mini|1917 Silent Parade in New York Die Negro Silent Protest Parade oder kurz Silent ParadeThe Negro Silent Protest Parade organized by the NAACP Fifth Ave., New York City July 28, 1917. National Humanities Center, Research Triangle Park, NC 2014. war ein Schweigemarsch von etwa 10.000 African Americans entlang der Fifth Avenue von der 57th Street aus am 28. Juli 1917 in New York City. Die Veranstaltung wurde vom National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), Kirchen und Führern der Gemeinschaften ins Leben gerufen um gegen Gewalt zu protestieren, die Afroamerikaner bedrohte, wie zum Beispiel die kurz zuvor begangenen Lynchmorde an Jesse Washington (Waco) und Ell Persons (Memphis). Der Parade gingen auch die East St. Louis Riots im Mai und Juli 1917 voraus, wo mindestens 40 afroamerikanische Personen von weißen Mobs getötet wurden, nachdem ein Tarifkonflikt durch schwarze Streikbrecher verschärft worden war.Encyclopedia of the Harlem Renaissance: K–Y. Routledge, New York 2004, ISBN 1-57958-389-X, S. 752.The East St. Louis Race Riot Left Dozens Dead, Devastating a Community on the Rise. Smithsonian Institution, Smithsonian.com 30. Juni 2017.
Hintergrund East St. Louis riots
Vor dem Mai 1917 begann eine Wanderungsbewegung von Afroamerikanern, die vor den Bedrohungen gegen Leben und Freiheit in den Südstaaten nach Norden auswichen. Spannungen in East St. Louis, Illinois, zwischen weißen und afroamerikanischen Arbeitern begannen zu brodeln. Viele afroamerikanische Arbeiter hatten Arbeit in der Industrie vor Ort gefunden. Im Frühling 1917 stimmten die überwiegend weißen Arbeiter der Aluminum Ore Company (Aluminiumerzfabrik) für einen Streik und die Firma rekrutierte hunderte schwarze Arbeiter, um sie zu ersetzen. Die Situation eskalierte, nachdem Gerüchte von afroamerikanischen Männern und weißen Frauen die Runde machten, die sich verbrüdert haben sollten.Elliott M. Rudwick: Race Riot at East St. Louis, July 2, 1917. South Illinois University Press, Carbondale 1964.Leonard, „E. St. Louis Riot“, St. Louis Post-Dispatch, 13. Januar 2004. Tausende weißer Männer kamen nach East St. Louis und begannen die African Americans zu attackieren. Gebäude wurden zerstört und Menschen verprügelt. Die Unruhen ebbten zunächst ab, flammten jedoch einige Wochen später erneut und heftiger auf. Nach einem Vorfall, in dem ein Polizist von afroamerikanischen Anwohnern erschossen worden war, marschierten erneut tausende Weiße in die Stadt ein und begannen erneut mit Vandalismus und Gewalt. Die Encyclopedia of the Harlem Renaissance berichtet, wie „Augenzeugen den Mob als Wilde Jagd beschrieben, wie Gewalttäter Schwarze jagten, um sie zu schlagen, zu verletzen, zu erstechen, zu erschießen, zu erhängen und zu verbrennen.“ („Eyewitnesses likened the mob to a manhunt, describing how rioters sought out blacks to beat, mutilate, stab, shoot, hang, and burn.“)
Die Brutalität der Attacken von weißen Mobs und die Weigerung der Behörden, die Unschuldigen zu schützen, führte zu den Gegenmaßnahmen, die einige African Americans in St. Louis und bundesweit begannen.James Winston: Holding Aloft the Banner of Ethiopia: Caribbean Radicalism in Early Twentieth-century America. Verso 1998: S. 94–96. ISBN 978-1-85984-140-2 Marcus Garvey erklärte in einer Ansprache, dass die Unruhen „einer der blutigsten Skandale gegen die Menschheit“ („one of the bloodiest outrages against mankind“) seien und ein „Groß-Massaker unserer Menschen“ („wholesale massacre of our people“). Er bestand darauf, dass „dies keine Zeit für feine Worte ist, sondern eine Zeit die Stimme zu erheben gegen die Wildheit der Menschen, die behaupten Verbreiter der Demokratie zu sein“ („This is no time for fine words, but a time to lift one’s voice against the savagery of a people who claim to be the dispensers of democracy“).Herbert Shapiro: White Violence and Black Response: From Reconstruction to Montgomery. University of Massachusetts Press, Amherst 1988, ISBN 0-87023-578-8, S. 163.. Exzerpte von Robert A. Hill (Hrsg.): The Marcus Garvey and Universal Negro Improvement Association Papers. Volume I, 1826–August 1919. Berkeley and Los Angeles: University of California Press 1983. PBS, American Experience 2009. Nach den Unruhen hatten viele Schwarze das Gefühl, es gäbe nur wenig „Wahrscheinlichkeit, dass die Vereinigten Staaten jemals schwarzen Menschen erlauben würden, die vollen Bürgerrechte, gleiches Recht und Würde zu erlangen“ („possibility of the United States ever permitting black people to enjoy full citizenship, equal rights and dignity“).
Die Schriftsteller und Bürgerrechtsaktivisten, W.E.B DuBois und Martha Gruening besuchten die Stadt nach den Gewalttaten am 2. Juli, um mit Zeugen und Überlebenden zu sprechen. Sie schrieben einen Essay, in dem sie die Gewalttaten in „grausigen Details“ (gruesome detail) für The Crisis beschrieben, eine Publikation der NAACP.Olivia B. Waxman: The Forgotten March That Started the National Civil Rights Movement Took Place 100 Years Ago. Time, time.com 2017.The Massacre of East St. Louis September 1917. In: The Crisis vol. 14, 5: S. 219–238.
Planung der Antwort mini|Negroes' Protest a Silent Parade 1917, Universal Animated Weekly, newsreel. mini|Kinder in der Silent Parade James Weldon Johnson, der Field Secretary der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP),Opening Credits. In: The Crisis. Juni 1917, vol. 14, 2: S. 1.Opening Credits. In: The Crisis. September 1917, vol. 14, 5: S. 1 erarbeitete zusammen mit einer Gruppe einflussreicher Führungspersönlichkeiten der Black Community in der St. Philip’s Church in New York eine Position, wie man gegen die Gewalttaten protestieren könnte.Jessica Milward: Finding Charity’s Folks. Google Books. 2017.Alexis Newman: NAACP Silent Protest Parade, New York City (1917). The Black Past: Remembered and Reclaimed 2017. Die Idee eines stillen Protests war bereits 1916 bei einer NAACP-Konferenz von Oswald Garrison Villard entwickelt worden. Afroamerikanische Frauen in New York hatten auch schon in früheren Silent Parades teilgenommen zusammen mit weißen Frauen, wie zum Beispiel in der Silent Parade im Juni 1917 zur Unterstützung des Roten Kreuz’.Colored Women Take Part in „Silent Parade“ on Fifth Avenue for Red Cross. In: The New York Age. 28. Juni 1917 Newspapers.com. Und Villards Mutter, Fanny Garrison Villard, hatte auch schon 1913 einen Silent March für Suffragetten in New York organisiert.Mark Ellis: Race, War, and Surveillance: African Americans and the United States Government during World War I. Project MUSE, Indiana University Press, Bloomington, Indiana 2001: S. 43. ISBN 978-0-253-10932-3 Die Organisatoren entschieden jedoch, das an diesem Protest nur afroamerikanische Menschen teilnehmen sollten, weil nur sie Opfer der gegenwärtigen Gewalttaten geworden waren.
Zwei prominente Mitglieder des lokalen Klerus wurden aufgefordert als Veranstalter der Parade aufzutreten. Reverend Dr. Hutchens Chews Bishop, der Rector der ältesten Black Episcopal Church in der Stadt und Rev. Dr. Charles Douglas Martin, der Gründer der Vierten Moravian Church, dienten als Präsident und Sekretär für die Parade. Mit „gerechter Empörung“ (righteous indignation) schrieb Martin den Aufruf der einfach nur mit „Warum wir marschieren“ (Why We March) betitelt war. Er erklärte die Gründe für den Protest und wurde im Vorfeld und während der Parade verteilt.
Die Parade wurde in The New York Age angekündigt, wo sie als „stummer, aber ernster Protest gegen die Grausamkeiten und die Diskrimination, welche gegen die Rasse in verschiedenen Teilen des Landes praktiziert werden“ angekündigt wurde.„mute but solemn protest against the atrocities and discrimination practiced against the race in various parts of the country“. The Silent Parade proposed to. In: The New York Age. 19. Juli 1917. via Newspapers.com. Männer, Frauen und Kinder wurden eingeladen sich zu beteiligen. Es wurde erwartet, dass mindestens zehntausend Menschen teilnehmen könnten und, dass African Americans in anderen Städten ihre eigenen Paraden veranstalten würden.The Silent Parade. In: The New York Age. 26. Juli 1917. via Newspapers.com. Die Parade in New York wurde lange im Voraus auch in anderen Städten angekündigt.Negroes to Hold a Silent Parade. In: The Daily Times. 25. Juli 1917. via Newspapers.com.To Have Silent Parade. In: Palladium-Item. 25. Juli 1917. via Newspapers.com.New York Negro to Protest Riots. In: The Oklahoma City Times. 25. Juli 1917. via Newspapers.com.
Protest in New York Am 28. Juli, mitten in einer RekordhitzewelleLester A. Walton: Nearly Ten Thousand Take Part In Big Silent Protest Parade Down Fifth Avenue. In: New York Age. 2. August 1917. via Newspapers.com. in New York City, nahmen zwischen 8.000 und 15.000 African Americans an der Parade teil.Negroes in Protest March in Fifth Av.; 8,000 Men, Women, and Children Demand That Discrimination and Oppression End. Tell Woes on Banners. Parade in Silence While Thousands of Their Race Look On with Never a Cheer. In: The New York Times. 29. Juli 1917.15,000 Negroes in Anti-Riot Parade. In: New York Herald. 29. Juli 1917. via Newspapers.com. Sie marschierten in stummem Protest gegen die Lynchmorde (Lynching of Jesse Washington, Waco, Lynching of Ell Persons, Memphis) und speziell gegen die East St. Louis riots. Die Parade begann an der 57th Street, führte die Fifth Avenue hinunter bis zu deren Ende an der 23rd Street. Die Demonstranten trugen Schilder, auf welchen sie ihre Unzufriedenheit äußerten. Einige Plakate und Banner richteten sich direkt an Präsident Woodrow Wilson. Eine berittene Polizeieskorte führte die Parade. Frauen und Kinder folgten dahinter, alle weiß gekleidet. Ihnen folgten die Männer, alle in schwarz. Menschen aller Rassen bildeten die Zuschauer auf beiden Seiten der Fifth Avenue. The New York Age schätzte, dass „volle fünfzehntausend Negroes, welche eine aktive Rolle hätten übernehmen sollten, zuschauten“ („fully fifteen thousand Negroes, who should have taken an active part, looked on“). Afroamerikanische Pfadfinder verteilten Flyer, in welchen die Gründe für die Parade dargelegt wurden. Während der Parade hielten weiße Menschen an um 'schwarzen Menschen' zuzuhören, welche die Gründe für den Marsch erklärten und andere weiße Passanten drückten ihre Unterstützung und Sympathie aus. Einige der Texte auf Plakaten:
Die Parade war der erste große Protest der ausschließlich von Afroamerikanern in New York durchgeführt wurde.Listening to the Silent Parade of 1917: The Forgotten Civil Rights March. The Bowery Boys: New York City History. boweryboyshistory.com 27. Juli 2017. The New York Times schrieb darüber:
Medienberichte über den Marsch halfen, die Entmenschlichung afroamerikanischer Menschen in den Vereinigten Staaten einzudämmen.Soyica Diggs Colbert: Black Movements: Performance and Cultural Politics. Rutgers University Press, New Brunswick u. a. 2017, ISBN 978-0-8135-8854-4, S. 145–146. via Project MUSE. Die Parade und die Berichterstattung dazu halfen dazu die NAACP als eine „gut-organisierte und wohlerzogene“ Gruppe („well-organized and mannerly group“) bekannt zu machen und half auch ihre Sichtbarkeit sowohl bei weißen als auch afroamerikanischen Menschen zu stärken.Lee Sartain: Invisible Activists: Women of the Louisiana NAACP and the Struggle for Civil Rights, 1915–1945. Louisiana State University Press, Baton Rouge, Louisiana 2007. ISBN 978-0-8071-3576-1 via Project MUSE.