mini|Das Kreishaus in Heinsberg musste bereits Ende Februar 2020 im Zuge der Corona-Krise für die Öffentlichkeit gesperrt werden.

Die COVID-19-Pandemie im Kreis Heinsberg im Westen Nordrhein-Westfalens, angrenzend zu den Niederlanden, trat seit dem 27. Februar 2020 mit vergleichsweise hohen Fallzahlen (Infektionen und Todesfälle) als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie in Erscheinung. Der Kreis Heinsberg galt in Deutschland als „Erstregion“ und „Epizentrum“ der Pandemie.

Vom 6. März bis 30. März 2020 führte das Robert Koch-Institut (RKI) den Kreis Heinsberg als „besonders betroffenes Gebiet in Deutschland“.Besonders betroffene Gebiete in Deutschland sind laut RKI Gebiete, in denen eine fortgesetzte Übertragung von Mensch zu Mensch ("ongoing community transmission") vermutet werden kann. Um dies festzulegen, verwendet das Robert Koch-Institut verschiedene Kriterien (u. a. Erkrankungshäufigkeit, Dynamik der täglich gemeldeten Fallzahlen, Maßnahmen (z. B. Quarantäne ganzer Städte oder Gebiete), exportierte Fälle in andere Länder/Regionen). Die Situation wird jeden Tag neu bewertet, bei Bedarf werden die Risikogebiete angepasst. Auch in internationalen Medien wurde vielfach über die besondere Situation im Kreis Heinsberg berichtet. So wurde der Begriff das „deutsche Wuhan“ zum Synonym für die Corona-Krise in Deutschland geprägt.

Im Kreis Heinsberg wurde, vermutlich infolge einer Karnevalssitzung in der Gemeinde Gangelt im Ortsteil Langbroich, an der ein infiziertes Ehepaar teilnahm, die erste bekannte größere Ausbreitung der COVID-19-Pandemie in Deutschland verursacht.

Hintergrund Die COVID-19-Pandemie nahm im Dezember 2019 in der Volksrepublik China ihren Ausgang und betrifft das Ausbruchsgeschehen der neuartigen Erkrankung COVID-19. Diese wird durch das Virus SARS-CoV-2 aus der Gruppe der Coronaviridae verursacht und gehört zu den Atemwegserkrankungen.Lungenärzte im Netz: . Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 3. April 2020. Ende Januar 2020 traten in Bayern beim Unternehmen Webasto die ersten Fälle in Deutschland auf.Coronavirus Coronavirus: Siebter Infektionsfall in Deutschland bestätigt. In: Zeit online. 31. Januar 2020. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als weltweite Pandemie ein.Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 6. April 2020. mini|Bürgertreff in Langbroich: Hier fand die Karnevalssitzung statt, von der die COVID-19-Pandemie in Heinsberg (und dann Deutschland) ausging.

Verlauf Am 15. Februar 2020 fand die „Kappensitzung“ des Karnevalsvereins „Langbröker Dicke Flaa“ mit rund 300 Teilnehmern in Langbroich-Harzelt in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg statt. Diese Karnevalssitzung gilt als Grund dafür, dass sich das Virus im Kreis Heinsberg stark ausbreitete und Heinsberg vom RKI später zu einem besonders betroffenen Gebiet erklärt wurde. Bis zu der besagten Karnevalssitzung konnten bei den meisten anderen Fällen in Deutschland die Infektionsketten noch geklärt werden. Vom 20. (Altweiberdonnerstag) bis zum 25. Februar (Veilchendienstag) fand im Kreis Heinsberg und andernorts im Rheinland der Straßenkarneval statt. Am 24. und 25. Februar 2020 wurde bei einem Ehepaar aus dem Kreis Heinsberg das Virus festgestellt.Der Ursprung der Infektion konnte (Stand Februar) nicht ermittelt werden Erkrankte beschrieben den Karneval als einen „Brandbeschleuniger“ für das Ausbruchsgeschehen des Coronavirus im Kreis Heinsberg.main-post.de, 5. März 2020: Heinsberg. Coronavirus: "Karneval war wie ein Brandbeschleuniger". Im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gibt es weit über 100 Infizierte. Wir haben mit einer Frau gesprochen, die seit einer Woche in Quarantäne lebt. Abgerufen am 2. April 2020. Der Covid-Ausbruch im Kreis Heinsberg gilt als ein Wendepunkt der Epidemie in Deutschland.zeit.de vom 11. März 2020: Wie das Coronavirus nach Deutschland kam.

Am 9. März 2020 starben die ersten beiden Menschen in Deutschland an COVID-19, darunter ein Achtundsiebzigjähriger mit Vorerkrankungen aus dem Kreis Heinsberg.

Nachdem die Zahl der Neuinfektionen einen niedrigen Wert von unter 5 Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche erreicht hatte, wurden am 16. Mai 2020 erneut zahlreiche Neuinfektionen registriert. Von 400 getesteten Mitarbeitern des Logistikunternehmens DPD Deutschland im Paketdepot Hückelhoven hatten 82 eine Covid-19-Infektion erlitten. 55 der positiv Getesteten leben im Kreis Heinsberg.

Statistik Entwicklung der Epidemie im Kreis Heinsberg Bestätigte Infektionen, Geheilte und Todesfälle Vom Kreis Heinsberg wurden in Mitteilungen des Kreishauses bisher die folgenden SARS-CoV-2-Fallzahlen bestätigt:Kreis Heinsberg: Aktuelles aus dem Kreishaus. Online unter www.kreis-heinsberg.de, abgerufen am 3. Juli 2020.

Bestätigte Infektionen, Geheilte und Todesfälle (jeweils kumuliert) im Kreis Heinsbergnach Pressemitteilungen des KreishausesHier sind Fälle aufgelistet, die vom Kreis Heinsberg erfasst wurden und dem Robert-Koch-Institut (RKI) über den Meldeweg oder offizielle Quellen mitgeteilt werden. Da es sich um eine sehr dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen bzw. zeitlichen Verzögerungen zwischen den vom Kreis Heinsberg bekannt gegebenen Fällen und den Angaben anderer Stellen, etwa dem RKI oder dem betreffenden Bundesland Nordrhein-Westfalen, kommen.

Neue Infektionen Hinweis: Nach dem 14. Juli 2020 wurden vom Kreis Heinsberg keine täglichen Fallzahlen mehr gemeldet; in der Folge zum Teil wöchentlich.

Neue Infektionen (täglich) im Kreis Heinsbergvom 27. Februar bis zum 14. Juli 2020nach Pressemitteilungen des Kreishauses

Bestätigte Todesfälle Vom Kreis Heinsberg wurden in Mitteilungen des Kreishauses bisher die folgenden COVID-19-bedingten Todesfälle bestätigt:

Bestätigte Todesfälle (kumuliert) im Kreis Heinsbergnach Pressemitteilungen des KreishausesAufgeführt sind die Todesfälle, die mit und an SARS-CoV-2 verstorben sind. Mit SARS-CoV-2 verstorben bedeutet, dass die Person aufgrund anderer Ursachen verstorben ist, aber auch ein positiver Befund auf SARS-CoV-2 vorlag. An SARS-CoV-2 verstorben bedeutet, dass die Person aufgrund der gemeldeten Krankheit verstorben ist.

7-Tage Inzidenz

Am 13. August 2020 betrug die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen für den Kreis Heinsberg 4,3.Robert Koch-Institut: Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard. Online unter www.experience.arcgis.com. Abgerufen am 11. Juli 2020.

Fallzahlen in Bezug zur Einwohnerzahl Am 13. August 2020 beträgt im Kreis Heinsberg mit 2.010 bestätigten Infektionen bei 255.555 Einwohnern die kumulierte Inzidenz bislang 786,5 Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Die 87 bis zu diesem Tag gemeldeten Todesfälle entsprechen 34,0 Todesfällen pro 100.000 Einwohnern. Die bis zu diesem Tag bestätigten SARS-CoV-2-Infektionen verteilten sich wie folgt auf die Kommunen und den gesamten Kreis:

+ SARS-CoV-2-Infektionen, Geheilte und Todesfälle je Kommune im Kreis Heinsberg, Stand 13. August 2020 Städte und sonstige Gemeinden Einwohner(EW) BestätigteInfektionen(kumuliert) AktiveInfektionen(derzeit) Infektionenje 100.000 EW(Inzidenz) GeheiltePersonen(wieder genesen) BestätigteTodesfälle(kumuliert) Todesfälleje 100.000 EW Erkelenz (Stadt) 116 7 268,5 102 7 16,2 Gangelt (Gemeinde) 489 5 3888,4 471 13 103,4 Geilenkirchen (Stadt) 235 2 855,5 227 6 21,8 Heinsberg (Stadt) 468 5 1108,1 433 30 71,0 Hückelhoven (Stadt) 227 11 564,0 211 5 12,4 Selfkant (Gemeinde) 138 2 1361,3 131 5 49,3 Übach-Palenberg (Stadt) 89 2 370,2 80 7 29,1 Waldfeucht (Gemeinde) 125 0 1413,7 115 10 113,1 Wassenberg (Stadt) 73 3 391,8 67 3 16,1 Wegberg (Stadt) 50 3 177,5 46 1 3,6 Kreis Heinsberg: (gesamt) 2010 40 786,5 1883 87 34,0

Infektionen nach Altersgruppen und Geschlecht Am 16. August 2020 verteilten sich die SARS-CoV-2-Infektionen im Kreis Heinsberg nach den bis dahin an das RKI gemeldeten Daten wie folgt nach Altersgruppen und Geschlecht:

Infektionen im Kreis Heinsberg nach Altersgruppen und Geschlechtnach Daten des RKI

Reaktionen und Maßnahmen Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg Bereits am 30. Januar 2020 riet das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg zu einigen Maßnahmen für Reiserückkehrer aus dem Ausland, insbesondere China, die dabei helfen sollten, die Verbreitung des neuartigen Virus im Kreis Heinsberg zu vermeiden.Kreis Heinsberg: Coronavirus. 30. Januar 2020. Online unter www.kreis-heinsberg.de. Abgerufen am 2. April 2020.

Quarantänemaßnahmen, Schließungen und Verbote im Kreis Am 27. Februar 2020 wurden 400 Menschen, die am 15. Februar in Kontakt mit am Coronavirus Erkrankten gekommen sein könnten, im Kreis Heinsberg für 14 Tage unter häusliche Quarantäne gestellt. Später am Abend waren schätzungsweise 1000 Menschen im Kreis Heinsberg – die genannten 400 und ihre Familien – in vorsorglicher häuslicher Quarantäne.

Am 28. Februar 2020 entschied der Krisenstab des Kreises die sofortige Schließung aller Schulen, Kindertageseinrichtungen und Tagespflegeeinrichtungen bis einschließlich 6. März 2020. Später wurde dies vom Kreis bis 13. März verlängert und ab dem 16. März landesweit vom Kultusministerium verordnet. Außerdem wurden alle öffentlichen Verwaltungen für den Besucherverkehr gesperrt, ab dem 3. März 2020 war ein eingeschränkter Publikumsverkehr nach telefonischer Absprache zugelassen. Am 29. Februar stieg die Zahl von infizierten Personen im Kreis Heinsberg auf 60 an.

Öffentliche Aufrufe und Hilfen im Kreis Heinsberg Zur Erhöhung der Laborkapazitäten stellte der Kreis Mitte März ein Amtshilfegesuch an die Bundeswehr, das abgelehnt wurde. Ab dem 22. März unterstützte die Bundeswehr, im Rahmen der Amtshilfe, den Kreis mit Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten.

Der Landrat des Kreises, Stephan Pusch, wandte sich am 23. März 2020 in einem offenen Brief an die Regierung der Volksrepublik China. Darin bat er um dringend benötigte Schutzausrüstung für den besonders betroffenen Kreis Heinsberg.Kreis Heinsberg: Coronavirus im Kreis Heinsberg. 1. April 2020. Online unter www.kreis-heinsberg.de. Abgerufen am 2. April 2020. Die verfügbaren Schutzmasken und -kittel reichten nur noch für ein paar Tage, schrieb der Landrat an den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping und bekam bereits am 24. März eine Antwort über die Chinesische Botschaft in Berlin.Chinesische Botschaft in Deutschland: . Online unter www.china-botschaft.de. Abgerufen am 2. April 2020. Das Thema Materialwünsche solle man an den chinesischen Generalkonsul in Deutschland weiterleiten „und die Chinesen würden dann das tun, was sie können, um uns zu helfen“ sagte der Landrat weiter.WELT: Heinsberger Landrat bittet Xi Jinping um Hilfe – und bekommt eine Antwort. 23. März 2020. Online unter www.welt.de. Abgerufen am 2. April 2020. Details über sein Vorgehen berichtete Stephan Pusch am 27. März in einem Deutschlandfunk-Interview.Unkonventionell gegen Corona – Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch, 7.12 Minuten Gespräch mit Moritz Küpper, Deutschlandfunk 27. März 2020 (1/2 Jahr online) Der TÜV Rheinland spendete dem Kreis Heinsberg am 3. April 2020 insgesamt 9000 dringend benötigte Atemschutzmasken.

Pusch sorgte im Januar 2021 mit einer zwölfminütigen Wutrede auf Facebook mit massiver Kritik an der Bundesregierung wegen der Impf-Verzögerungen für Aufsehen.Heinsberger Landrat Pusch wettert gegen Corona-Impfchaos und Schulschließung auf rp-online.de, 29. Januar 2021

Sonstige Maßnahmen der Kreiseinrichtungen und Kommunen