Dies ist eine chronologische Liste verbriefter Todesfälle an der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Enthalten sind auch Fälle, die auf der österreichischen Seite eingetreten sind. Der Verstorbenen wird seit 1952 alljährlich mit der Gatterlmesse gedacht.

Chronik 1928–1930 Beim Bau der Bayerischen Zugspitzbahn gab es insgesamt zehn Tote. Neben sechs Unfällen durch Abstürze bzw. Steinschläge starben zwei Arbeiter bei einer Explosion in einem Tunnel. Bei einem Brand, der von der Kantine bei Tunnelfenster IV auf die dort befindlichen Wohnbaracken übergriff, erstickten zudem ein Ingenieur bei dem Versuch, verirrte Arbeiter herauszuführen, sowie ein Hilfsarbeiter, der seine Ersparnisse in Höhe von 600 Mark vor dem Feuer retten wollte.

1931 Anselm Barth senior (I.), seit 1925 Pächter des Münchner Hauses, kam bei einem Sturz im Dezember 1931 ums Leben. Während er laut damaligen DAV-Mitteilungen „über die Wände zum Schneeferner in der Nacht […] infolge plötzlichen Unwohlseins bei der Wetterschau verunglückt“ ist,https://www.alpinwiki.at/portal/navigation/erst-besteiger/erstbesteigerdetail.php?erstbesteiger=15409 wurde später von einem Absturz bei einer schwierigen Rettungsmission berichtethttps://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00064958?page=721https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051099?page=38 und zuletzt durch die Familie von einem Stoß nach einem Streit vor der Hütte gesprochen. Barth, der bereits vor seiner Tätigkeit als Hüttenwirt ein bekannter Bergführer in der Region war, trug den Namen „Zugspitzvater“ und rettete unzählige Menschen aus Bergnot. Ein bis 1945 geführtes Rettungsbuch ging nach der amerikanischen Besatzung des Gipfels verloren. Sein Sohn Anselm Barth junior (II.) führte bis zu seinem Tod 1974 die Tätigkeit als Hüttenwirt und Bergretter fort und wurde als „Schutzengel über dem Höllental“ bekannt, ihm werden insgesamt 356, teils spektakuläre, Rettungsmissionen zugeschrieben. Mit der Professionalisierung der Bergwacht wurden Rettungseinsätze der späteren Hüttenwirte Anselm Barth (III.) und Hansjörg Barth seltener.https://www.alpenverein-muenchen-oberland.de/uploads/images/gzGY0MUnH0aCUXqwuwlmbw/aw_1_07_huetten.pdf

1947 Am 1. Juli stürzte der 80-jährige Johann Michael Kunesch in der Höllentalklamm in den Tod, nachdem er bereits über 60 Mal die Zugspitze bestiegen hatte. Auch weitere Gipfel des Alpenraums, u. a. den Mont Blanc und das Matterhorn, hatte er bereits mehrfach erklommen und verschiedene europäische Länder zu Fuß durchquert.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00039717?page=298https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00064715?page=36

1949 Am 17. April stürzte eine 31-jährige Frau aus Innsbruck 600 Meter tief ab. Die Gruppe wollte ursprünglich durch den Verbindungsstollen zwischen Kammstation der Tiroler Zugspitzbahn und Schneefernerhaus vom österreichischen auf den deutschen Gipfel, wurde aber von der Grenzpolizei daran gehindert. Daraufhin probierte sie es über den Ostgrat, wo sich das Unglück ereignete.

1950 Am 20. Juli stürzte die 31-jährige Kontoristin Margarete Kroll aus Langenberg am Höllentalferner ab, als sie an einer anspruchsvollen Stelle das Halteseil losließ. Die Bergwachten aus Grainau und Garmisch bargen die Tote. Nur wenige Tage zuvor war ein junger Kletterer am Wetterwandeck tödlich verunglückt.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00039720?page=854 Am 25. August stürzte eine Frau im Alter zwischen 30 und 40 Jahren ca. 150 Meter tief ab und blieb in einer Gletscherspalte liegen. Noch kurz zuvor hatten andere Bergsteiger ihr Hilfe angeboten, da sie durch ihr schweres Gepäck sehr erschöpft wirkte.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00039720?page=995 Die 25-jährige Heidelberger Kontoristin Hildegard Langenberger beging am 21. November Selbstmord. Sie sprang über das Geländer am Münchner Haus 80 Meter tief ins Bayernkar. Einen Bergeversuch mussten Zollbeamte abbrechen, da sie im tiefen Schnee nur wenige Meter weit kamen. Zwei Abschiedsbriefe wurden im Briefkasten auf der Zugspitze sichergestellt.

1951 Der belgische Kaufmann Eduard Huegarts war mit seiner Reisegruppe von Ehrwald mit der Seilbahn auf die Zugspitze gefahren. Auf dem Weg zur Wiener-Neustädter-Hütte kam der 41-Jährige ins Stolpern und erlag nach einem Sturz über 20 Meter einem Genick- und Schädelbasisbruch.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00039721?page=1003 Bei einer Wanderung zur Höllentalangerhütte am 23. September stolperte die 60-jährige Hamburgerin Lola Kords 300 Meter vor dem Ziel über einen Stein und fiel einen Hang herab.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00039721?page=1093 Ebenfalls am 23. September wurde die Leiche eines ca. 25-jährigen jungen Mannes unterhalb des Bretts entdeckt. Die Bergwacht barg am Folgetag seine Leiche.

1952 Im Februar forderten Lawinen mehrere Todesopfer auf der österreichischen Seite der Zugspitze. Vier bayerische Grenzpolizisten und ein Vorarlberger Skibergsteiger starben am 20. Dezember bei einer Vermisstensuche am Gatterl durch eine Lawine. Trotz erheblicher Gefahren suchten anschließend bis zu 100 Helfer bei widrigsten Umständen nach den Verschütteten, konnten diese aber nicht mehr lebend befreien.

1954 Ein ca. 18-jähriger Mann war bei schlechtem Wetter am 4. August mit Turnschuhen durch das Höllental aufgestiegen und oberhalb der Irmerscharte vom Weg abgekommen. Touristen hörten seine Hilferufe und stiegen zu ihm ab. Kurz bevor sie ihn erreichten, stürzte der junge Mann ca. 80 Meter tief zum Höllentalferner. Die Touristen eilten zusammen mit Anselm Barth (II.), dem Wirt des Münchner Hauses, hinab. Dieser leistete Erste Hilfe und verbrachte die Nacht bei dem jungen Mann, der jedoch am frühen Morgen vor Eintreffen der Bergwacht verstarb.Passauer Neue Presse Niederbayerische Zeitung, Ausgabe Nr. 123 vom 7. August 1954.

1959 Am Karsamstag, dem 28. März fand die Polizei die Leiche der erst 15-jährigen Brigitte Jäger. Sie stürzte beim Abstieg vom Gipfel ins Höllental ab, nachdem sie zuvor beim Aufbruch zur riskanten Tour auf dem Gipfel Zurückgebliebene noch als „Feiglinge“ bezeichnet hatte. Ihr Begleiter, ein 63-jähriger Metzger, blieb zunächst vermisst.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051074?page=28https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051070?page=289 Am 19. April nahm sich die 40-jährige Regensburgerin Hedwig Prasch mit einem Sprung von der Gipfelterrasse in das Schneekar das Leben. Bergungsversuche erschienen an dieser Stelle aussichtslos und wurden zunächst nicht unternommen.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051071?page=201 Am 24. Mai kam der Schlosser und Skispringer Paul Hirtreiter beim Skifahren ums Leben. Er fuhr einen Steilhang am Schneefernerhaus statt der mit den damaligen untaillierten Skiern üblichen Querfahrt gerade herunter. Nach ca. 50 Metern überschlug er sich und brach sich einen Halswirbel, was zusammen mit einer schon kriegsbedingt vorhandenen Halswirbelverletzung beim Abtransport zum Tod führte.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051072?page=253 Am 29. August wurde am Höllentalferner die Leiche des 65-jährigen Wilhelm Weid aus Arzberg entdeckt, der drei Tage zuvor aus Hammersbach zum Gipfel aufgebrochen war.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051076?page=33

1962 Im Juni 1962 wollten zwei junge Männer aus Schweden von der Riffelspitze auf die Zugspitze aufsteigen, als einer von ihnen, der 22-jährige Bäcker Karl-Heinz Thimsen aus Göteborg, auf einem Schneefeld ausrutschte und ca. 300 Meter tief fiel. Sein Begleiter stieg sofort zur Eibseestation der Zugspitzbahn ab, wo der Fahrdienstleiter Grenzpolizei und Bergwacht alarmierte. Einige Tage später fand man die Leiche auf einem Schneefeld, von wo aus sie mit einem Stahlseilgerät geborgen wurde.https://mdz-nbn-resolving.de/view:bsb00051109?page=272

1965 In der Nacht vom 3. auf den 4. April verunglückte der 22-jährige Heino Lochbiehler aus Holzleiten bei Obsteig. Der junge Elektriker der Tiroler Zugspitzbahn wollte vom Zugspitzkamm zu seiner Dienststelle an der Bergstation aufsteigen, wobei er auf das Zugspitzplatt abstürzte. Am 15. Mai forderte eine Lawine, die über die Sonnenterrassen des Schneefernerhauses und die Liftanlagen am Zugspitzplatt hinwegging, 10 Tote und 21 Verletzte. Die Leiche des seit dem 22. Juli 1965 vermissten Mannheimer Maschinenarbeiters Helmut Jörg wurde erst am 1. Oktober 1966 durch zwei Touristen unterhalb der Wiener-Neustädter-Hütte in einer Felsrinne entdeckt. Zuvor waren mehrere Suchaktionen der Bergwacht ohne Erfolg geblieben. Die Gendarmerie brachte die Leiche am Folgetag ins Tal.Süddeutsche Zeitung vom 3. Oktober 1966, S. 10. Zwei Leichen wurden am 12. Oktober unterhalb des Jubiläumsgrats auf österreichischem Territorium aus einem Hubschrauber der Bundeswehr gesichtet. Ein an Bord genommener Militärarzt bestätigte, dass ein Überleben nahezu ausgeschlossen werden konnte, weshalb kurz vor Einbruch der Dunkelheit aus Sicherheitsgründen keine Rettungsmission mehr begonnen wurde. Die Polizei ging davon aus, dass es sich um zwei in den Vortagen vermisst gemeldete Bergsteiger aus Weilheimmöglicherweise ist der heutige Tübinger Stadtteil Weinheim gemeint und Reutlingen handelte.Passauer Neue Presse Niederbayerische Zeitung 20. 1965,10

1967 Ende Juli rutschte die 36-jährige Frankfurterin Hildegard Flügel bei einer Wanderung vom Schneefernerhaus zum Münchner Haus in einer Schneerinne aus und stürzte 60 Meter tief ab.Süddeutsche Zeitung vom 28. Juli 1967, S. 20 Am 6. Dezember wurde der amerikanische Soldat Michael P. Gooding beim Aufstieg auf die Zugspitze zuletzt von einem Hüttenwirt in der Höllentalklamm gesehen und am Folgetag vermisst gemeldet. Er war in Bad Kreuznach stationiert und verbrachte seinen Urlaub in Garmisch-Partenkirchen. Kräfte aus Bergwacht und US-Armee brachen die Suche erst Anfang Januar ergebnislos ab, als nach kräftigem Schneefall keine Hoffnung auf ein Überleben mehr bestand.Süddeutsche Zeitung vom 8. Januar 1968, S. 12

1968 Nach dem Besuch der Gatterlmesse verstarb am 15. September ein 55-jähriger Mann aus Krün auf dem Rückweg an einem Herzinfarkt. Sofort durch ebenfalls auf dem Rückweg befindliche Polizisten eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen blieben erfolglos.Süddeutsche Zeitung vom 18. September 1968, S. 16 Später stellte sich heraus, dass es noch ein weiteres Todesopfer gab. Ein 84-jähriger ehemaliger Schmiedemeister aus Oberau war auf dem Rückweg zum Hotel Schneefernerhaus zusammen mit einem Kurgast aus Erlangen vom Weg abgekommen. Nach Einbruch der Dunkelheit verloren sich beide aus den Augen. Während der Kurgast im Schnee biwakierte und am Morgen völlig erschöpft das Ziel erreichte, konnte der 84-Jährige durch die Bergwacht zwei Tage später nur noch tot geborgen werden.Süddeutsche Zeitung vom 19. September 1968, S. 18.

1970 Ein Schmiedemeister aus Wasseralfingen verfehlte Mitte August den Einstieg vom Höllentalferner zum oberen Klettersteig und stürzte in die Randkluft, wobei er sich an der Felswand tödliche Kopfverletzungen zuzog. Er hatte zuvor auf dem Grünen Buckel übernachtet und am frühen Morgen den Aufstieg fortgesetzt.Süddeutsche Zeitung vom 17. August 1970, S. 12.

1971 Am Höllentalferner kam der 63-jährige Schlosser Erich Kuhlmann aus Unterpfaffenhofen ums Leben. Er rutschte von den ersten Metallsprossen des Klettersteigs ab, glitt ca. 30 Meter über den Gletscher, fiel in eine ca. 25 Meter tiefe Gletscherspalte und landete dort im Wasser. Seine Frau und ein Bekannter mussten den Sturz mit ansehen. Andere Bergsteiger holten am Gipfel Hilfe, wo sich sofort ein Grenzpolizist und der Sohn des Hüttenwirts (Anselm Barth III.) auf den Weg machten. Sie seilten den Verletzten an, sodass er durch ebenfalls alarmierte Bergwachtkräfte zügig herausgezogen werden konnte. Ein Hubschrauber der Bundeswehr brachte den Mann in ein Krankenhaus, wo er noch am gleichen Tag seinen Verletzungen erlag.Süddeutsche Zeitung vom 30. August 1971, S. 20.

1974