mini|hochkant=1.2|Dorfkirche Walsleben Walsleben ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie ist Mitglied und Verwaltungssitz des Amtes Temnitz.

Geografie Walsleben liegt auf der Ruppiner Platte, zentral im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, etwa zehn Kilometer westlich der Kreisstadt Neuruppin. Die Waldbereiche im Norden der Gemarkung zählen bereits zur Wittstock-Ruppiner Heide. Mitten durch die Gemeinde fließt, teilweise in einem Tal, die Temnitz.

Nachbargemeinden sind Temnitzquell (Ortsteile Netzeband und Katerbow) im Norden, Märkisch Linden (Ortsteile Darritz-Wahlendorf und Werder im Osten sowie Gottberg im Südosten) und Wusterhausen/Dosse (Ortsteile Kantow und Blankenberg im Südwesten und Westen).

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Walsleben gehören die Wohnplätze Dannenfeld, Paalzow und Walslebener Mühle.Gemeinde Walsleben im Kommunalverzeichnis Brandenburg Zum Gemeindegebiet gehört auch die Wüstung Bertikow mit ihrem slawischen Burgwall.

Orts- und Gutsgeschichte Um 1490 war Walsleben ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin. Nachfolgend bildete sich ein Herrensitz heraus, welcher u. a. der bekannten Familie von Klitzing gehörte. Mit dem Kaufvertrag vom 25. November 1711 überließ der Sohn des Landeshauptmann zu Cottbus und Peitz, der spätere Kanzler S. 1831–1832. der Neumärkischen Regierung zu Küstrin, Christoph Wambolt von Umstadt das örtliche Rittergut dem Grafen Friedrich Wilhelm von Schwerin aus dem Haus Alt-Landsberg. Die Schwerin trugen den Grafentitel nach dem Recht der Erstgeburt. An Walsleben über ging auch der Titel der Erbkammerwürde und später der des Erbküchenmeisters der Kurmark Brandenburg. Die Grafen Schwerin-Walsleben trugen ein gesondertes Wappen,J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Dritten Bandes Erste bis Dritte Abtheilung: Der Adel des Königreichs Preußen. Hrsg. Otto Titan von Hefner. Bauer & Raspe Julius Merz, Nürnberg 1857, Tafel alle den Erstvornamen Otto und vererbten das gestiftete Familienfideikommiss. Dazu gehörte, teils als Hauptwohnsitz genutzt, das Schloss Wildenhoff in Ostpreußen.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1908, 81 Jahrgang. Justus Perthes, Gotha 1907, S. 820 f. Die jüngere Genealogie der Gutsbesitzer beginnt mit Otto Friedrich Wilhelm Graf Schwerin (1796–1860), liiert mit der Tochter eines königlich großbritannischen Konsuls, Jeanette Hay. Deren Sohn Otto Gottfried Ludwig von Schwerin (1823–1873) folgte im Besitztum. Dieser Graf Otto Schwerin war ebenso Rechtsritter des Johanniterordens. Nachfolger war dann Otto Heinrich Graf von Schwerin (1855–1909), verheiratet mit Agnes Gräfin-Lehndorff-Steinort. Die Schwerin betreuten das Gut Walsleben nicht immer selbst. Um 1880 war es in Pacht bei Oberamtmann Troll. Die Größe mit dem Nebenbesitz in Bütow und Charlottental (Bertikow) ist mit 1883 ha beziffert, davon 649 Hektar Forsten. Zum Besitz gehörte damals eine Brennerei. Letzter Erbküchenmeister und Grundbesitzer auf Walsleben und Schloss Wildenhoff wurde Otto Karl Max Botho Graf von Schwerin-Wildenhoff (1894–1945). Er starb als Major der Wehrmacht am 16. Januar 1945 im faschistisch besetzten Polen. Seine erste Frau, Gabriele Gräfin Maltzahn, lebte später in Heidelberg, die zweite Frau Ester Gräfin Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin in Bonn. Otto Graf Schwerin-Wildenhoff-Walsleben hinterließ neun Kinder. Die Familie wurde 1945 enteignet. Die Gutsgröße war noch 1928 konkret 1932 Hektar, in Verwaltung von Graf Vitzthum. Die Walslebener Mühle mit 169 Hektar Flächenbesitz gehörte Fritz Ebell. S. 108.

Etwa von 1628 bis 1632 war Georg von Lilien (Lilius) Pastor in Walsleben.Eduard Emil Koch: Geschichte des Kirchenlieds und Kirchengesangs der christlichen, insbesondere der deutschen evangelischen Kirche, 1. Haupttheil: Die Dichter und Sänger, 3. Band, 3. Auflage. Chr. Belser, Stuttgart 1867, S. 330 f.

Verwaltungszugehörigkeit 1815–1947 Kreis Ruppin (Provinz Brandenburg, Preußen) 1947–1952 Kreis Ruppin (Land Brandenburg) 1952–1990 Kreis Neuruppin (Bezirk Potsdam) 1990–1993 Kreis Neuruppin (Land Brandenburg) seit 1993 Landkreis Ostprignitz-Ruppin

Eingemeindungen Am 1. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Paalzow eingegliedert.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 571 1890 742 1910 677 1925 793 1933 734 1939 701 Jahr Einwohner 1946 1 111 1950 1 205 1964 906 1971 834 1981 821 1985 889 Jahr Einwohner 1990 907 1995 922 2000 932 2005 831 2010 783 2015 812 Jahr Einwohner 2020 781 2021 789 2022 835 2023 817 2024 795 2025 794

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin, (19.1), in: Beitrag zur Statistik, Hrsg. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam Dezember 2006, S. 22–25. (PDF)Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Walsleben besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige Wählergruppe Walsleben 42,2 % 4 57,5 % 6 Junge Wähler Walsleben – – 19,4 % 2 Einzelbewerber Carsten Rode 9,1 % 1 6,8 % 1 Einzelbewerber Andreas Röder 7,0 % 1 5,2 % 1 Einzelbewerber Marco Petrich 7,0 % 1 4,9 % – Einzelbewerber Mathias Pirk – – 3,2 % – Einzelbewerberin Corinna Brauer – – 3,0 % – Pro Walsleben 18,8 % 2 – – Einzelbewerberin Christine Volkenandt 7,1 % 1 – – SPD 4,6 % – – – Einzelbewerber Wolfgang Becker 4,1 % – – – Insgesamt 100 % 10 100 % 10

Bürgermeister 2008–2024: Burghard GammelinErgebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 seit 2024: Matthias Kupper (Unabhängige Wählergruppe Walsleben)

Kupper wurde am 9. Juni 2024 mit 67,8 % der gültigen Stimmen zum neuen ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.§ 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes

Sehenswürdigkeiten mini|Burgwall Bertikow, Innenbereich

Burgwall Bertikow, umgangssprachlich vor Ort "Hünenwall", Burgstall einer slawischen Niederungsburg im Luchgebiet nahe der Grenze zur Gemeinde Temnitzquell.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ehemaliges Bahnhofsgebäude Walsleben

Walsleben ist über die Kreisstraße K 6607 mit Neuruppin verbunden. Durch den Ort verläuft die A 24 (Hamburg–Berlin) mit den Raststätten Walsleben-Ost und -West. Etwa sieben Kilometer südöstlich der Gemeinde befindet sich die Anschlussstelle Neuruppin.

Der Bedarfshalt Walsleben liegt an der Bahnstrecke Wittstock/Dosse–Neuruppin. Er wird von der Regional-Express-Linie RE 6, dem Prignitz-Express, von Wittenberge über Wittstock (Dosse) und Neuruppin nach Berlin-Charlottenburg im Stunden-Takt bedient.

Das Bahnhofsgebäude diente im Jahre 1995 als Drehort für zentrale Szenen des Fernsehfilmes Der Trinker nach Hans Fallada. Dazu wurde der Wartesaal des Bahnhofs binnen einer Woche in eine Kneipe („Gartenlokal Knese“) umgebaut und die Familie, die die Räumlichkeiten damals bewohnte, für die Dauer der Dreharbeiten ausquartiert.

Bildung Thomas-Müntzer-Grundschule

Öffentliche Einrichtungen In Walsleben befindet sich eine Freiwillige Feuerwehr mit etwa 40 Mitgliedern. Die Dorfkirche besitzt eine Orgel von Albert Hollenbach, Neuruppin, E. 19. Jh. Mechanische Schleiflade Manual (C-f3): Principal 8', Gedact 8', Salicional 8', Octave 4', Rohrflöte 4', Prog. harm. 1-3f. Pedal (C-d1): Subbass 16', Principalbass 8', Pedal=Coppel

Literatur Walsleben, in: Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz, Zweiter Band. Druck und Verlag Adolph Müller, Brandenburg 1855, S. 359 ff. Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Band 1, Hrsg. Ludwig Gollmert, Wilhelm Graf von Schwerin, Leonhard Graf von Schwerin, Wilhelm Gronau, Berlin 1878. Digitalisat: König Friedrich von Preussen erteilt seine Genehmigung zu dem Kaufcontrakt vom 25. November 1711. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser, A (Uradel), 1952. Band I, Band 2 der Gesamtreihe GHdA. C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1952. S. 410–412. Hagen Graf von Schwerin: Walsleben und Wildenhoff. In: Fünfter Nachtrag zur Geschichte des Geschlechts von Schwerin, Hrsg. Curd-Christoph von Schwerin. In: Bibliothek familiengeschichtlicher Arbeiten, Band 27. Degener & Co, Neustadt an der Aisch 2003, S. 315–316. KVK

Weblinks

Gemeinde Walsleben beim Amt Temnitz

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Ostprignitz-Ruppin