Die Liste der Stolpersteine in Rogaland listet alle Stolpersteine in der norwegischen Provinz Rogaland auf. Stolpersteine erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom Kölner Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden im Regelfall von ihm selbst verlegt. Meistens liegen die Stolpersteine vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers.
Verlegte Stolpersteine Haugesund In Haugesund liegen zwei Stolpersteine an zwei Verlegeorten.
Stolperstein Übersetzung Verlegort Name, Leben HIER WOHNTEGEORG RECHENBERGGEBOREN 1902DEPORTIERT 1942AUSCHWITZDACHAUÜBERLEBT Øvregata 197 wurde am 7. November 1902 in München geboren. Seine Eltern waren Wolf Wilhelm Rechenberg und Rosa, geborene Holzapfel. Er wuchs in Wien auf, war gelernter Zahntechniker und Mitglied der SPÖ. Nach der Annexion Österreichs 1938 flüchtete er in die Tschechoslowakei. Eine norwegische Organisation wollte ihm die Flucht in die USA ermöglichen, er kam aber nach Oslo und schließlich nach Haugesund, wo er sich als Hilfsarbeiter niederließ. Nach der Besetzung Norwegens durch die Deutschen wurde er am 9. September 1940 aufgrund seines Status als politischer Flüchtling verhaftet und in Oslo inhaftiert. Er kam drei Monate später wieder frei. Er musste nach eigener Aussage als Dolmetscher für die Deutschen arbeiten, kam so an geheime Informationen, die er als Mitglied einer örtlichen Widerstandsgruppe an den Widerstand weitergab. Am 26. Oktober 1942 wurde er erneut verhaftet, diesmal, weil er jüdischer Abstammung war. Rechenberg kam in das Lager Berg. Am 26. November 1942 wurde er nach Oslo überstellt und am selben Tag von dort mit dem Frachter Donau zusammen mit 531 weiteren Menschen, die als jüdisch galten, nach Stettin gebracht. In Stettin wurden alle in Züge verladen und ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo 346 Menschen sofort vergast wurden. Georg Rechenberg musste Zwangsarbeit leisten, erst in Auschwitz, dann im KZ Dachau. Von 772 aus Norwegen deportierten Juden überlebten 34 und kamen zurück, Georg Rechenberg war einer von ihnen. Er hatte einen "Hass auf die Christen" nach seiner Rückkehr, beschäftigte sich mit der Bibel und wurde selbst gläubiger Christ, trat 1952 einer Glaubensgemeinschaft bei. Ab 1959 war er Gesandter der norwegischen Israel-Mission. Er predigte und erzählte auch über seine Zeit im Lager. 1969 beendete er aufgrund seines Gesundheitszustandes seine Arbeit. Georg Rechenberg starb am 1. Juli 1973 in Oslo.Jødisk Museum Oslo: GEORG RECHENBERG, abgerufen am 2. Oktober 2021Georg Rechenberg:Jøden fra Haugesund som overlevde Auschwitz, abgerufen am 2. Oktober 2021 120px| HIER WOHNTEMORITZ RABINOWITZGEBOREN 1887DEPORTIERT 1941SACHSENHAUSENERMORDET 27.2.1942 Strandgata 165 , ursprünglich Moses, wurde am 20. September 1887 im polnischen Schtetl Rajgród geboren, als ältester von vier Kindern von Isak Levi Rabinowitz (1862-1916) und Chaia Rosa, geborene Eidenbom (geboren 1864). Er hatte einen Bruder, Herschel (geboren 1891), und zwei Schwestern, Etka und Fradlia. Im Jahr 1909 emigrierte er allein nach Norwegen.Samuel Abrahamsen: Norway's Response to the Holocaust, Schocken, 1987, ISBN 978-0-89604-116-5, S. 156 Dort lebten bereits zwei seiner Onkel, Julius und Isak Eidenbom, die ihm den Start in das Berufsleben erleichterten. Er fand eine Anstellung als Angestellter in der Hafenstadt Bergen. 1911 übernahm er ein kleines Café in Haugesund und ließ sich in der Stadt nieder. Danach eröffnete er auch einen kleinen Laden. Die Geschäfte liefen gut. 1914 kam auch sein Bruder nach Norwegen. Die Brüder heirateten zwei Schwestern, Johanna und Rosa Goldberg. Moritz und Johanna Rabinowitz bekamen 1918 eine Tochter, Edith. Moritz Rabinowitz etablierte sich als erfolgreicher Geschäftsmann. Er gründete eine Fabrik und mehrere Geschäfte im Südwesten Norwegens, die alle den Namen M. Rabinowitz trugen, baute schließlich auch ein Hotel auf. Die Familie erwarb ein Landhaus in der Nähe von Førdesfjorden, das Jødeland genannt wurde. Seine Firmen beschäftigten im Jahr 1940 mehr als 250 Mitarbeiter. Seine Ehefrau starb 1939. Im selben Jahr heiratete seine Tochter Hans Reichwald, der aus Österreich geflüchtet war. Im November 1940 kam sein Enkelsohn Harry zur Welt. Da er in zahlreichen öffentlichen Debatten und Leserbriefen vor dem Nationalsozialismus gewarnt hatte, stand er nach dem Überfall des NS-Regimes ganz oben auf der deutschen Verhaftungsliste. Er flüchtete aus Haugesund und konnte sich sechs Monate lang verstecken. Doch im Dezember 1940 wurde er auf der Insel Toftekalven vor Skånevik in Sunnhordland aufgespürt und festgenommen. Rabinowitz wurde im Gefängnis in Oslo inhaftiert und von dort in das Polizeihäftlingslager Grini überstellt. Im Mai 1941 wurde er nach Deutschland deportiert, in das KZ Sachsenhausen. Moritz Rabinowitz wurde dort am 27. Februar 1942 vom NS-Regime ermordet. Fast alle Familienmitglieder wurden in Auschwitz ermordet, sowohl Tochter, Schwiegersohn und Enkelkind als auch der Bruder und sein Onkel Julius. Die Stolpersteine für seine Tochter und deren Familie liegen in Skånevik, die für seinen Bruder und Onkel Julius in Bergen. mini|hochkant=0.6|DenkmalIn Haugesund wurde ein Denkmal für Moritz Rabinowitz errichtet. Es wurden mehrere Bücher über sein Leben geschrieben. Auch ein Dokumentarfilm wurde ihm gewidmet. Einzig überlebt hat sein Onkel Isak Eidenbom. Ärzte hatten ihm ein falsches Attest ausgeschrieben, dass er an Tuberkulose litte, er wurde in einem Sanatorium in Luster vor dem Zugriff der Nazis gerettet. Er verbrachte zwei Jahre dort.Her møter han for første gong borna til dei som redda livet til bestefaren hans, abgerufen am 2. Oktober 2021Jødisk Museum Oslo: MORITZ RABINOWITZ, abgerufen am 2. Oktober 2021
Hå In Hå wurde ein Stolperstein verlegt.
Stolperstein Übersetzung Verlegort Name, Leben IN OGNA WOHNTELUDVIG MELZERGEBOREN 1886DEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1.12.1942 Sirevåg,Kyrkjeberget 2 wurde am 7. März 1886 in Saaz, heute Žatec in der Tschechischen Republik, geboren. Seine Eltern waren Karl Carl Melzer (geboren 1850) und Ottilie, geborene Engelmann (geboren 1864). Er hatte drei Geschwister, Sophie (geboren 1888), Antonie (geboren 1890) und Max (geboren 1894). Melzer studierte Chemieingenieurwesen und arbeitete danach als Manager in ausländischen Chemiefabriken. Von 1920 bis 1921 lebte und arbeitete er in Ogna, danach war er Betriebsleiter bei A/S Sjøtang, bis diese Firma in Konkurs ging. Melzer war unverheiratet und konfessionslos, was die Nationalsozialisten nicht daran hinderte, ihn wegen seiner Herkunft aus einer jüdischen Familie zu stigmatisieren. Im Mai 1939 flüchtete er nach Norwegen und wurde sogleich als Betriebsleiter bei A/S Ogna Fabrikker in Jæren angestellt. In Norwegen wähnte sich Ludwig Melzer sicher – bis zum überraschend deutschen Überfall am 9. April 1940. Er wurde am 26. Oktober 1942 in Egersund verhaftet und in das Lager Berg nahe Tønsberg überstellt. Einen Monat später, am 26. November 1942, wurden er und 531 weitere Menschen, die als jüdisch galten mit dem Frachter Donau deportiert. Von dort aus wurde die Verschleppung in Viehwaggons in das Vernichtungslager Auschwitz fortgesetzt. Unmittelbar nach seiner Ankunft in Auschwitz am 1. Dezember 1942 wurde Ludwig Melzer in einer Gaskammer ermordet.Jødisk Museum Oslo: LUDVIG MELZER, abgerufen am 2. Oktober 2021
Im Jahr 1942 wurden auch beide Schwestern vom NS-Regime ermordet, Sophie im lettischen Riga und Antonie in Weißrussland. Auch sein Schwager Friedrich Kraus und sein Neffe Robert Kraus (geboren 1920) wurden im Zuge der Shoah umgebracht. Sein Bruder konnte rechtzeitig mit Frau und Tochter flüchten. Er und seine Frau starben beide in den 1950er Jahren in Rio de Janeiro. Tone Aarrestad schrieb ein Buch über Ludvig Melzers Leben, Historia om Ludwig Melzer og livet hans på Ogna (History of Ludwig Melzer and his life on Ogna), erschienen bei Hå historielag.ISBN 978-82-691658-0-7
Stavanger In Stavanger, Verwaltungszentrum der Provinz Rogaland, wurden 14 Stolpersteine an sieben Adressen verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegort Name, Leben HIER ARBEITETEKARL JACQUESAJZENBERGGEBOREN 1911DEPORTIERT 1942AUSCHWITZ-JAWORZNOÜBERLEBT Seehusens gate 45 , zeitweise auch Karl Jacques Jørstad Sandstøl, wurde am 3. Mai 1911 in Brest Litovsk, Polen, geboren. Seine Eltern waren Joseph Ajzenberg und Simone, geborene Scopp. Die Familie zog 1920, als Staatenlose, nach Paris. Sein Vater baute eine Autowerkstatt auf, in der Ajzenberg ebenfalls arbeitete, bis er aufgrund fehlender Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis Probleme mit den Behörden bekam. Von da an lebte er an verschiedenen Orten und arbeitete in verschiedenen Berufen. So war er zum Beispiel Bauer, Musiker und Kellner. Da er fließend mehrere Sprachen sprach, Spanisch, Deutsch, Französisch, Hebräisch und weitere wie Russisch und Polnisch zumindest ein wenig beherrschte, erhielt er 1934 eine Stelle als Sprachlehrer an der Missionsschule in Stavanger. Einige Monate später, im Jahr 1935, leistete er in Stavanger seinen Militärdienst ab. 1940 wurde er wegen illegalen Aufenthaltes verhaftet und am 16. März 1842 mit einem Flugzeug nach Berlin gebracht. Einige Monate später wurde er von Berlin aus ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Karl Aijzenberg wurde in das SS-Arbeitslager Neu-Dachs überstellt und dort im Januar 1945 befreit. Am 17. Juli 1948 erhielt er die norwegische Staatsbürgerschaft. Er starb als Karl Jacques Stanning 1983 in Oslo.Jødisk Museum Oslo: KARL JACQUES AJZENBERG, abgerufen am 2. Oktober 2021 HIER WOHNTEADA ABIGAELBECKERGEBOREN 1922DEPORTIERT 1943AUSCHWITZERMORDET 3.3.1943 Biskop Njålsgata 30 wurde am 20. Januar 1922 in Stavanger geboren. Ihre Eltern waren der aus Smolensk stammende Hille Elieser Becker (geboren 1885) und Judith Nina, geborene Zemechman (geboren 1888 in Leningrad). Sie hatte zwei Brüder, Israel Josef (geboren 1916 in Oslo) und Herman Hirsch (geboren 1920 in Stavanger). Sie absolvierte die Mittel- und die Handelsschule. Am 26. November 1942 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter verhaftet. Drei Monate später, am 25. Februar 1943, wurde sie, zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwägerin und ihrem Neffen mit dem Frachter Gotenland nach Stettin verschifft und von dort über Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Ada Abigael Becker, ihre Mutter, ihre Schwägerin und ihr Neffe wurden am 3. März 1943, kurz nach der Ankunft des Transportes, in einer Gaskammer ermordet.
Ihr Vater und ihr Bruder Israel wurden bereits am 26. November 1942 deportiert und haben die Shoah ebenfalls nicht überlebt. Ein Stolperstein in Bergen erinnert an das Schicksal dieses Bruders. Herman Hirsch Becker floh 1941 nach Großbritannien, meldete sich dort als Freiwilliger zur norwegischen Luftwaffe und wurde am 21. März 1945 bei Kampfhandlungen getötet.Jødisk Museum Oslo: ADA ABIGAEL BECKER, abgerufen am 2. Oktober 2021 HIER ARBEITETEHERMAN HIRSCHBECKERGEBOREN 1920GEFLÜCHTET 1941LUFTWAFFEGEFALLEN IM KAMPF21.3.1945 Øvre Holmegate 7 wurde am 30. Juli 1920 in Stavanger geboren. Seine Eltern waren der aus Smolensk stammende Hille Elieser Becker (geboren 1885) und Judith Nina, geborene Zemechman (geboren 1888 in Leningrad). Er hatte zwei Geschwister, Israel Josef (geboren 1916 in Oslo) und Ada Abigael (geboren 1922 in Stavanger). Er floh 1941 nach Großbritannien, dort meldete er sich freiwillig für die norwegische Luftwaffe, ab März 1943 war er im aktiven Dienst. Herman Hirsch Becker wurde am 21. März 1945 beim Angriff auf das Gestapo-Hauptquartier in Kopenhagen abgeschossen.