Die COVID-19-Pandemie tritt in Sachsen-Anhalt seit 2020 als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie und im Besonderen der COVID-19-Pandemie in Deutschland auf. Die Pandemie betrifft die neuartige Erkrankung COVID-19. Diese wird durch das Virus SARS-CoV-2 aus der Gruppe der Coronaviridae verursacht und gehört in die Gruppe der Atemwegserkrankungen.

Allgemeiner Verlauf Am 10. März 2020 wurde vom Robert Koch-Institut die erste SARS-CoV-2-Infektion in Sachsen-Anhalt – als letztem deutschen Bundesland – bestätigt. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als weltweite Pandemie ein.

In Sachsen-Anhalt blieben die Auswirkungen der Pandemie im Vergleich zu den meisten anderen Bundesländern lange Zeit stark unterdurchschnittlich. Am 1. Oktober 2020 gab es mit 2.654 Infektionsfällen und 79 Todesfällen nur in Mecklenburg-Vorpommern weniger Infektionen und Todesfälle auf 100.000 Einwohner. Allerdings traten bereits im Oktober 2020 genauso viele Neuinfektionen auf wie bis dahin insgesamt seit Pandemiebeginn. Im November 2020 verdoppelte sich die Gesamtfallzahl erneut, zudem stiegen die Todeszahlen nun stark an. Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug seit Dezember 2020 häufig über 100. Binnen weniger Wochen starben kurz darauf mehr als 1.000 Menschen, wobei teils über 60 Tote am Tag registriert wurden.

Bis zum 2. Januar 2021 war die Fallzahl auf 30.708 angestiegen, was aber umgerechnet auf 100.000 Einwohnern noch immer weit unter dem Bundesdurchschnitt lag und nur von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein unterboten wurde. Der Wert der Toten auf 100.000 Einwohner überstieg allerdings bereits am 23. Januar 2021 den Bundesdurchschnitt und war seit dem 2. Februar 2021 der vierthöchste in Deutschland. Immer wieder befanden sich Kreise aus Sachsen-Anhalt unter denen mit der höchsten 7-Tage-Inzidenz bundesweit. Anfang Mai 2021 waren – auch verursacht durch die Verbreitung der ansteckenderen SARS-CoV-2-Variante Alpha – bereits mehr als 3.000 Menschen aufgrund der Pandemie verstorben und Sachsen-Anhalt lag bei den Toten pro 100.000 Einwohner mit einem Wert von 141 – zusammen mit Brandenburg – auf Platz 3 der am schwersten betroffenen Bundesländer.

Im Sommer 2021 sank die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle allmählich ab. Die 7-Tage-Inzidenz betrug Anfang Juli 2021 nur noch 1,0. Mit der Ausbreitung der SARS-CoV-2-Variante Delta kam es aber ab September wieder zu einem Anstieg und während in der dritten Septemberwoche die Inzidenzzahlen in einigen westlichen Bundesländern deutlich sanken – in NRW und Rheinland-Pfalz um über 20 % – stiegen sie in den östlichen Bundesländern, wo die Impfquoten deutlich niedriger waren, weiter deutlich an. Obwohl die Zahl der Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt lag, blieb Sachsen-Anhalt nun dauerhaft bei den Todeszahlen pro 100.000 Einwohner unter den drei am schwersten betroffenen Bundesländern Deutschlands. Durch einen extremen Anstieg der 7-Tage-Inzidenz im Verlauf des Monats November, in dem einzelne Kreise eine Inzidenz von über 1.000 meldeten, überstieg schließlich Ende November 2021 auch die Zahl der Infektionsfälle pro 100.000 Einwohner den Bundesdurchschnitt, und wurde nur noch von wenigen süd- und ostdeutschen Bundesländern übertroffen, die zudem teils noch wesentlich höhere 7-Tage-Inzidenzen meldeten.

In der Wintersaison 2021/2022 nahm das Infektionsgeschehen deutlich zu. Allerdings gab es nun deutlich weniger Hospitalisierungen und weniger Tote gerade auch in Relation zu den hohen Infektionszahlen. Binnen zwei Monaten – zwischen Anfang November 2021 und Anfang Januar 2022 – wurde bei mehr Menschen in Sachsen-Anhalt Covid-19 nachgewiesen als bis dahin insgesamt. Danach stiegen die Zahlen auf noch höhere Werte an, so dass allein im März 2022 so viele Fälle registriert wurden wie in den ersten anderthalb Jahren der Pandemie insgesamt. Der viertausendste Covid-19-Tote wurde Mitte Dezember gemeldet, der 5000. Tote Ende März 2022. In Sachsen-Anhalt haben sich von Anfang März 2020 bis 20. Juni 2022 33.454 pro 100.000 Einwohner infiziert. Dieser Wert lag über dem bundesdeutschen Durchschnitt (32.724) und wurde nur von vier anderen Bundesländern übertroffen. Bei den Toten pro 100.000 Einwohner seit Pandemiebeginn lag der Wert (247) nur in zwei anderen Bundesländern höher (Thüringen 346, Sachsen 384), der Bundesdurchschnitt bei 169.

Statistik Tabellarische Kurzfassung des Verlaufs 2020

Datum Gesamt-fallzahl Todesfälle 7-Tage-Inzidenz Quelle 01.03.20 0 0 0 10.03.20 8 0 o. A. Pressemitteilung des Landes 01.04.20 776 8 o. A. Pressemitteilung des Landes 01.05.20 1.572 44 o. A. Pressemitteilung des Landes 02.06.20 1.708 55 o. A. Pressemitteilung des Landes 15.06.20 1.772 57 o. A. Pressemitteilung des Landes 14.07.20 1.923 62 o. A. Pressemitteilung des Landes 03.08.20 2.036 64 o. A. Pressemitteilung des Landes 01.09.20 2.253 65 o. A. Pressemitteilung des Landes 01.10.20 2.694 68 o. A. Pressemitteilung des Landes 01.11.20 5.338 81 57,41 Pressemitteilung des Landes 01.12.20 12.828 181 102,79 Pressemitteilung des Landes

Tabellarische Kurzfassung des Verlaufs 2021

Datum Gesamt-fallzahl Todesfälle 7-Tage-Inzidenz Erst-impfungen Zweit-impfungen Quelle 01.01.21 31.041 679 185,71 ca. 0,5 %Lediglich die absolute Zahl (11.146) angegeben. Im Februar entsprachen 50.049 Impfungen 2,28 Prozent, also entsprechen 11.146 ungefähr 0,51 Prozent. 0,0 % Pressemitteilung des Landes 01.02.21 52.584 1.797 167,49 2,28 % 0,92 % Pressemitteilung des Landes 01.03.21 61.062 2.454 97,37 4,44 % 2,39 % Pressemitteilung des Landes 01.04.21 74.060 2.754 175,14 11,98 % 4,53 % Pressemitteilung des Landes 01.05.21 90.989 3.094 168,9 28,1 % 7,4 % Pressemitteilungen des Landes 01.06.21 98.458 3.323 29,3 40,5 % 17,7 % Pressemitteilungen des Landes 01.07.21 99.238 3.428 1,0 52,2 % 35,7 % Pressemitteilung des Landes 03.08.21 99.502 3.454 6,1 57,4 % 50,6 % Pressemitteilung des Landes 01.09.21 100.809 3.492 16,9 60,9 % 57,8 % Pressemitteilung des Landes 01.10.21 104.227 3.538 42,1 63,5 % 61,1 % Pressemitteilung des Landes 01.11.21 112.250 3.581 121,7 64,6 % 63,0 % Pressemitteilung des Landes 01.12.21 158.709 3.806 692,4 67,1 % 65,1 % Pressemitteilung des Landes

Tabellarische Kurzfassung des Verlaufs 2022

Datum Gesamt-fallzahl Todesfälle 7-Tage-Inzidenz Erst-impfungen Zweit-impfungen Dritt-impfungen Quelle 03.01.22 226.782 4.278 289,7 69,7 % 68,0 % 33,4 % Pressemitteilung des Landes 01.02.22 269.115 4.597 835,0 71,2 % 71,0 % 47,3 % Pressemitteilung des Landes 01.03.22 412.427 4.754 1.816,0 72,6 % 71,7 % 52,3 % Pressemitteilung des Landes 01.04.22 609.580 5.008 1.648,4 73,2 % 72,0 % 54,2 % Pressemitteilung des Landes 02.05.22 691.695 5.254 559,0 73,8 % 73,2 % 55,0 % Pressemitteilung des Landes 01.06.22 717.366 5.354 111,4 73,8 % 73,3 % 55,5 % Pressemitteilung des Landes 01.07.22 746.026 5.411 430,4 x x x Lagebericht des RKI 01.08.22 791.387 5.481 427,3 x x x Lagebericht des RKI 01.09.22 820.803 5.649 191,1 x x x Lagebericht des RKI 04.10.22 848.101 5.721 341,8 x x x Lagebericht des RKI 01.11.22 902.073 5.842 307,1 x x x Lagebericht des RKI 01.12.22 926.111 6.046 242,7 x x x Lagebericht des RKI

Tabellarische Kurzfassung des Verlaufs 2023

Datum Gesamt-fallzahl Todesfälle 7-Tage-Inzidenz Erst-impfungen Zweit-impfungen Dritt-impfungen Quelle 02.01.23 945.959 6.127 121,7 x x x Lagebericht des RKI 01.02.23 953.639 6.228 60,1 x x x Lagebericht des RKI 01.03.23 959.479 6.269 67,1 x x x Lagebericht des RKI 03.04.23 964.443 6.338 36,3 x x x Lagebericht des RKI 21.04.23 965.855 6.380 18,1 x x x Lagebericht des RKI

Übersterblichkeit 2020 Die Übersterblichkeit im Jahr 2020 betrug in Sachsen-Anhalt 4 Prozent. Zum Anfang des Jahres war sie noch hinter den Vorjahren zurückgeblieben, stieg aber insbesondere zum Ende des Jahres stark an, lag im Oktober 2020 bei 7 Prozent und im November bei 6 Prozent, im Dezember aber bei 31 Prozent und in der 52. Kalenderwoche sogar bei 46 Prozent. Bei einzelnen älteren Personengruppen und in einzelnen Kreisen war sie noch höher. Den höchsten Wert registrierte der Landkreis Stendal in der 52. Kalenderwoche, in der 163 Prozent mehr Menschen starben als im selben Zeitraum in den Vorjahren. Im Dezember 2020 waren 18,3 Prozent aller Todesfälle in Sachsen-Anhalt einer Covid-19-Infektion zuzuschreiben. Es war damit in diesem Monat mit 703 Fällen die dritthäufigste Todesart nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen (1.331 Tote) und Krebs (716). Zirka 78 Prozent aller Covid-19-Toten des Jahres 2020 verstarben demnach im Dezember (703 von 897).Am 1. Dezember 2021 hatte man die Gesamt-Todeszahl mit 181 angegeben (, 1. Dezember 2020, Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, abgerufen am 8. Juli 2021). Einige der Nachträge betrafen somit auch die vorhergehenden Monate, da diese Gesamtsumme zum 1. Dezember 2020 nun 194 (897 minus 703) beträgt, die Mehrzahl aber den Dezember selbst.

Übersterblichkeit 2021 Die Übersterblichkeit blieb im Januar 2021 in einigen Kreisen außerordentlich hoch. So starben im Landkreis Stendal in der 1. Kalenderwoche 90 Prozent mehr Menschen als in den Vorjahren. In der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau wurde hingegen eine Untersterblichkeit (−3 Prozent) registriert. Im Landesdurchschnitt betrug die Übersterblichkeit im Januar 40 Prozent. Auch in der 2. Kalenderwoche setzte sich dies fort, denn der Landesdurchschnitt lag um 48 Prozent höher, im Landkreis Mansfeld-Südharz betrug die Übersterblichkeit 76 Prozent. In der Landeshauptstadt Magdeburg hingegen nur ein Prozent. Erstmals war nun COVID-19 die Haupttodesursache in einer Woche in Sachsen-Anhalt und übertraf mit 30 Prozent aller Todesfälle sogar die Herz-Kreislauf-Erkrankungen (29 Prozent) und Krebs (16 Prozent).

In der zweiten Jahreshälfte lag die Übersterblichkeit in Sachsen-Anhalt erneut über dem zu erwartenden Wert. Für das gesamt Halbjahr bemessen lag der Wert sechs Prozent höher als entsprechend der Alterszusammensetzung zu erwarten.

Übersterblichkeit 2022 Im Jahr 2022 war die Übersterblichkeit nicht mehr so eindeutig einzelnen Faktoren zuzuordnen, da neben der Covid-19-Pandemie auch Hitze und Grippe eine Rolle spielten. Dennoch blieb die Pandemie eine der Haupt-Todesursachen und in etlichen Wochen nachweislicher Hauptfaktor für überdurchschnittliche Todeszahlen.

Diagramme Infektionsfälle bis Ende Mai 2021 Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Sachsen-AnhaltHier sind Fälle aufgelistet, die dem RKI über den Meldeweg oder offizielle Quellen mitgeteilt wurden. Da es sich um eine sehr dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen oder Verzögerungen zwischen den RKI-Fällen und Angaben anderer Stellen, etwa der betroffenen Bundesländer oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO), kommen.(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Bestätigte Infektionen (neue Fälle) in Sachsen-Anhalt(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Zahl der neu bekannten Infektionen der letzten 7 Tage bezogen auf 100.000 Einwohner. (7-Tage-Inzidenz)

Diagramme Todesfälle bis Ende Mai 2021 Bestätigte Todesfälle (kumuliert) in Sachsen-Anhalt(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Bestätigte Todesfälle (täglich) in Sachsen-Anhalt(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Anmerkungen

Nachkorrektur 2020