Der VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau wurde 1969 gegründet und war ein Kombinat in der Deutschen Demokratischen Republik. In den Tätigkeitsbereich des Kombinats fielen wesentlich die Planung und Projektierung von Großkraftwerken sowie die Herstellung von Kraftwerkskomponenten und Teilanlagen.
Das Kombinat unterstand dem Ministerium für Kohle und Energie. Weitere zentralgeleitete Kombinate des Energiesektors können in der Liste von Kombinaten der DDR eingesehen werden.
Ein Vorgänger des Kombinats war der VEB Atomkraftwerk, eine Anfang der 1950er Jahre geschaffene Institution zur Entwicklung, Planung und zum Bau von Atomkraftwerken.
Geschichte bis 1968 Bereits Anfang der 1950er Jahre befasste sich die DDR mit der Entwicklung von Atomkraftwerken. Dies resultierte aus der Erkenntnis des steigenden Energiebedarfs bei gleichzeitigem Mangel an eigenen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas und dem Bedürfnis, von Lieferungen aus dem Ausland unabhängig zu werden.
Als 1955 die Kernforschung für die DDR von der Sowjetunion freigegeben wurde, entstanden schnell mehrere Einrichtungen, die dieses Gebiet vorantreiben sollten: Das Amt für Kernforschung und Kerntechnik (AKK) unter der Leitung von Karl Rambusch, eine Verwaltungsbehörde für die kerntechnische Forschung, die Industrie und den Strahlenschutz. Der „Wissenschaftliche Rat für die friedliche Anwendung der Atomenergie“ unter der Leitung von Gustav Hertz Das Zentralinstitut für Kernphysik (ZfK) in Rossendorf bei Dresden unter Leitung von Robert Rompe und Heinz Barwich, seinem späteren Leiter; Tarnname „Schule Arnsdorf“
In diese Zeit fällt die Gründung des VEB Atomkraftwerk (VEB AKW), welches einen Betriebsteil in Berlin und dort ein Rechenzentrum hatte. Es unterstand dem Amt für Kernforschung und Kerntechnik (AKK). 1963 gab es einen Betriebsteil Berlin Pankow des VEB Atomkraftwerk.
In den Jahren 1964 bis 1966 führte der VEB Atomkraftwerk einen heftigen Streit mit dem Zentralinstitut für Kernphysik in Rossendorf um die weitere Orientierung der Nutzung der Kernkraft in der DDR. Dabei wollte der VEB AKW die Entwicklung des Druckwasserreaktors (DWR) weiter verfolgen. Das ZfK hielt die Entwicklung des DWR für abgeschlossen und konzentrierte sich auf den Schnellen Brüter.
Aufgaben Die Aufgaben des VEB Atomkraftwerk waren Konzeption eines Kernenergieprogramms Standortfindung für Kernkraftwerke Entwicklung von Bautechnologien Weiterentwicklung der Elektrotechnik Vorbereitung des Imports sowjetischer Kernkraftwerksanlagen Bau von Gebäuden Entwicklung, Montage und Inbetriebnahme von Hilfsanlagen des 1. Kreislaufs Ausrüstungen für den 2. Kreislaufs Wasseraufbereitung und -versorgung Übertragungsleitungen, Straßen- und Verkehrswege Gesamtkoordination für die Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Erprobung von Ausrüstungen zur Herstellung von Brennstoffelementen; ab 1969, schon unter dem Namen VEB Kraftwerksanlagenbau. Koordination des Ausbaus des Kernkraftwerks Greifswald, Blöcke 5 und 6; ab 1976, schon unter dem Namen VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau.
Geschichte ab 1969 Ab Ende der 1960er Jahre ging der VEB Atomkraftwerk in den VEB Kraftwerksanlagenbau und ab April 1969 in den VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau Berlin über. Im April 1969 wurden die Betriebe VEB Kraftwerksbau Radebeul, VEB Kernkraftwerksbau Berlin, VEB Energieprojektierung Berlin und VEB Wissenschaftlich-Technische Zentrum (WTZ) Kraftwerksanlagenbau Pirna zum „VEB Kombinat Kraftwerksanlagenbau“ zusammengeschlossen. Als im Mai 1978 die Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) aufgelöst und Kombinate gebildet wurden, erhielt es ab Juli 1978 den Namen Kombinat Kraftwerksanlagenbau. Von 1969 bis 1983 war Karl Rambusch Bereichsdirektor im Kombinat Kraftwerksanlagenbau in Berlin.
Im Zuge der Wende und der anschließenden Wiedervereinigung wurde das Kombinat 1990 aufgelöst und seine Betriebe wurden privatisiert. Unter anderem wurde die Kraftwerks- und Anlagenbau AG gegründet, die den Anlagenbau-Sektor des Kombinats übernahm. Im Jahr 1992 wurde die KAB AG durch die Treuhandanstalt an das US-amerikanische Unternehmen Kaneb-Furmanite, ein Anlagenbauer im Energiesektor und Pipeline-Betreiber, veräußert. Anfang 1994 wurde dieser Verkauf jedoch rückabgewickelt und KAB musste erneut privatisiert werden.
Zugehörige Kombinatsbetriebe Zum Kombinat Kraftwerksanlagenbau gehörten 1990 die folgenden Betriebe: Liste der privatisierten Unternehmen der Treuhandanstalt Liste der Treuhandunternehmen in: Zusammenstellung der beim Versorgungsträger für die Zusatzversorgungssysteme zu den ehemaligen Betrieben und Einrichtungen der DDR vorhandenen Unterlagen bei Deutsche Rentenversicherung (in archive.org)
Der Kombinatsbetrieb VEB Dampfkesselbau Dresden-Übigau wurde kurz vor Ende der DDR aufgrund seiner Produktion von Dampfkesseln für Schiffe dem Kombinat Schiffbau angegliedert.
Literatur Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Peter Liewers: Reaktorphysikalische Forschungen in der DDR, Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 89, 2007, 39–54 online, pdf Olaf Strauß: Die Kernforschung und Kerntechnologieentwicklung in der DDR 1945 – 1965 Rahmenbedingungen, Politik der Staatspartei und Umsetzung, Dissertation, 2011 online, pdf
Einzelnachweise Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 7, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 12, 13, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 22–24, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 26, 27, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 30, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 32, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 37, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Johannes Abele: Kernkraft in der DDR, S. 62–64, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der Technischen Universität Dresden, Bericht und Studien Nr. 26, 2000, ISBN 3-931648-29-X online, pdf Peter Liewers: Reaktorphysikalische Forschungen in der DDR, S. 10, Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 89, 2007, 39–54 online, pdf Olaf Strauß: Die Kernforschung und Kerntechnologieentwicklung in der DDR 1945 – 1965 Rahmenbedingungen, Politik der Staatspartei und Umsetzung, S. 200, Dissertation, 2011 online, pdf Olaf Strauß: Die Kernforschung und Kerntechnologieentwicklung in der DDR 1945 – 1965 Rahmenbedingungen, Politik der Staatspartei und Umsetzung, S. 563, Dissertation, 2011 online, pdf
VEB Atomkraftwerk, Betriebsteil Berlin-Pankow.-Jahresbericht 1963 bei deutsche-digitale-bibliothek.de. Abgerufen am 28. März 2020. KRAFTWERKSANLAGENBAU bei prenzlberger-ansichten.de/. Abgerufen am 28. März 2020. Ost-Kraftwerker wollen weitermachen bei taz.de/. Abgerufen am 15. Juni 2024. IG Metall warnt vor Verkauf der KAB-Anlagenbau bei berliner-zeitung.de/. Abgerufen am 15. Juni 2024.
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