mini|Trapezai auf dem Kerameikos von Athen Trapeza ( „Vierfüßer“, Plural ) bezeichnet im Kontext der griechischen Religion ein Opfer. Die Bedeutung stützt sich auf das altgriechische Trapeza, auf die die Opfergaben gestellt wurden. Trapeza ist hauptsächlich auf Inschriften des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. überliefert.
Andere Bezeichnungen Trapezomata bezeichnet Opfer, bei denen rohes Fleisch auf den Gabentisch gelegt wurde.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 30. Der Begriff ist sehr selten. Als früheste Überlieferung könnte eine Inschrift aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. stammen, eine weitere von einer Inschrift aus Pergamon, datiert auf 133 v. Chr. Der Begriff bezieht sich auf alle Gaben, die auf den Tisch gestellt wurden. Auf den Inschriften diente der Begriff zur Bestimmung des Anteils, der an den Priester ging.Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge 2014, S. 174.
Definition Trapeza bezeichnet ein preiswertes Opfer an Götter und Heroen. Der Begriff bezog sich auf die Gaben auf dem Tisch. Oftmals war das Opfer an Heroine gerichtet. In anderen Fällen wurde es als Nebenopfer einer Thysia erwähnt, von der Stücke des Tieropfers zu den Gaben einer Trapeza hinzugefügt wurden. Trapeza hatte dabei die Bedeutung einer Bereicherung des Hauptopfers. Auf dem Tisch wurden Gaben wie Getreide, Früchte, Kuchen, rohes und gebratenes Fleisch geweiht, die der Priester oder die Priesterin gewöhnlich nach Beendigung des Opfers als Belohnung an sich nehmen konnte. Trapeza ist hauptsächlich durch Inschriften aus dem 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. überliefert.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 23, 30 und 133; Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge 2014, S. 151–153.
Abgrenzung siehe Theoxenie
Ritual Das Ritual begann bereits mit der Vorbereitung einer Trapeza. Zeitweise war die Vorbereitung sogar der Höhepunkt und Schwerpunkt von einem Fest, das Opfergaben und andere Riten einschloss.Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge 2014, S. 153. Die Vorbereitung des Tisches könnte als Einladung an den Helden als Ehrengast verstanden werden. Die Opfergaben auf dem Tisch gingen wahrscheinlich an den Priester oder Priesterin und wurden anschließend gegessen.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 23, 30 und 38.
Trapezai wurden vielfach als Bereicherung des Hauptopfers, einer Thysia, ausgeführt. So sind vom Kalender von Marathon mehrere Fälle überliefert,LSCG 20 B 51–54. Thesaurus Cultus et Rituum Antiquorum (ThesCRA) Band II, S. 228. bei denen der Held sowohl ein Schaf als auch eine Trapeza erhielt. Die Bedeutung eines Nebenopfers kommt im Preis zum Vorschein. Ein Schaf kostete 12 Drachmen und eine Trapeza 1 Drachme.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 25.
Opfergaben Die Gaben einer Trapeza wurden meistens nicht genauer aufgeführt. Einzig, wenn Fleisch vom Hauptopfer den Gaben auf dem Tisch beigefügt wurde, ist dieser Zusatz erwähnt.Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge 2014, S. 151–153. Ausgehend von überlieferten Details für eine Theoxenie,Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 3. deren Weihgeschenke ebenfalls auf einen Tisch gestellt wurden, könnten die Gaben einer Trapeza aus Getreide, Früchte, Kuchen und Fleisch bestanden haben.
Empfänger Trapeza ist für Götter, Heroen und im Besonderen für Heroinen überliefert. Wenn eine Thysia und eine Trapeza für verschiedene Empfänger und Empfängerinnen zur gleichen Zeit ausgeführt wurden, erhielten gewöhnlich die weniger wichtigen eine Trapeza, während die Thysia der mächtigeren Gottheit vorbehalten war.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 27.
Im Opferkalender von Thorikos, auf dem insgesamt 23 Opfer für Heroen aufgeführt sind, sind 6 davon Trapezai. Die Trapezai gingen allesamt an Heroine, die zum Teil nicht einmal mit einem eigenen Namen aufgeführt waren, sondern schlicht als Heroine des entsprechenden Helden bezeichnet waren. Als Vergleich erhielten Gottheiten im gleichen Kalender 31 Opfer und kein einziges davon war eine Trapeza.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 81–82.
Quellenlage mini|Auszug aus dem Opferkalender von Thorikos, 430 v. Chr. Trapeza ist auf Inschriften überliefert. Der früheste Hinweis stammt aus einem Fragment von Tiryns aus dem späten 7. oder frühen 6. Jahrhundert v. Chr., das aber keine weiteren Informationen preisgibt.Eran Lupu: Greek Sacred Law: A Collection of New Documents (NGSL). Leiden Brill 2005, S. 197. Ein nächster Anhalt stammt von einem Fragment eines athenischen Kalenders, der auf 430 v. Chr. datiert wird.Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge 2014, S. 150. Weitere Überlieferungen stammen von Kalendern aus Thorikos, Erchia and Marathon.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 61. Die Opferkalender decken einen Zeitraum von circa 100 Jahren ab. Der Kalender aus Thorikos wird auf 430 v. Chr. datiert, derjenige von Marathon auf 400 bis 350 v. Chr., der Kalender von Erchia auf 375–350 v. Chr. und ein zusätzlicher Kalender der Genos der Salaminioi auf 363/2 v. Chr.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 63. Auf den Inschriften werden die Empfänger, das Opfer und dessen Preis festgehalten. Inhalte sind eher zufällig erwähnt und die Forschung vermutet, dass der Hauptgrund für die Erstellung der Listen das Festhalten der finanziellen Verantwortlichkeiten war.Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period. Lüttich 2002, Kapitel II, Absatz 64.
Literatur Gunnel Ekroth: The Sacrificial Rituals of Greek Hero-Cults in the Archaic to the Early Hellenistic Period (= Kernos. Supplementband 12). Centre International d’Étude de la Religion Grecque Antique, Lüttich 2002, ISBN 2-87456-003-0, ISBN 2-8218-2900-0 (openedition.org). David Gill: Greek Cult Tables. Revised Harvard Dissertations in the Classics 1964. New York 1991. ISBN 0-8153-0448-X. Michael H. Jameson: Theoxenia. In: Michael H. Jameson: Cults and Rites in Ancient Greece: Essays on Religion and Society. Cambridge University Press, Cambridge 2014, ISBN 978-0-521-66129-4, S. 145–166. Ursprünglich erschienen in: Robin Hägg (Hrsg.): Ancient Greek Cult Practice from the Epigraphical Evidence. Proceedings of the Fourth International Seminar on Ancient Greek Cult, organized by the Swedish Institute at Athens, 22–24 October 1993. Åströms Förlag, Stockholm 1994, S. 35–57. Jennifer Larson: Greek heroine cults. Wisconsin studies in classics. Madison 1995. ISBN 0-299-14370-8.
Einzelnachweise
Kategorie:Griechisches Opferwesen