Die Mecklenburgische und Pommersche Bibelgesellschaft wurde am 26. September 2013 im Niederdeutschen Bibelzentrum in Barth gegründet. Sie entstand durch Fusion der Mecklenburgischen (gegr. 1868) und der Pommerschen Bibelgesellschaft (gegr. 2004) zu einer Bibelgesellschaft für das Land Mecklenburg-Vorpommern. Sitz der gemeinsamen Bibelgesellschaft ist Barth. Sie ist an der Vollversammlung der Deutschen Bibelgesellschaft beteiligt.https://www.die-bibel.de/ueber-uns/regionale-bibelgesellschaften/

Grundlegendes Die Klammer der beiden bisher selbständigen Bibelgesellschaften in Mecklenburg-Vorpommern war das Bibelzentrum in Barth, der Schüler-Bibelwettbewerb und weitere gemeinsame Aktionen. Mit dem Zusammengehen wurde Kraft gewonnen, Menschen in vielfältiger Weise einen Zugang zur Bibel zu verschaffen.

Die „Mecklenburgische und Pommersche Bibelgesellschaft“ fördert vor allem die Arbeit im Barther Bibelzentrum, dessen Trägerschaft inzwischen die Nordkirche übernommen hat. Die Angebote im Bibelinfocenter in Schwerin werden weiterhin von der gemeinsamen Bibelgesellschaft verantwortet.Ostsee-Zeitung vom 30. September 2013

Geschichte 18. Jahrhundert Ehe mit der Cansteinschen Bibelanstalt 1710 die erste Bibelgesellschaft weltweit gegründet wurde, besorgte Heinrich Becker (1662–1720), Pastor an der Jakobikirche in Rostock, 1702 eine billige Bibelausgabe, die für 17 Schilling zu Tausenden vertrieben wurde.Gerhard Voß: Das Bibelwerk in Mecklenburg, sein Ursprung und seine Entwicklung, in: „Die Bibel in der Welt“, Band 11. Jahrbuch des Verbandes der evangelischen Bibelgesellschaften in Deutschland, Witten und Berlin 1968, S. 79–93, hier S. 82.

19. Jahrhundert Im Mai 1814 korrespondierte der fromme und pietistisch gesinnte Gustav Friedrich Anton von Mevius (1747–1837) aus Schwedisch-Pommern mit der British and Foreign Bible Society (BFBS) in London wegen des Bibelbedarfs im Lande. Der ursprüngliche Plan einer gemeinsamen Bibelgesellschaft für Mecklenburg und Schwedisch-Pommern zerschlug sich. Es kam zu getrennten Gründungen in Schwerin, Rostock, Stralsund und Stettin.

Gründung der ersten mecklenburgischen Bibelgesellschaften Frühe mecklenburgische Bibelgesellschaften bildeten sich im Bereich Mecklenburg-Schwerin 1816 in Schwerin und Rostock sowie 1826 in Wismar, wo sich der Hilfsverein der Schweriner Bibelgesellschaft in eine eigene Bibelgesellschaft umwandelte; im Bereich Mecklenburg-Strelitz 1817 in Neustrelitz und 1820 in Neubrandenburg. Um die Jahrhundertmitte folgten die Bibelgesellschaften in Marihn 1851 und Rattey 1852, die beide von erweckten Mitgliedern der Familie von Oertzen gestiftet wurden.

Die Ratteyer beerbte die 1842 vergeblich wiederbelebte Mecklenburg-Strelitzsche Bibelgesellschaft und wurde unter Beibehaltung ihres Namens zu einer Bibelgesellschaft für das ganze Strelitzer Großherzogtum mit Ausnahme des Fürstentums Ratzeburg erweitert, für das bereits die 1818 gestiftete vereinigte „Bibelgesellschaft für das Herzogthum Sachsen-Lauenburg und das Fürstenthum Ratzeburg“ existierte.

Größere Bedeutung erlangten die Schweriner, die Rostocker, die Marihner und die Ratteyer Bibelgesellschaft, während die Mecklenburg-Strelitzsche und die Neubrandenburger Bibelgesellschaft kaum über ihre Anfänge hinauskamen.

Die Schweriner Bibelgesellschaft wurde am 9. Januar 1816 gegründet. Ziel war es, das „Buch der Bücher“ in Luthers deutscher Übersetzung möglichst preisgünstig zu vertreiben. Unterstützt wurde sie hierbei von der BFBS. Ihr Sekretär Ebenezer Henderson (1784–1858) besuchte noch im selben Jahr die neu gegründete Gesellschaft und gab den Anstoß zu weiteren Bibelgesellschaften.

In der Schweriner Bibelgesellschaft amtierten als Präsident Oberhofmarschall Bernhard Joachim von Bülow, als Direktor Regierungsrat Friedrich August von RudloffEr folgte dem durch Suizid am 3. März 1816 aus dem Leben geschiedenen Gründer Hauptmann Gustav Carl von Mecklenburg., als Vizepräsident Superintendent Ackermann, als Sekretär Pastor Studemund, als Bibliothekar Pastor Erbe. Das entsprach den Gepflogenheiten der meisten anderen Bibelgesellschaften, die sich gerne mit prominenten Namen an ihrer Spitze schmückten.Wurm 2004, S. 105 f.

Nach einer kurzen Visite in Ratzeburg, wo er erfolgreich die Gründung der Lauenburg-Ratzeburgischen Bibelgesellschaft angestoßen hatte, reiste Mitte August 1816 Rev. Ebenezer Henderson nach Schwerin, wo er von Vize-Präsident Ackermann freundlich empfangen und ihm der Dank für die großzügige Unterstützung durch die Londoner Mutter abgestattet wurde. Anschließend traf er sich mit Präsident Rudloff und Sekretär Studemund jun., denen er vom Fortgang der weltweiten Bibelverbreitung berichtete. Hauptzweck seines Besuchs war es vorzufühlen, wie man in Schwerin zu dem Plan der Gründung einer Bibelgesellschaft in Rostock stünde.

Ausgestattet mit dem Einverständnis der Schweriner Direktoren sowie einer Empfehlung des Superintendenten Ackermann begab sich Henderson nach Rostock, wo er vom Pastor von St. Petri D. Johann Bernhard Krey beim Ministerium, einigen Professoren und anderen der Sache wohl gesinnten „Gentlemen“ eingeführt wurde.

Am 30. August 1816 wurde im Pfarrhaus von St. Jakobi „von 14 Freunden der Beförderung biblischer Lectüre“ die neue Bibelgesellschaft ins Leben gerufen, welche bereits am 13. September großherzoglich bestätigt wurde.

Die Administration der neuen Gesellschaft bestand aus vier Direktoren, von denen einer den Präses stellte, einem Sekretär, einem Kassierer und einem Bibliothekar. Zu Direktoren wurden gewählt Kammerherr Peter Baron von Forstner, Justizrat Christian Carl Friedrich Wilhelm Baron von Nettelbladt, der zuvor Mitglied der Schweriner Gesellschaft gewesen war, Propst M. Johann Georg Becker, Pastor an St. Marien, und der junge M. Carl Genzken, der sich das kärgliche Einkommen eines Diakons an St. Nikolai als Privatdozent für Philosophie aufbesserte. Präses wurde Direktor von Forstner. Pastor M. Georg Detharding jun. von St. Jakobi übernahm das Amt des Bibliothekars, während Pastor Friedrich Crull jun. aus Bentwisch in Personalunion die Ämter des Sekretärs und des Kassierers wahrnahm.

Mit ihrer endgültigen Verabschiedung der Satzung am 31. März 1817 trat ein weiterer Sekretärsposten hinzu, indem zwischen einem korrespondierenden und einem protokollierenden Sekretär unterschieden wurde. Das Präsidium wechselte halbjährig. Im Gegensatz zu den Statuten der Schweriner Gesellschaft, die dieses Amt erst nachträglich einführte, findet sich in den Rostocker Statuten auch eine nähere Beschreibung der Aufgaben des Präsidenten. Danach war die Gesellschaft ganz im Stil der zeittypischen Kollegialbehörde verfasst.

Mit den ersten beiden mecklenburgischen Bibelgesellschaften liegen zwei verschiedene Typen von Bibelgesellschaftsgründungen vor: erstens Schwerin als eine Gründung aus privater Initiative, auf Anstoß einer Einzelperson, wenn auch im Kontakt zur BFBS. Schwerin gehört damit in eine Reihe mit Iserlohn, Wernigerode und Schleswig. Und zweitens Rostock als eine der vielen von London aus angestoßenen, aber vor Ort noch mit einem hohen Maß an privater Initiative errichteten Gesellschaften. Einen dritten Typus stellt die obrigkeitliche Gründung dar, die mit der dritten mecklenburgischen Bibelgesellschaft, der 1817 in Neustrelitz gestifteten Mecklenburg-Strelitzschen gegeben ist. Auch sie ging auf die Initiative Rev. Hendersons zurück, der von Rostock über Barth nach Neustrelitz weitergereist war, und dort in Konsistorialrat D. Andreas Glaser einen der Sache aufgeschlossenen Ansprechpartner fand.Wurm 2004, S. 108 ff.

Die wertvolle Bibliothek der Rostocker Bibelgesellschaft, die zahlreiche Bibelübersetzungen der BFBS enthielt, wurde 1829 größtenteils (50 Bücher) an die Universitätsbibliothek Rostock verschenkt.

Die Marihner wurde 1868 mit der Mecklenburg-Schwerinschen Bibelgesellschaft vereinigt, die gleichzeitig dem 1850 gegründeten Oberkirchenrat unterstellt wurde.

Bibelgesellschaft für Pommern und Rügen Nach der im Oktober 1815 erfolgten Eingliederung Schwedisch-Pommerns in Pommern wurde am 23. Januar 1816 in Stralsund die „Bibelgesellschaft für Pommern und Rügen“ gegründet. Zur näheren Einrichtung und ferneren Verwaltung der Geschäfte konstituierte sich mit der Stiftung ein Engerer Ausschuss. Mit Ausnahme des Präsidenten, des Generals und Kommandeurs Moritz von Dycke auf Losentitz, stammten alles Ausschussmitglieder aus Stralsund. Als Vizepräsident fungierte der Bürgermeister David Lucas Kühl, die sechs Direktoren waren Archidiakon Friedrich Bernhard Droysen, der gelehrte Jacobi-Pastor Gottlieb C. F. Mohnike, Ratssyndikus Arnold Brandenburg, Ratsherr Carl Wilhelm Groskurd, Schlosshauptmann Carl von Westrell sowie Kommerzienrat Johann Heinrich Israel. Als Sekretäre traten die Diakone Friedrich Kahlow und Friedrich Furchau auf, der Johannis-Pastor Ernst Christoph Schultz bekleidete das Amt des Bibliothekars, und der Kaufmann Christian Banck war Kassenführer. Gustav F. A. von Mevius, der der eigentliche Initiator der Bibelgesellschaft war, hielt sich aufgrund seines Alters von fast 70 Jahren im Hintergrund. 1818 war die Zahl der Direktoren auf acht angewachsen. Mit Knopfmacher-Ältermann Bienengräber und Glasermeister Stademann d. J. hatten auch zwei Handwerker Zutritt in den Ausschuss gefunden.

Am 29. Juni 1816 übersandten Vizepräsident Kühl und Sekretär Kahlow die Statuten der Bibelgesellschaft als Beleg an die British and Foreign Bible Society und baten um Auszahlung der zugesagten Unterstützung über 100 £ Sterling. Die Überweisung erfolgte über den Vertrauensmann der BFBS in Altona, den Kaufmann Gilbert van der Smissen.

Der Kontakt zur BFBS war aber auch persönlicher Natur. Von der Gründung der Rostocker Bibelgesellschaft kommend reiste am 31. August 1816 Agent Rev. Ebenezer Henderson nach Barth, wo er von Mevius „unter Bezeugung größter Affektion“ in seinem Haus empfangen wurde und drei Tage verbrachte. In seinen Briefen an den Auslandssekretär der BFBS Carl Steinkopf, vom 2. September aus Barth und 23. September aus Berlin, betonte der Agent, der Anstoß zur Gründung der Bibelgesellschaft in Pommern sei von Barth ausgegangen, und die „Bibelgesellschaft für Pommern und Rügen“ schulde ihre Existenz und ihren Wohlstand wesentlich „dem inbrünstigen Eifer und der unermüdlichen Aktivität von Mevius‘“.Johann Peter Wurm: Die Gründung der Bibelgesellschaft ..., 2017, S. 155.

Henderson wohnte am 4. September in Mevius‘ Haus der Bildung des „Hilfsbibelcommittee für die Stadt und den Kirchenkreis Barth“ bei. Zweck des Barther Hilfsvereins sollte es sein, mit dem Zentralkomitee in Stralsund zu kooperieren und dessen Absicht mit größtmöglicher Wirksamkeit im eigenen Sprengel umzusetzen. Zu Vorstehern wurden bestimmt Superintendent Johann Elias Werner und Pastor Georg Friedrich August Sparmann in Kenz. Von Mevius und Rektor Andreas Masius beschränkten sich auf die Ämter der Sekretäre. Pastor Johann Caspar Andreas Dohrn übernahm das Amt des Bibliothekars und der Kaufmann Johann Nicolaus Rodbertus die Kassenführung.

Henderson reiste weiter nach Rügen, wo er ursprünglich ebenfalls beabsichtigt hatte, einen Hilfsverein ins Leben zu rufen. Um nicht dem Engeren Ausschuss in Stralsund vorzugreifen, beschränkte er sich darauf, die wichtigsten Geistlichen auf der Insel zu besuchen. Zur Bildung einer eigenen Rügischen Abteilung der Bibelgesellschaft kam es erst einige Jahre später.

Am 1. November 1816 kam es auch in Greifswald zur Stiftung eines Bibelgesellschaftskomitees. Direktoren waren hier der Philosophieprofessor Friedrich Muhrbeck sowie die beiden Lehrer an der großen Stadtschule, Hoefer und Wellmann. Als Sekretär fungierte Theologieprofessor Friedrich Wilhelm von Schubert.