Lang lebe die Königin ist eine deutsche Tragikomödie von Richard Huber aus dem Jahr 2020, die im Auftrag und für Das Erste produziert wurde. Es handelt sich um den letzten Film „der großen Schauspielerin Hannelore Elsner“. In tragenden Rollen sind Marlene Morreis, Günther Maria Halmer, Matthias Kelle und Ole Puppe besetzt.

Elsners Kolleginnen Gisela Schneeberger, Judy Winter, Iris Berben, Eva Mattes und Hannelore Hoger übernahmen die Szenen, die die schwerkranke Schauspielerin nicht mehr selbst abdrehen konnte, um den Film fertigzustellen.

Handlung Die junge Verkaufssender-Moderatorin Nina Just bekommt von ihrer Mutter Rose, die mit ihrem Lebensgefährten Werner Wittich in einem Bauernhaus lebt, nicht die Anerkennung, die ihr so wichtig wäre und um die sie gekämpft hat, seit sie denken kann. Das Leben der jungen Frau gerät aus den Fugen, als ihre Mutter erneut an Krebs erkrankt und zum Überleben zeitnah eine Spenderniere benötigt. Werner erzählt Nina, dass Rose bereits eine ihrer Nieren aufgrund der Krankheit eingebüßt hat und nun die zweite Niere von Krebs befallen ist. Nina ist in dem Moment, als eine Nierenspende Thema ist, überfordert und erfindet eine Schwangerschaft. Später gibt sie ihrer Mutter gegenüber als Vater des angeblichen Kindes den Automechaniker Mike an, mit dem sie inzwischen ein Verhältnis eingegangen ist.

Rose erhält eine Spenderniere von Werner, der alles für sie tun würde. Die OP, die auch Werner trotz seines fortgeschrittenen Alters gut übersteht, lässt sich zunächst als Erfolg an. Rose spricht ihre Tochter in der nun folgenden Zeit immer wieder auf die Schwangerschaft an, obwohl sie weiß, dass diese erfunden ist. Dann jedoch kommt der Anruf, dass Roses Körper die Niere aufgrund einer Infektion abstößt. Dialyse und Chemotherapie sind die Folgen, mit denen Rose nun leben muss. Als sie wiederum ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, bittet sie Nina, die Erhöhung der Morphiumdosis an dem Gerät, an das sie angeschlossen ist, so hoch wie möglich einzustellen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als Nina meint, das könne sie nicht, erwidert ihre Mutter, doch, das könne sie, sie könne alles. Mit den Worten: „Die Königin ist tot, es lebe die Königin“ und einer Umarmung verabschiedet sie sich von ihrer Tochter.

Passend zu dem grünen Kleid, das Rose für ihren Tod ausgesucht hat, lackiert Nina gemäß der Bitte ihrer Mutter deren Fuß- und Fingernägel. Da Werner nicht dabei sein wollte, wenn sie im Sarg liegt, verstreut Nina auch die Asche ihrer Mutter im Fluss, wie von dieser gewünscht: allein auf einer Brücke stehend.

Produktion Produktionsnotizen, Hintergrund Lang lebe die Königin wurde unter dem Arbeitstitel Die Liebe ist ein Fluss in Preußen vom 12. März bis zum Drehabbruch am 12. April 2019 in München und Umgebung gedreht. Die Redaktion des von der Neuen Schönhauser Filmproduktion GmbH erstellten Filmes lag bei Claudia Simionescu (BR), Christine Strobl (ARD Degeto) und Klaus Lintschinger (ORF).

Die Hauptdarstellerin Hannelore Elsner, die die Rolle der eigensinnigen und schwerkranken Mutter Rose spielt, konnte die Dreharbeiten nicht abschließen, weil sie am 21. April 2019 ihrem Brustkrebsleiden erlag. Ende August 2019 wurde bekannt, dass die fünf Schauspielkolleginnen Iris Berben, Hannelore Hoger, Eva Mattes, Gisela Schneeberger und Judy Winter ihre Rolle zu Ende führen und der Film damit fertiggestellt wird. Die Schauspielerinnen betrachteten es als Hommage an ihre große Kollegin., Das Erste

Hannelore Elsners Sohn Dominik erzählte, dass seine Mutter bis zum Schluss das Leben habe fühlen und arbeiten wollen. Vom Tod habe sie nie etwas wissen wollen. Wann immer das Thema zur Sprache gekommen sei, habe sie unwirsch reagiert, selbst als es ihr schon sehr schlecht gegangen sei. Sie habe, genauso wie ihre Rolle Rose, nie den unerschütterlichen Glauben verloren, dass alles gut werde. Auch nicht, als sie schon ins Krankenhaus gemusst habe. „Ohne Spiel ist mir das Leben einfach zu ernst“, schrieb Elsner in ihrer Biografie. Dominik Elsner beschreibt mit folgenden Worten, was er verloren hat: „Weihnachten, Ostern, mein Geburtstag – all diese Anlässe sind sehr farblos geworden, seit sie nicht mehr da ist.“Ihr letzter Film „Lang lebe die Königin“: Hannelore Elsners Vermächtnis In: Zeit Online, 20. April 2020. Abgerufen am 20. August 2020.

Besetzung Die Idee, eine Filmrolle nach dem Tod der Hauptbesetzung durch mehrere Schauspieler oder Schauspielerinnen zu besetzen, wurde bereits nach dem Tod von Heath Ledger im Film Das Kabinett des Doktor Parnassus umgesetzt.

Iris Berben meinte, Hannelore Elsner habe ihren Beruf sehr geliebt und der Beruf auch sie. Dass sie in diesem Film eine Szene übernommen habe, die Elsner nicht mehr habe spielen können, sei eine letzte Verneigung vor ihr. So habe sie ihr noch einmal für ihre Freundschaft und für ihre Filme danken können.Iris Berben als Rose Just, Das Erste

Eva Mattes erklärte, als sie gefragt worden sei, ob sie eine Szene für Hannelore Elsner übernehmen würde, habe sie gar nicht überlegen müssen. Sie habe blind zugesagt, ohne zu wissen, was sie zu spielen bekomme. Die Idee, Elsners letzten Film zu Ende zu bringen durch die Mitwirkung von fünf Kolleginnen, sei wunderbar. Hannelore Elsner, die sie seit ihrem 13. Lebensjahr kenne, sei für sie immer eine ganz Besondere gewesen, vor der sie sich mit ihrem kleinen Auftritt zärtlich verbeuge.Eva Mattes als Rose Just, Das Erste

Gisela Schneeberger meinte, als sie von dem Konzept gehört habe, sei sie interessiert gewesen. Als sie die Namen ihrer Mitstreiterinnen erfahren habe, um einiges mehr. Auch über den Regisseur Richard Huber sei nur Gutes zu hören gewesen. Und von Gerlinde Wolf sei sie nach einer gemeinsamen Arbeit sowieso ein Fan. Das seien die besten Voraussetzungen gewesen, das Projekt zu wagen. So sei es auch ein höchst erfreulicher Drehtag gewesen, an dessen Ende sie dann noch Judy Winter getroffen habe. Mit ihr habe sie – „in tiefster Ehrfurcht“ – vor Jahrzehnten einen ihrer ersten Filme gedreht. „Was für ein Tag!“Gisela Schneeberger als Rose Just, Das Erste

Judy Winter erläuterte, als die Anfrage sie erreicht habe für Hannelore Elsner einzuspringen, habe sie sich schon Gedanken gemacht, ob das überhaupt fair sei. Es sei doch deren Film! Doch dann habe sie die Idee überzeugt, dass vier weitere gute und ernstzunehmende Kolleginnen mit ihrem Auftritt Hannelore Elsner die Ehre erweisen möchten. So habe man zeigen können, wie sehr sie alle sie als Schauspielerin geschätzt hätten. Judy Winter als Rose Just, Das Erste

Marlene Morreis, die die Tochter von Rose Just spielt, erzählte, es sei ein schleichender Prozess gewesen bis zum Drehabbruch. Niemand habe damit gerechnet. Erst sei Hannelore einen Tag nicht gekommen, dann auch am nächsten Tag ausgefallen. Man habe immer gehofft, dass sie am anderen Tag wieder da sei. Vier Tage vor Drehende sei dann der Abbruch erfolgt. Es hätten nur noch fünf Szenen gefehlt, alle mit Hannelore Elsner. Es sei ein Schock gewesen. Der Film habe auf Eis gelegen, keiner gewusst, wie es weitergeht. Das Team habe sich dann aufgelöst. Zweieinhalb Wochen später habe man die traurige Nachricht von Elsners Tod erhalten. Im Nachhinein sei man sich bewusst gewesen, wie schlecht es der Schauspielerin beim Drehen gegangen sein müsse. Beim Nachdreh im August sei fast das gesamte ursprüngliche Team wieder zusammengekommen. Die Dreharbeiten seien so besonders, traurig und absurd gewesen. Vor Drehbeginn habe sie Hannelore Elsner gefragt, ob es ihr nicht unangenehm sei, im Film zu sterben. Sie habe lachend entgegnet, sie sei schon so oft vor der Kamera gestorben, das sei für sie nichts Ungewöhnliches. Dieser Satz habe heute natürlich eine ganz andere Bedeutung. Dass plötzlich jemand anderes als Hannelore Elsner ihre Mutter gespielt habe, sei erst schwierig für sie gewesen, sie habe Angst davor gehabt.Marlene Morreis ist Nina Just, Das Erste

Günther Maria Halmer, der Roses gutmütigen Lebensgefährten Werner spielt, meinte, es sei niemals daran zu denken gewesen, dass Hannelore Elsner in Wirklichkeit unter einer schweren Erkrankung gelitten habe. Beim Drehen sei sie eigentlich wie immer gewesen. Es habe ausgesehen, als habe sie in die Zukunft geschaut. Ihr Tod sei für alle ein Schock gewesen.Die Schauspieler und ihre Rollen, Das Erste

Ole Puppe, der als Rose Justs Sohn Leon zu sehen ist, äußerte, zu seinem großen Bedauern habe er keine direkte Szene mehr mit Hannelore Elsner gehabt, was er sich seit seiner Jugend gewünscht habe. Aber er werde nie die Begrüßung und die Leseprobe vergessen, wie sie seine Hand genommen und ihm ganz tief und lange in die Augen geschaut habe. Er habe ihr zwei Stunden gegenüber gesessen und sei fasziniert gewesen von dieser ungeheuren Zartheit, Zerbrechlichkeit gepaart mit ihrer Energie und ihrem energischen Kampf um Sätze, um Worte, um die Gestaltung der Figur, unermüdlich, immer wieder, bis sie zufrieden gewesen sei. Aus dieser schon fast durchsichtigen Person loderte eine unglaubliche Flamme – an diesen Augenblick werde er sich immer erinnern.

Gespräch mit den Machern Das Besondere an der Geschichte von Gerlinde Wolf seien die Charaktere, die selbst in den größten Krisen in ihre üblichen Rollenmuster zurückfallen würden. Das habe viel Wahres und auch sehr viel Komisches. Und diese Kombination aus hoch emotionalen, zugleich aber unsentimentalen und auch absurden Situationen charakterisiere diese so lebensnahe Geschichte von Gerlinde Wolf. Gerlinde Wolf meinte auf die entsprechende Frage, Trauer sei ein komplexes Phänomen, das jeder anders erlebe. Mordillo habe das so formuliert: „Humor ist die Zärtlichkeit der Angst.“ Die tragischen Elemente in der Geschichte seien, dass Mutter und Tochter sich nicht entscheiden könnten, ob sie einander lieben oder hassen sollen. Auf die Frage an Claudia Simionescu, ob die Rolle der Mutter auf Hannelore Elsner zugeschrieben worden sei und die Schauspielerin sich für das Projekt starkgemacht habe, antwortete die Redakteurin, zugeschrieben sei die Rolle nicht auf Elsner, gleichwohl sei sie schon sehr früh die Wunschbesetzung aller am Projekt Beteiligten gewesen. Auch Hannelore Elsner selbst habe schon sehr früh großes Interesse an der Rolle signalisiert und dies über die gesamte Zeit der Projektentwicklung aufrechterhalten. Der Produzent Boris Schönfelder nahm Stellung zur Frage, ob bei Beginn der Dreharbeiten bereits bekannt gewesen sei, wie schwer die Erkrankung der Hauptdarstellerin gewesen sei. Man sei davon ausgegangen, dass Hannelore Elsner gesund gewesen sei. Die Herausforderungen, die Filmarbeiten nach vier Monaten Unterbrechung wieder aufzunehmen, seien vielfältig gewesen. Man habe alle Schauspieler wieder unter einen Hut bringen, ebenso das Team, die Motive, die Verabredungen, wann und wo was zu tun sei. Der ursprüngliche Zustand des Hauses habe wiederhergestellt werden müssen, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Und natürlich habe es auch einer Idee bedurft, wie man den Film ohne Hannelore Elsner zu Ende bringen könne. Die fünf Schauspielerinnen, die für sie einspringen sollten, hätten ausgewählt und gewonnen werden müssen. Simionescu führte aus, den Film abzubrechen sei keine Option gewesen, die fehlenden Szenen mit einer einzigen Schauspielkollegin zu „‚ersetzen‘“ sei allen aber auch nicht richtig erschienen – wie hätte eine einzige dieses Vermächtnis erfüllen können. Die Autorin Gerlinde Wolf habe dann den Vorschlag, mit fünf Kolleginnen zu vollenden, gemacht. Man sei diesen fünf Schauspielerinnen sehr dankbar. Boris Schönfelder meinte, man sehe dieses Einspringen als Hommage für Hannelore Elsner, was bedeute, dass man sie nicht ersetzen könne. Regisseur Richard Huber meinte, dass die Realität so massiv in die Fiktion einbrechen würde, sei undenkbar gewesen. Das sei mit Trauer und Wehmut verbunden. Heute sei er Hannelore Elsner dankbar, dass sie diesen Moment mit dem Team geteilt habe.Gespräch mit den Machern, Das Erste

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