Die Amtshilfe der Bundeswehr aus Anlass der COVID-19-Pandemie wurde von Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer, am 19. März 2020 angekündigt.Der Spiegel: Kramp-Karrenbauer rechnet mit langem Bundeswehreinsatz, abgerufen am 28. März 2020 Dabei handelt es sich um sanitätsdienstliche Hilfeleistungen, Hilfeleistungen für die Bevölkerung und die Unterstützung anderer Bundesbehörden bei der Materialbeschaffung.RND: Einsatz gegen Corona: Bundeswehr setzt 15.000 Soldaten ein, abgerufen am 28. März 2020Bundeswehr: Corona-Pandemie: Bundeswehr beschafft medizinisches Material im großen Stil, abgerufen am 28. März 2020Bundeswehr: Was leistet die Bundeswehr im Zusammenhang mit dem Virus?, abgerufen am 28. März 2020 Die Maßnahmen erfolgen im Rahmen der Amtshilfe nach Abs. 1 Grundgesetz.Bundeswehr: Amtshilfe: Die Bundeswehr informiert, abgerufen am 28. März 2020
Zum 31. März 2022 wurde die Amtshilfe in den Regelbetrieb der Bundeswehr zurückgeführt.Meldung der Streitkräftebasis, abgerufen am 24. April 2022
Beantragung Die Bundeswehr hat ein Netz von Ansprechstellen eingerichtet, über das zivile Behörden Amtshilfe beantragen können. Die genehmigten Anträge werden regelmäßig veröffentlicht.Bundeswehr: Informationen zur Amtshilfe bezüglich Corona, abgerufen am 29. März 2020
Das Bundesministerium für Gesundheit hatte beispielsweise das Verteidigungsministerium Anfang März um Amtshilfe bei der Bewältigung der Corona-Pandemie gebeten.bmvg.de Bis Anfang April gingen außerdem knapp 300 Anfragen vonseiten deutscher Gemeinden ein, von denen rund die Hälfte abgelehnt oder zurückgezogen worden sind. Zunächst abgelehnt wurde ein Antrag des Landesverwaltungsamts Thüringen, eine Flüchtlingsunterkunft in Suhl zu bewachen.TAZ: Keine Lorbeeren zu holen, abgerufen am 29. März 2020
Im April 2020 forderten mehrere Behörden aus Baden-Württemberg eine dreistellige Zahl von Soldaten „als Wachpersonal für Sicherheitsaufgaben“ an. Diese Anträge riefen Kritik der Opposition, insbesondere der Partei Die Linke hervor. Von insgesamt 16 Anträgen aus Baden-Württemberg, dem Saarland, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Bayern, die hoheitliche Aufgaben betrafen, wurden sechs seitens der Bundeswehr abgelehnt, zehn wurden zurückgezogen.Baden-Württemberg forderte Hilfe. Soldaten sollten "als Wachpersonal" dienen., abgerufen am 8. Mai 2020
Im Januar 2021 hat die Bundesregierung erklärt, dass sie auf die Erstattung der Kosten für die Amtshilfe durch die Bundeswehr verzichtet.Bericht bei augengeradeaus abgerufen am 27. Januar 2021
Sanitätsdienstliche Hilfeleistungen Die sanitätsdienstlichen Hilfeleistungen wurden im Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung in Weißenfels koordiniert.Bundeswehr: Corona: Lagezentrum in Weißenfels koordiniert Unterstützung, abgerufen am 28. März 2020 Die Anzahl der eingesetzten Sanitätssoldaten betrug im April 2020 etwa 17.000 Personen.N-tv: Bundeswehr-Hilfe bei Corona-Exit. AKK bietet "Hände" und "Köpfe" an, abgerufen am 12. April 2020
Unter anderem hat sich das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr an der Testung von Verdachtsfällen beteiligt.
Die Luftwaffe nutzte MedEvac-Flugzeuge (Airbus A310 und Airbus A400M), um italienische und französische Intensivpatienten zur Versorgung in deutsche Krankenhäuser zu transportieren. Zu den aufnehmenden Krankenhäusern gehörten auch die Bundeswehrkrankenhäuser Ulm und Westerstede.Welt: Luftwaffe bringt Corona-Patienten aus Italien nach Deutschland, abgerufen am 28. März 2020Südwest Presse: Luftwaffe holt zwei Corona-Patienten aus Frankreich nach Ulm, abgerufen am 29. März 2020NDR: Corona: Patienten aus Italien in Hamburg gelandet, abgerufen am 29. März 2020
Nach einer Hilfeanfrage des britischen Verteidigungsministeriums an die NATO-Länder hat die Bundeswehr 60 mobile Beatmungsgeräte nach Großbritannien geliefert.Volksstimme.de: Beatmungsgeräte von Weißenfels nach England, abgerufen am 25. April 2020
Am 3. Februar 2021 wurde auf Anfrage Portugals ein Team des Sanitätsdiensts nach Lissabon entsandt, um in einem Krankenhaus bei der Bewältigung der Coronakrise zu helfen. Das Kontingent führte unter anderem 40 mobile und 10 stationäre Beatmungsgeräte einschließlich erforderlichem Verbrauchsmaterial, 150 Infusionsgeräte und 150 Krankenbetten mit.Pressemitteilung des BMVg, abgerufen am 3. Februar 2021.Bezugsangabe
Hilfeleistungen für die Bevölkerung Für die Koordination der nicht-medizinischen Hilfeleistungen ist der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin Schelleis, in seiner Funktion als Nationaler Territorialer Befehlshaber verantwortlich.
Aufgaben und Kräfte Ab Anfang April wurde das Einsatzkontingent Corona in Stärke von etwa 15.000 Personen aufgestellt, um folgende Aufgaben zu übernehmen:Süddeutsche Zeitung: Bundeswehr bereitet Hilfseinsatz mit 15 000 Soldaten vor, abgerufen am 2. April 2020 Absicherung/Schutz (5500 Soldaten) Unterstützung der Bevölkerung (6000) Ordnungs-/Verkehrsdienst (600 Feldjäger) Desinfektionsaufgaben (18 Dekontaminationsgruppen mit etwa 250 Soldaten der ABC-Abwehrtruppe) Lagerung, Transport, Umschlag (2500 Logistiksoldaten mit 500 Lastwagen)
Im November 2020 wurde dieses Kontingent auf 16.000 Soldaten vergrößert.Mike Szymanski; 5600 Soldaten helfen den Ämtern. In: *Süddeutsche Zeitung vom 6. November 2020, S. 9
Organisation Zu seiner Unterstützung wurden vier regionale Führungsstäbe aufgestellt, die jeweils für mehrere Bundesländer zuständig waren.
Region Sitz Bundesländer Leiter+ Regionale Führungsstäbe Nord 1 Marinekommando, Rostock Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern Flottillenadmiral Ulrich Reineke09.04.: Leiter des Führungsstabs trifft Landeskommandeure, abgerufen am 24. April 2020 West 2 Stab 1. Panzerdivision, Oldenburg Nordrhein-Westfalen, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt Brigadegeneral Dieter Meyerhoff4500 Soldaten gegen Corona, abgerufen am 25. April 2020 Ost 3 Kommando Luftwaffe, Gatow Berlin, Brandenburg Brigadegeneral Bernd StöckmannBeelitz-Heilstätten: Besuch von Brigadegeneral Stöckmann beim Corona-Krisenstab, abgerufen am 24. April 2020 Süd 4 Stab 10. Panzerdivision, Veitshöchheim Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland Brigadegeneral Michael Podzus
Beschaffung Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr unterstützte andere Bundesbehörden bei der Beschaffung von medizinischem Material und hat für das Bundesministerium für Gesundheit unter anderem 300.000 Schutzbrillen und Schutzmasken und weitere Materialien im Wert von 241 Millionen Euro geordert.
Mit Flugzeugen unter Bundeswehr-Charter nach dem SALIS-Vertrag wurden 25 Millionen Schutzmasken aus China eingeflogen.Bundeswehr fliegt 25 Millionen Schutzmasken aus China nach Deutschland, abgerufen am 25. April 2020
ABC-Abwehreinheiten der Bundeswehr wurden eingesetzt, um Desinfektionsmittel zu produzieren.Amtshilfe der Bundeswehr. Soldaten produzieren Desinfektionsmittel., abgerufen am 25. April 2020
Chronik Ende Januar 2020 holte die Luftwaffe mit Transportflugzeugen vom Typ Airbus A310 124 Personen mit Verdacht auf eine Infizierung mit SARS-CoV-2 aus Wuhan zurück.Deutscher Bundeswehrverband: Pressebericht, abgerufen am 30. März 2020.Die Rheinpfalz: Die größte Gefahr ist der Lagerkoller, abgerufen am 30. März 2020. Diese wurden anschließend in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim in eine 14-tägige Quarantäne genommen.
Am 18. März versorgten Bundeswehrsoldaten Lkw-Fahrer, nachdem es sich an der polnischen Grenze auf der A4 ein etwa 60 Kilometer langer Stau gebildet hatte. Am folgenden Tag rief die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer die Reservisten der Bundeswehr auf, sich zum Dienst, insbesondere im Sanitätsdienst, zu melden.Bundeswehr: Reserve hilft in der Corona-Krise, abgerufen am 28. März 2020
Reservisten halfen in etwa der Hälfte der Bundesländer aus, Personen an Teststationen – sogenannten „Fieberzentren“ – auf das Virus zu testen und die Tests anschließend in ein Labor zur Auswertung zu bringen.
Anfang April wurde ein spezielles Einsatzkontingent aus 15.000 Soldaten aufgestellt, um die zivilen Kräfte insbesondere im Sanitätsbereich und in der Logistik zu unterstützen., Saarländischer Rundfunk vom 2. April 2020; Zugriff am 4. April 2020. Abgerufen am 7. April 2024.15.000 Soldaten gegen die Pandemie, FAZ vom 2. April 2020; Zugriff am 4. April 2020
Nachdem anfangs vor allem Schutzausstattung und Unterstützung mit Sanitätspersonal nachgefragt war, hatte sich der Schwerpunkt der Amtshilfe Ende April auf andere Aufgaben verlagert. Dazu gehörten die Produktion von Desinfektionsmitteln, die Hilfe in Pflegeheimen und Unterstützung bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. So unterstützten beispielsweise Soldaten der Marinetechnikschule das Gesundheitsamt Stralsund ab Mitte Mai 2020 bei dieser Aufgabe., abgerufen am 12. Mai 2020 Außerdem wurden international Patienten transportiert.
Außerdem wurden die Musikkorps der Bundeswehr zur Unterhaltung vor Altenheimen eingesetzt., abgerufen am 9. Mai 2020
Im Juni wurden Kräfte der Bundeswehr zur Bewältigung des Infektionsgeschehens im Bereich der Firma Tönnies in Gütersloh und Umgebung eingesetzt (→ COVID-19-Pandemie in Nordrhein-Westfalen). 65 Soldaten halfen vor Ort bei der Dokumentation und der Nachverfolgung von Kontaktpersonen.
Ab Mitte August 2020 wurden Soldaten an Flughäfen eingesetzt, um bei der Testung von Reiserückkehrern zu helfen, darunter 48 Soldaten am Flughafen Berlin-TegelBundeswehr-Homepage, abgerufen am 4. Oktober 2020
Ab September 2020 wurden zunächst etwa 60 Soldaten (Stand 1. Oktober 2020) in elf der zwölf Berliner Bezirke zur Kontaktverfolgung eingesetzt, eine Zahl, die auf etwa 180 aufwachsen soll. Lediglich der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg lehnte diese Unterstützung ab, was eine politische Kontroverse auslöste.AKK kritisiert "ideologische" Corona-Politik von Berlin-Kreuzberg in: Die Zeit abgerufen am 4. Oktober 2020
Während der so genannten zweiten Welle wurde die Anzahl der eingesetzten Soldaten kontinuierlich gesteigert. Die Gesamtzahl wurde für den 13. Oktober mit 1400 angegebenRND.de, abgerufen am 1. November 2020 und stieg bis zum 1. November auf 4000 an, was nach Angaben der Verteidigungsministerin gegenüber der Vorwoche eine Verdopplung darstellte.onvista, abgerufen am 1. November 2020 3200 von ihnen sind zur Kontaktverfolgung in fast der Hälfte der etwa 400 deutschen Gesundheitsämter eingesetzt.Spiegel online, abgerufen am 1. November 2020 Am 4. November war die Zahl der eingesetzten Soldaten auf 5300 angestiegen.Meldung von n-tv, abgerufen am 4. November 2020
Im weiteren Jahresverlauf wurde das Kontingent auf 20.000 Soldatinnen und Soldaten vergrößert. Zum Jahresende waren davon über 11.000 im Einsatz. Hinzu kamen etwa 100 Sanitätssoldaten im Krankenhaus Görlitz. Es waren 26 Impfzentren vorbereitet, und eine ähnliche Zahl mobiler Impfteams stand bereit.Interview mit Ministerin Kramp-Karrenbauer, abgerufen am 31. Dezember 2020
Anfang Februar 2021 gab das Verteidigungsministerium die Anzahl der Soldaten im Coronaeinsatz mit 17.600 an. Am 3. März wurde die verfügbare Kontingentstärke auf 25.000 angehoben.FAZ vom 3. März 2021, abgerufen am 3. März 2021
Nachdem die Anzahl der eingesetzten Soldaten im Sommer 2021 erheblich reduziert worden war, wurde im November 2021 beschlossen, sie wieder in zwei Schritten zunächst auf 5000 und bis Weihnachten 2021 auf über 12.000 anzuheben, um die zivilen Behörden bei der Bewältigung der 4. Welle zu unterstützen.Bundeswehr will 12.000 Soldaten wegen Corona-Notlage mobilisieren. Abgerufen am 13. November 2021