mini|ExlibrisStadtbibliothek Mainz (Rara-Bestand) Signatur: VI f:4º / 1030 b, Nr. 3 des Albrecht Andreas von Ramdohr um 1720

Albrecht Andreas Ramdohr, ab 1716 von Ramdohr (* 3. Oktober 1649 in Braunschweig; † 6. März 1730 in Stade), war ein kurhannoverscher Hofgerichtsassessor, Archivdirektor und während des Großen Nordischen Krieges Teil des Regierungsrates.

Leben Herkunft Albrecht (auch: Albertus) Andreas von Ramdohr war der älteste Sohn von Andreas Ramdohr und Dorothea Schulte (Tochter des Kirchenoberältesten Albrecht Schulte von Sankt Petri und der Gertrud von der Fechte). Die Eltern haben im Jahre 1647 geheiratet. Sein Vater starb infolge von Überarbeitung am 22. Juli 1656 in Braunschweig, als Albrecht Andreas noch im Kindesalter war. Seine Mutter heiratete 1659Eintrag bei wiki.genealogy.net; Einsichtnahme am 5. Juli 2020 in zweiter Ehe den späteren Syndikus des Fürstentums Halberstadt, Melchior Juncker (auch: Jungkherr),Renate Jürgensen: Melos conspirant singuli in unum: Repertorium bio-bibliographicum zur Geschichte des Pegnesischen Blumenordens in Nürnberg (1644-1744). Band 50 von Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, ISSN 0408-8107. S. 524 (Otto Harrassowitz Verlag, 2006), ISBN 978-3-447-05358-7 der 1659 in Braunschweig als Jurist promoviert hatte.Matthias Bollmeyer: Lateinisches Welfenland: Eine literaturgeschichtliche Kartographie zur lateinischen Gelegenheitsdichtung im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg im 16. und 17. Jahrhundert. Band 20 von Noctes Neolatinae (Georg Olms Verlag 2014) S. 143, ISBN 978-3-487-15113-7 Es ist anzunehmen, dass der Stiefvater Einfluss auf die Erziehung des Albrecht Andreas sowie seiner Schwester Catharina Armgard (1648–1672) nahm, da beide Geschwister ihre Nachkommen auf den Vornamen Melchior tauften. Catharina Armgard starb jedoch nach der Heirat in Braunschweig im April 1670 mit dem Hildesheimer Kaufmann Christian Wilhelm Dörrien (1647–1686) und dem frühen Tode ihrer Söhne (Andreas Johann und Melchior Friedrich) ebenfalls recht bald. Albrecht Andreas hatte ferner noch drei weitere Schwestern, die im Kindesalter verstarben.

Frühe Laufbahn und Erwerb des Gutes Drübber Zunächst findet sich Albrecht Andreas Ramdohr in den Matrikelbüchern der Universität Helmstedt bereits im August 165916. August 1659, siehe Werner Hillebrand: Die Matrikel der Universität Helmstedt, Bd. 2, 1636–1685 (Verlag Lax, Hildesheim 1981), S. 139. Scan 00167 auf diglib.hab.de und erneut am 5. März 1668.Matrikelbücher Helmstedt Online, Suchwort Ramdohr Um 1674 wurde er dann an der Universität in Frankfurt an der Oder immatrikuliert. Dort schloss er am 19. April 1677Deutsches Geschlechterbuch (Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien), Band 162, 1973, S. 230 auch seine erste Ehe mit Maria Theodora Heinsius (* 2. April 1658 in Frankfurt/Oder; † 28. April 1689 in Celle),Eintrag Familiendatenbank NLF, Einsichtnahme am 20. Juni 2020. Tochter des Superintendenten Martin Heinsius (* 1610 in Frankfurt/Oder; † um 1667) und der Theodora geb. Kupfer, aus der 3 Söhne entsprangen, die sämtlich Amtmänner wurden und später das Gut Scharnebeck und das Rittergut Sülbeck im Amt Lüne erwarben.

Am 6. Januar 1680 wurde Ramdohr als Nachfolger von Heinrich Heldberg unter beiderseitigem Vorbehalt halbjährlicher Kündigung als Vorsteher des Celleschen Archivs angestellt. Herzog Georg Wilhelm gewährte ihm die üppige Besoldung von Im Jahr 1682 belief sich der Sold auf 512 Taler, 6 Kreuzer. Am 17. Juni 1685 wurde er durch Kilian von Schrader (Sohn von Christoph Schrader) abgelöst, der vom Hofgerichtsassessor zum Archiv-Vorsteher aufstieg.

Im Jahr 1686 wurde Ramdohr zum Herrn auf dem Rittergut Drübber. Durch Tauschverhandlungen mit der Landesherrschaft und mit Privatpersonen gelang es ihm, das Gut bedeutend abzurunden und zu vergrößern.Joachim Lampe: Aristokratie, Hofadel und Staatspatriziat in Kurhannover: Band: Beamtenlisten und Ahnentafeln. 1963, S. 540. So kaufte er 1689 eine Galerieholländer-Mühle in Dörverden von den Erben des königlich schwedischen Landrats Johann von Sandbeck, dem Besitzer des Guts Stedebergen, der diese seit 1663 besessen hatte.Heimatkalender für den Landkreis Verden 1972, S. 84. Ebenfalls im Jahr 1689 verstarb seine erste Gattin, deren Leichenpredigt in Celle von Franz EichfeldHeinrich Wilhelm Rotermund: Das gelehrte Hannover oder Lexikon von Schriftstellern und .., Band 1 (Schünemann, Bremen 1823); S. 530 vorgetragen wurde.

So folgte am 17. Juni 1690 in Celle die zweite Heirat mit Sarah Bacmeister (* 1670 Celle; † 1744 Stade, Tochter des verstorbenen Hofrates Georg Michael Bacmeister und der Ilse Dorothea geb. Engelbrecht). Aus dieser Ehe entsprangen die sieben jüngeren Kinder Ramdohrs.

1695 führte Ramdohr die Titel eines Geheimen Kammerrats und Kanzleidirektors. Er reiste auf diplomatischer Mission nach Berlin. Sein Gut Drübber erweiterte er 1698 um eine Mühle bei Dörverden (eine Bockmühle, die aus dem Besitz der Gebrüder von Klencke am 19. Oktober 1644 an Yobst von Münchhausen übergegangen war; 1854 bis 1958 auch Wintersche Holländermühle genannt).

mini|Exzerpt aus Johann Christian Lünig: Die Teutsche Reichs-Cantzley..., Leipzig 1714, S. 182 Ramdohrs Karriere als Kammerrat des Herzogs Georg Wilhelm erreichte ihren Höhepunkt in diversen Gebietsstreitigkeiten zu Zeiten des Nordischen Kriegs. Am 29. November 1703 wird in einem Antwortbrief des Herzogs an seinen beleidigten Verwandten Rudolf August zur ersuchten Rückgabe eines auf dessen Befehl von den Schweden reokkupierten, vormals geräumten Landstrichs in Campen Ramdohrs militärische Befugnis angesprochen, die sich faktisch jedoch lediglich auf die Entsendung bewaffneter Kuriere beschränkte:

Verwalter im Dienst der Prinzessin von Ahlden von 1706 bis 1709 Am 17. Mai 1706 erhielt Ramdohr von Kurfürst Georg Ludwig den Befehl, seine in den Hausarrest verbannte Ex-Gattin, die Prinzessin von Ahlden, bei der Administration ihrer Subsistenzämter zu unterstützen. Zusammen mit dem Geheimen Rat Weipart Ludwig Fabricius oblag es Ramdohr zudem, Verhandlungen mit der Prinzessin über den Allodialnachlass ihres Vaters zu führen. Diese kam Ramdohr und Fabricius mit der Erklärung entgegen, dass sie alle Erbschaftsfragen dem Kurfürsten überlasse. Hierauf wurde der Prinzessin zumindest freigestellt, die Verwaltung ihres Besitzes selber zu regeln oder der kurfürstlichen Kammer zu überlassen. Die Prinzessin entschied sich für Ersteres und nahm am 30. Oktober 1706 mittels einer eigenhändig verfassten Bestallung Ramdohr als Verwalter der ihr übertragenen Ämter, Zölle und Zehnten Wilhelm Havemann: Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg, Band 3, 1857, S. 494–506 ff. (books.google.de) in ihren Dienst.

Über seine Pflichten hinaus fungierte Ramdohr damals (nachweislich durch das Mitteilen politischer Neuigkeiten, am 1. Dezember 1706) auch als Gesellschafter und Sprachrohr der inhaftierten Prinzessin.Georg Schnath: Ausgewählte Beiträge zur Landesgeschichte Niedersachsens, 1968, S. 191 ff. So wurden an ihren ehemaligen Gemahl gerichtete Wünsche durch Ramdohr und Fabricius umformuliert und nach Hannover übermittelt. Am 8. Mai 1707 erbat sich die Prinzessin über Ramdohr beispielsweise die Anwesenheit jüngerer Gesellschafterinnen für ihre Haft im Schloss Ahlden. Ramdohrs Dienste für die Prinzessin endeten am 18. Mai 1709, als er durch Graf Heinrich Sigismund von Bar (1655–1721) abgelöstHerbord Sigismund Ludwig von Bar Stammtafeln und Nachrichten von dem Geschlechte der Bar, de Bare, de Barn Kissling’schen Buchdruckerei, 1840, S. 29 wurde.

Im August 1712 wurde Ramdohr als Nachfolger des Justizrats Paul von Püchler zum lebenslangen Dekan des Stifts Ramelsloh gewählt. Zudem war er fürstlich-wolfenbüttelischer Amtsrat, Hofgerichtsassessor in Celle und Kammerrat in Celle. Sein Sohn aus erster Ehe, Heinrich Gustav von Ramdohr, blieb bis 1714 Amtmann in Ahlden.

Beförderungen und Inbesitznahme von Bremen-Verden 1713 bis 1720 Dänemark hatte bereits im Feldzug 1676 und erneut 1712 die vormals schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden erobert und am 26. Juni 1715 an Hannover verkauft. Ramdohr, befördert zum Geheimen Kammerrat, war am Vollzug der Übernahme als kurhannoverscher Gesandter in Bremen und Stade beteiligt.

Ramdohr und sein Cokommisarius, der Geheime Kammerrat von Schloen gen. Gehle, wurden am 3. August 1715 vom Kurfürst (seit 1714 als Georg I. König von Großbritannien) zur Übernahme des Verwaltungssitzes der Herzogtümer nach Stade entsandt. Die dortige dänische Regierung konnte noch eine Woche später das Hinauszögern der Übergabe mit dem Ausbleiben diesbezüglicher Befehle aus Kopenhagen entschuldigen. Zudem wiesen Ramdohr und von Schloen am 9. August den Kurfürsten vorsorglich darauf hin, dass schon 1680 die Übernahme des Bremer Domviertels daran gescheitert war, dass Bremen als Reichsstadt auf den kaiserlichen Vorbehalt verwies, der selbst über das schwedische Eigentum dort verfügen wollte.vgl. Schöne (2016), S. 282

Dennoch erteilte der Kurfürst seinen beiden kommissarischen Beauftragten am 14. August 1715 eine Vollmacht zur Inbesitznahme der Herzogtümer.Johann Hinrich Pratje: Vermischte historische Sammlungen, Band 1, Nachdruck, Stade 1842, S. 386 ff. Ramdohr erschien mit dieser nun in Bremen, um die schwedische Beamtenschaft auf den hannoverschen Monarchen zu verpflichten, die jedoch auf Weisung des bisherigen schwedischen Generalgouverneurs Graf von Vellingk jegliche Anerkennung der neuen Herrschaft verweigerten. Ramdohr nahm in Gegenwart von Notar und Zeugen den Bremer Dom in Besitz, ließ schwedische Wappen am Dom und Palatium entfernen und durch hannoversche ersetzen. Graf Vellingk wechselte diese aber umgehend wieder aus und führte auch die Jahre danach unbekümmert seine Amtsgeschäfte im Bremer Domgebiet, inmitten der von Hannover besetzten Stadt, fort. Dies führte zu grotesken Situationen, als Zar Peter der Große bei einem Besuch in Bremen, nur wenige hundert Meter von der Residenz des verfeindeten schwedischen Generalgouverneurs entfernt, Quartier im St. Ansgarii-Kirchhof nahm. Erst nach weiteren fünf Jahren konnte Vellingk zum Verlassen seines Amtssitzes bewegt werden.