Anna „Nandl“ Werchota (* 18. August 1853 in Kaisersberg bei Sankt Stefan ob Leoben; † 28. April 1932 in Wien) war eine österreichische Mundartdichterin und Sekretariatsbeamtin bei den k.k. Staatsbahnen.

Leben Anna Werchota wurde am 18. August 1853 als Tochter eines Rentbeamten und dessen Gattin Anna Werchota (* 15. August 1824; † 11. April 1866), abgerufen am 5. April 2020. im Schloss Kaisersberg in Kaisersberg bei Sankt Stefan ob Leoben geboren., abgerufen am 5. April 2020. Einige Jahre später wurde der Vater nach Schloss Greifenberg in der Hinterradmer (Radmer an der Hasel) versetzt. Anna Werchota kam zu einer Freundin der Familie nach Leoben, wo sie unter anderem die vierklassige Volksschule und danach die Nähschule besuchte., abgerufen am 5. April 2020. Sie wuchs teilweise in Leoben und teilweise in der Gegend um Radmer auf. Als sie knapp 13 Jahre alt war, starb ihre Mutter; ihre Pflegemutter in Leoben starb, als Anna Werchota 16 Jahre alt war. Im Jahre 1869 schien der Vater als Rentmeister von Straden auf., abgerufen am 4. April 2020. Nach dem Tod der Mutter und der Pflegemutter, sowie dem Pensionsantritt des Vaters wurden die acht Kinder der Familie, die allesamt eine nur mangelhafte Erziehung genossen, in alle Richtungen zerstreut, wobei es für Anna zuerst nach Graz und dann nach Wien ging. Ohne Sprach- und Musikkenntnisse arbeitete sie dort unter ärmsten Verhältnissen als Handarbeiterin und Kindererzieherin. Nach Jahren der Armut, in der sie aus eigener Kraft versuchte, sich eine höhere Bildung anzueignen, versuchte sie sich erstmals mit Dichtung in hochdeutscher Sprache. Diese Versuche brachten jedoch nur wenig Erfolg ein. Weitaus größere Erfolge brachten ihre im steirischen Dialekt verfassten Erzählungen, die in der Zeitschrift An der Schönen Blauen Donau veröffentlicht wurden, ein. Mit Hilfe eines in Wien lebenden gebürtigen Grazers und dem Verein deutscher Steirer in Wien wurde Werchota aus der Armut geholfen. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einer vielbeschäftigten Volksdichterin.

Zu ihren Werken zählen unter anderem G’schicht’n aus’n Grob’n aussa (1890), Was d’Nandl erzählt. G’schicht’n und G’sangln in obersteirischer Mundart (1900) oder Die schöne Ploni und andere Geschichten in obersteirischer Mundart (1913). Mit ihrem Erstlingswerk G’schicht’n aus’n Grob’n aussa, das über den Grazer Leykam-Verlag veröffentlicht wurde und das sie der Erzherzogin Marie Valerie gewidmet hatte, erlangte sie eine noch größere Bekanntheit, als sie es wie bisher mit ihren Veröffentlichungen in der Zeitschrift An der Schönen Blauen Donau getan hatte., abgerufen am 5. April 2020. Von Kaiser Franz Joseph I. wurde sie in der Folge mit einem namhaften Ehrengeschenk – einem als „Druckkostenbeitrag“ bezeichneten Betrag von 200 Gulden – ausgezeichnet. Von Kritikern wurden ihre Werke gar mit denen eines Adalbert Stifter verglichen. Auch die österreichische Presse übte durchwegs positive Kritik an dem Werk, das aus Erzählungen, Sagen und Gedichten, darunter zahlreiche Vierzeiler, bestand., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. Nachdem sie davor nahezu ausschließlich in einschlägigen Zeitschriften veröffentlicht hatte, wurden ihre Werke ab 1890 erstmals auch in großen Tageszeitungen, wie der Presse, abgedruckt., abgerufen am 4. April 2020. In den folgenden Jahren wurde zahlreiche weitere Werke veröffentlicht bzw. in Zeitschriften und Zeitungen abgedruckt. Im Jahre 1893 war Werchota unter anderem im Grazer Schreibkalender, der im 110. Jahrgang veröffentlicht wurde, mit einem Beitrag vertreten., abgerufen am 5. April 2020.

Des Weiteren trat sie des Öfteren auch öffentlich in Erscheinung; etwa beim ersten Wiener Autorinnenabend des Vereines für erweiterte Frauenbildung in Wien., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. Zehn Jahre nach ihrem Erstlingswerk, das über den Grazer Leykam-Verlag erschienen war, folgte im Jahre 1900 die Sammlung Was d’Nandl erzählt. G’schicht’n und G’sangln in obersteirischer Mundart, die über den Carl Gerold’s Sohn Verlag erschien., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. Heimatdichter Peter Rosegger beschrieb das Buch in seiner Monatszeitschrift Roseggers Heimgarten, Zeitschrift für das deutsche Haus wie folgt: „Die Obersteirer können mit diesem Büchlein eine Freude haben. Der Kenner unserer Älpler wird beim Lesen oft beistimmend den Kopf neigen und murmeln: „Wahr und echt!““., abgerufen am 5. April 2020. Bei der 18. Generalversammlung des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien wurde Werchota im Frühjahr 1903 in den Vorstand gewählt., abgerufen am 5. April 2020. Ein Jahr später wurde sie anlässlich der 19. Generalversammlung als Vorstandsmitglied wiedergewählt., abgerufen am 5. April 2020. Im Mai 1905, als Werchota unter anderem an den Feierlichkeiten zu Friedrich Schillers 100. Todestages vor dessen Denkmal in Wien mitgewirkt hatte, wurde sie ein weiteres Mal in den Vorstand des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen wiedergewählt., abgerufen am 5. April 2020. Ebenfalls 1906, in dem sie als Beirätin auch in die Deutsche Kernstock-Gesellschaft gewählt worden war,, abgerufen am 5. April 2020. folgte ihre Wiederwahl., abgerufen am 5. April 2020. Bei der 24. Generalversammlung im Jahre 1909 erfolgte die abermalige Wiederwahl;, abgerufen am 5. April 2020. es kann davon ausgegangen werden, dass sie auch in der Zwischenzeit immer Vorstandsmitglied war. Auch in den nachfolgenden Jahren 1910/11, 1911/12 und 1912/13 scheint die gebürtige Obersteirerin in der Vereinsleitung auf., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. Als im Frühjahr 1908 über den Verlag von Max Pock in Graz das Lied Mein Steirerlond! (für eine Singstimme mit Klavier- oder Zitherbegleitung) veröffentlicht worden war, wurde Nandl Werchota als Verfasserin des Textes vorgestellt; die musikalische Bearbeitung war von Franz Blümel übernommen worden., abgerufen am 5. April 2020.

Über den Verlag von Paul Knepler, der erst zwei Jahre zuvor seine Tätigkeit als Verleger aufgenommen hatte, veröffentlichte Werchota im Jahre 1913 ihr drittes Buch; der Titel: Die schöne Ploni und andere Geschichten in obersteirischer Mundart., abgerufen am 5. April 2020. In den Jahren danach wurde es weitgehend ruhig um Werchota, die jedoch weiterhin öffentlich in Erscheinung trat. In den Jahren 1913/14, 1914/15, 1915/16, 1916/17, 1917/18, 1918/19 schien sie noch in der Leitung des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen auf. Bei der 34. Generalversammlung des Vereins am 30. April 1919 wurde das Ausscheiden Werchotas aus dem Vereinsvorstand bekanntgegeben; neben ihr schieden an diesem Tag auch die beiden Malerinnen Bertha von Tarnóczy und Mina Hoegel aus dem Vorstand aus., abgerufen am 5. April 2020. 1925 war sie mit Beiträgen an Eduard Stephans zweibändigen Heimatbuch Der steirische Erzberg und seine Umgebung. vertreten., abgerufen am 5. April 2020.

Mit den ersten Erfolgen als Dichterin reichte es auch für eine berufliche Karriere als Sekretariatsbeamtin bei der Generaldirektion der k.k. Staatsbahnen in Wien, wo sie ab 1890 vor allem im Administrationsgebäude, dem später als „Blaues Haus“ bekannten und 2019 abgerissenen Komplex, am Wiener Westbahnhof tätig war. Hier war sie unter anderem bei dem im Gebäude beherbergten Historischen Museum der k. k. österreichischen Staatsbahnen angestellt. Zu Beamtin stieg sie erst im Jahre 1896 auf, was anlässlich der Bekanntgabe ihres 25-jährigen Jubiläums in der Kleinen Zeitung im August 1921 hervorging., abgerufen am 5. April 2020. Am 28. April 1932 starb Nandl Werchota, die bis zu ihrem Tod in Wien gelebt hatte und unverheiratet geblieben war, nach längerem Leiden im Alter von 78 Jahren., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. Noch im gleichen Jahr ihres Todes wurde Werchota zu Ehren in Radmer eine Gedenktafel feierlich enthüllt., abgerufen am 5. April 2020. Anlässlich ihres 95. Geburtstages gedachte die Obersteirische Volkszeitung im Jahre 1948 der aus der Obersteiermark stammenden Mundartdichterin., abgerufen am 5. April 2020. Ein Splitternachlass Werchotas mit diversen Gedichten in obersteirischer Mundart und mit 53 aquarellierten Federzeichnungen der Verfasserin befindet sich heute (Stand: 2020) in der Steiermärkischen Landesbibliothek in Graz.

Werke (Auswahl) 1887: Ban Schwoagbauan (Aus’n Murthol), abgerufen am 4. April 2020. 1888: ’s Schwoag’ngeahn. Erzählungen aus Radmer, abgerufen am 4. April 2020. 1888: Kaiser auf der Jagd, abgerufen am 4. April 2020. 1889: Blüthel aus Obersteier. D’Schneelahn, abgerufen am 4. April 2020. 1889: D’Weiberpeitschn, abgerufen am 4. April 2020. 1889: D’Einquartierung, abgerufen am 4. April 2020. 1890: G’schicht’n aus’n Grob’n aussa; darin u. a.: Radmer hoaßt er, und a so schaut er aus – da Grobn Da Kaisa af da Jagd Da erschti Briaf Da Rachfongkihra D’Schneelahn Die Hulzknechthüttn Wia’s großi Sterbn wor 1890: Der Hulzknecht Sepp. 1891: Allerseel’n., abgerufen am 5. April 2020. 1891: ’s Fruihjohr., abgerufen am 5. April 2020. 1892: Afn Johnbacha Kirta., abgerufen am 5. April 2020. 1892: Juchhe, liabi Londsleut!, abgerufen am 5. April 2020. 1892: Es därft nöt sein., abgerufen am 5. April 2020. 1894: Wia die Sess don nou zan an Monn kämm is., abgerufen am 5. April 2020. 1894: Verhext., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. 1895: Und zan groth’n sans halt doh nöt., abgerufen am 5. April 2020. 1895: D’Schulkamerad’n., abgerufen am 5. April 2020. 1895: Wia mei olt’ Nochbarin zan an neugn’n Reg’ndoch is kämm., abgerufen am 5. April 2020., abgerufen am 5. April 2020. 1897: Radmer an da Hasel., abgerufen am 5. April 2020. 1897: Da Teufl von Gstift Admont., abgerufen am 5. April 2020. 1897: Af da Treibjogd., abgerufen am 5. April 2020. 1899: A Schneid soll der Mann hab’n., abgerufen am 5. April 2020. 1899: D’Schoagarin Viktl., abgerufen am 5. April 2020. 1899: Wann a Dirndl z’vül hoagli is. 1899: A Auferstehungg’schicht., abgerufen am 5. April 2020. 1900: Was d’Nandl erzählt. G’schicht’n und G’sangln in obersteirischer Mundart; darin u. a.: Zwoa Radmerer in da Weanastodt., abgerufen am 5. April 2020. 1902: I bin halt die Nandl…, abgerufen am 5. April 2020. 1904: Der longi Diktl., abgerufen am 5. April 2020. 1906: Stoasteirisch., abgerufen am 5. April 2020. 1913: Die schöne Ploni und andere Geschichten in obersteirischer Mundart; darin u. a.: Summa- und Winterschultag afn Land vor 50 Jahren. Die schöne Ploni. ’s wüldi Wetter. Schau, schau, na wia’s Wasserl vom Berg abaschießt, abgerufen am 5. April 2020. Wöllt’s wiss’n, wer i bin? Schaut’s na mein Diandl an! Da Moah in Stoankölla Da Winta A Bua ohni Schneid is koan’ Dirndl a Freud., abgerufen am 5. April 2020. Beim Kühhalt’n., abgerufen am 5. April 2020.

Literatur Werchota, Frl. Anna. In: Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Band 2. Verlag Carl Pataky, Berlin 1898 WERCHOTA, Anna. In: Elisabeth Friedrichs: Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Band 9. 1981, S. 333. Marianne Baumgartner: Der Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen in Wien (1885–1938), Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2015, diverse Seiten Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 3518.

Weblinks

Anna „Nandl“ Werchota im Verzeichnis der künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturpolitischen Nachlässe in Österreich Anna „Nandl“ Werchota im Personenlexikon des Verzeichnisses der künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturpolitischen Nachlässe in Österreich Foto von Anna Werchota: , abgerufen am 5. April 2020

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