mini|SARS-CoV-2-Infektionen pro 100.000 Einwohner Die COVID-19-Pandemie in Bosnien und Herzegowina tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.Lungenärzte im Netz: . Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.Tagesschau: „Tief besorgt“. WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 14. April 2020.
Verlauf Der erste COVID-19-Fall in Bosnien und Herzegowina wurde am 5. März 2020 in Banja Luka bestätigt. Am 21. März 2020 wurde in einem Krankenhaus in Bihać der erste COVID-19-bedingte Todesfall des Landes bestätigt. Es handelte sich um eine 70-jährige, chronisch kranke Frau. Bis zum 1. April 2020 gab es in Bosnien und Herzegowina 464 bestätigte SARS-CoV-2-Infektionen, darunter 12 Tote. Am 16. April waren von 1.116 Infizierten 41 verstorben, am 1. Mai 68 von 1.757.Die WHO-Berichte für den jeweiligen Tag werden stets am Folgetag veröffentlicht. Mitte Mai galt die Hälfte der Infizierten (1.168 von 2.158) als genesen, 92 waren verstorben. Es wird davon ausgegangen, dass sich die Kurve abgeflacht habe. Bis zum 13. Mai wurden in der Bosniakisch-Kroatischen Föderation (FBiH) 24.668 und in der Republika Srpska (RS) 19.108 Tests durchgeführt. Obwohl die Republika Srpska nur halb so viele Einwohner hat wie die Föderation, waren 79 der 112 Toten dort zu beklagen.
Am 30. Mai 2020 wurde gemeldet, dass es in der Hauptstadt Sarajevo keine aktiven Fälle mehr gibt. Durch einen Ausbruch in einer Firma in Tešanj lag die Infiziertenzahl in der Föderation allerdings insgesamt noch bei über 100. Die Zahl der Tests in der FBiH war mittlerweile auf über 37.000 angestiegen, davon 1.079 mit positivem SARS-CoV-2-Befund. Die Republika Srpska führte bis dahin 26.822 Tests mit 1.395 positiven Befunden durch, wovon 873 wieder als gesund galten. Im Distrikt Brčko waren es 784 Tests mit 20 Positivbefunden. Im ganzen Land waren somit 2.494 Infizierte bei 64.623 Tests festgestellt worden. Davon galten 1.831 als geheilt, 153 waren verstorben (RS 110, FBiH 39, Brčko 4). Obwohl die Republika stärker betroffen war, näherte sich nach Einschätzung des Direktors des Universitätsklinikums der RS, Nenad Stevandić, die COVID-19-Pandemie dem Ende. Er lobte die Arbeit seiner Einrichtung und betonte, dass es nie einen Engpass an Beatmungsgeräten gegeben habe, sondern dass man stets Überkapazitäten besaß. Während man am 13. Mai noch 185 COVID-19-Patienten in Krankenhäusern der RS versorgte, waren es am 28. Mai nur noch 100. Wichtigstes Ziel sei nun, zu verhindern, dass es zu neuen Ausbrüchen komme, wie dies in anderen Gegend Bosnien-Herzegowinas oder auch Serbiens geschehen sei. Hierfür sei die weitere Befolgung der Hygiene-Vorschriften (Räumliche Distanzierung, Hand-Hygiene) wichtig.
Der Ausbruch in Tešanj erhöhte die Zahl der Infizierten dort bis zum 8. Juni 2020 auf 114. Auch in Sarajevo trat ein neuer Fall auf. In den darauf folgenden Wochen kam es zu täglichen Neuinfektionen, die den bisherigen Höchstwert von 101 Infizierten an einem Tag (Anfang April 2020) regelmäßig übertrafen.Ab dem WHO-Bericht vom 26. Juni 2020 täglich. Da es bereits erste Reiselockerungen gab, wirkte sich das auch auf Deutschland aus, wo 17 Neuinfektionen zwischen dem 22. Juni und dem 5. Juli 2020 auf Einreisende aus Bosnien-Herzegowina zurückgeführt werden konnten. Bei insgesamt 295 in diesem Zeitraum nachgewiesenen Fällen von eingereisten Infizierten entspricht dies einem Anteil 5,7 Prozent. Mehr kamen in diesem Zeitraum nur aus Serbien, wohin 116 Fälle (39 Prozent) zurückverfolgt werden konnten. Auch in Montenegro, das sich für Corona-frei erklären wollte, führte man Neuinfektionen auf Einreisende aus Bosnien-Herzegowina zurück. Auf dem Stand vom 1. Juli gab es in Bosnien-Herzegowina bereits fast so viele Infizierte (1.968) wie bisher Genesene (2.432). Als Hauptgrund für den starken Anstieg (Mitte Juni 3.000 bekannte Fälle, Mitte Juli über 6.000) sieht man einen zu sorglosen Umgang mit den Vorgaben der Gesundheitsbehörden an. So wurde in Geschäften, Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln weitgehend auf Schutzmasken verzichtet.
Mitte November 2020 infizierten sich pro Woche mehr Menschen als vom Anfang der Pandemie (März 2020) bis Mitte Juli 2020. Binnen eines Monats verdoppelte sich die Gesamtzahl der bisher nachgewiesenen Infektionen von 34.120 (WHO-Bericht vom 20. Oktober) auf 70.900 (WHO-Bericht vom 17. November). Ähnlich stark nahmen die Todesfälle zu: von Anfang März bis Anfang August 2020 – also binnen fünf Monaten – waren es 335, in der 46. Kalenderwoche allein 367 Tote. Mit 785 Toten auf eine Million Einwohner gehört das Land Anfang Dezember zu den am schwersten betroffenen Ländern der Welt. Zirka jeder 1200. Einwohner ist bis zum Ende der 48. Kalenderwoche 2020 mit positivem Covid-19-Befund verstorben, nämlich 2.576 der ca. 3,3 Millionen Einwohner. Knapp drei Prozent der Gesamtbevölkerung wurden zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Virus infiziert.
Im Jahr 2020 wurden 110.985 Einwohner mit Covid-19 infiziert, wovon 4.050 verstarben und 77.225 am Ende des Jahres als genesen galten (Stand 1. Januar 2021, 10 Uhr).Vgl. Auf eine Million Einwohner kamen 33.324 Infektionen und 1.196 Tote (Stand 27. Dezember 2020, 10 Uhr).
Zum Jahresende und zu Beginn des Jahres 2021 nahm das Infektionsgeschehen in Bosnien und Herzegowina wieder zu, weshalb das Land am 24. Januar 2021 durch das Robert-Koch-Institut als Hochrisikogebiet eingestuft wurde.Corona Zahlen für Bosnien und Herzegowina (Stand 20. Juli 2026), corona-in-zahlen.de, abgerufen am 20. August 2026COVID-19-Pandemie - Bosnien und Herzegowina, global-monitoring.com, abgerufen am 20. August 2026 Der Anstieg der Infektionszahlen erreichte seinen vorläufigen Höhepunkt Ende März, als die sogenannte 7-Tage-Inzidenz bei über 1000 lag. In diesem Zusammenhang wurde auch die Gesundheitspolitik der bosnischen Regierung im Kampf gegen die Pandemie kritisiert.
Die Zahl der Infektionen flachte in den Sommermonaten 2021 wieder deutlich ab. Ab Mitte August stiegen die Zahlen wieder an, weshalb Bosnien und Herzegowina seit dem 12. September 2021 wieder als Hochrisikogebiet eingestuft wurde.Aktuelle Hochrisikogebiete (Stand 19. November 2021), tropeninstitut.de, abgerufen am 20. August 2026
Auch die Zahl der Todesfälle im Jahr 2021 war vergleichsweise hoch. Anfang Dezember 2021 belegte Bosnien und Herzegowina bei den Todesfällen pro 100.000 Einwohner weltweit Platz drei.
Im Januar 2022 nahm, wie in Gesamteuropa, das Infektionsgeschehen im Land weiter zu. Ein Höhepunkt wurde um den 21. Januar erreicht. Nach dem Ende dieser vierten Infektionswelle wurde Bosnien und Herzegowina ab dem 25. Februar 2022 nicht mehr als Risikogebiet eingestuft.
Statistik Die Fallzahlen entwickelten sich während der COVID-19-Pandemie in Bosnien und Herzegowina wie folgt: Infektionen mini|links|800px|Bestätigte Infizierte in Bosnien und Herzegowina nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte
Todesfälle mini|800px|links|Bestätigte Todesfälle in Bosnien und Herzegowina nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte
Einfluss von Alter und Geschlecht auf die Sterblichkeit Von den 37 Toten (Stand 15. Mai 2020) der Föderation waren 22 (59,5 Prozent) männlich. Bei den Infizierten stellten sie hingegen nur 45,2 Prozent (453 von 1.001).
0–44 Jahre: 0 Personen (0,0 %) 45–54 Jahre: 7 Personen (18,9 %) 55–64 Jahre: 7 Personen (18,9 %) 65–74 Jahre: 11 Personen (29,7 %) 75–84 Jahre: 9 Personen (24,3 %) über 85 Jahre: 3 Personen (8,1 %)
In der Republika Srpska waren (Stand 15. Mai 2020; 9 Uhr) 623 (51,2 Prozent) der 1.217 Infizierten weiblich. Die Altersverteilung stellt sich hier wie folgt dar, bezieht sich aber vorerst nur auf die Infizierten. 0–29 Jahre: 17 % 30–64 Jahre: 54 % über 65 Jahre: 29 %
Regionale Verteilung Am schwersten betroffen war (Stand 15. Mai 2020) innerhalb der Föderation der Kanton Herzegowina-Neretva mit 259 der 1.001 Fälle und 13 der 37 Toten, gefolgt vom Kanton Zenica-Doboj (243 Infizierte, 0 Tote), dem Kanton Sarajevo (112 Infizierte, 6 Tote) und dem Kanton Una-Sana (107 Infizierte, 8 Tote). In allen anderen Kantonen waren es weniger als 100 Infizierte.
In der Republika Srpska war (Stand 15. Mai 2020; 9 Uhr) Banja Luka mit 549 der 1.271 am stärksten betroffen, gefolgt von Laktaši (77 Fälle), Gradiška (55), Doboj (47) und Kotor Varoš (43). Alle anderen Orte haben weniger als 40 Inifzierte gemeldet.
Reaktionen und Maßnahmen Am 17. März 2020 erklärte der Ministerrat von Bosnien und Herzegowina in ganz Bosnien und Herzegowina den Ausnahmezustand. Schulen, Restaurants, Cafés, Kinos, Museen andere Kultur- und Sporteinrichtungen wurden geschlossen, öffentliche Versammlungen wurden untersagt. Die generelle Ausgangssperre galt in der Föderation Bosnien und Herzegowina von 20 Uhr bis 5 Uhr morgens. Ausgenommen davon waren u. a. medizinisches Personal, Polizisten und Journalisten. Personen, die älter sind als 65 Jahre, durften sich nur an ausgewählten Tagen und dann nur vier Stunden pro Tag (zwischen 8 und 12 Uhr morgens) draußen aufhalten, etwa vom 6. bis 10. April 2020, um ihre Renten abzuholen. Auch für Personen unter 18 Jahren herrschte eine strenge Ausgangssperre, die nur im Auto der Eltern aufgehoben war. Für die Bewegung in der Öffentlichkeit wurden Schutzmasken bzw. Gesichtsbedeckungen wie Schals über Mund und Nase Pflicht. Etwas abweichend wurden die Vorschriften in der Republika Srpska gestaltet: neben der generellen Ausgangssperre zwischen 20 und 5 Uhr galt für Personen, die älter sind als 65 Jahre, die Bestimmung, dass sie sich an zwei Wochentagen (Dienstag und Freitag) drei Stunden am Tag (7 bis 10 Uhr morgens, seit 31. März 2020: 7 bis 11 Uhr) nach draußen begeben dürfen. Zudem galt hier die Sonderreglung, dass man zwischen Samstag 12 Uhr und Sonntag 18 Uhr seinen Wohn-/Aufenthaltsort nicht verlassen darf. Wer sich zuvor in den Risikogebieten China, Italien, Südkorea oder Iran aufgehalten oder mit Staatsangehörigen Kontakt hatte, wurde angewiesen, sich einem Test zu unterziehen., Vijeće ministara Bosne i Hercegovine, 17. März 2020, abgerufen am 13. April 2020.Informationen zum Coronavirus, Deutsche Botschaft Sarajewo, 27. März 2020, abgerufen am 13. April 2020.