Pandemieprävention ist die Organisation und das Management von vorbeugenden Maßnahmen gegen Pandemien. Darunter fallen Maßnahmen, die Ursachen von Pandemien zu minimieren, und Maßnahmen, die verhindern sollen, dass sich regional beschränkte Ausbrüche oder Epidemien zu Pandemien entwickeln.
Ein anderes Konzept, welches ebenfalls als Pandemieprävention bezeichnet werden kann, bezieht sich auch auf präventive Maßnahmen zur Abschwächung schädlicher Auswirkungen zukünftiger oder andauernder Pandemien.
Geschichte
2003 konnte verhindert werden, dass das der weltweite Ausbruch von SARS-CoV zu einer Pandemie führte. Schnelles Handeln nationaler und internationaler Gesundheitsorganisationen wie der Weltgesundheitsorganisation ermöglichten es, die Verbreitung zu verlangsamen und letztendlich die Übertragungsketten zu brechen. Damit war die Epidemie beendet, bevor sie sich zu einer Pandemie entwickeln konnte, nachdem sich mit laut Berichten 8.000 vergleichsweise wenige damit ansteckten und mit 774 vergleichsweise wenige Menschen daran starben. Effektive Isolation von Patienten war ausreichend, die Verbreitung zu stoppen, da Infizierte das Virus im Normalfall erst einige Tage nach den ersten Symptomen weiterverbreiteten. In einer Studie aus dem Jahr 1988 wurde zu großangelegten Forschungsanstrengungen auf internationaler Ebene zur Verhinderung von Pandemien geraten.
Maßnahmen Infrastruktur und internationale Entwicklung Pandemienprävention erfordert robuste Gesundheitssysteme, die schnell handeln und zusammenarbeiten, um Ansteckungen zu verhindern. Für eine gewisse Zeit nach einem Ausbruch ist eine Pandemie noch zu verhindern, indem die zuständigen Stellen die ersten Infizierten isolieren und/oder den Erreger bekämpfen. Eine gute globale Infrastruktur, konsequenter Informationsaustausch, kurze Wege in der Bürokratie und wirksame, gezielte Behandlungsmethoden lassen sich vorbereiten.Pandemie-Prävention: Im Ernstfall Zeit gewinnen 2012 wurde vorgeschlagen, Pandemienprävention als einen Aspekt der internationalen Entwicklungshilfe zu betrachten. Dazu zählen der Aufbau der Infrastruktur von Gesundheitssystemen und Änderungen der krankheitserregerbezüglichen Dynamik zwischen Mensch und Umwelt inklusive der Tiere. Oft entdecken Gemeindepfleger oder Ärzte in Afrika, Asien oder Lateinamerika ungewöhnliche Häufungen von Symptomen, aber es fehlt ihnen häufig die Möglichkeit zur genaueren Untersuchung. Im Februar 2020 schreiben Wissenschaftler, dass „Forschung, die für Länder mit schwächerer Überwachung, Laborkapazitäten und Gesundheitssysteme priorisiert werden sollte“ und dass „in diesen Regionen Impfstofflieferwege nicht von Kühltechnik abhängig sein sollte und Diagnostik vor Ort verfügbar sein sollte“.
Technologien
Krankheitserreger-Erkennung und -Vorhersage mini|400px|Mithilfe von u. a. maschinellem Lernen könnten neuartige Viren priorisiert werden, um potenzielle zoonotische Übertragungen mit hohem Risiko allein auf Grundlage genomischer Signaturen zu identifizieren.
In einer Studie aus dem Jahr 2012 wird behauptet, dass „mathematische Modellierung, Diagnostik-, Kommunikations- und Informationstechnologien bis dato unbekannte Mikroben und andere Spezies identifizieren und melden können“ und „daher neue Risikoevaluierungsansätze benötigt werden, um die Mikroben, die mit höchster Wahrscheinlichkeit menschliche Krankheiten hervorrufen, zu identifizieren“. Die Studie untersucht Herausforderungen, die globale Strategie zum Umgang mit Pandemien von Reaktion auf Prävention umzuwandeln. Einige Wissenschaftler untersuchten Blutproben von Wildtieren auf neue Viren. In dem internationalen Global Virome Project (GVP) versucht man die Ursachen von tödlichen neuen Krankheiten vor dem Übergang in den Menschen zu identifizieren. Dafür werden Viren, die in Wildtieren gefunden werden, genetisch charakterisiert. Edward Rubin notes that after sufficient data has been gathered artificial intelligence could be used to identify common features and develop countermeasures and vaccines against whole categories of viruses. Es könnte möglich sein, virale Evolution mit maschinellem Lernen vorauszusagen. Finanzielle Mittel für das PREDICT-Forschungsprogramm der USA, in dem man versuchte, Tierpathogene, welche Menschen infizieren könnten, zu identifizieren und Pandemien zu verhindern, wurden 2019 gestrichen. Im Jahr 2021 berichteten Pathogenforscher die Entwicklung von Modellen maschinellen Lernens für genomikbasierte Früherkennung und Priorisierung potenzieller zoonotischer Hochrisikoviren in Tieren. Damit könnten vor einem potenziellen Spillover auf den Menschen (u. a.) Maßnahmen der „Früherkennung und Ausbruchsvorbereitung“ eingesetzt werden. Laut der Studie wäre die Software in der Lage gewesen, SARS-CoV-2 als Hochrisikostamm ohne vorherige Kenntnis zoonotischer SARS-verwandter Coronaviren vorherzusagen. Die finanziellen Mittel für Programme der CDC der USA, in denen Arbeiter geschult wurden, Ausbrüche zu erkennen und die labortechnischen und Notfallsreaktionssysteme in Ländern, in denen die Krankheitsrisiken am höchsten sind, zu verbessern, um Ausbrüche an der Quellen einzudämmen, wurden 2018 um 80 % gekürzt.
CRISPR-basierte Immun-Subsysteme
Im März 2020 präsentierten Wissenschaftler der Stanford University ein CRISPR-basiertes System, welches in vitro Viren finden und zerstören kann. Ihre Tests des „PAC-MAN“-Systems (Prophylactic Antiviral Crispr in huMAN cells) konnten sie allerdings nicht am SARS-CoV-2 durchführen. Zudem benutzten sie ein Zielsystem, das nur eine sehr begrenzte RNA-Region benutzt, und haben kein Liefersystem für die Auslieferung in menschliche Zellen entwickelt. Außerdem würde es lange dauern, bis eine verbesserte Version des Systems oder ein Nachfolger die Tests inklusive der klinischen Studien durchlaufen hat. In der Studie, welche als Preprint veröffentlicht wurde, schreiben sie, dass das System sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch genutzt werden könnte. Das CRISPR-13d-basierte System sei „completely agnostic“ gegenüber dem Virus, welches es bekämpfen soll: neuartige Coronavirus-Stämme oder andere Viren würden nur eine kleine Änderung erfordern, die sich technisch schnell umsetzen ließe. In einem Editorial, das im Februar 2020 veröffentlicht wurde, behauptet eine andere Gruppe von Wissenschaftlern, dass sie einen flexiblen und effizienten Ansatz für das Gentargeting von RNA mit CRISPR-Cas13d-Technologie umgesetzt habe, ihr System bereits reviewed wird und auch auf SARS-CoV-2 ausgerichtet werden könne. Es gab bereits vor 2020 einige erfolgreiche Versuche Viren in menschlichen Zellen mit CRISPR-basierten Technologien zu bekämpfen.
Frühzeitige Tests und Eindämmung mini|alt=CDC 2019-nCoV Laboratory Test Kit.jpg|Ein SARS-CoV-2-Labortest-Kit der CDC
Frühzeitiger Gebrauch und Entwicklung von Schnelltests für neue Viren könnten in Kombination mit anderen Maßnahmen ermöglichen, Transaktionsketten von Ausbrüchen zu verhindern, bevor sie sich zu Pandemien entwickeln. Bei Tests ist eine hohe Entdeckungsquote wichtig. Aus diesem Grund wurden 2009 etwa keine Wärmescanner mit niedriger Entdeckungsquote zur Eindämmung der Schweinegrippe-Pandemie eingesetzt.Experten gegen Wärmescanner auf Flughäfen In dem deutschen Forschungsprogramm InfectControl 2020, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, wurde versucht Strategien zur Prävention, frühzeitigen Erkennung und Kontrolle von Infektionskrankheiten zu entwickeln. In dem Projekt „HyFly“ des Programms erarbeiten Partner aus Industrie und Forschung Strategien, um Infektionsketten im Flugverkehr einzudämmen, präventiv effektive Gegenmaßnahmen zu etablieren und konkrete Handlungsempfehlungen für Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften zu erstellen. Ein Ansatz des Projekts ist es, bereits bei der Passagierkontrolle am Flughafen Infektionen schnell und ohne Einsatz molekularbiologischer Methoden nachzuweisen. Hierfür entwickeln Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie ein nichtinvasives Verfahren, das auf Ionenmobilitätsspektrometrie (IMS) basiert.Pandemie-Prävention am Flughafen
Frühzeitige, gezielte nichtpharmazeutische Interventionen der öffentlichen Gesundheit Die WHO bezeichnet als nichtpharmazeutische Interventionen der öffentlichen Gesundheit alle Maßnahmen und Handlungen außer dem Impfstoff- und Medikamenteneinsatz, die zur Verringerung der Ausbreitung eingesetzt werden können. Hierzu zählt sie Maßnahmen des persönlichen Schutzes (Händehygiene, Niesetikette, Atemmasken), umgebungsbezogene Maßnahmen (Oberflächenreinigung, weitere Maßnahmen wie Lüftung oder Klimatisierung), Maßnahmen des Social Distancing (Kontaktnachverfolgung, die Isolierung Kranker, die Quarantäne für Kontaktpersonen, Einschränkungen und Schließungen in Bezug auf den Arbeitsplatz, Maßnahmen und Schließungen in Bezug auf den Arbeitsplatz, Vermeidung von Menschenansammlungen), Maßnahmen zu Reisen (Reisewarnungen, Überprüfungen bei Grenzkontrollen, Reisebeschränkungen innerhalb des Landes, Grenzschließungen). ISBN 978-92-4-151683-9. S. 13–18.
Frühzeitige, gezielte Kontaktverringerung und -nachverfolgung und Selbstisolierung
mini|Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung während der COVID-19-Pandemie in einem Theater in Kavala / Griechenland
Wesentlich für die Eindämmung einer hochinfektiösen Epidemie ist die Unterbindung von Infektionsketten. Vor allem solange keine Impfmittel zur Verfügung stehen, ist es entscheidend, dass Infizierte sich isolieren und dass sich auch Kontaktpersonen der Infizierten isolieren.
Angesprochen auf Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19-Infektionen wie räumliche Distanzierung und das Tragen von Atemschutzmasken betonte David Nabarro, Sonderbeauftragter der WHO für die COVID-19-Pandemie, im April 2020 die besondere Bedeutung der häuslichen Quarantäne infizierter Menschen und ihrer Kontaktpersonen:
Dies ist, so Nabarro, vor allem eine Frage einer gesellschaftlichen Gewohnheit: auch milde Symptome ernst zu nehmen und dementsprechend Abstand zu halten.
Überwachung und Kartierung
Die Überwachung von Personen, die Tieren in Virenhotspots ausgesetzt sind, könnte Viren in dem Moment, in dem sie in den Menschen übergehen, identifizieren. Dies könnte Pandemien verhindern. Es könnten dazu auch Virenüberwachungsstationen benutzt werden. Der wichtigste Übertragungsweg variiert üblicherweise je nach der darunterliegenden Ursache – bei Landnutzungsänderung etwa direkter Kontakt mit einem Tier. Landnutzungsänderung ist der häufigste Grund für neuartige Zoonosen nach der Anzahl der Auftretungsereignisse nach Jones et al. (2008). 75 Prozent der bis 2001 untersuchten 1415 Spezies ansteckender Organismen, die für den Menschen pathogenisch sind, sind Zoonosen. Genomik könnte genutzt werden, um die Virenevolution und -übertragung genau und in Echtzeit durch eine große und biodiverse Bevölkerung zu verfolgen. Es könnten dazu Pathogengenom mit Daten zu Wirtsgenetik und der spezifischen Signatur der transkriptionalen Reaktion des Immunsystems auf die Infektion kombiniert werden. Das „Surveillance, Outbreak Response Management and Analysis System“ (SORMAS) des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF), die mit nigerianischen Forschern zusammenarbeiten, erfasst und analysiert Daten bei einem Ausbruch, erkennt potenzielle Bedrohungen und ermöglicht es, Schutzmaßnahmen frühzeitig einzuleiten. Es ist speziell für ärmere Regionen gedacht und wurde bereits zur Bekämpfung eines Affenpocken-Ausbruchs in Nigeria eingesetzt.Pandemie-Prävention in Nigeriahttps://sormasorg.helmholtz-hzi.de/
Regulierung und Wirtschaft