mini|hochkant=1.1|Innenraum, 2025 mini|hochkant=0.6|Seitenaltar der Gottesmutter Maria (Evangelienseite), 1935

Die Kirche St. Verena in Rickenbach im Bezirk Münchwilen im Schweizer Kanton Thurgau ist eine römisch-katholische Kirche, die in ihrer jetzigen Form auf das Jahr 1845 zurückgeht. Sie liegt im Bistum Basel, ist aber seit 2015 dem Bistum St. Gallen zugeordnet. Sie ist der Heiligen Verena als Namenspatronin gewidmet und Teil des Seelsorgebereiches Rickenbach der Katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil im benachbarten Kanton St. Gallen. Seit 2026 ist Marjan Paloka Pfarradministrator und Mitglied der Co-Leitung des Seelsorgeteams.

Geschichte Eine St. Verena-Kirche wurde erstmals im Jahre 838 erwähnt. Dorfbrände in den Jahren 1446, 1638 und 1712 zerstörten die Pfarrkirche; nur der Kirchturm aus dem 9. Jahrhundert hielt dem Feuer stand.

mini|hochkant=0.8|Innenraum mit Orgel, 2025 In der Vergangenheit wurden immer wieder Teile des Kircheninventars entwendet, so dass von der ursprünglichen Ausstattung nur noch ein kleiner Teil existiert. 1655 schenkte der Fürstabt Gallus Alt der Pfarrei einen Taufstein, der als einer der ältesten Einrichtungsgegenstände bis heute erhalten ist. Aufgrund der zunehmenden Bevölkerungszahl Rickenbachs im 18. und 19. Jahrhundert wurde am 6. August 1845 ein Neubau der Kirche geweiht.

1965 bis 1969 wurde eine Renovation durchgeführt: Das Gebäude wurde um ein Joch nach Westen erweitert, erhielt eine neue Westfassade und eine neue Empore in Beton-Bauweise mit seitlichen Treppenaufgängen. Der Innenraum wurde umgestaltet, der Hochaltar, das Retabel an der Chorwand, die Seitenaltäre und die Kanzel wurden entfernt. Ein gotisches Masswerk-Fragment im Westgiebel, als Teil eines ehemaligen Spitzbogenfensters des Vorgängerbaus vor 1845, ging bei den Umbauarbeiten in den 1960er Jahren verloren. Der Taufstein und die Ölmalereien Marias und der Hl. Verena an den Seitenaltären blieben erhalten, ebenso die Stuckaturen der Decke und der Fenster. Die barocke Monstranz, Klosterarbeiten mit Reliquien für den Hochaltar und die Seitenaltäre, das Wetterkreuz mit Reliquien, mehrere Vortragekreuze, alte liturgische Gewänder, Ziborien und Kelche sind Teile des Kirchenschatzes.

Baubeschreibung und Ausstattung Der Kirchturm von St. Verena stammt aus dem Jahre 1644. Das Kirchenschiff wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil neu gebaut. Die eingestanzten Ziffern auf dem alten Tabernakel in der rechten Kirchenwand ergeben die Jahreszahl der geplanten Kirchweihe 1842. Bedingt durch den Einsturz des fehlerhaft berechneten Westgiebels kurz vor dem Abschluss der Bauarbeiten verzögerte sich die Kirchweihe bis 1845. Heute besitzt die Kirche eine moderne Chorwand und aufgemalte Seitenaltäre, die den ersten Altären gleichen. Im Altarraum steht ein schlichter Zelebrationsaltar, ein weisser Sockel mit einer Altarplatte aus grauem Sandstein. Das Kunstwerk mit dem Namen «Durch Kreuz und Tod zur Auferstehung» des St. Galler Malers und Bildhauers Fredi Thalmann an der Chorwand entstand 1993. Im gleichen Jahr wurde der alte Taufstein mit einem modernen Bronzedeckel versehen. Unter der rechten Emporentreppe befindet sich seit 2018 eine Verena-Ikone. An den Seitenwänden des Innenraumes ist ein zeitgenössischer Kreuzweg zu sehen.

Orgeln Kuhn-Orgel (1969) Die heutige Orgel wurde 1969 von Orgelbau Kuhn (Männedorf) mit 21 Registern (Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur) auf zwei Manualen und Pedal gebaut (1'607 Pfeifen); 2012 erfolgte eine Revision mit Dispositionsänderungen durch die Erbauerfirma. Die Disposition: I Hauptwerk C–g3 Principal 8′ Rohrgedackt 8′ Octave 4′ Blockflöte 4′ Superoctave 2′ Sesquialtera II ′ Mixtur V–VI ′C–Fis 5-fach; ab G 6-fach. Trompete 8′ II Schwellwerk C–g3 Holzgedackt 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Waldflöte 2′ Quinte ′ Scharf IV 1′ Vox humana 8′ TremulantAls Tritt. Pedal C–f1 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Pommer 8′ Octave 4′ Hintersatz IV ′ Posaune 8′Ursprünglich Posaune 16′ (1969); 2012 von Kuhn in Posaune 8′ umgebaut.

Koppeln (mechanisch, als Tritte): II/I, I/P, II/P. Zwei mechanische Drehknopfkombinationen. Tritte «Register A», «Register B», «Register ab». Schwelltritt für II. Manual.

Kuhn-Orgel (1907–1969) Das Instrument mit 16 Registern auf zwei Manualen und Pedal (Membranladen mit pneumatischer Spiel- und Registertraktur), das von Carl Theodor Kuhn 1907 erbaut wurde, hatte folgende Disposition:

I. Hauptwerk C–f3 Bourdon 16′ Principal 8′ Flauto dolce 8′ Gambe 8′ Oktave 4′ Mixtur IV ′ Trompete 8′ II. Schwellwerk C–f3 Geigenprincipal 8′ Flûte harmonique 8′ Salicional 8′ Aeoline 8′ Voix céleste 8′ Traversflöte 4′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Violonbass 16′ Oktavbass 8′

Haaser-Orgel (1857–1907) Die Orgel wurde 1857 von Remigius Haaser aus Immenstadt im Allgäu fertiggestellt. Sie hatte sechs Register auf einem Manual und Pedal.

Manual C–f3Principal 8′Bordun 8′Viola 8′Flauto 4′Mixtur III 2′ Pedal C–d1Subbass 16′

mini|alt=Die 5 Bronzeglocken, gegossen durch Emil Eschmann 1965.|hochkant=0.6|Blick in den Glockenstuhl, 2023 Glocken Die fünf Glocken wurden 1965 von der Glockengiesserei Eschmann (Rickenbach) gegossen; im Mai 1965 fand die Glockenweihe statt. Die früheren Glocken von 1638, die an der äusseren Südseite der Kirche auf Podesten stehen, sind das älteste vollständige Glockengeläut im Kanton Thurgau.Fabian Thürlimann, Hans Jürg Gnehm: Die Glockengiesserei Emil Eschmann in Rickenbach bei Wil. In: Campanae Helveticae. Nr. 20, 2016, S. 3–14.Inventarverzeichnis der Kirche von 1999, Abschnitt III: Glocken, S. 1–20.

Geläut seit 1965 Nr. Name Durchmesser Masse ≈ Schlagton(HT-) Stifter Inschriften 1 Mutter Gottes-Glocke 1640 mm 2'500 kg c1 Traktorenwerk Hans Hürlimann, Wil ES JUBELT MEIN GEIST ÜBER MEINEN RETTER (Lukas 1,47) 2 Verena-Glocke 1370 mm 1'450 kg es1 Familie Wiesli-Lenz +DURCH UNSERES GOTTES HERZLICHES ERBARMEN (Lukas 1,78) 3 Gallus-Glocke 1075 mm 750 kg g1 Witwe Priska Haag-Eisenring und Sohn Joseph Haag LICHT ZUR OFFENBARUNG FÜR DIE HEIDEN (Lukas 2,32) 4 Otmar-Glocke 895 mm 450 kg b1 Leo Stehrenberger-Ulrich, Rickenbach OHNE FURCHT UND FREI VON FEINDES HAND (Lukas 1,74) 5 Bruder Klaus-Glocke 785 mm 300 kg c2 Familie Hans Haag-Sennhauser, Rickenbach +UND FRIEDE AUF ERDEN DEN MENSCHEN (Lukas 2,14)

Altes Geläut (1638) Das vorige vierstimmige Glockengeläut von 1638 der Giesser Girarde Lamotte war eine Stiftung von Abt Pius Reher, Fürstabt der Fürstabtei St. Gallen. Nr. Name Durchmesser Masse ≈ Schlagton(HT-) Inschriften Bild 1 Marien-Glocke 1215 mm 1100 kg es1 SANCTE MARIÆ DEIPARÆ VIRGINI SACRVM☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO*ABBATE☆GOT DEM ALLMECHTIGEN ZVO LOB VND DER VIER GLOGEN GOSSEN VORDEN FVR DIE KIRCHEN DER GEMAIND ZVO RICHENBACH ☆F☆R☆WARD DOMAL KIRCHMAIER 150px|zentriert 2 Verena-Glocke 980 mm 550 kg g1 SANCTE VERENÆ VIRGINI SACRVM ☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO ABBATE☆ 150px|zentriert 3 Margareten-Glocke 850 mm 400 kg a1 SANCTE MARGRITÆ VIRGINI SACRVM ☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO ABBATE☆ 150px|zentriert 4 Gallus und Othmars-Glocke 685 mm 200 kg des2 ☆+☆S☆S☆GALLO☆ET☆OTHMARO☆☆SACRVM☆M☆DC☆XXXVIII☆PIO PIO ABBATE☆FRACOY☆RVTY☆NOS☆A☆TOVTTE☆QVATTRE☆FAICT☆FAIRE☆ 150px|zentriert

Literatur Albert Knoepfli: Rickenbach bei Wil – Die katholische Pfarrkirche St. Verena. In: ders.: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. II: Der Bezirk Münchwilen (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Bd. 34). Basel 1955, S. 291–299. Digitalisat Angelus Hux, Alexander Troehler: KlangRäume. Kirchen und Orgeln im Thurgau. Huber, Frauenfeld 2007, S. 374–375.

Weblinks

Kirche St. Verena Website der Katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil. Informationen zur Kuhn-Orgel (1969) in St. Verena, Rickenbach martinwelzel.ch.

Einzelnachweise

Verena Kategorie:Kirchengebäude im Kanton Thurgau Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Thurgau Kategorie:Verenakirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Basel Kategorie:Klassizistische Kirche Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in der Schweiz Kategorie:Saalkirche in der Schweiz Kategorie:Ersterwähnung 838 Kategorie:Erbaut 1845 Rickenbach