mini|Das Einfahrtstor des Pferdezentrums Stadl-Paura Das Pferdezentrum Stadl-Paura (ÖPZ) ist eine über 200 Jahre alte, denkmalgeschützte Pferdesportanlage in Stadl-Paura und war einst k. u. k. Hengstendepot und Bundesanstalt. Die Schwerpunkte des 24 Hektar großen Betriebes sind die Ausbildung von Pferden, Reitern und Fahrern sowie die Organisation und Abwicklung von Veranstaltungen, Kursen, Lehrgängen, Hengst- und Stutleistungsprüfungen, Veranlagungsprüfungen, Turnieren, Zuchtveranstaltungen wie Championate, Stutbuchaufnahmen und Körungen aller Pferderassen und Events außerhalb des Pferdebereichs. 1998 wurde das Pferdezentrum Stadl-Paura privatisiert. Der ehemals staatliche Betrieb wird seither von einer Betreiber-Gesellschaft (GmbH) geführt. Umfangreiche Investitionen wurden 2019 und 2020 in das Areal (Reitflächen, Gastronomie, Kurs- und Seminarzentrum) und deren Instandhaltung getätigt, sodass inmitten des historischen Ambientes auch moderne Infrastruktur vorzufinden ist.
Geschichte mini|Das neue Veranstaltungszentrum – und ehemalige Kaserne – des Pferdezentrums Stadl-Paura Die Geschichte des Pferdezentrums Stadl-Paura reicht über 200 Jahre zurück. Die ältesten Gebäude im ehemaligen k. u. k. Hengstendepots wurden im Jahr 1807 für die Salzsschifffahrt entlang der Traun errichtet. Damals zogen Pferde im sogenannten „Gegenzug“ die Salzschiffe an der Traun flussaufwärts. Die Stallungen der k. u. k.-Traunzugsregie mit dem zugehörigen Verwaltungs-, Mayr,- und Schmiedehaus wurden für die Unterbringung dieser Pferde errichtet.
k. u. k. Staatshengstdepot Stadl Im Jahr 1826 kam es zur Gründung des kaiserlich-königlichen Hengstendepots. Als offizielles Gründungsdatum des Hengstendepots gilt der 17. September 1826, wobei der Vollbetrieb erst im Jahre 1827 aufgenommen wurde.
Im Militär-Schematismus des österreichischen Kaiserthumes von 1858 wird das Beschäl- und Remontirungs-Commando Für Nieder- und Ober-Oesterreich, Salzburg und Tirol, zu Stadl bei Lambach genannt,Militär-Schematismus des österreichischen Kaiserthumes 1858, Österreichisches Staatsarchiv im Schematismus von 1860–1861 heißt es Militär-Hengsten-Depot Für Nieder- und Ober-Oesterreich, Salzburg und Tirol, zu Stadl bei LambachMilitär-Schematismus des österreichischen Kaiserthumes 1860-1861, Österreichisches Staatsarchiv und ab 1869 wird es unter k. k. Staats-Hengsten Depot für Nieder- und Ober-Oesterreich, Salzburg und Tirol, zu Stadl bei Lambach geführt.Kais. Königl. Militär-Schematismus 1869/1870, Österreichisches Staatsarchiv Bis zum Ersten Weltkrieg galt das besondere Interesse des k. u. k. Hengstdepots in Stadl-Paura der Noriker-, Haflinger-, Warmblut- und der Vollblutzucht. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 wurde es als 'Bundeshengstenstallamt Stadl-Paura' dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft unterstellt. In den folgenden Jahrzehnten diente Stadl-Paura der Zucht des norischen Kaltblutpferdes, des schweren Warmblutpferdes, vornehmlich auf Oldenburger Grundlage und des Haflingers.
Durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 wurde das Bundeshengstenstallamt als 'Landgestüt' dem Reichsministerium für Landwirtschaft direkt in Berlin unterstellt. Der Bestand an staatlichen Zuchthengsten, der sich zum Teil in Privatpflege befand, zählte 1939 etwa 560 Beschäler. In den folgenden Jahren kamen zahlreiche Hengste aus Norddeutschland und Bayern hinzu, die meistens der Oldenburgerrasse angehörten. Die Gestütsdienste wurden bis zum Kriegsende von 135 Gestütsangestellten wahrgenommen. Ein massiver Schrumpfungsprozess in der Pferdezucht brachte erhebliche Einschnitte beim Personal- und Hengstbestand in Stadl-Paura. Im Jahr 1950 wurde noch die 'neue Schmiede' erbaut. Ihre Einrichtung stellte den letzten baulichen Eingriff in die Anlage bis 1999 dar.
Ebenso wie in Deutschland entwickelte sich die Tendenz zum Sport- und Freizeitpferd. Die einheitliche Zucht eines dafür geeigneten Reitpferdes war aber nicht vorhanden, denn die alten Zuchtstämme der einstmals so berühmten Halbblutpferde der Donaumonarchie waren, falls sie überhaupt noch existierten, in alle Winde zerstreut. Eine der Aufgaben Stadl-Pauras war es, die altösterreichischen Stämme Furioso, Nonius, Przedswit, Gidran und Shagya zu erfassen und neuerlich der Zucht zuzuführen. Gleichzeitig wurden qualitätsvolle Warmbluthengste in der BRD angekauft.
Bei der Bestattung von Zita von Bourbon-Parma am 1. April 1989 in Wien stellte das damalige Bundesgestüt Stadl-Paura sechs schwarze Zugpferde für den kaiserlichen Hofleichenwagen, als Kutscher fungierte bei diesem Anlass der Bundesgestüt-Oberoffizial Johann Steininger.
Im Jahre 1997 wurde die Bundesanstalt für Pferdezucht ausgegliedert und an das Land Oberösterreich (51 %) und den Landesverband der Pferdezüchter Oberösterreichs verkauft (49 %). Am 1. Januar 1998 erfolgte die Übergabe des Hengstdepots an die neuen Besitzer. Am 31. März 1998 wurde die 'Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH' mit den einzelnen Landeszuchtverbänden als Gesellschafter gegründet. Am 1. Oktober 1999 wurde die neue Veranstaltungshalle, 2011 der neue Ausbildungsstall eröffnet. Am 1. Oktober 2015 wurde die gesamte Anlage an die Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH mit 16 Gesellschaftern verpachtet.
Anlage unter Denkmalschutz
Ein Großteil der Gebäude auf dem 24 Hektar großen Areal des Pferdezentrums Stadl-Paura stehen unter Denkmalschutz (). Dazu zählen der historische Vierkanter, das alte Offiziershaus, der ehemalige Burschentrakt und die alte Kaserne.
Betrieb Das Österreichische Pferdezentrum Stadl-Paura versteht sich als Kompetenzzentrum für Pferdezucht, Pferdesport sowie Ausbildung von Pferd und Mensch. Das ÖPZ erfüllt dabei Dienstleistungen in den Bereichen:
Zucht: Die bundesländer-übergreifende Selektion in der Zucht bei Fohlenchampionaten, Stutbuchaufnahmen, Hengstkörungen sowie Reitpferde- und Leistungsprüfungen.
Sport: Im Pferdezentrum Stadl-Paura werden nationale und internationale Turniere, Kurse und Seminare für alle Disziplinen des Pferdesports veranstaltet. Der Großteil der Disziplinen ist ganzjährig durchführbar.
Bildung: Besuchern wird im Pferdezentrum Stadl-Paura der Stellenwert des Pferdes in der Gesellschaft vermittelt, ebenso die Einsatzbereiche wie Freizeit, Therapie und vieles mehr. Die Ausbildung von Pferden geht Hand in Hand mit der Weiterbildung für Reiter und Fahrer.
Kultur und Tourismus: das Pferdezentrum Stadl-Paura sieht sich als Kulturträger Österreichs. In dieser Zeit wandelte sich das Pferd vom Kriegs- und Arbeitstier zum Freizeit- und Sportpartner.
Betriebsform Seit der Privatisierung im Jahr 1998 wird das Pferdezentrum Stadl-Paura von einer Betreiber-Gesellschaft (GmbH) geführt. Es liegt im gesamtstaatlichen Interesse, die Pferdezucht, den Pferdesport und das Pferdewesen auf nationaler Ebene zu koordinieren und zu fördern. Aus diesem Grunde wurde mit der Unterstützung von Pferdezuchtorganisationen Österreichs 1998 eine Betreibergesellschaft zu Erhaltung und Weiterentwicklung des Österreichischen Pferdezentrum Stadl-Paura gegründet. 2008 kam der Österreichische Pferdesportverband als wesentlicher Gesellschafter dazu.
Gesellschafter der Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH Die Pferdezentrum Stadl-Paura GesmbH hat folgende Gesellschafter (Stand 1. Januar 2020):
Landwirtschaftskammer Oberösterreich Landesverband der Pferdezüchter Oberösterreichs Zentrale Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Pferdezüchter Österreichischer Pferdesportverband Verband Niederösterreichischer Pferdezüchter Landespferdezuchtverband Steiermark Landespferdezuchtverband Kärnten Landespferdezuchtverband Salzburg Landwirtschaftskammer Burgenland Verband der Haflingerpferdezüchter Salzburg Verein der Warmblutpferdezüchter des Landes Salzburg Verein der Warmblutpferdezüchter des Landes Tirol Österreichischer Araber-Zuchtverband Vorarlberger Pferdezuchtverband Tiroler Noriker-Pferdezuchtverband Reitclub Pferdezentrum Stadl-Paura
Geschäftsführer Geschäftsführung der Pferdezentrum Stadl-Paura GmbH:
1998 bis 2000: Karl Bauer 2000 bis 2004: Johann Entenfellner 2004 bis 2012: Andrea Holzleithner 2012 bis 2015: Wolfgang Schürrer 2015 bis 2017: Karl Platzer seit 1. Jänner 2018: Johannes Mayrhofer
Betriebe und Dienstleister im Pferdezentrum Stadl-Paura Auf dem Areal sind nicht nur mehrere Dienstleister und Betriebe stationiert, sondern auch Institutionen haben ihren Sitz im Pferdezentrum Stadl-Paura.
Organisationen mit ihrem Sitz im Pferdezentrum Stadl-Paura (Stand 1. Januar 2020):
Generalsekretariat der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Pferdezüchter (ZAP) Landesverband der Pferdezüchter Oberösterreichs (Zuchtverband Stadl-Paura) Die Bundesorganisationen der Pferderassen: Arbeitsgemeinschaft der Haflingerzüchter Österreichs (ARGE Haflinger) Arbeitsgemeinschaft der Norikerzüchter Österreichs (ARGE Noriker) Arbeitsgemeinschaft für Warmblutzucht in Österreich (AWÖ) Arbeitsgemeinschaft der Zuchtverbände überregional (ARGE Überregional) Verband der Vollblutaraber Österreich (VVÖ)
Die Ländlichen Reiter & Fahrer Österreichs Reitclub Pferdezentrum Stadl-Paura Förderverein „Verein der Freunde des Pferdezentrums Stadl-Paura“ unter der Obmannschaft von Jakob Auer
Areal
Das Areal des Pferdezentrums Stadl-Paura umfasst im Gesamten 24 Hektar. Davon sind zwei Hektar Reitflächen (Reithallen und Außenplätze) und vier Hektar Gelände- & Marathonstrecke. 200 fixe Boxen sind verfügbar und ab 2021 soll es zusätzliche 250 fixe Pferdeboxen für Turniere, Kurse und Lehrgänge geben.
Altes Offiziershaus – Direktionsgebäude Im alten, direkt neben dem Einfahrtstor gelegenen Offiziershaus – auch „Offiziersstöckel“ genannt – befindet sich das Direktionsgebäude. Dort sind die Servicestelle und die Büros des Pferdezentrums sowie der verschiedenen, im ÖPZ befindlichen Institutionen.
Alte Kaserne und ehemaliger Burschentrakt – Wohnungen, Veranstaltungs- und Seminarzentrum In der ehemaligen Kaserne sind Wohnungen, die in erster Linie das Personal des ÖPZ nutzen. In der nebenbei gelegenen alten Kaserne waren 2016 die Räumlichkeiten der Landesausstellung zum Thema „Mensch & Pferd. Kult und Leidenschaft“. Diese wurden zum Seminar-, Kurs- und Veranstaltungszentrum umgebaut. Nicht nur Seminare, Lehrgänge, und Kurse können hier abgehalten werden, sondern auch Hochzeiten, Gemeindeveranstaltungen, Sitzungen, Firmenfeiern.
Alte Schmiede – Gebäude für Dienstleister
Angrenzend zur alten Kaserne und Burschentrakt ist die alte Schmiede. Diese Gebäude steht nun im ÖPZ ansässigen Dienstleistern – Geschäft für Reitsportzubehör im Erdgeschoß und Sattlerei im 1. Stock – zur Verfügung.
Neue Schmiede
In der neuen Schmiede übt Schmiedemeister Wilfried Wallner sein Handwerk aus. Dort wird einmal pro Jahr auch ein Schmiedekurs angeboten und Hufschmiede ausgebildet.
Historischer Vierkanter Zum Kernstück des ÖPZ zählt der denkmalgeschützte Vierkanter. In den Stallungen des Vierkanters sind 116 Pferdeboxen, Sattelkammern, Solarium, Waschboxen und Lagerplatz für Heu und Stroh. Inmitten des historischen Vierkanters ist eine Führanlage für die Pferde sowie mit Untergrund (Bodenmatten) und Sand befestigte Paddockflächen für den Auslauf.
Leistungsprüfungs- und Ausbildungsstall Der im westlichen Teil der Anlage gelegene Leistungsprüfungs- und Ausbildungsstall wurde 2011 fertig gestellt. Er wird von den Ausbildungsleitern im Reiten und Fahren geleitet und hat sein eigenes Bereiter- und Pferdepflegerteam. Der Stall zählt 37 Boxen, davon sind zwölf Paddockboxen. Zusätzlich gibt es die eigene Ausbildungshalle, eine überdachte Freiführanlage im Durchmesser von 19 Meter für sechs Pferde, ein Solarium, Waschplätze und größere Laufkoppeln.
Reit- und Fahrflächen Im ÖPZ stehen insgesamt sechs Hektar Reitflächen (Outdoor und Indoor) zur Verfügung. Dort findet das tägliche Training sowie Kurse und Wettkämpfe in verschiedenen Sparten des Pferdesports statt.
Outdoor
Paradeplatz