wurde, besonders in Durrës.

Das Porträt ziert Bücher und nach ihm wurden Preise und Organisationen benannt. Eine albanische Künstlerin imitierte das Mosaik, wie es auch sonst als Vorlage für diverse Gestaltungen diente.

2004 prägte die Banka e Shqipërisë eine Sondermünze zu 50 Lek mit dem Porträt der Schönen von Durrës.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Archäologie (Albanien) Kategorie:Antikes Mosaik Kategorie:Werk (4. Jahrhundert v. Chr.) Kategorie:Durrës Kategorie:Kunst (Tirana)